Still here...
Aug 4–5, 2024 in Canada ⋅ ☁️ 20 °C
Wir wachen mittlerweile den dritten Tag an diesem himmlischen Ort auf. Heute soll es nicht ganz so warm und verregnet werden. Das ist fein für uns. Nach unserem Marschtag gestern steht uns heute der Sinn sowieso nach Seele baumeln lassen. So lange genießen, wie es geht, ist die aktuelle Devise, und ich bin dankbar dafür, dass das ganz gut klappt und die Wehmut noch nicht allzu groß ist. Das kommt wahrscheinlich, wenn wir wieder in den Alltag starten, und dann ist es ja noch früh genug. Wir wollen uns ja nun nicht die letzten Tage mit trüben Gedanken verdunkeln.
Ich starte mit Bella auf eine Gassi-Runde und es fängt zwischendurch an zu nieseln. Aber bei den Temperaturen ist das eigentlich ganz erfrischend. Bella schleppt sich ein wenig durch die Gegend. Sie merkt wohl auch, dass sie gestern mehr über Stock und Stein gehoppelt ist als sonst. Wir halten die Morgenrunde also recht kurz und starten, wieder zurück an Freddie, wie immer mit Käffchen und Tee in den Tag.
Als wir diesen Traumplatz ein zweites Mal angefahren haben, wussten wir ja noch nicht genau, wie lange wir hierbleiben wollen würden. Was wir jetzt wissen. Unser Bauchgefühl treibt uns auch heute nicht dazu an, uns wieder auf den Weg zu machen. Ich könnte auch gut damit leben, noch bis kurz vor unserer Fährfahrt nach Nova Scotia hier zu bleiben. Ich fühle mich so richtig angekommen und Christian geht es da, glaube ich, nicht anders. Kaum zu glauben und auch aktuell nicht zu verarbeiten, dass wir in 9 Tagen im Flieger heimwärts sitzen werden. Ich hatte Sorge, dass ich die letzten Wochen und Tage nicht genießen könnte, weil ich dann schon der Zeit nachhängen würde, die ich gern noch mehr gehabt hätte. Aber zu meiner eigenen Verwunderung gelingt es mir gerade richtig gut, einfach im Jetzt zu sein und das zu genießen. Klar ist der Gedanke an Alltag, frühes Aufstehen, endlose To-do-Listen, Arbeit und Trott immer mal wieder zwischendurch präsent, aber gleichzeitig auch vollkommen surreal. Außerdem, was bringt es mir, jetzt bereits alle möglichen Eventualitäten durchzugehen, wie sehr mich das alles theoretisch stressen könnte. Nada – also werde ich einfach sehen, wie es wird, wenn wir wieder da sind.
Stattdessen habe ich mir vorgenommen, mich mehr darauf zu konzentrieren, worauf ich mich freue, wenn wir wieder da sind. Jeden Tag der verbleibenden nehme ich mir mindestens einen Moment, um darüber nachzudenken. Bisher sind das folgende Dinge, die mir schon zwischendurch in den Sinn gekommen sind: Familie in der Nähe zu haben, meine Siebträgermaschine, weniger Scheiße essen, wieder etwas fitter werden (etwas, das im Alltag, glaube ich, wirklich leichter und regelmäßiger unterzubringen ist, als auf Reisen im Van), selbstgemachte Pizza aus dem Pizzaofen, Lagerfeuerabende mit den Liebsten, Mozzarella, Champignons (😂), ein Weinchen vom Lieblingswinzer, unsere Couch, deutsches Brot, vegetarische Ersatzprodukte, duschen ohne Flip-Flops… Ich bin mal gespannt, was mir in den nächsten Wochen noch so einfällt.
Es regnet vormittags immer mal wieder, aber ab dem frühen Nachmittag können wir wieder gut bei offenen Türen hier sitzen. Zwischenzeitlich düsen unten auf dem Meer Jetskis entlang und auch ein paar Fischerboote schippern herum. Wale sind aktuell viel weniger unterwegs als beim letzten Mal. Aber dennoch, ich kriege nicht genug von dem Plätzchen. Christian versinkt heute in Computerkram, Hobby-Programmieren und Recherchen über verschiedenste Dinge, und ich widme mich mal wieder dem Lesen, aus Freddie hopsen, in die Ferne starren und Ausblicke genießen. Tatsächlich vergeht so der Großteil des Tages und ich liebe es. Zwischendurch gibt es ein paar Cracker und Salzbrezeln, Apfel und Birne, weil ich zu faul bin, etwas Größeres zum Frühstück vorzubereiten. Bella bekommt eine große Knabberstange und genießt ihr Leben, während sie diese in unserem Vorgarten zerlegt, das Meer beobachtet und zwischendurch Nickerchen macht.
Gegen Abend kommt ein bisschen mehr Leben in die Bude. Christian macht sich mit Bella auf zu einer Abendrunde und ich bereite zum Abendessen Reis mit Gemüse in Erdnusssoße vor. Als die beiden zurück sind, genießen wir draußen das Essen und ein Gläschen Wein. Wieder in Freddie spült Christian und wir schauen parallel eine Folge Dexter – New Blood. Danach ziehen wir uns aufs Bett zurück und schauen noch eine weitere Folge. Später hopsen wir bei schönstem Sternenhimmel nochmal vor Freddie und gehen auf Sternschnuppenjagd. Die Möwen kreischen immer noch vor sich hin, die Gischt kracht unter uns gegen die Klippen und wir verlieren uns im Bestaunen der Milchstraße. Mittlerweile kommen wir das vierte Mal in den Genuss, diese mit bloßem Auge zu sehen, und ich fühle mich ganz gesegnet, genau in diesem Moment mit meinen beiden Herzenswesen, unserem Heim aus Blech an genau diesem Ort sein zu dürfen. Lasst uns alle mal ein bisschen öfter dankbar für so besondere Momente sein. Auch wenn wir in den letzten Monaten überproportional häufig solche besonderen Momente hatten, ist das mal einfach überhaupt nicht selbstverständlich. Auch wenn ich über die letzten vier Jahre hierauf angespart habe, wir beide ordentlich gerackert haben und uns das auch verdient haben, ist es so, so, sooo besonders.
Dankbar und gleichzeitig mit dem Gedanken, dass wir uns eventuell so langsam mal darum kümmern könnten, etwas vor Mitternacht ins Bett zu gehen, damit uns der Jetlag in 9 Tagen nicht allzu sehr aus den Latschen haut, schlummere ich ein.Read more














Traveler
tolle Aufnahme !
Traveler
Noch besser.
Traveler
Das perfekte Bild . Sehr gut gelungen !!!!