• Skopje ➡️ Ohridsee

    May 2 in North Macedonia ⋅ ☀️ 6 °C

    Tag 19 - nach erholsamen Schlaf starten wir heute weiter Richtung Süden. Bestes Wetter begleitet uns dabei auf unserem Weg. Die Verkehrsbedingungen sind günstig, wir kommen gut voran.

    Ungefähr auf der Hälfte der Strecke geht es eine Anhöhe hinauf zum Bergort Kruševo, wo wir das Ilinden-Denkmal, auch "Makedonium" genannt, besuchen möchten. Es wurde dort errichtet, um an den Ilinden-Aufstand 1903, eine Revolte der mazedonischen Bevölkerung der Stadt gegen die osmanische Fremdherrschaft, zu erinnern. Die Aufständischen riefen damals die Republik Kruševo aus (die erste freie Republik des Balkans!) und schafften es, ihren kleinen Staat 10 Tage lang gegen die Angriffe des osmanischen Imperiums zu verteidigen. Auch wenn sie damals keinen langfristigen Erfolg hatte, säte diese Revolte den Keim für die spätere erfolgreiche Befreiung (Nord) Mazedoniens und war auch in der Zeit der Besatzung durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg wichtiger Bezugspunkt und Inspiration für den antifaschistischen Widerstand. Neben der Geschichte hinter diesem Monument interessiert uns die Architektur des Komplexes, die ist nämlich ziemlich abgespaced! Das weiße kugelförmige Betongebäude mit seinen in alle Himmelsrichtungen ragenden Röhren mit Fenstern an ihren Enden erinnert uns zunächst an ein Virus oder ein Ufo (schon wieder!). Tatsächlich soll es wohl eher an eine Explosion oder (viel schöner!) an die Sonne erinnern, die ja schon seit der Antike ein wichtiges Symbol für die Mazedon*innen ist und heute auf Wappen und Flagge ihrer Republik prangt. Über eine Rampe ist das Gebäude sogar begehbar. Es handelt sich bei diesem Monument um ein Spomenik, eines von vielen abstrakten, futuristischen Monumenten, die in den 60ern bis Ende der 80er Jahre in Jugoslawien errichtet worden sind. Man hatte sich damals ganz Bewusst vom Sozialistischen Realismus abgewendet, den wir zum Beispiel im Museum in Sofia gesehen haben, und sich ganz bewusst für Denkmäler im Stil der Moderne entschieden. Damit wollte man sich auch ästhetisch von der UdSSR und dem Ostblock abgrenzen. Ein wirklich interessanter Ort, vielleicht werden wir ja noch mehr Spomeniki auf unserer Reise sehen!

    Am späten Nachmittag erreichen wir dann schon unser Tagesziel, den Ohridsee - einer der größten Seen des Balkans und einer der ältesten Seen der Welt (er ist ca. 3 Mio. Jahre alt!). Gespeist wird er durch unterirdische Quellen und hat keinen Abfluss, ist also quasi ein abgeschlossenes System. Daher gibt es hier auch Tiere, die es nirgendwo sonst gibt, wie die Ohridforelle. Von der alten Küstenstadt, die den gleichen Namen wie der See trägt, blicken wir über die weite Fläche von durchdringendem, tiefen Blau und sehen auf der anderen Seite schon Albanien. Auf dem Wasser fahren Schiffe und Boote in allen Größen. Hinter der Küstenlinie erheben sich die grünen Hänge der Berge. Irgendwie kommt uns der Gardasee, nur in schön, in den Sinn. Wir spazieren durch Ohrid, durch das alte Stadttor und an den mittelalterlichen Mauern und dem antiken Theater vorbei. Immer wieder wandert unser Blick auf das Wasser, das auf uns zwei Nordlichter natürlich eine magnetische Wirkung hat - auch wenn uns Meer natürlich lieber ist. An einer Felsspitze erreichen wir die malerisch gelegene Kirche St. Johannes von Kaneo. Wir genießen auch von dort aus den Ausblick, besichtigen die orthodoxe Kirche und fahren danach weiter zu unserer Unterkunft.

    Die letzte Station unserer Reise heute ist das ebenfalls am Ohridsee gelegene Kloster des Heiligen Naum. Naum war ein Schüler der Slawenapostel Kyrill und Method und war an der Entwicklung der kyrillischen Schrift beteiligt. Im 9. Jh. gründete er dieses Kloster, in dem er auch bestattet sein soll. Zwischenzeitlich hatte das Kloster leider keinen Konvent mehr, jetzt scheint jedoch wieder ein Mönch hier zu leben, der auch die Gottesdienste leitet. Im Hauptgebäude des Klosters ist heute ein Hotel, in dem wir für diese Nacht ein Zimmer gebucht haben. Wir übernachten heute also in einem Kloster, wie schön! Der Ort ist bei unserer Ankunft sehr überlaufen. Um ans Klostergebäude herabzukommen müssen wir im Schritttempo an den vielen Tourist*innen vorbeifahren, die uns nur widerwillig Platz machen. Das kulinarische Angebot im Hotelrestaurant ist wieder einmal für einen Vegetarier kein großes Vergnügen, aber mit Vorspeisen und Beilagen kommt man auch durch den Abend...

    Halbzeit! Auf das wir auch auf der zweiten Hälfte unserer Reise wunderschöne Orte entdecken, unser treues Gefährt weiterhin so zuverlässig durchhält und wir gesund bleiben 🙏🏻

    🚙 238 Km, 🚶🏻‍♂️🚶🏼‍♂️ 5 km, ⛪ 1
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