Auf den Spuren von beanie.at - Ayacucho
July 10 in Peru ⋅ ☀️ 22 °C
Schon die Reise nach Ayacucho im Hochland Perus macht deutlich, dass dieser Tag etwas Besonderes werden wird. Hier besuchen wir die langjährige Partnerorganisation von Susanne Frühmann, der Gründerin von Beanie.at, und damit auch der österreichischen Weltläden. Schon beim Betreten des Hauses wird spürbar: Hier entstehen nicht nur Mützen, Schals, Handschuhe und Pullover. Dieses Projekt verbindet hochwertiges Handwerk mit sozialem Engagement und schafft Perspektiven für Frauen und ihre Familien.
Vor elf Jahren begann die Zusammenarbeit zwischen Susanne und Diamanta. Was als Geschäftsbeziehung startete, ist längst zu einer vertrauensvollen Partnerschaft geworden. Heute arbeiten rund 300 Frauen für die Organisation – im Ausbildungszentrum in Ayacucho und in den umliegenden Gemeinden.
Managerin Marta erzählt, dass die Organisation von Anfang an weit mehr sein wollte als eine Produktionsstätte. Erfahrene Stricker*innen geben ihr Wissen als „Strickmütter“ an jüngere Frauen weiter. Während der Pandemie bewährte sich dieses Netzwerk besonders: Die Frauen arbeiteten in ihren Dörfern weiter, Wolle wurde verteilt, fertige Produkte abgeholt und direkt vor Ort kontrolliert. Dieses System besteht bis heute und erleichtert vielen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Bei unserem Rundgang verfolgen wir den Weg eines beanie.at-Produkts von der Alpakawolle bis zur fertigen Haube. Jede Materialausgabe wird dokumentiert, die Qualitätskontrolle erfolgt direkt in den Strickgruppen. Transparenz und sorgfältige Handarbeit prägen den gesamten Produktionsprozess.
Beeindruckend ist vor allem, wie umfassend die Organisation ihre Mitarbeiter*innen unterstützt. Kostenlose Kinderbetreuung ermöglicht vielen Frauen überhaupt erst eine Erwerbstätigkeit. Ergänzt wird sie durch Weiterbildungen, Gesundheitsangebote sowie psychologische Begleitung und Beratung für Familien in schwierigen Lebenssituationen.
Besonders bewegt uns die Begegnung mit Mauricia. Als sie zu Diamanta kam, war sie sehr schüchtern und traute sich kaum etwas zu. Heute holt sie ihren Schulabschluss nach und motiviert andere Frauen, ihren eigenen Weg zu gehen. Ihr größter Wunsch für die Zukunft ist ebenso schlicht wie eindrucksvoll: „Bitte bringt uns weiterhin Arbeit.“
Auch wir berichten von den österreichischen Weltläden und freuen uns, erzählen zu können, dass sich deren Umsatz in den vergangenen Jahren verdoppelt hat. Die Freude darüber ist groß – denn jeder zusätzliche Verkauf bedeutet auch mehr Arbeit und Einkommen für die Frauen in Ayacucho.
Zum Abschied erhalten wir kleine Schlüsselanhänger aus Wollresten – eine liebevolle Erinnerung an einen Ort, an dem mit Menschen ebenso sorgsam umgegangen wird wie mit Materialien.
Auf dem Rückweg wird uns bewusst, wie viel Zeit, Planung und Vertrauen in jedem einzelnen beanie.at-Produkt stecken. Fast ein Jahr vergeht vom Einkauf der Alpakawolle bis eine Mütze oder ein Schal schließlich in einem österreichischen Weltladen liegt. Der Besuch zeigt eindrucksvoll, dass Fairer Handel weit mehr bedeutet als einen fairen Preis. Er schafft Bildungschancen, stärkt Frauen und eröffnet Familien langfristige Perspektiven – ein gelebtes Beispiel für das WFTO-Prinzip der Förderung benachteiligter Produzent*innen.Read more














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