Sofia
April 30 in Bulgaria ⋅ 🌧 9 °C
Tag 17 - Grüße aus Sofia! Heute haben wir zum ersten mal während unseres Trips richtig Pech mit dem Wetter: Es gießt in Strömen. Das bietet uns die willkommene Gelegenheit, es etwas ruhiger angehen zu lassen und den Vormittag in unserer Ferienwohnung zu bleiben. Wir organisieren uns also weitere Unterkünfte und eine eSim für die Balkanländer, die nicht EU-Mitgliedsstaaren sind. Nach einem Mittagessen in der Wohnung starten wir dann aber doch in die City.
Mit der Metro geht es zu unserer ersten Station, die sich mit der realsozialistischen Vergangenheit des Landes beschäftigt: Das nationale Museum für sozialistische Kunst. Es ist immer interessant zu sehen, wie ein Land des ehemaligen Ostblocks zu seiner jüngeren Vergangenheit verhält. In Rumänien etwa geschieht nur sehr wenig Aufarbeitung, in Bulgarien gibt es immerhin so etwas wie diese Ausstellung. Eine einzelne Texttafel ist dabei dafür zuständig, die Ausstellungsstücke allgemein einzuordnen, die einzelnen Bilder und Skulpturen stehen dann aber ohne Erklärung jeweils für sich selbst. Wir sehen hier neben Kunst auch sehr viel Kitsch, was an den strengen Vorgaben der autoritären Regierung lag. Im Skulpturenpark sehen wir ein paar prominente Ausstellungsstücke wie den roten Stern, der einst an der Spitze des Partei-Hauptquartiers, dem heutigen Parlamentsgebäude Bulgariens, geprangt hat und die Leninstatue, an dessen Stelle im City-Center heute eine Statue der Hl. Sofia, Namensgeberin der Stadt, zu sehen ist. An beiden diesen Orten werden wir später noch vorbeikommen.
Weiter geht es mit dem Bus zur Alexander-Newski-Kathedrale, wahrscheinlich DEM Wahrzeichen der Stadt. Sie ist die Patriarchenkathedrale der bulgarischen orthodoxen Kirche und gehört zu den größten orthodoxen Kirchen der Welt. Der Stil der originalen Ikonen und Malereien weicht ab von den strikten byzantinischen Vorgaben und interpretiert diese im Stil des Fin de Siècle der Jahrhundertwende neu, was ganz hübsch anzusehen ist. Wir finden aber hier eher einen touristischen als einen spirituellen Ort vor.
Angesichts des Regens entscheiden wir uns für ein nahegelegenes nächstes Ziel und besuchen die Sophienkirche, die zweitälteste Kirche der Stadt. Halb aus einem Zufall heraus sind wir hier auf einen echten Schatz gestoßen! Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche in Zeiten des römischen Kaisers Justinians I. (der etwa auch die Hagia Sophia und das Sinaikloster bauen ließ) im 6. Jh. Von den ursprünglichen Innenbemalungen jener Zeit ist aber leider nichts mehr übrig, da die Kirche in osmanischer Zeit als Moschee diente. Im Keller der Kirche kann man dafür aber Überreste der Vorgängerbauten besichtigen. Es gibt eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt und Kirche, bei der man zwischen Fundamenten, Gräbern und ehemaligen Außenmauern entlanggehen kann und alte Mosaiken und Malereien sehen kann. Nebenbei erfahren wir, dass die Kirche einer Legende nach von der Hl. Helena, der Mutter von Konstantin dem Großen gebaut worden sein soll und dass sie Austragungsort einer Reichsynode war, das sich im Nachgang des Konzils von Nizäa (wo die Urfassung des gleichnamige Glaubensbekenntnisses verfasst wurde) mit der Frage der Göttlichkeit Jesu und der Dreieinigkeit Gottes befasste. Man spricht auch von dem "arianischen" oder "trinitarischen" Streit. Es kam hier nicht zu einer Einigung, weswegen die Synode nicht zu einem ökumenischen Konzil wurde - trotzdem waren hier aber einmal berühmte Theologen wie der Kirchenvater Athanasius versammelt. Auf einer Texttafel lesen wir außerdem, dass auch das Toleranzedikt des Galerius von 311, das die Christ*innenverfolgungen im östlichen Teil des röm. Reiches auch hier in Sofia ausgestellt worden sein soll und dass auch Konstantin der Große häufig in dieser Stadt residierte und Dekrete ausstellte. Okay okay, um diesen Crashkurs in Kirchengeschichte nicht noch weiter ausufern zu lassen: Für Interessierte ist diese Ausstellung und die archäologischen Funde wirklich sehr spannend. Untermalt wurde es für uns durch den Gesang eines Hochzeitsgottesdienstes, der inzwischen über uns stattfand. Wirklich schön und ein echter Glücksgriff für uns!
Bei der weiteren Erkundung der Stadt sehen wir noch die sephardische Synagoge, die Markthalle und eine osmanische Moschee, bevor wir dann bei der Rotunde des Heiligen Georg, der ältesten Kirche der Stadt (4. Jh.) mit fantastischen Fresken, die in Mitten weiterer antiker Ruinen steht, unseren Rundgang beenden und mit der Straßenbahn in unsere Unterkunft zurückkehren. Trotz Regen also ein sehr gelungener Tag!
🚶🏻🚶🏻 8 km, 🚇, 🚌 , 🚋, ⛪ 3, 🕍 1, 🕌 1Read more

























