• Wie Adam und Eva

    August 16, 2024 in Hungary ⋅ ☁️ 35 °C

    Nach dem Aufstehen ging ich eine entspannte Runde mit Ilvy. Kurz vor 10 Uhr machte ich mich dann auf den Weg zur Kasse, um mein Ticket für die Kutschfahrt, das Museum und die Pferdeshow zu kaufen. Da ich noch meinen Schülerausweis habe, brauchte ich für die drei Sachen nur 9€ bezahlen. Wirklich ein super Preis und für das ganze fast schon zu wenig. Als ich das Ticket hatte schaute ich nochmal kurz bei Ilvy vorbei und um 10:30 Uhr durften wir dann auf die Kutschen. Als ich hörte, dass man auch neben dem Fahrer sitzen konnte ging ich nach vorne und als ich gerade fragen wollte, setzte sich eine andere Deutsche einfach da hin. Ich ärgerte mich schon ein bisschen, aber nicht darüber, dass ich den Platz nicht bekommen hatte, sondern darüber das dieses Verhalten der Dame wieder einmal so typisch Deutsch war, ohne Rücksicht auf andere. Es war übrigens ein ganzer Reisebus voll mit Deutschen und Ungarn angekommen und ich muss mich wirklich hier kurz über meine Landsleute aufregen. Sie waren laut, haben sich total daneben benommen, sei es das sie einfach gerülps haben oder sich über jede Kleinigkeit aufgeregt haben. Am meisten darüber, dass die Fahrt in der Kutsche ja so unbequem sei und das der Kutscher ja wohl nicht ans Handy gehen sollte, weil das ja das ganze Flair zerstören würde. Einfach unglaublich. Kann man nicht einfach nur genießen anstatt alles zu kritisieren und schlecht zu machen? Ich möchte hier trotzdem nicht alle über einen Kamm scheren, mit dem Reiseführer der Gruppe, der eigentlich ein Ungare war, verstand ich mich sehr sehr gut. Wir unterhielten uns während der ganzen Tour. Der erste Stopp auf der Tour war das Museum, in dem alte Werkzeuge und Tiere der Gegend gezeigt wurden. Danach schauten wir uns den Hof an. Dieser war sehr gepflegt und ordentlich und alle Tiere wurden gut gehalten. Nur einer der Hunde tat mir wirklich leid, da er in einem Käfig gehalten wurde und alle plötzlich in diesen Käfig reinschauten. Für den Hund musste das unheimlich angsteinflößend gewesen sein. Neben dem Hund gab es noch Pferde, Hühner, Graurinder, Zackelschafe und eine traditionell ungarische Schweinerasse. Nach der Hofbesichtigung warteten wir auf den Start der Show. Gegen 12 Uhr startete diese dann. Sie war unglaublich interessant und zu jedem Kunststück wurde etwas erklärt. Man lernte viel über die damaligen Einheimischen und ihre Bräuche. Zum Beispiel müssen die heutigen Pferdehirten, bevor sie zu den Shows dürfen, mehrere Monate mit ihren Pferden alleine trainiert haben, um eine einzigartige Verbindung zwischen Mensch und Pferd herzustellen. Und genau diese Verbindung konnte man bei der Show spüren. Das Pferd vertraute dem Mensch und der Mensch vertraute dem Pferd. Später in der Show wurde dann jemand mit Mut gesucht und weil sie es witzig fanden, zeigten ein paar der deutschen Männer auf mich. Und weil man nicht alle Tage die Chance bekommt, selber an so einer Show teilzunehmen sagte ich natürlich ja. Meine Aufgabe bestand nun darin, mich auspeitschen zu lassen, diese Art von Kunststück nennen die Pferdewirte ,, Schwiegermutters Schlinge", da angeblich jeder sich gerne seine Schwiegermutter dabei vorstellt. Und obwohl die Peitsche ordentlich knallte und der Wirt, meiner Meinung nach auch extra stark ausholte taten die Treffer nicht weh. Als dann alles vorbei war, bekam ich sogar noch die Chance bei dem Kutscher vorne zu sitzen. Es kommt halt doch alles so wie es kommen soll. Wieder bei meinem Camper angekommen war ich etwas traurig, dass meine Zeit in der Puszta nun vorbei war. Die Leute waren toll und auch die Landschaft war unglaublich schön. Dieser heutige Hof ist genau das Leben, welches ich mir wünschen würde und diesen Traum zu verlassen brach mir ein kleines bisschen das Herz. Da ich noch nicht nach Budapest wollte, entschied ich mich dazu einen Bauernhof in der Nähe von Budapest anzufahren. Dort angekommen bemerkte ich aber schnell, dass es keinen Ansprechpartner gab und das auch die Pension geschlossen war. Also suchte ich nach einem anderen Platz und wurde relativ schnell fündig. Der Platz sollte direkt an einem See liegen und geräumige Stellplätze bieten. Also nichts wie hin da. Auf dem Weg wunderte ich mich ein bisschen, als die Straße plötzlich in einer Schotterstraße endetete, dennoch fuhr ich weiter. Vor der Schranke zum Platz hielt ich an und bezahlte für eine Nacht. Bisher konnte ich nur den See sehen und nichts weiter. Als ich dann bezahlt hatte, wurde mir jedoch ein bisschen schlecht, als mir der Platzwart erklärte, dass ich mich auf einem FKK Campingplatz befinden würde und das es hier strengstens verboten sei Kleidung zu tragen. Ich glaube in diesem Moment entgleiste mein Gesicht komplett. In keiner der Bewertungen, die ich gelesen hatte stand, dass es sich bei dem Campingplatz um einen verdammten FKK Platz handelte. Der Platzwart lachte nur und fragte mich sogar noch allen ernstes, ob ich nicht noch eine zweite Nacht hier bleiben wolle, da es morgen eine Tanzparty geben würde. Immernoch dabei die erste Information zu verarbeiten, lehnte ich dankend ab, und ging stocksteif zurück zum Auto. Die Schranke ging hoch und als ich ein paar Meter um die Ecke fuhr hätte ich am liebsten ein Gerät gehabt, um alle meine Eindrücke zu löschen. Vor mir eröffnete sich ein Panorama von nackten Menschen jeglichen Alters, die seelenruhig ihren Aktivitäten nachgingen. Ich meine würde da ein super sportlicher Typ in meinem Alter oder Mitte der Zwanziger langlaufen immer her damit aber nein natürlich waren die meisten Menschen hier schon im Rentenalter. Ich wollte in die Kultur der Menschen eintauchen und jetzt habe ich den Salat. Also Klamotten aus und ab ins Freie. Eine große Hürde für mich war dann nochmal der Spaziergang mit Ilvy, da ich bisher in meiner Parzelle durch die hohen Hecken geschützt war. Plötzlich kamen mehrere Männer zu mir und fragten mich wie viel mein Hund wiegen würde oder wie sie heißen würde und ich habe auch wirklich tolle Gespräche geführt aber trotzdem war es mir unangenehm. Aber auch wenn ich mich bei der ganzen Sache hier unwohl fühle, finde ich es trotzdem gut auch mal so eine Erfahrung zu machen. Die Menschen hier sind wirklich glücklich bei dem was sie tun. Und ich kann jetzt mit gutem Gewissen sagen, FKK ist nicht so meins. Es ist doch interessant, was für Erfahrungen mir diese Reise bietet.Read more