🧺 Gardinen, Geschichten & Gastfreundschaft
June 26 in Turkey ⋅ 🌙 28 °C
Heute war der 6. und damit mein letzter voller Tag in Erbaa und irgendwie lag den ganzen Tag über ein kleines bisschen Abschied in der Luft.
Seit Tagen erzählt meine Oma immer wieder, dass ihre Gardinen schmutzig seien. Ob sie es morgen noch gewusst hätte, weiß ich nicht. Aber ich wusste, dass wir bald abreisen und gerade deshalb wollte ich ihr diesen Wunsch erfüllen. 🥰
Also stand heute nicht Sightseeing, sondern Oma Service auf dem Programm. 😄
Ich habe sämtliche Gardinen im Haus abgehängt, gewaschen und wieder aufgehängt, das Haus gesaugt, meine Oma gebadet, ihren Koffer für morgen gepackt und alles noch einmal ordentlich eingeräumt.
Meine Mutter nutzte die Zeit und machte die letzten Besorgungen in der Stadt. Natürlich durften auch ein paar Geschenke und Souvenirs für Zuhause nicht fehlen. 🎁
Gegen 19 Uhr wurden wir von Verwandten abgeholt und verbrachten den Abend gemeinsam auf ihrer großen Veranda.
Egal wo man hinkommt, irgendwo steht bereits Essen auf dem Tisch.
Gegessen wurde ganz traditionell auf Teppichen und Kissen am Boden. Fast wie eine kleine Zeitreise in die osmanische Kultur. 🕌 Währenddessen wurde mir einmal mehr bewusst, dass die türkische Küche wirklich jede Diät sabotiert. Und zwar mit voller Absicht. 😂🍽️
Besonders lecker waren die Poğaça. Das sind weiche, luftige türkische Hefeteilchen, meist gefüllt mit Käse, Hack oder Kartoffeln. Sie sehen völlig harmlos aus, verschwinden aber schneller im Mund, als man "Ich bin eigentlich schon satt" sagen kann. 😂
Mindestens genauso gefährlich waren die gefüllten Weinblätter, unzähligen Salate, die ich vorher so noch nie gesehen hatte, Obst frisch gepflückt vom Baum, Schoko- und Zitronenkuchen, Süßigkeiten und zur Abwechslung traditioneller türkischer Mokka. ☕🍰
Den Mokka habe ich übrigens mit großer Hoffnung getrunken. Leider war niemand da, der mir anschließend den Kaffeesatz lesen konnte. Jetzt werde ich wohl nie erfahren, ob in meiner Zukunft Reichtum, Liebe oder einfach nur noch mehr Poğaça auf mich warten. 😂
Natürlich blieb es nicht beim Essen.
Es wurde erzählt, gelacht, diskutiert und Erinnerungen ausgetauscht. Geschichten über meinen Opa, über die Kindheit meiner Mutter und ihrer sieben Geschwister, über ein Erbaa, das heute kaum noch so aussieht wie vor vierzig Jahren und natürlich auch wieder über die fremde Frau im Haus, die uns einfach nicht in Ruhe lassen möchte 😉.
Dabei erzählte meine Mutter, dass genau auf dem Grundstück, auf dem heute das Haus meiner Oma steht, sich früher eine kleine Baracke befand. Dort lebte meine Mutter bis zu ihrem siebten Lebensjahr und ging hier sogar ein Jahr zur Schule. 🏫 👧🏻
Erst als mein Opa als Gastarbeiter nach Deutschland ging, zog nach und nach die ganze Familie hinterher. Sieben Kinder kamen mit nach Deutschland, auch weil damals sonst das Kindergeld weggefallen wäre. Das achte Kind wurde in Deutschland geboren. 🙃
Für meine Oma waren es ebenfalls schöne Stunden. Manche Namen und Erinnerungen waren plötzlich wieder da und für einen Moment schien die Demenz ein kleines Stück in den Hintergrund zu rücken. ❤️
Genau diese Gespräche sind für mich wahrscheinlich das Wertvollste an dieser Reise, denn irgendwann sind die Menschen nicht mehr da, aber ihre Geschichten bleiben.
Während ich diesen Beitrag schreibe, ist es übrigens bereits kurz nach ein Uhr nachts. 🌙
Wir sind gerade erst wieder zuhause angekommen und morgen heißt es Abschied nehmen.
Mit ganz vielen Erinnerungen im Gepäck... vermutlich auch mit ein paar Poğaça, Simit, Börek und Gözleme zu viel auf den Hüften 🤤 und ein paar grauen Haaren mehr auf dem Kopf. ❤️Read more







Traveler❤️