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  • Day9

    Binic II

    July 22 in France

    Heute ist Sonntag, und wir sind schon eine Woche unterwegs. Im Urlaub geht das Gefühl für die Zeit verloren, und ich weiß irgendwann weder Wochentag noch Datum. Aber so soll es ja auch sein. Alle Termine und Aufgaben treten zurück, und der Horizont wird herrlich klein und überschaubar. Wohin fahren wir als nächstes? Was unternehmen wir gleich? Was essen wir heute Schönes?
    Das Sonntagsfrühstück mit Blick auf den Atlantik ist schon etwas Besonderes. Das muss man einfach genießen.
    Über dem Platz liegt eine wunderbare Ruhe und Gelassenheit. Jeder Platz hat so seine eigene Atmosphäre. Der eine ist hektisch, der andere quirlig. Aber dieser hier ist fast lautlos. Wäre da nicht diese französische Familie auf dem Platz unter uns. Die lautstarken Reden, Dialoge und Beschimpfungen beschallen den ganzen Platz. Vater, Mutter, drei Kinder und 2 Hunde teilen sich einen uralten, drei Meter großen Wohnwagen mit Partyzelt davor. Der Vater ist dickbäuchig und immer mit einer kleinen, schwarzen Badehose bekleidet, die fast vollständig unter seinem dicken Bauch verschwindet, und die er nicht nur zum Baden, sondern auch zum Schlafen zu tragen scheint. Die Mutter, das genaue Gegenteil. Dürr, mit ungepflegten grauen Haaren, kettenrauchend auf einem Campingstuhl sitzend, stets in eine Strickjacke gehüllt, erteilt jedem Familienmitglied Anweisungen. Nach den wütenden Antworten zu urteilen, behagen diese aber weder Mann noch Kindern und so herrscht stets großer Tumult, der vom Bellen der Hunde noch untermalt wird. Mit viel Tamtam wird heute Vormittag abgebaut. Und das ist sehenswert. Alles was nicht Mensch oder Hund ist, wird wahllos in den Wohnwagen gepackt, dann das Auto vorgekoppelt und eigentlich sollte es losgehen. Tut es aber noch nicht, weil alle wieder aussteigen, um den fehlenden Hund zu suchen und sich von den angrenzenden Nachbarn zu verabschieden. Keine Fernsehdoku könnte unterhaltsamer sein. Als sie dann endlich fort sind, fehlt irgendwie was. Es ist so vollkommen ruhig.
    Es haben sich so viele Brotreste angesammelt. Jeden Morgen gibt es ein neues Baquette und am Abend ist oft noch etwas übrig. Wegwerfen mag ich Brot nicht so gern und darum haben wir es heute Vormittag in dünne Scheiben geschnitten. Im Campingbackofen werden mit etwas Salz und Olivenöl leckere Brotchips daraus.
    Wenig später geht es auf die Erkundung des "Sentier des douaniers", Wunderschön schlängelt sich der teilweise schmale Pfad, um die kleinen Buchten und gibt immer wieder Ausblicke auf das Meer frei. Es ist sehr warm, und ich genieße immer die Abschnitte unter den Bäumen oder da, wo der kühle Wind vom Meer herauf weht. Unter mir liegen einsame Badebuchten. Nur wenige Badegäste aus den sich in der Nähe befindenden Pensionen und Ferienhäusern finden den Weg dort hin. Über eine steile Treppe gelange ich an den Strand. Zu dumm, dass ich keine Badesachen mitgenommen habe. So kann ich nur meine Beine in das klare, frische Meerwasser tauchen. Um noch einmal zum Baden hierher zugehen, ist es zu weit. Über 5 km bin ich bis zu dieser Bucht gelaufen. Aber baden können wir heute nachmittag auch noch am Strand von Binic. Wenn Michael sich bis dahin von seiner Magen- Darm Geschichte erholt hat.
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  Vive la France