• Salamandermann und Pfirsischjunge

    July 15, 2025 in Japan ⋅ 🌙 25 °C

    Heute war Fahrtag!
    Nachdem wir unsere Reiseroute morgens noch spontan angepasst hatten, fiel der präferierte Yakumo-Express zwischen Okayama und Yonago wegen Bäumen im Gleisbett ersatzlos aus und ließ uns nach einer kurzen Fahrt mit dem Sakura-Shinkansen (mit Blick auf die Geschwister One Piece und Hello Kitty) ab Osaka mit einer mehrstündigen Zwangspause in Okayama stehen. Wir folgten dem sagenumwobenen Momotaro (ein Junge, der als Pfirsich auf die Welt kam und irgendwann welk wurde) zur Burg Okayama und anschließend in ein köstliches koreanisches Restaurant. Am Nachmittag hatten wir dann Sitzplätze im Überlandbus ergattert und wir kamen kurz vor 18:00 Uhr in Yonago an. Schneller Check-In, dann
    Weiterfahrt nach Mikuriya, für eine Tour der außergewöhnlichen Art. Richard, Herzblut-Liverpool und -Star Trek-Fan setzt sich seit einigen Jahren für den Schutz einer auf Japan endemischen und vom Aussterben bedrohten und überaus faszinierenden Tierart ein: Dem japanischen Riesensalamander. Da die Tiere nachtaktiv sind, haben wir bis zum Einbruch der Dunkelheit noch etwa eine Stunde Zeit, Richard erklärt uns, wie er den Schutz des Salamanders in einem spezifischen Flusssystem voranbringt, auf welche Schwierigkeiten er stößt und wie schwierig es ist, Japaner vom Naturschutz zu überzeugen.
    Dann ist es endlich dunkel genug, und wir ziehen mit Stirnlampen, Wathose und "Sticks of Might" los. Erst durch Gestrüpp, dann etwa zwei Kilometer einen kleinen Flusslauf hinauf. Wir entdecken die wilde Seite Japans. Die Tour dauert insgesamt kaum drei Stunden, wir entdecken neben insgesamt 12 japanischen Risensalamandern, einer hat eine Länge von etwa 80cm und war schätzungsweise knapp unter 100 Jahren alt, mehrere Mamushi, eine japanische Vipernart, Jagdspinnen und Onigumo, Graseidechsen und diverse Frosch- und Lurcharten.
    Es ist unglaublich, ein so keines und diverses Ökosystem zu betreten und zu erfahren, wie wichtig der Riesensalamander als größtes Raubtier der Flussläufe für dieses ist. Umso bedauerlicher war es, zu erfahren, dass 100% der Tourbuchungen bei Richard aus dem Ausland kommen. Japaner interessieren sich wohl nicht für den Pfefferfisch, wie der Osanshouo im Volksmund genannt wird, auch wenn er wirklich gut als Maskottchen herhalten würde, oder für Naturschutz.

    Salamander-Love!
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