Schipka ➡️ Sofia
Yesterday in Bulgaria ⋅ ☁️ 10 °C
Tag 16 - in Schipka besuchten wir morgens vor unserer Abreise noch das am Berghang gelegene Kloster. Es wurde von Zar Alexander II. anlässlich einer Schlacht am nahegelegenen Schipkapass gestiftet und ist entsprechend im russischen Stil gehalten. Sehr prächtig und wunderschön!
Auf unserem Weg zu unserem Zwischenhalt in Plowdiw haben wir für 1,49€ Super 95, getankt, eine willkommene Entlastung unserer Reisekasse. Hier wird für dich getankt und professionell die Scheibe gereinigt.
Plowdiw ist die zweitgrößte Stadt Bulgariens und verfügt über eine wunderschöne Altstadt, in der auch viele Überbleibsel aus der römischen Antike erhalten geblieben sind, wie das Theater und Teile des Forums und Stadions. Außerdem haben wir hier die erste Moschee unserer Reise besucht: Die Dschumaja-Moschee. Sie stammt aus dem 15. Jh. und ist damit die älteste osmanische Freitagsmoschee auf dem Balkan. Generell werden die osmanischen Einflüsse immer deutlicher erkennbar. Hier sehen wir auch zum ersten Mal große Palmen. In der Stadt sehen wir auch eine Büste für einen ehemaligen orth. Metropoliten der Stadt, Kiril von Plowdiw. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges hat er eine bedeutende Rolle beim Schutz bulgarischer Jüd*innen vor Deportation und Vernichtung gespielt. Immer wieder äußerte er sich gegen die NS-Ideologie und bekundete Solidarität mit Jüd*innen. Als 600 von ihnen aus Plowdiw deportiert werden sollten, intervenierte er umgehend, indem er sich bei staatlichen Stellen für diese Menschen einsetzte und ankündigte, sich nötigenfalls auch auf die Gleise zu legen, um die Deportation zu verhindern. Er war damit erfolgreich. Später versteckte er auch Jüd*innen in seinem privaten Wohnsitz. Ein echtes Vorbild gelebter Nächstenliebe und kirchlichen antifaschistischen Widerstandes, der uns auch heute noch inspirieren kann. Später wurde Kiril übrigens, das sei am Rande noch erwähnt, zum Patriarchen der bulgarischen orthodoxen Kirche.
Auf unserer Weiterfahrt nach Sofia sehen wir eine Landschaft, die geprägt ist durch waldreiche Berge, riesige Solarfelder und durch schlechte Straßen.
Sofia selbst ist auf den ersten Blick vor allem eins: Wunderschön! Etwas weniger Chaotisch als Bukarest, aber ebenso vielfältig teilen beide Städte auch den Charme allgegenwärtiger Provisorien. Zwischen verfallenen Altbauten und blankpolierten modernen Glastürmen zeigt sich hier eine Stadt vieler Widersprüche, die wir gern morgen weiter erkunden möchten. Eine unliebsame Begegnung hatten wir allerdings auch: Aus Autos, die gemeinsam mit uns in die Stadt fuhren johlten aus den neben uns fahrenden Autos Fußballfans aus dem Fenster und machten dabei eindeutig faschistische Gesten. Nicht um konkret und zu bedrohen, sondern um der Umgebung ihre menschenfeindliche Grundhaltung offen zur Schau zu stellen. Wir erfuhren, dass heute ein Halbfinale im bulgarischen Fußballpokal stattfand und dabei der ZSKA Sofia (der etwa für seine rechtsextreme Hooliganszene bekannt ist, zu der z.B. eine Gruppe namens "ZSKA SS Front" gehört) gegen Ludogorez Rasgrad (ein Kleinstadtklub, der vor 15 Jahren von einem Oligarchen gekauft wurde und seit dem regelmäßig die Meisterschaft gewinnt) spielte. Auch das ist wohl Balkan...
Trotz unserer schönen Reiseziele heute war die Stimmung bei uns schlechter als üblich. Jens war sehr von dem Verkehr gestresst und hatte Kreislaufbeschwerden und Björn hatte in der Nacht nur wenige Stunden geschlafen und den ganzen Tag über Verdauungsbeschwerden. Hoffentlich legt sich das schnell wieder und wir können unseren Aufenthalt hier genießen.
🚙 254km, 🚶🏻🚶🏻 7 km, ⛪4, 🕌1Read more













TravelerGute Besserung Euch beiden, dann lasst es auch mal ruhig(er) angehen …. 🙂↔️