• Tief unter der Erde

    August 1, 2024 in Slovakia ⋅ ☁️ 28 °C

    Es ist etwas schreckliches passiert. Die Dieselpreise waren heute wirklich bei 1.49, dass ist der höchste Preis, den ich bisher in der Slowakei gesehen habe. Ich habe mich schon fast so gefühlt als wäre ich wieder in Deutschland. Aber Spaß beiseite. Wie jeden Morgen ging ich auch heute wieder mit Ilvy Gassi. Wir schauten uns das Dorf an und ich kann nicht sagen, ob in den Häusern noch Menschen lebten oder nicht. Bei wenigen sah man, dass sie bewohnt waren aber bei den meisten hätte man denken können, dass sie aus einer Horrorfilmkulisse stammen. Ilvy und ich entdeckten auf unserem Spaziergang sogar einen Panzer. Dieser war auf das Landesinnere der Slowakei gerichtet. Gegen 10 Uhr verließ ich den Campingplatz und machte wieder die Straßen unsicher. Obwohl bei den ganzen Schlaglöchern machen mich wohl eher die Straßen unsicher. Ich kam an einem wunderschönen Sonnenblumenfeld vorbei und musste da einfach kurz anhalten, um ein Foto zu machen. Danach ging es dann zum Mittelpunkt Europas und wenn ihr euch jetzt denkt, boah ich wusste garnicht, dass der in der Slowakei liegt, ich wusste es auch nicht. Dort angekommen musste ich auch erstmal wirklich lachen. Mitten in nirgendwo, zwischen Kühen und einer Kirche Stand ein Stein, mit einer Tafel. Auf dieser stand ,, stred europy" auf deutsch ,, das Zentrum Europas". In der Tat hatte ich mir die Mitte Europas ein bisschen schöner vorgestellt aber dieser Stein mit seiner Tafel auf einem kaputten Steinkreis hatte auch irgendwie etwas und einen tollen Ausblick gab es auch noch dazu. Weiter ging es dann zu einer Höhle namens Harmanecká. Auf dem Parkplatz angekommen kam mir schon einer Frau entgegen sie wollte Geld für den Parkplatz haben und natürlich dann auch noch Bargeld, da ich aber absolut kein Bargeld hatte sagte ich ihr das ich wieder fahren müsste, da ich halt wie gesagt kein Bargeld dabei habe. Die Frau winkte ab und gab mir zu verstehen, dass ich auch ohne zu bezahlen hier stehen dürfte. Ich habe mich total gefreut, gab Ilvy Futter und stiefelte zu der Höhle. Was ich jedoch nicht wusste war, dass die Höhle wirklich auf der Spitze eines Berges lag und der Parkplatz ganz unten war und natürlich hatte ich kein Trinken und keine Wanderausrüstung dabei. Während mich andere, gut ausgerüstete Wanderer, auf ihrem Rückweg nach unten freudig grüßten, gab ich nur wie eine klapprige, in die Jahre gekommene Dampfmaschiene ein gekeuchtes und gequältes Dobrý deň zurück. Denn der Weg war natürlich auch nicht ein ganz normaler Wanderweg wie auf jedem anderen Berg in der Slowakei, nein es war ein Weg über Wurzeln und einem Anstieg von etwa 40 Prozent. Als ich mich dann endlich nach oben gekämpft hatte, wollte ich mir eine Flasche Wasser kaufen doch bei meinem Glück konnte man erst ab einem Wert von 5 Euro mit Karte zahlen, also war ich danach um einen Energy Drink, eine große Wasserflasche und einen Magneten reicher. Das alles durfte somit auch einmal die Höhle von innen sehen, da ich natürlich auch keinen Rucksack dabei hatte. Die Höhlentour selber war der Wahnsinn. Was mir jedoch auffiel, war das niemand sein Handy rausholte um Fotos zu machen und die Tour war natürlich auf slowakisch womit ich auch kein Wort verstand. Irritiert von den Leuten machte ich nur heimlich Fotos und dann fing eine Gruppe von vier männlichen Slowaken auch an heimlich Fotos zu machen. Da wurde mich klar, dass es entweder verboten war Fotos zu machen oder man sollte dafür zahlen. Wie ich später rausfand war es zweiteres. Man sollte doch tatsächlich nochmal 7 Euro dafür zahlen, um ein paar Fotos schießen zu dürfen. Naja jedenfalls machten die vier Männer und ich uns einen Spaß daraus Fotos zu machen und dann sprinteten wir ganz schnell hinter der Führerin hinterher, damit diese nicht bemerkte das ihre Truppe nur noch aus einer Familie bestand. Sie hat nicht einen von uns erwischt. Ich sah sogar eine Fledermaus und zeigte sie der Mutter mit ihren zwei Kindern, die sich super dolle darüber freuten und sich tausend mal bei mir dafür bedankten. Kurz vor dem Ende der Führung standen wir nochmal in einem riesigen Raum und da ich ja nichts verstand war ich wohl die Einzige, die sich kurz erschrocken hatte als wir mitten in der Dunkelheit standen. Die Führerin hatte alle Lichter ausgestellt und man sah wirklich gar nichts mehr. Das war eine interessante Erfahrung. Wieder oben angekommen, musste ich mich erstmal wieder aufwärmen aber das tat ich dann beim Abstieg. Unten war mein Körper dann wieder auf normaler Betriebstemperatur wenn nicht sogar ein bisschen darüber. Weil der Tag sich langsam schon wieder dem Ende zuneigte suchte ich einen geeigneten Campingplatz. Auch hier rief ich vorher einmal dort an und fragte nach einem freien Platz. Das gestaltete sich aber etwas schwierig, weil die beiden Herren kaum Englisch sprachen. Irgendwie hatte ich dann aber die Informationen ,, ja noch ein Platz frei und nein keine Kartenzahlung nur Bargeld" noch bekommen. Somit folgte das, was schon längst überfällig war. Ich suchte einen Geldautomaten und holte mir genügend Bargeld. Das hat auch erstaunlich gut geklappt. Die beiden Herren von der Rezeption sind in echt aber wirklich nett, sie waren am Telefon nur ein bisschen überfordert. Wir unterhielten uns noch kurz und der eine der beiden zeigte mir auf einer Karte noch den Campingplatz. Da der Tag für mich noch nicht enden sollte entschied ich mich dazu, noch ein bisschen mit Ilvy wandern zu gehen. Wir kamen an dem Fluss vorbei, der auch direkt am Campingplatz vorbeifließt und Ilvy ging da ein bisschen Pfoten baden, denn tiefer als bis zu ihren Pfoten ist der Fluss auch nicht. Dennoch war er Glas klar. Viele schöne Aussichten hatten wir auf der Wanderung aber leider nicht. Aber wir sahen ein paar andere interessante Dinge, wie zum Beispiel ein Geschütz. Schießende Gerätschaften scheinen die Slowaken echt zu lieben. Danach telefonierte ich noch mit meiner Mutter und ich versuchte nebenbei mich an der Uni einzuschreiben, da heute die Portale dafür geöffnet werden sollten. Irgendwie hat das aber nicht so gut funktioniert, weswegen ich morgen nochmal mit der Studienberatung telefonieren muss. Um den Abend wirklich ausklingen zu lassen laß ich noch meinen Reiseführer für Ungarn weiter und Schnitt endlich meine Melone auf, die fast seit einer Woche mit mir durchs Land fährt. Die haben sich Ilvy und ich richtig schmecken lassen.Read more