• Early Birds zum neuen Jahr

    1 stycznia, Argentyna ⋅ 🌙 4 °C

    Es ist 3:30Uhr und der Wecker reist uns aus dem Tiefschlaf 😴
    Gerade haben wir noch auf das neue Jahr angestoßen, daher fühlt sich der Wecker umso grausamer an! Warum tun wir uns das an?!

    Der Grund liegt in unserem heutigen Ziel: den Fitz Roy als Feuerberg bei Sonnenaufgang erhaschen.
    Ausgerechnet heute am 01.01.2026 sind nochmal eine sternklare Nacht und ein wolkenloser Himmel vorhergesagt, bevor es sich ab dem Nachmittag zuziehen soll.
    Also stehen wir in aller Frühe auf werfen uns 10 Lagen Kleidung über - es ist bitter kalt - und wir wandern los.

    Auf dem Weg vor und hinter uns sehen wir vereinzelt den Schein weiterer weniger Stirnlampen. Wir sind wohl nicht die einzigen, die auf diese Idee kommen, eine handvoll weitere Verrückte steigt ebenfalls den Berg herauf.

    Der Anstieg ist steil und anstrengend und die Dunkelheit weicht ebenso schnell wie unsere obersten Lagen. Bald schon brauchen wir keine Stirnlampen mehr und nähern uns unserm ersten Etappenziel, der Laguna Capri. Hier harren bereits eine Hand voll Gleichgesinnte in der eisigen Kälte aus, teilweise im Schlafsack - schnell ziehen wir wieder unsere 10 Lagen an und wünschen uns noch weitere 10.
    Hier treffen wir auch Alessandro aus Milan und Martin aus Singapur, die bereits auf den Sonnenaufgang warten. Wir verstehen uns bestens mit den beiden und frieren gemeinsam, bis auf einmal die Bergspitze des Fitz Roy rot zu leuchten beginnt.

    Wir können unser Glück kaum fassen: der Fitz Roy ist eigentlich bekannt dafür, fast immer in Wolken verhangen zu sein. Heute aber ist nicht nur der Berg komplett wolkenfrei, auch die Sonne geht wolkenlos auf und strahlt in atemberaubendem rot auf den Berg aus Granitstein. Zudem herrscht gerade jetzt extrem seltene Windstille, sodass sich der Berg auch noch in der Laguna spiegelt - unbeschreiblich.

    Langsam nimmt die rote Sonne immer mehr des Berges in ihren Schein, bis schließlich der gesamte Berg rot leuchtet.
    Wir erinnern uns an die Dolomiten und besonders das Strahlen des Rosengartens in der Abendsonne, ein ähnliches - wenn auch schon anderes Spektakel.

    Als der gesamte Berg erleuchtet ist, ändert sich die Farbe in ein strahlendes gelb - was ein Anblick, dieser Berg! 🌄

    Wir würden noch ewig hier bleiben, wäre da nicht diese Kälte und hätten wir nicht noch etwas vor: den Anstieg zur Laguna de los Tres. Also packen wir unsere Sachen und marschieren los. Da Alessandro und Michael mehr oder weniger das gleiche Ziel haben, gehen wir gemeinsam los.

    Kaum haben wir die Laguna verlassen, schiebt sich eine Wolke vor die Sonne und das Leuchten des Berges endet so abrupt, als hätte jemand den Lichtschalter ausgestellt. Wieder müssen wir uns kneifen, welches Glück wir hatten.
    Alessandro war bereits einmal hier, damals aber im Regen und mit verhangenem Fitz Roy. Er führt uns ein wenig abseits des Weges zu einem wunderschönen Wasserfall, der vor dem beeindruckenden Panorama des Fitz Roy ins Tal stürzt.

    Wir setzen unseren Weg fort, zunächst durch eine ebene Fläche, durch einen Wald, eine Gras- und Seenlandschaft. Nach und nach kommen uns Scharen von übermüdeten und durchgefrohrenen Menschen entgegen, die alle den Sonnenaufgang von der Laguna verfolgt haben müssen. Wir sind ganz froh, dass wir nicht auch in diesem Trubel gewesen sind, wenn auch das Spektakel ebenso beeindruckend gewesen sein muss.
    Schließlich erreichen wir den Fluss, der von der Laguna Sucia herausfließt. Wir überqueren die Brücke und müssen uns kurz darauf von Alessandro verabschieden. Er war bereits bei der Laguna de los Tres und würde dieses mal gerne die Laguna Sucia sehen, daher folgt er dem Fluss, während wir drei den Aufstieg zur Laguna de los Tres angehen.

    Der Aufstieg ist sehr steil und beschwerlich. Die mittlerweile hoch stehende Sonne brennt und wir trennen uns mal wieder von einigen Lagen Kleidung. Schritt für Schritt kämpfen wir uns den Berg hoch, enttäuscht, dass nach dem ersten noch ein zweiter Hügel folgt - Martin der aus dem Flachen Singapur kommt, hat besonders zu kämpfen bis wir endlich am Ziel stehen. Das Bild was sich uns zeigt ist unbeschreiblich: ein einsamer, wolkenloser Berg hinter einem glitzernden Gletschersee. Wir packen unser mitgebrachtes Frühstück - leckere Lamm Empanadas - aus und genießen die beeindruckende Aussicht bei einem kleinen Pläuschen mit einem netten Ehepaar aus Alabama, die sich die Reise nach Patagonien zum 20. Ehejahr geschenkt haben. Hier stellen wir auch lustigerweise fest, dass der Fitz Roy Modell der Marke Patagonia ist.

    Nur schwer können wir uns von diesem wundervollen Berg losreißen, doch langsam kriecht die Kälte auf dem windigen Kamm des Sees durch unsere 10 Lagen und der lange Abstieg ruft. Wir nehmen also Abschied von Martin, der noch etwas am See bleiben möchte und starten unseren Weg zurück nach El Chaltén.
    Der Weg geht steil bergab und leider macht auch Céline‘s linkes Knie ab der Hälfte des Weges etwas schlapp. Sie kneift aber die Zähne zusammen und so kommen wir nach etwa 9h Wanderung sehr erschöpft aber auch überglücklich gegen 13:00Uhr zurück im Hostel an.

    Erschöpft setzen wir uns in die Sonne auf die Terrasse unseres Hostels und snacken noch ein bisschen Studentenfutter. Bald schon überkommt uns die Müdigkeit und wir nicken beide - nun auf dem Zimmer - für mindestens 1 Stunde ein.

    David wacht als erster wieder auf und bekommt richtig Lust auf eine Mate. Da wir uns nicht auskennen, fragen wir kurz im Hostel nach, ob sie ein Lokal kennen, in dem wir eine Mate trinken gehen könnten. Unser Hostelier ist sofort begeistert und bietet uns an, privat eine für uns zuzubereiten. Wir nehmen dankend an und setzen uns überglücklich wieder vors Hostel in die Sonne und schlürfen unser Getränk.

    Wie angekündigt ziehen sich langsam Wolken vor die Sonne und schnell wird es uns draußen etwas kalt. Wir ziehen also um in die gute Stube des Hostels. Unser Hostelier erkundigt sich schnell nach unsere Mate und David und er sind schnell in ein langes Gespräch über die lokale Kultur, Gegebenheiten und Entwicklungen verwickelt… wer David kennt… naja ihr wisst schon 😉.

    Die beiden verstehen sich prächtig und am Ende des Gesprächs bekommen wir sogar einen mit der Aufschrift des Hostels gravierten Mate Becher aus Pumpkin (Kürbis) - mit den Worten „nur für besondere Gäste“ - geschenkt.
    Wir sind über glücklich und sehr dankbar! Damit hatten wir nicht gerechnet.

    Am Abend gehen wir auf Empfehlung des Hostels nochmal traditionell Lamm essen. Das ausgewählte Lokal „Parrilla“ (= BBQ) nimmt keine Reservierungen entgegen, also warten wir im gemütlichen Vorraum bei einem Glas Malbec darauf, dass ein Tisch frei wird. Das Warten hat sich auch mehr als gelohnt - das Lamm aber auch das Pumpkinpüree mit Parmesan schmecken köstlich.

    So kann das Jahr 2026 gerne weitergehen! 💕
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