• Zu Besuch bei Produzent*innen von Allpa in Lima

    July 9 in Peru ⋅ ☁️ 22 °C

    Unser heutiger Reisetag führt uns nach Los Olivos, dem größten Bezirk Limas. Hier besuchen wir Produzent*innen der Organisation Allpa, einer langjährigen Partnerorganisation der EZA Fairer Handel, Contigo und damit auch der österreichischen Weltläden. Der Tag zeigt eindrucksvoll, wie eng handwerkliches Können, faire Handelsbeziehungen und langfristige Zusammenarbeit miteinander verbunden sind.

    Silberschmuck aus Meisterhand

    Unser erster Besuch gilt der Werkstatt von Luis Romero, der diese leitet und seit rund 20 Jahren Silberschmuck für Allpa fertigt. Gemeinsam mit seinem sechsköpfigen Team entstehen hier nahezu alle Schmuckstücke in sorgfältiger Handarbeit – jeder Mitarbeitende fertigt ein Stück vollständig selbst an.

    Luis erklärt uns den gesamten Herstellungsprozess und erzählt von den Herausforderungen seines Berufs. Aufgrund des stark gestiegenen Goldpreises arbeitet die Werkstatt derzeit fast ausschließlich mit Sterlingsilber als Basis für die Schmuckstücke. Die Designs entstehen teilweise bei Allpa, teilweise bringen die Handwerker*innen selbst ihre Ideen ein. Produziert wird anschließend nach den gemeinsam entwickelten Entwürfen. Besonders wichtig sind Luis faire Arbeitsbedingungen, geregelte Arbeitszeiten und die vollständige Nachvollziehbarkeit aller eingekauften Materialien. Allpa überprüft regelmäßig die Einhaltung der vereinbarten Arbeitsstandards. Rund 40 Prozent seiner Produktion vermarktet Luis über Allpa.

    Textilien mit Geschichte

    In der Werkstatt von Juan Vargas erfahren wir, wie aus einer kleinen 4×4-Meter-Werkstatt ein erfolgreicher Produktionsbetrieb wurde. Juan stammt ursprünglich aus Arequipa und kam bereits als Kind nach Lima. Mit Unterstützung eines Kredits von Allpa konnte er seinen Betrieb Schritt für Schritt aufbauen. Heute produziert er sowohl für Allpa als auch für weitere Kund*innen.

    Die Kleidungsstücke entstehen in Arbeitsteilung – fünf bis sechs Personen arbeiten an jedem einzelnen Stück. Verarbeitet werden vor allem Alpakawolle sowie Mischgarne mit peruanischer Pima-Baumwolle. Allpa setzt dabei konsequent auf zertifizierte Materialien und langfristige Partnerschaften.

    Yadira, Koordinatorin der Produktionsbetriebe von Allpa, berichtet uns von den Auswirkungen der vergangenen Krisen auf das Handwerk und macht deutlich, wie wichtig langfristige Zusammenarbeit für die Produzent*innen ist.

    Besonders berührt uns die Geschichte von Epiphania. Nachdem sie zunächst keine Arbeit fand, machte sie ihr Stricktalent zum Beruf. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet sie inzwischen mit Allpa zusammen und näht heute die einzelnen Strickteile zusammen.

    Mehr als eine Handelsorganisation

    Nach einem gemeinsamen Mittagessen mit traditionellen peruanischen Gerichten besuchen wir die Zentrale von Allpa. Hier entstehen Muster, Prototypen und Produktentwicklungen für internationale Kund*innen. Erst wenn ein Muster überzeugt, beginnt die Produktion in den Werkstätten.

    Gründerin Nelly zeigt uns, wie sich Allpa in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Verbesserte Wasch- und Bügelverfahren, moderne Webrahmen und die enge Zusammenarbeit mit Universitäten haben sowohl die Qualität als auch die Umweltverträglichkeit der Produktion deutlich verbessert. Gleichzeitig sorgt der zentrale Einkauf zertifizierter Rohstoffe dafür, dass Produkte über Jahre hinweg in gleichbleibender Qualität hergestellt werden können.

    Allpa ist heute nicht nur Vermittlerin zwischen Produzent*innen und Kund*innen. Die Organisation begleitet die gesamte Wertschöpfungskette – von der Produktentwicklung über Qualitätsstandards bis hin zur Vermarktung – und schafft so langfristige und faire Einkommensmöglichkeiten für ihre Partnerbetriebe.

    Der Tag macht deutlich: Fairer Handel bedeutet weit mehr als der Verkauf hochwertiger Produkte. Im Mittelpunkt stehen Menschen, ihre handwerklichen Fähigkeiten und verlässliche Partnerschaften, die Perspektiven für die Zukunft schaffen.
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