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  • Day25

    Chaumont -sur -Loire

    August 7 in France

    Es liegt eine eigenartige Stimmung über dem Platz am Morgen. Eine abwartende Ruhe, die von Geräuschen erster Aktivitäten in den Wohnmobilen unterbrochen wird. Geschirrklappern, Husten, das Jaulen einer defekten Wasserpumpe. Die Hupe des Bäckerwagens spätestens beendet diese frühmorgendliche Ruhe, denn auf ihr Zeichen erscheinen die Menschen. Wortfetzen in
    Französisch und Italienisch, angereichert mit Lachen und Kindergeschrei, fliegen durch die Luft.
    Wir sind heute sehr früh, denn über 400 km liegen vor uns, bis wir an der Loire sind.
    In Chaumont sur Loire wollen wir auf dem Rückweg noch 2 Tage bleiben. Außerdem hoffen wir, dass das frühe Verlassen der Halbinsel noch ohne Stau möglich ist.
    Wir fahren nicht durch die Stadt, wie es das Navi gern möchte, sondern ganz entlang der Cote Sauvage mit den beeindruckenden Felsen. Ein tolles Bild. Ein Adieu des Atlantiks und ein Friedensangebot der überlaufenen Halbinsel, indem sie uns ihre stillen, schönen Seiten zum Abschied noch einmal zeigt.
    Staufrei, aber mit einigen wenigen Regentropfen, fahren wir auf der D 786 in Richtung Auray. Die sonst so herrliche Optik versteckt sich heute hinter grauen Wolken. Heiß, windstill und bewölkt, keine angenehme Wetterkonstillation.
    Rückblickend auf die Tour entlang der bretonischen Küste, muss man sagen, es ist den Bretonen hoch anzurechnen, dass sie es nicht zulassen, dass diese einzigartige Küstenlandschaft mit Hotels großer Ketten zugebaut wird. So bekommt jeder etwas vom großen Touristenkuchen ab, die kleinen Hotels und Pensionen sowie die vielen Campingplätze und Stellplätze, die einheimischen Restaurants und Lokale, und auch die Geschäfte und Bars, Bauern, Fischer, Bäcker......
    Die Franzosen sind ein Land der Wohnmobilisten und Camper. Selten haben wir eine solche Anzahl an Campingfahrzeugen und PKWs beladen mit Campingausstattung gesehen. Aber auch ein Volk der Radfahrer und Wanderer, die uns immer wieder mit voller Ausrüstung und Gepäck begegnen.
    Und letztendlich, wenn man die vielen Boote in den unzähligen Häfen betrachtet, auch ein Volk, der Seefahrer.
    Menschen, die genießen können und die das "Savoir vivre" verinnerlicht haben.
    Ab Auray fahren wir auf der N 165 auf Vannes zu und dann weiter auf der Autobahn Richtung Nantes. Keine Strecke über die es viel zu berichten gäbe, außer dass Michael das entspannte Fahren der Franzosen sehr zu schätzen weiß.
    Ich nutze die Zeit zum Schreiben.
    Ab Nantes geht es bis Montrichard, der Abfahrt nach Chaumont, auf der A 11 und A 85 weiter auf der kostenpflichtigen Autobahn. Unser "Bip and go" Gerät zur bargeldlosen Mauterfassung kommt mehrfach zum Einsatz. Als wir abfahren, bin ich ein wenig entsetzt über die Landschaft. Irgendwie kommt mir alles einheitlich gelb vor. Die Stoppelfelder, die verdorrten Wiesen und Straßenränder. Selbst die Bäume haben schon eine leichte Herbstfärbung angenommen und beginnen die Blätter abzuwerfen. Alles Zeichen der langanhaltenden Trockenheit.
    Und dann endlich gibt sie sich die Ehre, die Loire. Etwas mager, mit freiliegenden Sandbänken, denn die große Dürre hat auch sie nicht verschont. Aber schon ein majestätischer Fluss. Wir fahren etliche Kilometer an der Loire entlang. Dann sehen wir auf der anderen Flußseite das Chateau Chaumont liegen und auch den Camping Municipal, der sich über ein großes Areal an der Loire entlang zieht. Als wir aus dem klimatisierten Auto aussteigen, ist es, als würden wir in einen Backofen geschoben. So heiß! So heiß hatten wir es in den letzten Wochen nie. Daran müssen wir uns erst einmal gewöhnen. Wir können uns einen Platz aussuchen. Einige Plätze direkt am Fluß sind frei.
    Aber scheinbar hat die plötzliche Hitze uns das Gehirn verdampft. So schwierig und gereizt wie heute haben wir noch nie das Wohnmobil zum Stehen gebracht. Nach etlichen Rangieren stehen wir endlich. Eigentlich sehr schön. Michael meint dazu nur, dass er noch an der Information Bescheid sagen muss, dass hier ein Baum im Weg ist, der weg muss. Der Scherzkeks.
    Man kann nicht immer alles haben. Schatten, tollen Blick und Fernsehempfang.
    Und... Wer braucht bei diesem Panorama noch Fernsehen?
    Die Hitze und die Fahrt haben uns geschafft. Der Kreislauf macht ein wenig schlapp. Nur noch Liege ist angesagt. Vielleicht mal kalt duschen? Die Duschen sind nicht zu regulieren und mollig warm. Dann lieber nicht. Warten wir einfach ab, bis es kühler wird. Michael geht in die Loire zum Schwimmen. Wie viele andere hier auch. Mir ist das zu gefährlich. Und ich glaube verboten ist es auch.
    Gegen Abend kommt starker Wind auf. Eine Unwetterwarnung für die Nacht wurde uns bei der Ankunft schon mitgegeben. Der starke Wind macht es einigermaßen erträglich, und so kann ich mich nach dem Abendessen noch zu einem kleinen Spaziergang durch den Ort aufraffen. Hier ist richtig was los in den Restaurants und Gaststätten. Schade, dass das Restaurant "Madeleine Proust" heute und morgen nicht geöffnet hat. Es wurde uns empfohlen und wir wollten eigentlich dort essen gehen. Aber vielleicht findet sich ja noch etwas anderes morgen. Heute beschließen wir den Tag wieder mit einem Sonnenuntergang. Dieses Mal über der Loire. Und wir brauchen dafür nicht einmal aufzustehen. Wir sitzen sozusagen in der ersten Reihe.
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