• Angekommen in Hamburg

    May 20 in Germany ⋅ 🌧 15 °C

    Die erste Nacht in Hamburg war unangenehm, das morgendliche Ritual fehlte, allein in der Wohnung zu schlafen ist ungewohnt. Jens hat von verschiedensten Zollkontrollen geträumt.

    Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien, die vielen Einschusslöcher in den Häusern, die Massengräber beschäftigen uns weiterhin. Aber und bleiben natürlich auch die vielen positiven Eindrücke: Die überwältigende Natur - die Berge, Seen, Schluchten, Wasserfälle, das Meer. Die vielen Kulturen und der Klang vieler Sprachen. Persönliche Begegnungen, Momente der Einkehr. Vielfältige Architektur von Holzhütten über französischen Straßenzügen bis hin zu modernen Hochhäuser, Höhlenklöster, sozialistische Bunkeranlagen, osmanische Prachtbauten und futuristische Spomeniks, orthodoxe Wandmalereien, arabische Kalligraphie, sozialistische Mosaike und überall UFO-Bauten. Souvenirshops voll mit Dracula-Merch, Doppeladler-Tinnef und Schnapssgläsern mit dem Gesicht von Genosse Tito darauf. Kulinarische Erlebnisse zwischen der besten und schlechtesten Pizza Europas, fleischlastige lokale Spezialitäten und natürlich auch Wein und Bier.

    Wir waren in zwei Zeitzonen, in 12 Ländern (und haben in 10 von ihnen übernachtet), haben an 37 Tagen und 36 Nächten in (pro Person) 25 Betten geschlafen, sind 7263 km Auto gefahren und 225 km gelaufen. Zusätzlich waren wir noch mit Fähre, Bus, Strassenbahn, Zahnradbahn, U-Bahn und Seilbahn unterwegs. Wir haben zwei Tekken, sechs Synagogen, sieben Moscheen und 70 Kirchen besucht. Wir waren in diversen Klöstern und Museen und im angeblich schwersten Gebäude der Welt. Getankt haben wir am günstigsten für 1,41€ und am teuersten für 2,35€ Super95. Meistens für ca. 20,-€ gegessen und zwischen 28,-€ und 84,-€ für eine Nacht gezahlt. Wir haben in einfachen Herbergen bis zu einem 4* Hotel übernachtet (wobei die 4* uns etwas veraltet vorkamen). Um in die Unterkünfte zu kommen waren meist kleine Boxen für die Schlüssel in der Nähe zum Eingang angebracht. Einmal war der elektronische Zugang die 1-2-3-4-# und der Schlüssel lag dann unter der Fussmatte, seltener gab es einen persönlichen Kontakt zu unseren Gastgeber*innen. Mal wurden beide Ausweise Fotografiert, mal nur einer und oft auch gar nicht nach einem Dokument gefragt. Auf unserer Reise haben wir sieben Grenzkontrollen über uns ergehen lassen - die umfangreichste ironischerweise innerhalb der EU zwischen Rumänien und Bulgarien, dort mussten wir sogar unser Verdeck öffnen. Dafür war die Einreise in die EU von Bosnien aus überraschend unspektakulär und wir wurden einfach durchgewunken. Zwei Mal haben wir Stempel in unsere Reisepässe bekommen (Montenegro und Bosnien). Von der Security des Bektaschi-Weltzentrums, das Ambitionen hat, ein unabhängiger Staat zu werden, haben wir trotz Bitte leider keinen bekommen.

    Auf unserer Reise hätten wir gut ein paar Wäscheklammern, scharfe Messer, Wasserkocher, Wok Pfanne und einen größeren Kochtopf gebrauchen können. Das sind Erfahrungswerte für mögliche zukünftige Roadtrips.

    Die vielen Eindrücke und Erlebnisse fangen an, sich im Kopf zu sortieren und sind nun besser zuzuordnen. Von dieser Reise hatten wir seit drei Jahre gesprochen und nun ist es schon wieder vorbei. Björn hat die Reiseziele rausgesucht vorbereitet, Jens hat sich um das Auto und die Ausstattung gekümmert. Unser EOS - die Reise haben wir auf dem rechten Kotflügel festgehalten. Ein Cabrio hätte es aber nicht sein müssen, nur zwei Mal sind wir offen gefahren. Bei den vielen Anstiegen waren die 150 galoppierenden Pferdchen die richtige Wahl. Bei dieser Reise lag unser Schwerpunkt auf den Städten, größer hätte unser Gefährt daher auch nicht sein dürfen.

    Das Ende unserer Reise erinnert uns ein wenig an eine Geschichte in der Bibel. In Mt 17 besteigt Jesus mit drei seiner Jünger den Berg Tabor um dort zu beten. Doch der Spitze angekommen geschieht etwas Unglaubliches: Plötzlich gibt es ein großes Leichten und es erscheinen neben Jesus Elija und Moses, mit denen er sich unterhält und vom Himmel hören sie Gottes Stimme. Am liebsten würden die Jünger für immer hier bleiben und am Gipfel des Berges Hütten für alle bauen. Doch so schnell wie die Erscheinung kommt, geht sie auch wieder. So wie sie müssen auch wir irgendwann im übertragenen Sinne vom Heiligen Berg wieder hinabsteigen in den Alltag. Auch wir mussten vom Balkan-Hochland wieder zurückkehren - so schön es dort auch gewesen ist. Nun gilt es die Erinnerung in sich zu halten.

    Dankbar für die Momente und die gemeinsame Zeit!
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