• Kloster Mariä Verkündigung

    May 27 in Poland ⋅ 🌬 19 °C

    Heute Morgen hieß es nach dem Frühstück erstmal: arbeiten. Ja, tatsächlich. Auch unterwegs holt einen der Alltag manchmal ein. Während andere vermutlich denken, wir sitzen den ganzen Tag nur mit Kaffee in der Sonne, wurde heute erstmal gearbeitet. Aber immerhin mit deutlich schönerer Aussicht als in vielen Büros dieser Welt.

    Nach getaner Arbeit machten wir uns anschließend auf den Weg zum Kloster Mariä Verkündigung in Supraśl.

    Schon von außen wirkt das orthodoxe Kloster unglaublich imposant. Die mächtigen Gebäude, die hellen Mauern und die markanten Türme verleihen der gesamten Anlage eine ganz besondere Ausstrahlung. Das Kloster gehört zu den bedeutendsten orthodoxen Klöstern Polens und wurde bereits im 16. Jahrhundert gegründet. Über viele Jahrhunderte war es ein wichtiges religiöses und kulturelles Zentrum der Region.

    Besonders spannend ist die bewegte Geschichte des Klosters. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es mehrfach zerstört, umgebaut und wieder aufgebaut. Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Anlage schwere Schäden und Teile des ursprünglichen Klosters gingen verloren. Vieles wurde später liebevoll rekonstruiert. Heute verbindet der Ort Geschichte, Spiritualität und orthodoxe Tradition auf beeindruckende Weise.

    Am Eingang gibt es übrigens keinen festen Eintrittspreis. Stattdessen spendet jeder einfach so viel, wie er möchte. Ein Konzept, das erstaunlich angenehm wirkt. Keine riesigen Preisschilder, keine Diskussion über Familientickets und kein Gefühl, beim Kircheneingang versehentlich ein Konzertticket kaufen zu müssen.

    Immer zur vollen Stunde finden Führungen statt – allerdings ausschließlich auf Polnisch. Das bedeutete für uns mal wieder: aufmerksam schauen, freundlich nicken und an den Stellen beeindruckt gucken, an denen vermutlich etwas besonders Wichtiges erklärt wurde. Inzwischen sind wir darin erstaunlich professionell geworden.

    Nach der Besichtigung setzten wir unsere Reise weiter Richtung Norden fort. Und plötzlich waren wir einfach in Litauen. Ohne Grenzstation, ohne Kontrolle und ohne großes Schild mit dramatischer Musik im Hintergrund. Genau das ist wirklich das Schöne an Europa. Eben noch Polen – fünf Minuten später Litauen.

    Kurz vor der Grenze bekam Grisu allerdings noch einmal einen randvollen Tank. Denn Diesel ist in Polen fast 30 Cent günstiger als in Litauen. Und bei einem alten Mercedes 1120er mit großem Tank entwickelt man plötzlich erstaunliches Talent im internationalen Kraftstoffpreisvergleich.

    Jetzt stehen wir im Regionalpark Lagune von Kaunas direkt an der Memel auf einem wunderschönen Stellplatz unmittelbar am Wasser. Ruhig, grün und mit perfektem Ausblick für den Abend.

    Während die Sonne langsam über dem Wasser verschwindet und Grisu gemütlich am Ufer steht, fühlt sich dieser Reisetag mal wieder genau so an, wie wir uns unsere Sommerreise vorgestellt haben: ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Kultur und zwischendurch ganz normale Dinge wie Arbeiten und Dieselpreise vergleichen.
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