• Sète – wenn der Fang den Speiseplan bestimmt

    September 2 in France ⋅ ☀️ 28 °C

    Es ging es für uns noch einmal nach Sète – und diesmal genau am Mittwoch, dem großen Markttag der Stadt. Schon bei der Anfahrt war klar, dass wir mit dieser Idee nicht allein waren. Rund um die Innenstadt herrschte ordentlich Betrieb und an einen Parkplatz in der Nähe der Hallen war kaum zu denken. Also blieb der Hilux etwas außerhalb stehen und wir machten uns zu Fuß auf den Weg ins Zentrum. Mittwochs breitet sich der große Markt rund um die Halles über mehrere Straßen und Plätze aus – entsprechend voll wird es.
    Unser eigentliches Ziel waren aber die Les Halles de Sète – für uns inzwischen fast ein Pflichtbesuch. Obst, Gemüse, Käse, Fleisch, Austern und natürlich Fisch: Die Halle ist weniger ein Supermarkt als vielmehr ein Stück lebendige Stadt. Besonders beeindruckend sind die Fischstände. Hier liegt nicht eine genormte Auswahl wie in der Kühltheke, sondern das, was Meer, Wetter und Fischer hergegeben haben. Genau das macht den Reiz aus: Nicht immer bestimmt der Kunde, welchen Fisch er heute kaufen möchte – manchmal bestimmt der Fang, was am Abend in der Pfanne landet. Die Fischerei von Sète arbeitet überwiegend mit Tagesfahrten; der Fang wird frisch angelandet und über die örtliche Criée an Fischhändler und Gastronomie weitergegeben.
    Und Auswahl gibt es trotzdem reichlich. Zu den typischen Fängen rund um Sète gehören Dorade royale, Rouget, Makrele, Merlan, Seeteufel, Knurrhahn, Stöcker, Sardine und Wolfsbarsch, dazu Oktopus, Tintenfisch und rosa Garnelen. Gerade jetzt nähert sich außerdem eine spannende Zeit: Im Herbst ziehen viele Goldbrassen aus dem Étang de Thau zurück ins offene Mittelmeer, um dort zu laichen – besonders im Oktober und November steigt ihr Anteil an den Anlandungen deutlich.
    Die Fischgründe rund um Sète sind dabei ungewöhnlich vielfältig. Kleine Fischerboote arbeiten unmittelbar vor der Küste und im Étang de Thau, größere Holzboote fahren einige Seemeilen hinaus und die großen Trawler weiter auf den Kontinentalschelf des Golfe du Lion. Dieses breite Schelf, Flusseinträge und die starke Durchmischung des Wassers machen den Golf von Lion zu einem der produktiveren Gebiete des westlichen Mittelmeers.
    Aber hinter den schön gefüllten Auslagen steckt ein Beruf, der zunehmend schwierig wird. Fangmöglichkeiten und Fangtage sind reguliert, einzelne Bestände stehen unter Druck und die Fischerei muss sich immer stärker zwischen wirtschaftlicher Existenz und dem Schutz der Ressourcen bewegen. Für 2026 gelten beispielsweise erneut konkrete Grenzen für den Fischereiaufwand der Mittelmeer-Trawler. Gleichzeitig versucht Sète, seine traditionelle Fischerei trotz zunehmender regulatorischer Anforderungen dauerhaft zu erhalten.
    Vielleicht sind gerade deshalb Märkte wie die Halles so wichtig. Hier treffen Fischer, Händler, Gastronomen, Einheimische und Besucher unmittelbar aufeinander. Man kauft nicht nur Lebensmittel – man unterhält sich, probiert, trifft Bekannte und hält damit einen Teil der Identität von Sète am Leben. Die Halles werden vom Tourismusbüro nicht umsonst als Mittelpunkt des Stadtlebens beschrieben, an dem sich alle Generationen treffen.
    Und so landeten wir irgendwann zwischen Fischtheken, Marktständen und dem typischen Trubel von Sète wieder genau dort, wo man im Urlaub am liebsten landet: mitten im Leben statt mitten in einer Sehenswürdigkeit.
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