Ein Tag am Kaunasser Stausee
May 28 in Lithuania ⋅ ☀️ 7 °C
Heute Morgen war ich schon vor Sonnenaufgang wach. Und das ausnahmsweise mal nicht, weil irgendwo etwas geklappert oder gequietscht hätte, sondern freiwillig. Direkt vom Bett aus konnte ich beobachten, wie langsam die Sonne über dem Wasser aufging. Hier in Litauen beginnt der Tag wirklich früh – kurz vor 5 Uhr stand die Sonne bereits am Himmel.
Während draußen langsam alles heller wurde, schwammen Enten gemütlich vorbei und überall hörte man Vogelgezwitscher. Kein Straßenlärm, kein Stress, einfach nur Natur und absolute Ruhe. Es gibt diese seltenen Plätze auf Reisen, an denen man sofort merkt: Hier stimmt einfach alles. Und genau so ein Platz ist das hier.
Direkt an unserem Stellplatz befindet sich der Skulpturenpark „Lipantys iš vandens“ – auf Deutsch etwa „Die aus dem Wasser Steigenden“. Die Skulpturen wirken, als würden menschliche Figuren langsam aus dem Wasser auftauchen. Je nach Licht und Wetter sehen sie völlig unterschiedlich aus: mal geheimnisvoll, mal fast etwas unheimlich und manchmal einfach nur beeindruckend ruhig. Die Figuren sollen die Verbindung zwischen Mensch, Natur und Wasser darstellen und symbolisieren gleichzeitig Aufbruch, Veränderung und das Leben im Einklang mit der Umgebung.
Besonders spannend ist dabei auch die Geschichte des Sees selbst. Der Kaunasser Stausee entstand in den 1950er Jahren durch den Bau eines Wasserkraftwerks an der Memel. Für den riesigen Stausee wurden damals mehrere Dörfer überflutet und ganze Landschaften verschwanden unter Wasser. Viele Menschen mussten ihre Häuser verlassen und umsiedeln. Die Skulpturen erinnern symbolisch auch an diese verlorenen Orte und die Menschen, deren Heimat im Wasser versank.
Besonders morgens im Nebel oder bei Sonnenaufgang wirken die Skulpturen fast lebendig. Ehrlich gesagt musste ich beim ersten Blick kurz überlegen, ob dort wirklich Kunstwerke stehen oder jemand beschlossen hat, mitten im See spazieren zu gehen.
Nach dem Frühstück hieß es dann allerdings erstmal: Wellnessprogramm für Grisu.
Abschmieren stand auf dem Plan. Und wer einen alten Feuerwehr-LKW fährt, weiß: So ein Fahrzeug besitzt ungefähr genauso viele Schmiernippel wie ein mittelgroßer Bauernhof bewegliche Teile. Zum Glück war unser Stellplatz schön eben und der Untergrund angenehm glatt. Also Rollbrett raus und los ging die Expedition unter Grisu.
Wie ein Mechaniker auf geheimer Mission rollte ich unter dem alten Schweizer hin und her und versorgte brav jede Schmierstelle. Vermutlich sah das Ganze von außen aus, als würde ich versuchen, unter dem Wohnmobil zu wohnen.
Grisu genoss die Aufmerksamkeit jedenfalls sichtbar. Alte Fahrzeuge lieben sowas. Ein bisschen Fett hier, etwas Pflege dort und schon fühlt sich der alte Herr wieder wie ein junges Einsatzfahrzeug.
Den Rest des Tages verbrachten wir dann ganz professionell mit absolut nichts tun. Einfach die Landschaft genießen, aufs Wasser schauen, die Ruhe aufsaugen und den Gedanken freien Lauf lassen.
Und ganz ehrlich: Genau für solche Tage lieben wir diese Reise.Read more










Traveler
Ihr habt ja einen schönen Stellplatz direkt am See, aber der See sieht gespenstig aus. LG Mama