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  • Day4

    Auf der Fähre nach Klaipeda

    July 16 in Lithuania ⋅ 🌧 15 °C

    Wir haben kaum die Schiffskabine bezogen, als ein Gong uns auf das Dinner aufmerksam macht. Beim Buchung der Fähre haben wir Abendessen und Frühstück mitgeordert.
    Im Speiseraum sind wir unsicher, ob dieses Voucher für das Selfservice-Restaurant oder für das A-la-Card Restaurant gilt. Bei den Überlegungen kommen wir ins Gespräch mit einer Frau, die den gleichen Gutschein hat. Schnell stellt sich heraus, dass wir uns selbst bedienen müssen. Dem Gong sind viele Passagiere gefolgt, und so heißt es wieder einmal warten, bis wir an der Reihe sind. Der Speisesaal füllt sich zusehens und wir befürchten, gleich zwar Essen zu bekommen, aber keinen Sitzplatz zu haben. Deshalb folgen wir gern der Einladung uns an den Tisch der Frau zu setzen, deren Mann bereits einen Tisch gefunden hat. Beim gemeinsamen Essen stellt sich heraus, dass es sich um ein Ehepaar aus Stade handelt und zwar mit dem Wohnmobil, das auf dem Parkplatz neben uns gestandem hat. Auch sie wollen vier Wochen ins Baltikum, haben aber erst sehr kurzfristig die Fähre gebucht und keine Kabine sondern nur einen Pullmansitz für die Nacht bekommen.
    Nach dem Abendessen durchstreifen wir noch ein wenig die Fähre, gehen aufs Sonnendeck und trinken etwas an der Bar. Um Mitternacht suchen wir total müde die Kabine auf. Sehr schnell sind wir eingeschlafen. Doch der Schlaf hält nicht lange an. Durch die Vibration und das leichte Schaukeln bin ich bald schon wieder wach. Und in der Dunkelheit der Kabine male ich mir alle möglichen Schreckenszenario aus, die passieren können, wenn man auf einer Fähre über die Ostsee fährt, was dem Einschlafen auch nicht gerade dienlich ist. Am liebsten wäre ich aufgestanden und noch einmal nach draußen gegangen oder hätte wenigstens das Licht angemacht, aber dann hätte ich Michael geweckt und ich bin mir nicht sicher, ob er das so gut gefunden hätte.
    Plötzlich geht das Licht an. Michael ist wach und kann auch nicht schlafen. Als ich ihm vorschlage, nach draußen zu gehen und zu schauen, ob die Sonne vielleicht schon aufgegangen ist, erklärt er mich für verrückt und macht das Licht wieder aus. Mein Hörbuch ist es dann, das mich wieder in den Schlaf wiegt, aus dem ich abrupt durch einen Gong und dem dreisprachigen ( litauisch, deutsch, englisch) "Guten Morgen. Das Frühstück steht bereit!", gerissen werde. Es ist 9.00 Uhr litauischer Zeit. Nach einem Sprung unter die Dusche gehts zum Frühstück. Nicht ohne vorher auf dem Sonnendeck nach dem Wetter geschaut zu haben. Sie ist da, die Sonne. Zwar in Begleitung von Wolken, aber der Himmel ist blau. Welche Wohltat nach dem Grau der letzten Tage. Oh, je! Der Gong scheint das ganze Schiff aufgescheucht zu haben. Während ich mich in die Schlange zum Frühstücksbüffet einreihe, sucht Michael uns einen Platz. Dann wechseln wir. Irgendwann sitzen wir beide mit Frühstück am Tisch. Nur die Tassen für den Kaffee sind zunächst aus. Aber in diesem Fall tun es auch Pappbecher. Hauptsache, Kaffee!
    An unserem Tisch sitzt ein nettes älteres Ehepaar, mit dem wir ins Gespräch kommen. Sie sind mit dem PKw unterwegs und wollen auf die Kurische Nehrung. Dort wohnen sie in Nidda in einer Pension. Bereits zum dritten Mal verbringen sie ihren Urlaub dort und sind nach wie vor begeistert von der Gegend.
    Die Zeit nach dem Frühstück vergeht wie im Flug. Nach einem kleinen Nachschläfchen gehts aufs Sonnendeck. Puh. Das ist richtig heiß. Aber der Blick auf die Ostsee, auf der die Sonnenstrahlen tanzen, fühlt sich endlich nach Urlaub an. Die wenigen Plärze auf Deck sind stark begehrt. So wechseln wir uns ab, um Getränke zu holen etc. Am Nachmittag verlassen wir unseren Sonnenplatz, um einen Kaffee zu trinken. Außerdem ist es uns zu heiß dort geworden. Später suche ich das Seitendeck nach einem Sitzplatz ab. Hier an der dem Wind abgewandten Seite der Fähre ist es nicht zu heiß und nicht zu windig. Mangels Sitzplatz mache ich es mir auf der Erde bequem, um ein wenig zu schreiben. Aber nach kurzer Zeit fühlt sich meine Hose und auch die Weste, auf der ich sitze, komisch an. Als ich aufstehe, sehe ich das Malheur. Die Weste ist klitschnass und mein Hosenboden nebst den sich darunter befindlichen Kleidungsstücken ebenfalls. Zurück zur Kabine. Ich versuche die Sachen trocken zu fönen. Aber das ist ein aussichtsloses Unterfangen. Gott sei Dank habe ich mir gestern noch eine Jogginghose eingepackt. So bleibt es mir wenigstens erspart, die letzten 3 Stunden mit nasser Hose zu reisen.
    Noch ein wenig Sonnendeck, und dann taucht bereits die Kurische Nehrung mit den langen Sandstränden am Horizont auf. Wir räumen die Kabine und beobachten das Einlaufen der Fähre in den Hafen von Klaipeda. Ein Kreuzfahrtschiff liegt vor Anker und wartet auf das Passieren der Fähre. Und dann wird es spannend. Die Tür zu den Autodecks wird geöffnet und wir steigen in unserer Wohnmobil. Kaum drinnen, gibt es schon Anweisungen von den Einweisern. Wir müssen rückwärts fahren und das mit dem Hänger. Eingekeilt in Spiegelbreite zwischen Wand und Autotransporter. Gut, dass ich nicht fahren muss. Das letzte Drittel geht es dann aber mit der Schnauze voran vom Schiff, denn es ist inzwischen Platz genug zum Drehen.
    Jetzt müssen wir erst einmal aus dem Hafen heraus. Aber das wollen alle anderen auch. Eine Autoschlange, die noch den Verkehr bis weit in die Stadt hinein beeinflusst. Vor allem die riesigen mehrspurigen Kreisel stellen eine Herausforderung im Feierabendverkehr dar. Sie fahren forsch und schnell, die Litauer. Dann geht es in Richtung Silute ab. Der Verkehr nimmt ab und die Schlaglöcher und Spurrillen zu. Wir queren den König- Wilhelm-Kanal. Ein historisches Baudenkmal. Endlich erreichen wir den kleinen Ort Dreverna. Im Hafen ist eine Freizeitanlage entstanden, die auch Stellplätze für Wohnmobile enthält. Alles sehr schön gemacht. Wir suchen uns einen Platz am Wasser und können genau gegenüber die Kurische Nehrung mit dem Naturschutzgebiet um Juodkrante sehen. Vom Hafen fährt mehrmals täglich eine Fähre, die auch Räder mitnimmt, dorthin. Aber das werden wir alles morgen erkunden. Ein kleiner Spaziergang durch den Hafen bildet den Abschluss des Tages. Heute Nacht werden wir wohl etwas besser schlafen.
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