Unicafec - Zu Gast bei Freunden
14–16 Tem, Peru ⋅ ☁️ 23 °C
Mehr als guter Kaffee
Eine rote Kaffeekirsche in der Hand, Vogelstimmen aus dem Wald und der Duft feuchter Erde – spätestens in diesem Moment wird uns bewusst, wie weit der Weg bis zu einer Tasse Kaffee tatsächlich ist.
Die Tage bei der Kooperative UNICAFEC in San Ignacio führen uns dorthin, wo dieser Weg beginnt. Die Kooperative kann ihren Mitgliedern dank langjähriger Partnerschaft im Fairen Handel Maschinen und weitere Ressourcen zur Verfügung stellen, doch schon bei der Ankunft spüren wir - im Mittelpunkt stehen die Menschen, die den Kaffee anbauen.
Rosa, Luis und Donald begrüßen uns besonders herzlich und erinnern sich noch lebhaft an ihren Besuch in Österreich im vergangenen Jahr. Auf Einladung der EZA Fairer Handel hin waren die drei im Herbst 2025 in Österreich zu Gast und feierten das 10jährige Bestehen des „Kaffee Adelante“. Für diesen Kaffee werden von der Kooperative nur jene Kaffeebohnen bezogen, deren Fincas von Frauen betrieben werden. Zusätzlich zur Fairtrade- und Qualitätsprämie bekommt die Kooperative eine Frauenprämie, die speziell für Frauenprojekte verwendet werden muss. Den genauen Zweck bestimmt das Frauenkomittee, deren Präsidentin bis vor Kurzem Rosa Gomez Carrasco war.
UNICAFEC wurde gegründet, damit Kleinbäuerinnen ihren Kaffee gemeinsam vermarkten können und unabhängiger von Zwischenhändlern werden. Heute begleitet die Kooperative ihre Mitglieder in vielen Bereichen – von der Beratung im biologischen Anbau, einer professionellen Düngemittelherstellung über Schulungen bis hin zur Vermarktung. Transparenz gehört dabei zu den wichtigsten Grundsätzen. Die Produzent*innen erfahren genau, wie ihr Kaffee bewertet wird und wie sich der Auszahlungspreis zusammensetzt.
Wie eng diese Zusammenarbeit ist, erleben wir auf einer Kaffeefinca. Zwischen Schattenbäumen wachsen die Kaffeesträucher, dazwischen Bananen und viele andere Pflanzen. Gepflückt werden ausschließlich reife Kaffeekirschen – eine Arbeit, die Geduld und einen geübten Blick verlangt. Auch wir dürfen mithelfen. Was zunächst einfach aussieht, entpuppt sich schnell als überraschend anspruchsvoll.
Nach der Ernte verfolgen wir die nächsten Verarbeitungsschritte: Das Fruchtfleisch wird entfernt, die Bohnen fermentiert, gewaschen und getrocknet. Erst danach gelangen sie zur Kooperative, wo jede Lieferung sorgfältig geprüft wird. Größe, Feuchtigkeit und mögliche Defekte werden analysiert. Ziel ist dabei nicht, Fehler zu suchen, sondern die Produzent*innen dabei zu unterstützen, die Qualität ihrer nächsten Ernte weiter zu verbessern.
Besonders spannend ist schließlich die Verkostung im Qualitätslabor. Beim Cupping lernen wir, wie unterschiedlich Kaffee schmecken kann. Schokolade, Nüsse, Kräuter oder fruchtige Noten – jede Tasse erzählt etwas über Anbau, Ernte und Verarbeitung.
Mindestens genauso in Erinnerung bleiben uns jedoch die Begegnungen abseits des Kaffees: der Empfang in einer kleinen Dorfschule, das gemeinsame Mittagessen mit der Familie von Präsidentin Rosa und die außergewöhnliche Gastfreundschaft, die uns überall entgegengebracht wird.
Als wir San Ignacio verlassen, nehmen wir nicht nur ein besseres Verständnis für Kaffee mit. Wir haben erlebt, wie Fairer Handel im Alltag aussehen kann – getragen von Vertrauen, gegenseitiger Unterstützung und Menschen, die mit großer Sorgfalt an einem Produkt arbeiten, das uns in Europa oft ganz selbstverständlich erscheint.Okumaya devam et
















































