Auf WIEDERsehen, Neufundland!
Aug 10–11, 2024 in Canada ⋅ ☀️ 24 °C
Heute Nacht hat es ordentlich geregnet, und als wir aufwachen, merke ich, dass ich scheinbar das Fenster nicht – wie gedacht oder dann scheinbar geträumt – im Halbschlaf geschlossen habe, als ich das Plätschern gehört habe. Der obere Teil der Decke ist ein wenig nass, aber immerhin nicht komplett durchgeweicht.
So bin ich aber immerhin recht schnell wach. Ich bin froh, dass wir uns gestern einfach für eine Nacht in diesem Provincial Park eingemietet haben. Wir haben bis zur Fähre nur eine knappe Viertelstunde Autofahrt vor uns, was den Morgen herrlich entzerrt. Auch wenn der Tag unter dem Stern „Abschied von Neufundland“ und „Reise“ steht. Unser Schiff legt um 11:45 Uhr ab, zum Einchecken soll man mindestens drei Stunden vorher da sein, unser innerer Alman lässt uns natürlich ein wenig Zeitpuffer einplanen. Nach dem Aufstehen ziehen wir uns flugs an, nutzen kurz die Toiletten, machen alle Spanngurte fest und hopsen ins Fahrerhaus, um zügig losfahren zu können. So kommen wir um kurz nach acht bereits am Hafen an. Aktuell verlockt Freddie nicht so sehr zum gemütlichen Einkuscheln, da Bellas Box so viel Platz einnimmt, dass man sich eigentlich nur auf dem Bett frei bewegen kann 😂.
Als wir auf der uns zugewiesenen Spur geparkt haben, schnappe ich mir Bella und watschel mit Regenjacke los zu einem kleinen Morgenwalk. Ich bin immer wieder so dankbar für unsere tiefenentspannte Fellnase, die ohne zu blinzeln heute Nacht ganz selbstverständlich in ihrer Flugzeugbox geschlafen hat, ohne Probleme superlange Fährfahrten verpennt, stundenlange Autofahrten sogar zu genießen scheint und auch sonst allen möglichen Quatsch mit einer ganz besonderen Begeisterung mitmacht. Nachdem wir einige Winkel und auch den Hundebereich des Hafens ganz genau erkundet haben, gehen wir wieder zurück zu unserem Blechheim, wo bereits frisch gekochter Kaffee von Mister Toll auf uns wartet.
Die Zeit bis zur Abfahrt vertreiben wir uns mit Computerkram und Lesen und rollen gegen elf Uhr auf die Fähre. Wir gehen zügig auf Deck 8, das uns letztes Mal bereits von einem Mitarbeiter als einer der ruhigeren Bereiche angepriesen wurde. Witzigerweise ist genau die gleiche Sitzreihe frei, die wir auch auf der Hinreise (wenn auch auf einem anderen Schiff) genutzt haben. Ein Zweier sofort am Fenster mit ordentlich Beinfreiheit. Perfekt! Wir richten uns das Plätzchen gemütlich ein, und ein Blick nach draußen macht uns den Abschied immerhin nicht allzu schwer. Es steht eine ordentlich dichte Nebelsuppe in der Luft, zwischenzeitlich nieselt es immer wieder, und für die Überfahrt ist ordentlich Wind angesagt. Verrückt, dass diese Fährfahrt zwischen Port aux Basques und North Sydney mit guten sechs Stunden sogar wahrscheinlich ein bisschen länger dauern wird als unser Rückflug am Dienstag von Halifax nach Frankfurt.
Wir schippern los und nehmen Abschied von diesem wunderschönen Fleckchen Erde, das nach British Columbia unser Herz ebenfalls im Sturm erobert hat. Wir haben insgesamt drei Wochen auf Neufundland verbracht und sind so bezaubert von der Schönheit der rauen Natur, dem unglaublich breiten Angebot atemberaubender Stellplätze, der Tierwelt und den Menschen. Ich bin mir sicher, dass wir noch nicht mit Neufundland und Neufundland noch nicht mit uns fertig sind/ist. Wir schippern zu Beginn noch etwas an der Küste entlang, und langsam lichtet sich der Nebel, während die Schwaden an den grünen Klippen entlangwabern. Was für ein schöner Abschiedsanblick.
Zum Frühstück besorgt Christian uns Paninis, die wir an unseren Plätzen vor uns hin mümmeln. Christian hat angefangen, die Beverly Hills Cop-Reihe zu schauen und verkriecht sich zwischendurch unter seine Jacke, damit das Licht nicht so sehr blendet. Ich widme mich meinem Ken-Follett-Buch und so zieht die Zeit an uns vorbei. Um uns herum ist es neben lautstarkem Schnarchen und starkem Husten (😕) recht ruhig. Gegen zwei wanken wir ins Restaurant (da merkt man erst, wenn man läuft, wie sehr das Schiff unter uns schwankt) und genehmigen uns hier ein Mittagessen: Fish and Chips für Christian und Lachs im Kräutermantel mit Süßkartoffelpommes für mich. Die restlichen Stunden der Überfahrt verlaufen ähnlich wie die ersten; ich wechsle zwischendurch von Buch auf Kopfhörer und Musikbeschallung und blende so die tiefgründigen Gespräche zweier mittelalter Damen aus (beide Königinnen im Schnarchen und Husten), die in aller Gründlichkeit darüber philosophieren, welche der Kleinkinder, die weiter hinten Geräusche machen, noch nie in ihrem Leben ein „Nein“ gehört haben können und was all die Eltern denn viel besser machen könnten. Schade, dass es solche Menschen überall zu geben scheint. Wobei sie ja scheinbar alles wissen und somit besser als jeder andere zum Aufbau einer besseren, wenn nicht gar perfekten, Welt beitragen könnten („Ironie off!“).
Ziemlich pünktlich landen wir in Nova Scotia und rollen um kurz nach sechs wieder an Land. Wir haben noch knapp 400 Kilometer und demnach noch fünf Stündchen bis Halifax zu fahren. Hier werden wir ab morgen ein Hotelzimmer haben, am Montag Freddie zum Hafen bringen und ab Dienstag heimwärts fliegen. Das alles fühlt sich trotz bewusstem Auseinandersetzen einfach so surreal an. Nicht mehr in Freddie schlafen? Freddie zusammenpacken und schiffsfein machen? Sachen für zu Hause zusammenpacken? Zurück in den Alltag der letzten Jahre? All das fühlt sich so weit weg an.
Wir überlegen, dass wir durchaus noch eine gute Strecke fahren können, und so morgen nicht mehr so viel vor der Brust haben, wenn wir Freddie dann noch zusammenpacken müssen und Christian nochmal in die Waschstraße düst. Wir landen also nach ein paar Stündchen kurz nach Sonnenuntergang auf einem Walmart-Parkplatz in Antigonish. Auch ein wenig witzig, dass wir die erste und die letzte Nacht in Freddie auf einem Walmart-Parkplatz verbracht haben.
Christian geht noch ein Ründchen mit Bella und ich verwerte alles bis auf eine Birne und zwei Esslöffel Joghurt in einem schnellen Shakshuka. Danach geht’s recht flugs ins Bettchen, und der Gedanke, dass das das letzte Mal Kochen in Freddie, das letzte Mal Schlafen in Freddie und allgemein ganz schön viele letzte Male im Sabbatical sind, hat einen bittersüßen Beigeschmack.Read more






Traveler
Ja, da hatte ja eure Traumzeit dann ja wirklich ein Ende😭😒
Traveler
Wow ein bisschen Farbe hast Du ja noch:-)