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Sommerreise ins Baltikum

Mit unserem neuen Expeditionsmobil Grisu starten wir zu einem großen Sommer-Abenteuer ins Baltikum 🚐🌍
Von Deutschland aus führt uns die Reise zuerst durch Polen. Danach geht es weiter nach Litauen, Lettland und Estland
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    🇵🇱 Pristanien, Polen

    Regen, Raketen und ein Stellplatz mit Aussicht

    July 1 in Lithuania ⋅ 🌧 19 °C

    Als ich heute Morgen aus dem Fenster schaute, war die Stimmung schnell klar: Dunkle Wolken soweit das Auge reichte. Nichts mit gemütlich am Meer sitzen, schwimmen oder einfach nur die Seele baumeln lassen. Petrus hatte offenbar andere Pläne – also mussten wir unsere kurzerhand ändern.

    Plan A war eigentlich ein Besuch der Orvidų sodyba, einem außergewöhnlichen Skulpturenpark des litauischen Bildhauers und Mönchs Vilius Orvydas. Doch während der Fahrt öffnete der Himmel seine Schleusen. Und zwar nicht nur ein bisschen – eher nach dem Motto: Wenn schon Regen, dann richtig! Also wurde Plan A klatschnass und kurzerhand durch Plan B ersetzt.

    Das neue Ziel war das Šaltojo karo muziejus – das Museum des Kalten Krieges. Und rückblickend war das eine richtig gute Entscheidung.

    Das Museum befindet sich in einer ehemaligen unterirdischen Raketenbasis der Sowjetunion mitten im Nationalpark Žemaitija. Zwischen 1962 und 1978 waren hier vier atomar bestückbare Mittelstreckenraketen stationiert, streng geheim und jederzeit einsatzbereit. Die gesamte Anlage lag tief unter der Erde und war so konzipiert, dass die Raketen innerhalb weniger Minuten gestartet werden konnten. Heute führen die original erhaltenen Gänge, Kommandozentralen und Abschussschächte eindrucksvoll vor Augen, wie angespannt die Welt während des Kalten Krieges war. Wenn man dort unten steht, bekommt man schon eine Gänsehaut – nicht wegen der Temperatur, sondern weil einem bewusst wird, wie nah die Menschheit damals an einer nuklearen Katastrophe vorbeigeschrammt ist.

    Die Anlage lässt sich gut besichtigen und vermittelt Geschichte auf eine sehr eindrucksvolle Weise. Man verlässt das Museum nachdenklich – und gleichzeitig froh, dass diese Raketen nie ihr Ziel gefunden haben.

    Nach so viel Geschichte machten wir uns wieder auf den Weg – diesmal nach Klaipėda.

    Dort haben wir uns einen Stellplatz hinter dem Hafen gesucht. Von hier aus blicken wir direkt auf die Kurische Nehrung. Im Moment versteckt sie sich zwar noch etwas hinter Wolken, aber wir hoffen fest, dass das Wetter morgen ein Einsehen hat. Schließlich haben wir dem Regen heute schon mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als ihm eigentlich zusteht.

    Mal sehen, welchen Plan das Wetter morgen für uns bereithält. Wir hätten jedenfalls nichts dagegen, wenn sich Plan A endlich einmal durchsetzen dürfte.
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  • Liepāja

    June 30 in Latvia ⋅ ☀️ 23 °C

    Nachdem wir uns heute Morgen von Lisa und Ingo verabschiedet hatten, machten wir uns auf den Weg nach Liepāja. Dort angekommen wurden erst einmal die Fahrräder abgeladen – schließlich erkundet man eine Stadt am besten auf zwei Rädern.

    Da wir am Ende des Liepājas Jūrmalas Parks geparkt hatten, führte unser erster Weg durch die weitläufige Parkanlage. Eine schöne Gelegenheit, langsam in den Tag zu starten und schon einmal die frische Ostseeluft zu genießen.

    Als wir anschließend in die Stadt abbogen, steuerten wir – rein zufällig... oder vielleicht doch vom Marktmagneten angezogen – als Erstes den Libauer Petermarkt an. Und wie das nun einmal bei Andrea ist: Man kann ja nicht einfach mal kurz hineinschauen. Nein, selbstverständlich mussten sämtliche Gänge der Markthalle gründlich inspiziert werden. Irgendwo könnte schließlich noch eine Ecke sein, die wir beim ersten Durchgang übersehen hätten. Ich habe in der Zwischenzeit gelernt: Geduld ist eine Tugend – besonders auf Märkten.

    Nach der erfolgreichen Marktexpedition machten wir uns auf den etwa sechs Kilometer langen Weg in den Stadtteil Karosta. Die Strecke führte uns an zahlreichen Baustellen vorbei. Straßen und Bürgersteige werden hier umfassend erneuert – inklusive durchgehender Blindenleitsysteme. Es ist schon beeindruckend, wie viel Wert im Baltikum auf Barrierefreiheit gelegt wird. Das ist uns nicht nur hier in Lettland, sondern bereits in den anderen baltischen Staaten positiv aufgefallen.

    Der Weg nach Karosta führt über die Oskaras-Kalpaks-Brücke. Diese historische Drehbrücke wurde 1906 eröffnet und zählt zu den ältesten Metallbrücken Lettlands. Sobald sich ein Schiff nähert, drehen sich die beiden Brückenteile jeweils um 90 Grad zur Seite und geben den Kanal frei – Technik von vor über 100 Jahren, die bis heute zuverlässig funktioniert.

    Unser erstes Ziel war die imposante orthodoxe Marinekathedrale von Karosta. Die zwischen 1901 und 1903 im neobyzantinischen Stil errichtete Kathedrale beeindruckt schon von außen mit ihren goldenen Kuppeln und ihrer gewaltigen Größe. Sie war einst die Hauptkirche des russischen Marinehafens. Im Inneren wird derzeit umfangreich renoviert, sodass wir leider nur den Eingangsbereich besichtigen konnten. Trotzdem spürt man sofort die besondere Atmosphäre dieses beeindruckenden Bauwerks.

    Anschließend ging es weiter zum Karosta-Gefängnis. Ursprünglich war das Gebäude als Militärkrankenhaus geplant, wurde jedoch noch vor der Eröffnung in ein Militärgefängnis umgewandelt. Bis in die 1990er-Jahre diente es als Haftanstalt – zunächst für das Zarenreich, später für die Sowjetarmee und schließlich für das lettische Militär. Heute ist das Gefängnis ein Museum. Bei einer spannenden Führung erfährt man viel über den harten Alltag der Gefangenen. Wer möchte, kann hier sogar freiwillig eine Nacht in einer Zelle verbringen. Nach der Führung waren wir uns allerdings beide einig: Das Museum war interessant – übernachten möchten wir dann doch lieber in Grisu.

    Nach so viel Geschichte und Kultur schwangen wir uns wieder auf unsere Fahrräder und machten uns auf den Rückweg.

    Zum Abschluss des Tages suchten wir uns einen Stellplatz direkt am Meer.
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  • Auf Kuhjagd in Ventspils

    June 29 in Latvia ⋅ ☀️ 23 °C

    Das Gewitter der letzten Nacht hatte tatsächlich etwas Abkühlung gebracht. Trotzdem war es heute Morgen schon früh wieder so warm, dass an Ausschlafen nicht zu denken war. Also hieß es erst einmal alle Fenster auf, Grisu ordentlich durchlüften und anschließend in aller Ruhe frühstücken. Danach begann die tägliche Camper-Routine: Fahrräder abladen und los geht's!

    Heute sollte Ventspils erobert werden.

    Unser erster Weg führte uns am großen Hafen vorbei bis zum langen Sandstrand. Ventspils gehört zu den wichtigsten Hafenstädten Lettlands. Der eisfreie Hafen spielt seit Jahrhunderten eine bedeutende Rolle für den Handel an der Ostsee und zählt auch heute noch zu den größten Industrie- und Frachthäfen des Baltikums. Zum Glück trennt die Stadt Industrie und Erholung geschickt voneinander – nur wenige Minuten vom Hafen entfernt beginnt bereits der breite, feine Sandstrand.

    Von dort radelten wir gemütlich zurück in die Innenstadt. Ventspils ist eine sehr gepflegte und grüne Stadt mit vielen kleinen Parkanlagen, Blumenbeeten und liebevoll angelegten Plätzen. Spektakuläre historische Bauwerke sucht man zwar eher vergeblich, dafür punktet die Stadt mit ihrer entspannten Atmosphäre.

    Und dann wären da natürlich noch... die Kühe!

    Überall in der Stadt stehen kunstvoll bemalte Kuhskulpturen in allen erdenklichen Farben und Formen. Das Kunstprojekt entstand 2002 im Rahmen der internationalen Ausstellung CowParade. Viele der bunt gestalteten Kühe blieben anschließend in Ventspils und sind heute ein echtes Wahrzeichen der Stadt. Jede Kuh wurde von einem Künstler individuell gestaltet und erzählt ihre eigene kleine Geschichte.

    Eine der besonders großen Exemplare begrüßte uns sogar direkt neben Grisu auf unserem Stellplatz. Da war sofort klar: Heute steht keine Schnitzeljagd auf Zwerge an – heute gehen wir auf Kuhjagd!

    Also radelten wir durch die Stadt und hielten Ausschau nach möglichst vielen dieser originellen Kunstwerke. Und wie bei den Zwergen in Breslau entwickelte sich daraus schnell ein kleiner Wettbewerb: "Da vorne steht noch eine!" – "Nein, schau mal links, da ist auch eine!" Irgendwann achteten wir fast mehr auf Kühe als auf Straßenschilder.

    Am Nachmittag war dann Schluss mit Kulturprogramm. Die Sonne meinte es inzwischen wieder ausgesprochen gut mit uns, und so verlegten wir unsere Aktivitäten in den Schatten. Dort ließ es sich hervorragend entspannen und den Tag gemütlich ausklingen.

    Man muss schließlich auch einmal Kraft sammeln – man weiß schließlich nie, welche Tiere in der nächsten Stadt auf uns warten. Nach Zwergen und Kühen rechnen wir inzwischen mit allem.
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  • Von Spionen, Geisterstädten und einem Wiedersehen

    June 28 in Latvia ⋅ ⛅ 28 °C

    Da Andreas Knie leider immer noch nicht ganz mitspielen wollte und außerdem für den Nachmittag noch höhere Temperaturen angekündigt waren, beschlossen wir heute, Riga hinter uns zu lassen und unsere Reise in Richtung Westen fortzusetzen.

    Vorher stand allerdings noch ein kurzer Pflichtstopp beim Lidl auf dem Programm. Brot, Brötchen und die Wasservorräte mussten dringend aufgefüllt werden. Ein Camper weiß schließlich: Ohne Wasser geht gar nichts – und ohne frische Brötchen beginnt der Tag auch nur halb so schön.

    Unser erstes Ziel war Irbene. Dort wollten wir das berühmte Radioteleskop besichtigen. Leider erfuhren wir vor Ort, dass Besichtigungen nur nach vorheriger Anmeldung per E-Mail möglich sind. Schade – wir hätten die Anlage wirklich gerne aus der Nähe gesehen.

    Die Anlage blickt auf eine spannende Geschichte zurück. Während des Kalten Krieges war sie Teil eines streng geheimen sowjetischen Militärgeländes. Offiziell existierte hier praktisch nichts. Tatsächlich diente die riesige Antennenanlage der Funkaufklärung und dem Abhören westlicher Satelliten- und Funkverbindungen. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde das Gelände für wissenschaftliche Zwecke umgebaut. Heute betreibt die Universität Ventspils hier ein modernes Radioastronomie-Zentrum. Die beiden großen Teleskope sollen sogar durch einen rund 700 Meter langen Tunnel miteinander verbunden sein – ob das tatsächlich stimmt, bleibt allerdings eines der vielen kleinen Geheimnisse dieses Ortes.

    Nur wenige Kilometer weiter wurde es dann fast schon gespenstisch.

    Wir kamen an der sogenannten Ghost City Irbene vorbei. Zwischen Bäumen stehen dort noch die Überreste ehemaliger Plattenbauten. Kaum zu glauben, dass hier früher einmal eine ganze Stadt lebte.

    Die Siedlung wurde ausschließlich für Angehörige des sowjetischen Militärs und ihre Familien errichtet. Da sich hier das geheime Spionagezentrum befand, war das gesamte Gebiet Sperrgebiet und auf keiner Landkarte eingezeichnet. Nach dem Abzug der sowjetischen Armee Anfang der 1990er-Jahre wurde der Ort innerhalb kürzester Zeit verlassen. Heute holt sich die Natur langsam alles zurück. Zerfallene Wohnblocks, leere Fenster und überwucherte Straßen erinnern daran, wie vergänglich selbst scheinbar bedeutende Orte sein können. Irgendwie faszinierend – und gleichzeitig ein wenig unheimlich.

    Nach so viel Geschichte und ein bisschen Gänsehaut ging es weiter nach Ventspils.

    Dort wartete die nächste Überraschung auf uns.

    Auf unserem ausgewählten Stellplatz am Hafen standen doch tatsächlich Lisa und Ingo – die beiden hatten wir bereits auf Saaremaa in Kuressaare kennengelernt. Die Freude über das unerwartete Wiedersehen war natürlich groß.

    Wie das unter Reisenden so ist, wurden erst einmal die Erlebnisse der letzten Tage ausgetauscht. Aus fünf Minuten wurden ganz entspannt zwei Stunden.

    Anschließend gingen wir gemeinsam lecker essen und ließen den Abend gemütlich vor den Wohnmobilen ausklingen. Es wurde viel gelacht, erzählt und natürlich schon wieder über neue Reiseziele philosophiert.

    Es ist schon erstaunlich: Man fährt mehrere tausend Kilometer durch das Baltikum und trifft unterwegs immer wieder dieselben netten Menschen. Entweder ist die Welt doch kleiner als gedacht... oder Camper haben einfach ein eingebautes Wiederfindungs-Navi.

    So ging ein Tag voller spannender Geschichte, geheimnisvoller Orte und schöner Begegnungen zu Ende – und genau diese Mischung macht unsere Reise immer wieder so besonders.
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  • Riga – Tag 2: Allein auf Entdeckungstour

    June 27 in Latvia ⋅ ☀️ 26 °C

    Heute Morgen ging es für mich ausnahmsweise allein los. Andrea hatte sich gestern beim Fahrradfahren das Knie etwas lädiert und legte deshalb einen wohlverdienten Ruhetag ein. Während ich durch Riga radelte, machte sie es sich im Schatten unter einem Baum direkt an der Düna gemütlich. Gar kein schlechter Platz, um das Knie zu schonen.

    Meine erste Station war die Lettische Nationalbibliothek. Das markante Gebäude fällt sofort ins Auge und ist eines der modernsten Wahrzeichen Rigas. Wegen seiner markanten Form wird es auch „Das Schloss des Lichts“ genannt. Die Architektur erinnert an einen gläsernen Berg und basiert auf einer lettischen Sage, nach der ein Berg das Wissen des Landes bewahrt. Besonders bei Sonnenschein wirkt das Gebäude beeindruckend.

    Von dort rollte ich weiter zum Riga Rise Observation Wheel. Das moderne Riesenrad ist eine der neuesten Attraktionen der Stadt und bietet aus rund 65 Metern Höhe einen fantastischen Blick über Riga, die Düna und die Altstadt. Heute blieb es allerdings beim Blick von unten – schließlich wollte ich noch ein paar Kilometer in den Beinen sammeln.

    Am Lettischen Eisenbahnmuseum musste ich mich dann wirklich zusammenreißen. Schon beim Blick auf die alten Lokomotiven war klar: Hier könnte ich locker einen halben Tag verbringen. Aber manchmal muss man als Reisender Prioritäten setzen... auch wenn es schwerfällt.

    Über die beeindruckende Vanšu-Brücke ging es weiter. Von hier oben hat man einen tollen Blick über den Hafen. Heute lagen dort "nur" zwei Kreuzfahrtschiffe. Das ließ hoffen, dass Riga heute etwas entspannter sein würde als gestern.

    Also nichts wie hinein in die Altstadt.

    Vorbei am Rigaer Schloss, dem mächtigen Dom, durch die kleinste Gasse Rigas und über den Rathausplatz radelte ich kreuz und quer durch die Straßen. Und tatsächlich – heute war richtig angenehmes Stadtbummeln möglich. Die Menschenmassen hielten sich in Grenzen und das Beste: Es war weit und breit keine Fahrradrallye mit fünfzig Kreuzfahrtradlern in Sicht. Man konnte also ganz entspannt fahren, ohne ständig Angst haben zu müssen, von einer internationalen Radtour überrollt zu werden.

    Am Freiheitsdenkmal legte ich eine kurze Pause ein, studierte den Stadtplan und tat so, als hätte ich jederzeit gewusst, wo ich gerade bin.

    Die nächste Station war die Rigaer Christi-Geburts-Kathedrale. Doch bevor es hinein ging, meldete sich mein Magen beziehungsweise meine Kaffeelaune.

    Direkt neben der Kathedrale fand ich einen kleinen Kiosk. Ein leckerer Cappuccino und ein paar hervorragende Teilchen später war die Welt wieder in Ordnung. Gut gestärkt konnte die Besichtigung beginnen.

    Die orthodoxe Kathedrale ist die größte ihrer Art im Baltikum und wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Schon von außen beeindrucken die goldenen Zwiebeltürme, doch auch innen ist sie wunderschön gestaltet. Prunkvolle Ikonen, reich verzierte Wandmalereien und der Duft von Weihrauch schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Hier setzte ich mich erst einmal für ein paar Minuten hin und genoss einfach die Ruhe.

    Danach machte ich noch einen kleinen Abstecher in die Neustadt, bevor es durch den Bastejkalna-Park weiterging. Mit seinen kleinen Wasserfällen, Brücken, Skulpturen und dem gemütlich dahinfließenden Stadtkanal gehört er sicherlich zu den schönsten Parkanlagen Rigas. Anschließend führte mich der Weg weiter durch den Kronvalda-Park, dessen große Bäume an diesem heißen Tag wohltuenden Schatten spendeten.

    Die Fahrt durch die grünen Parkanlagen war fast genauso schön wie die Altstadt selbst. Man vergisst dabei völlig, dass man sich mitten in einer Großstadt befindet.

    Irgendwann meldete sich dann allerdings mein Popometer unmissverständlich zu Wort. Es war der festen Überzeugung, dass für heute ausreichend Kilometer gesammelt worden waren – und diesem Argument konnte ich mich nur schwer widersetzen.

    Also machte ich mich gemütlich auf den Rückweg zu Grisu, wo Andrea bereits entspannt im Schatten saß. Sie hatte einen ruhigen Tag, ich einen erlebnisreichen – und am Ende waren wir beide mit unserem Tagesprogramm mehr als zufrieden.
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  • Riga – Tag 1: Markthallen, Menschenmassen

    June 26 in Latvia ⋅ ⛅ 20 °C

    und ein taktischer Rückzug

    Heute Morgen war erst einmal Ausschlafen, gemütlich frühstücken und den herrlichen Stellplatz direkt an der Düna genießen angesagt. Man muss ja schließlich gut gestärkt in eine Hauptstadt starten.

    Unsere erste Erkundungstour führte uns zur Lettischen Akademie der Wissenschaften. Das imposante Gebäude ist schon von Weitem nicht zu übersehen. Mit seinem markanten, stalinistischen Baustil erinnert es ein wenig an die berühmten "Sieben Schwestern" in Moskau. Erbaut wurde es in den 1950er-Jahren und trägt bis heute den Spitznamen „Stalins Geburtstagstorte“. Im 17. Stock befindet sich eine Aussichtsplattform, von der man einen fantastischen Blick über Riga haben soll. Heute haben wir uns allerdings mit dem Anblick von unten begnügt – schließlich wollten wir uns für später noch etwas aufheben.

    Von dort führte uns der Zufall direkt zum Zentralmarkt von Riga. Oder besser gesagt: Andrea hat ihn gefunden... und damit war der weitere Tagesablauf eigentlich besiegelt.

    Der Rigaer Zentralmarkt gehört zu den größten und bekanntesten Märkten Europas. Die fünf riesigen Markthallen wurden in den 1920er-Jahren aus ehemaligen Zeppelin-Hangars umgebaut. Heute gibt es dort nahezu alles: Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Gewürze, Süßigkeiten und unzählige regionale Spezialitäten. Dazu kommt noch ein riesiger Außenmarkt.

    Und wer Andrea kennt, weiß genau, was das bedeutet: Jeder einzelne Gang musste selbstverständlich gründlich inspiziert werden. Man könnte ja irgendwo zwischen Gurken, Käse und geräuchertem Fisch noch etwas entdecken, das man unbedingt braucht. Ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass Andrea auch ohne Stadtplan jederzeit den Ausgang jeder Markthalle finden würde.

    Nach einer gefühlten Ewigkeit schafften wir es schließlich doch noch, unsere Fahrräder wieder in Richtung Altstadt zu lenken.

    Und was soll man sagen? Riga ist wirklich wunderschön. Prächtige Bürgerhäuser, liebevoll restaurierte Fassaden, enge Gassen und der historische Rathausplatz verleihen der Stadt einen ganz besonderen Charme.

    Man könnte stundenlang durch die Straßen schlendern...
    ...wenn da nicht gefühlt sämtliche Kreuzfahrtschiffe der Ostsee gleichzeitig ihre Passagiere freigelassen hätten.
    Ich glaube, es lagen drei Schiffe im Hafen. Zumindest fühlte es sich so an, als hätten sich alle Gäste gleichzeitig vorgenommen, genau dieselbe Straße zu besuchen wie wir.
    Den absoluten Höhepunkt lieferte dann ein Fahrradrudel der Mein Schiff. Rund 50 Leihräder rauschten geschlossen durch die Altstadt, als würde heute die letzte Etappe der Tour de France in Riga stattfinden. Wer nicht schnell genug zur Seite sprang, lief Gefahr, als Verkehrsinsel zu enden.
    Wir schauten nur kurz hinterher und waren uns beide sofort einig: Heute nicht.

    Also traten wir den geordneten Rückzug an. Auf dem Rückweg machten wir natürlich – völlig überraschend – noch einmal Halt auf dem Zentralmarkt, um frisches Fleisch für den Grill einzukaufen.

    Zurück am Stellplatz genossen wir die herrliche Ruhe an der Düna. Manchmal ist ein gemütlicher Grillabend mit Blick aufs Wasser einfach deutlich entspannter als ein Slalomlauf zwischen mehreren tausend Kreuzfahrttouristen.

    Mal sehen, was Riga morgen für uns bereithält. Vielleicht haben die Kreuzfahrtschiffe ja dann Ausgangssperre.
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  • Von Papiermachern und Rittern

    June 25 in Latvia ⋅ ⛅ 22 °C

    Nach einer absolut ruhigen Nacht mitten im Wald wachten wir heute Morgen bestens erholt auf. Kein Verkehr, keine Nachbarn, keine Regentrommler auf dem Dach – nur Vogelgezwitscher und die Gewissheit, dass wieder ein spannender Reisetag vor uns lag.

    Unser erstes Ziel war das nur wenige Kilometer entfernte Līgatne. Der kleine Ort ist eng mit der Papierherstellung verbunden. Bereits im 19. Jahrhundert entstand hier eine der bedeutendsten Papierfabriken Lettlands. Das Wasser des Flusses Līgatne lieferte die nötige Energie für die Produktion, und rund um die Fabrik entwickelte sich nach und nach eine ganze Arbeitersiedlung.

    Besonders sehenswert sind die historischen Holzhäuser, die für die Fabrikarbeiter gebaut wurden. Viele davon sind bis heute erhalten. Berühmt ist Līgatne außerdem für seine in den Sandstein gehauenen Höhlenkeller. Diese wurden ursprünglich als Lagerräume für Lebensmittel genutzt und halten das ganze Jahr über eine gleichmäßige Temperatur. Wer keinen Kühlschrank hatte, hatte eben eine Sandsteinhöhle.

    Wir schlenderten durch das alte Dorf, schauten uns die Höhlen und die ehemalige Papierfabrik an und konnten uns gut vorstellen, wie hier einst das Leben rund um die Fabrik pulsiert haben muss.

    Danach ging es weiter nach Sigulda, das oft als die „Schweiz Lettlands“ bezeichnet wird. Nach einem kurzen Pflichtstopp bei Lidl – schließlich lebt auch ein Camper nicht nur von Sehenswürdigkeiten – fuhren wir in die Stadt und fanden an der Gondelstation einen passenden Parkplatz.

    Fahrräder runter und los ging die Erkundungstour.

    Als Erstes stand das Schloss Segewold auf dem Programm. Das heutige Schloss wurde Ende des 19. Jahrhunderts im neugotischen Stil als Herrenhaus der Fürstenfamilie Kropotkin erbaut. Mit seinen Türmen, Zinnen und dem gepflegten Park wirkt es fast wie aus einem Märchenbuch. Man erwartet förmlich, dass gleich ein Graf um die Ecke kommt und nach dem Zustand seiner Ländereien fragt.

    Direkt daneben befinden sich die Ruinen der alten Schwertbrüderordensburg Segewold. Die mächtige Festung wurde Anfang des 13. Jahrhunderts vom Schwertbrüderorden errichtet und gehörte zu den wichtigsten Burgen der Region. Obwohl heute nur noch Teile der Anlage erhalten sind, vermitteln die dicken Mauern und Türme noch immer einen guten Eindruck davon, wie beeindruckend die Burg einst gewesen sein muss.

    Eigentlich wollten wir anschließend noch zur Burg Treyden fahren. Doch wie so oft auf Reisen hatten wir die Rechnung ohne die Zeit gemacht. Die Stunden vergingen schneller als gedacht, und irgendwann mussten wir einsehen, dass der Tag leider keine Verlängerung vorsieht.

    Da wir ohnehin schon vieles gesehen hatten und Sigulda für uns keine weiteren großen Überraschungen mehr bereithielt, beschlossen wir kurzerhand, bereits heute nach Riga weiterzufahren.

    Und so endete der Tag schließlich an einem wunderschönen Stellplatz direkt an der Düna.
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  • Regen, Ruinen und rote Felsen

    June 24 in Latvia ⋅ ☁️ 18 °C

    Die ganze Nacht spielte der Regen sein ganz eigenes Konzert auf Grisu. Mal ganz sanft und leise wie eine beruhigende Einschlafmelodie, dann wieder mit voller Lautstärke und großer Trommel. Manchmal hatte ich das Gefühl, der Dirigent da oben wollte unbedingt noch eine Zugabe geben.

    So fiel uns der Abschied von Pärnu am Morgen nicht allzu schwer. Nachdem wir uns herzlich von Gabi und Rainer verabschiedet hatten, machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Lettland.

    In Cēsis angekommen, stand zunächst eine der weniger spektakulären, aber umso wichtigeren Camper-Disziplinen auf dem Programm: Wäsche waschen. Wir fanden eine geöffnete Wäscherei und nutzten die Gelegenheit, unseren Kleiderschrank wieder in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen. Schließlich möchte man ja nicht, dass die Kleidung irgendwann von allein zum Lüften aus dem Schrank krabbelt.

    Nachdem die Pflicht erfüllt war, ging es in die Altstadt von Cēsis.

    Cēsis, das frühere Wenden, zählt zu den ältesten und geschichtsträchtigsten Städten Lettlands. Die Stadt war im Mittelalter ein bedeutendes Zentrum des Livländischen Ordens und besitzt bis heute eine sehr charmante Altstadt mit historischen Gebäuden, kleinen Gassen und einem gemütlichen Marktplatz.

    Leider hatten wir bei unserem Besuch das Talent, ausgerechnet an einem lettischen Feiertag hier aufzutauchen. Das Ergebnis: Fast alles hatte geschlossen. Geschäfte geschlossen. Kirchen geschlossen. Und zu unserem Bedauern auch die berühmte Schwertbrüderordensburg Wenden.

    Die Burg zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Festungen des Baltikums. Sie wurde im 13. Jahrhundert vom Livländischen Orden errichtet und war über viele Jahrhunderte eines der wichtigsten Machtzentren der Region. Die mächtigen Mauern und Ruinen prägen bis heute das Stadtbild und locken normalerweise zahlreiche Besucher an.

    Nur leider nicht an unserem Feiertag.

    Also begnügten wir uns mit einem kleinen Spaziergang durch die schöne Altstadt und beschlossen anschließend, weiterzufahren. Man muss schließlich immer einen Grund haben, irgendwann noch einmal zurückzukommen.

    Da es mittlerweile schon etwas später geworden war, suchten wir uns einen Platz für die Nacht und wurden am Gauja-Fluss fündig. Unser Ziel waren die Ķūķu Cliffs.

    Diese beeindruckenden Sandsteinfelsen gehören zu den schönsten Naturdenkmälern im Gauja-Nationalpark. Über Jahrtausende hat der Fluss die bis zu mehreren Dutzend Meter hohen Sandsteinwände geformt. Die rötlich-gelben Felsen leuchten je nach Sonnenstand in unterschiedlichen Farben und bilden einen wunderschönen Kontrast zum dunklen Wald und dem ruhigen Fluss.

    Direkt dort fanden wir einen herrlichen Stellplatz mitten im Wald. Nach den vielen Kilometern, der Wäscheaktion und dem Feiertags-Pech in Cēsis fühlte sich dieser Ort wie die perfekte Belohnung an.
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  • Planlos durch Pärnu

    June 23 in Estonia ⋅ ☁️ 18 °C

    Heute war erst einmal „Strolling around“ angesagt. Also kein fester Plan, keine To-do-Liste und keine Sehenswürdigkeiten, die unbedingt abgehakt werden mussten. Einfach treiben lassen.

    Da wir direkt am Rannapark stehen, war dieser nach dem Abladen der Fahrräder unsere erste Station. Der weitläufige Park zieht sich entlang der Küste und gehört zu den beliebtesten Grünanlagen Pärnus. Bereits im 19. Jahrhundert wurde er als Teil des Kurortes angelegt. Breite Wege, alte Bäume, gepflegte Blumenbeete und schattige Plätze laden zum Spazierengehen und Verweilen ein. Besonders schön ist die Skulpturenallee, die mit verschiedenen Kunstwerken immer wieder kleine Blickfänge bietet. Hier trifft Natur auf Kunst – und gelegentlich auch auf Touristen, die versuchen, die perfekte Fotoperspektive zu finden.

    Vom Park aus ging es weiter durch das historische Tallinna värav, das Tallinner Tor. Es ist das einzige erhaltene Stadttor der ehemaligen Festungsanlagen von Pärnu und erinnert daran, dass die Stadt einst von mächtigen Mauern umgeben war.

    Danach machten wir genau das, was wir am besten können: kreuz und quer durch die Stadt fahren, ohne wirklich zu wissen, wo wir in zehn Minuten sein würden.

    Pärnu gilt als die Sommerhauptstadt Estlands und besitzt einen ganz besonderen Charme. Die Stadt verbindet historische Holzhäuser, elegante Villen aus der Kurortzeit und moderne Cafés mit einer angenehm entspannten Atmosphäre. Alles wirkt ruhig, gepflegt und irgendwie entschleunigt. Keine Hektik, kein Großstadtlärm – stattdessen breite Straßen, grüne Parks und viele hübsche Häuser, die aussehen, als hätten sie schon einige Geschichten zu erzählen.

    Je länger wir durch die Straßen radelten, desto besser gefiel uns die Stadt. Hinter jeder Ecke wartete ein neues schönes Gebäude, ein kleiner Platz oder eine ruhige Seitenstraße. Es sind oft genau diese Orte, die man nicht im Reiseführer findet, die aber den besonderen Reiz einer Stadt ausmachen.

    Nach unserer Stadtrundfahrt ging es gemütlich am langen Sandstrand entlang zurück zu Grisu. Dort wartete bereits die nächste wichtige Tagesaufgabe auf mich: die Hängematte.

    Manche Menschen betreiben Yoga zur Entspannung. Andere meditieren. Ich hingegen legte mich in die Hängematte und lauschte dem Wind in den Bäumen. Funktioniert mindestens genauso gut.

    Am Nachmittag bekamen wir dann Besuch von Gabi und Rainer. Die beiden hatten wir auf Saaremaa an der Küste kennengelernt. Es ist immer wieder schön, wie schnell man unterwegs mit anderen Reisenden ins Gespräch kommt und sich die Wege später erneut kreuzen.

    Am frühen Abend wurde schließlich der Grill angeworfen. Gemeinsam verbrachten wir einen sehr schönen Abend mit guten Gesprächen, leckerem Essen und vielen Reisegeschichten. Wie so oft verging die Zeit viel zu schnell.

    So endete ein rundum gelungener Tag in Pärnu: ein wenig Kultur, viel Entspannung, eine Portion Hängematte und ein geselliger Grillabend mit Freunden.

    Eigentlich genau die richtige Mischung für einen perfekten Urlaubstag.
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  • Abschied von den Inseln

    June 22 in Estonia ⋅ ⛅ 22 °C

    Nach ein paar herrlich entspannten Tagen am Ostseestrand hieß es heute Morgen langsam Abschied nehmen. Die Ostsee zeigte sich noch einmal von ihrer freundlichen Seite, doch neue Abenteuer warteten bereits auf uns.

    Unser erster Stopp führte uns noch einmal auf die kleine Insel Muhu. Genauer gesagt nach Koguva, einem der besterhaltenen historischen Dörfer Estlands.

    Schon bei der Ankunft fühlten wir uns ein wenig in die Vergangenheit versetzt. Reetgedeckte Häuser, alte Steinmauern, urige Wirtschaftsgebäude und gepflegte Höfe prägen das Bild des Dorfes. Koguva gilt als eines der am besten erhaltenen Bauerndörfer des Landes und vermittelt einen Eindruck davon, wie die Menschen hier über Jahrhunderte gelebt haben.

    Im Muhu Museum konnten wir diesen Eindruck noch vertiefen. Das Freilichtmuseum besteht aus mehreren historischen Gebäuden, darunter ein alter Bauernhof, Wirtschaftsgebäude und eine Dorfschule. Besonders interessant ist, dass viele der Gebäude original erhalten geblieben sind und nicht erst nachträglich hierher versetzt wurden. So bekommt man einen authentischen Einblick in das Leben der Inselbewohner vergangener Zeiten. Während wir durch die alten Räume gingen, konnte man sich gut vorstellen, wie hier früher gekocht, gearbeitet und gelernt wurde – allerdings vermutlich ohne WLAN und Kaffeemaschine.

    Besonders die reetgedeckten Häuser hatten es uns angetan. Sie wirken, als wären sie direkt einem Bilderbuch entsprungen. Man erwartet fast, dass gleich ein Bauer mit Pferdewagen um die Ecke kommt und sich über die merkwürdigen Besucher mit ihren Fahrrädern wundert.

    Nach unserem Rundgang machten wir uns wieder auf den Weg zur Fähre. Langsam verschwanden Muhu und Saaremaa hinter uns am Horizont. Die beiden Inseln haben uns mit ihrer Ruhe, den schönen Landschaften und ihren liebenswerten Eigenheiten wirklich begeistert.

    Wieder auf dem Festland angekommen führte uns unsere Reise weiter nach Pärnu, der Sommerhauptstadt Estlands. Diesen Titel trägt die Stadt nicht ohne Grund. Mit ihrem kilometerlangen Sandstrand, den vielen Cafés, Parks und Promenaden zieht sie jedes Jahr Urlauber aus dem ganzen Land an.

    Wir fanden einen ausgezeichneten Stellplatz in direkter Strandnähe. Besser geht es kaum. Kaum angekommen, konnte man bereits die Ostsee riechen und das Urlaubsgefühl stellte sich sofort wieder ein.
    Jetzt freuen wir uns darauf, die Sommerhauptstadt Estlands morgen genauer zu erkunden.

    Und wer weiß – vielleicht spielt ja sogar das Wetter einmal dauerhaft mit auf unserer Reise. Die Hoffnung geben wir jedenfalls noch nicht auf.
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  • Vom Schafparlament zum Lost Place

    June 19 in Estonia ⋅ ⛅ 21 °C

    – ein Tag voller Geschichten“

    In der letzten Nacht fiel mir das Einschlafen überhaupt nicht schwer. Ich hatte noch so viele Schafe vom Schafparlament im Kopf, dass ich beim Zählen gar nicht weit gekommen bin. Irgendwo zwischen Schaf Nummer 37 und einem Schafgeneral mit wichtiger Parlamentssitzung war ich bereits friedlich eingeschlafen.

    Heute Morgen konnten wir direkt am Meer und in aller Ruhe frühstücken. Das sanfte Rauschen der Wellen, die frische Seeluft und ein guter Kaffee – mehr Luxus braucht man manchmal gar nicht. Was für ein Genuss!

    Unser erster Stopp des Tages war der Lymanda Limepark. Der kleine, aber sehr interessante Natur- und Industriepark widmet sich ganz dem Thema Kalkstein, einem der wichtigsten Baustoffe Saaremaas. Auf dem nur 1,8 Kilometer langen Rundweg werden die einzelnen Arbeitsschritte von der Gewinnung des Kalksteins über das Brennen und Löschen bis hin zur Verwendung anschaulich erklärt. Besonders beeindruckend sind die rekonstruierten Kalkbrennöfen, die zeigen, wie aufwendig die Kalkherstellung früher war. Trotz der kurzen Strecke gibt es jede Menge zu entdecken.

    Während unserer Wanderung sorgte die Natur außerdem bestens für unser leibliches Wohl. Überall am Wegesrand fanden wir köstliche Walderdbeeren. So wurde der Spaziergang gleichzeitig zu einer kleinen Schatzsuche mit sehr leckerem Ergebnis.

    Danach führte uns unsere Reise weiter durch die wunderschönen Wälder Saaremaas. Vorbei an blühenden Wiesen voller leuchtend rotem Klatschmohn erreichten wir schließlich einen echten Lost Place – das alte Herrenhaus von Kõljala.

    Die Kõljala mõis wurde ursprünglich im Mittelalter als Gutshof gegründet und entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem bedeutenden Herrenhaus der Region. Das heutige Gebäude stammt überwiegend aus dem 19. Jahrhundert und war einst Mittelpunkt eines großen landwirtschaftlichen Anwesens. Nach den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verlor das Gut seine ursprüngliche Bedeutung und verfiel nach und nach. Heute steht das Gebäude verlassen da und erzählt still von besseren Zeiten.

    Besonders faszinierend war, dass Teile des Hauses noch eingerichtet sind. Es wirkt stellenweise tatsächlich so, als hätten die Bewohner erst vor wenigen Tagen ihre Koffer gepackt und wären kurz um die Ecke gegangen. Gleichzeitig ist es traurig zu sehen, wie ein so schönes Gebäude langsam der Natur und dem Verfall überlassen wird. Man fragt sich unweigerlich, welche Geschichten sich wohl hinter den alten Mauern verbergen.

    Nach unserer Erkundung des Herrenhauses ging es weiter zum Angla Windmill Park.

    Der Windmühlenpark von Angla gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Saaremaas. Hier stehen mehrere historische Bockwindmühlen, die eindrucksvoll zeigen, wie die Menschen früher Getreide mahlten und ihren Lebensunterhalt sicherten. Ergänzt wird die Anlage durch ein Museum mit einer bemerkenswerten Sammlung alter landwirtschaftlicher Geräte, Werkzeuge und industrieller Maschinen. Besonders beeindruckend fanden wir den Zustand der Ausstellungsstücke. Viele Maschinen wurden liebevoll restauriert und sind sogar noch voll funktionsfähig. Man spürt förmlich den Stolz und die Leidenschaft, mit der hier die Technik vergangener Zeiten erhalten wird.

    Gegen 20:30 Uhr fanden wir schließlich einen wunderschönen Stellplatz direkt am Meer. Der Blick auf das Wasser, die absolute Ruhe und die frische Seeluft machten schnell klar: Hier bleiben wir ein paar Tage.

    Nach den vielen Eindrücken, Erlebnissen und Kilometern der letzten Zeit ist eine kleine Reisepause genau das Richtige. Jetzt heißt es erst einmal entschleunigen, die Seele baumeln lassen und all die schönen Momente der vergangenen Tage Revue passieren lassen.

    Und wer weiß – vielleicht tagt heute Nacht erneut das Schafparlament. Die Chancen stehen jedenfalls gut, dass ich wieder rechtzeitig zur ersten Zählung einschlafe.
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  • Schafpolitik am Ende der Welt

    June 18 in Estonia ⋅ ☁️ 16 °C

    oder: Demokratie auf Estnisch

    Von Kuressaare aus zog es uns heute in den Westen der Insel Saaremaa, dorthin, wo die Straßen schmaler werden, die Landschaft noch ruhiger ist und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass man eher Schafen als Menschen begegnet.

    In Karala stießen wir dann auf ein ganz besonderes „Parlament“: das sogenannte Lammparlament von Estland.

    Der Künstler, Parlamentarier und Landwirt Mart Maastik hat hier einen außergewöhnlichen Kunstpark geschaffen, der irgendwo zwischen politischer Satire, Landschaftskunst und sehr kreativer Bauernhofgestaltung liegt. Auf seinem Gelände versammeln sich mehrere hundert Steinskulpturen in Schafgestalt, die in einer Art „parlamentarischer Ordnung“ angeordnet sind.

    Das Ganze nennt sich nicht ohne Grund „Schafparlament“. Die Idee dahinter ist eine humorvolle, aber auch nachdenkliche Parallele zur menschlichen Politik: Viele Schafe, viele Meinungen, viel Bewegung – aber am Ende bleibt die Herde oft doch auf dem gleichen Weg. Genau diese Mischung aus Ironie und Beobachtung macht den Ort so besonders.

    Inspiriert wurde das Ganze unter anderem von Stonehenge in England. Daraus entstand das sogenannte „Lambhenge“, eine Art steinernes Schafkreis-Parlament unter freiem Himmel. Dort kann man tatsächlich zwischen den „Abgeordneten“ spazieren, sich in „Schafversammlungen“ einfinden und sogar eine „Schafparade“ beobachten – zumindest in der Fantasie des Künstlers. In der Realität läuft man eher grinsend durch ein Feld voller liebevoll gestalteter Steinschafe und fragt sich, wie man auf solche Ideen kommt.

    Die Entstehung begann vor über 15 Jahren. Aus einem ersten Steinschaf wurden schnell weitere Figuren: ein Elch, ein Küken, ein Schweineschaf und sogar eine Schildkröte. 2003 bekam das Projekt sogar offiziellen Besuch, als die damalige Präsidentin des estnischen Parlaments Ene Ergma auf dem Hof vorbeischaute. Die Idee, ein „Parlament aus 101 Schafen“ zu erschaffen, wurde mit Humor aufgenommen – und wuchs anschließend stetig weiter. Heute sind es mehrere hundert Figuren, und Ideenmangel scheint hier tatsächlich ein Fremdwort zu sein.

    Das eigentlich Schönste an diesem Besuch war jedoch nicht nur die Kunst selbst, sondern die Begegnung mit Mart Maastik persönlich. Als wir das Gelände erkundeten, trafen wir ihn zufällig an seinem reetgedeckten Haus bei der Arbeit im Garten. Daraus entwickelte sich ein sehr angenehmes Gespräch.

    Als wir ihn auf die Sauberkeit und Ordnung in Estland ansprachen, erklärte er mit einem Schmunzeln, dass diese Tugenden teilweise aus der historischen deutschen Prägung in Estland stammen würden – Pünktlichkeit, Ordnung und ein gewisser Sinn für Struktur. Eine Beobachtung, der wir nur zustimmen konnten, auch wenn wir uns dabei innerlich ein kleines bisschen schämten, wie sehr uns diese Tugenden manchmal selbst abhandengekommen sind.

    Es war eines dieser Gespräche, die man nicht plant, aber lange im Kopf behält.

    Nach diesem sehr besonderen und leicht skurrilen Kulturerlebnis fanden wir ganz in der Nähe einen wunderschönen Stellplatz direkt am Meer. Die Wellen, die Ruhe und der weite Blick über die Ostsee bildeten einen perfekten Kontrast zu den philosophierenden Steinschafen des Nachmittags.

    Ein Tag zwischen Kunst, Humor, Politik im Schafspelz und einem sehr ruhigen Platz am Wasser – und irgendwie passt das alles erstaunlich gut zusammen.
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  • Sagenhaft unterwegs in Kuressaare

    June 18 in Estonia ⋅ ⛅ 19 °C

    Nach dem Frühstück machten wir uns heute Morgen als Erstes mit den Fahrrädern auf den Weg zum kleinen Jachthafen von Kuressaare. Bei strahlendem Sonnenschein radelt es sich schließlich deutlich angenehmer als mit Regenjacke und Kapuze.

    Unterwegs kamen wir an der Skulptur Suur Tõll ja Piret vorbei. Sie zeigt den sagenhaften Riesen Suur Tõll und seine Frau Piret. In den estnischen Sagen, besonders auf Saaremaa, spielen Riesen eine wichtige Rolle. Suur Tõll gilt als Beschützer der Inselbewohner. Er war stark, gerecht und half den Menschen, wenn sie in Not waren. Gleichzeitig soll er aber auch ein recht temperamentvoller Zeitgenosse gewesen sein, wenn ihm etwas nicht passte. Seine Frau Piret stand ihm dabei stets zur Seite und wird in den Geschichten als ebenso kräftig und klug beschrieben.

    Die Skulptur erinnert an diese alten Legenden, die auf Saaremaa bis heute lebendig geblieben sind. Wenn man vor den beiden Figuren steht, kann man sich gut vorstellen, wie sie früher riesige Felsbrocken durch die Gegend geworfen oder ganze Schiffe über die Ostsee getragen haben sollen. Zumindest erklärt das, warum hier und da ein paar größere Steine in der Landschaft liegen.

    Am Hafen angekommen schauten wir eine Weile den Kindern der Segelschule zu. Es war schön zu sehen, mit welchem Eifer die kleinen Kapitäne ihre Boote über das Wasser steuerten. Manche sahen bereits sehr professionell aus, andere übten vermutlich noch das kontrollierte Kreisefahren.

    Danach stand das eigentliche Highlight des Tages auf dem Programm: Schloss Arensburg.

    Die mächtige Burg steht auf einer kleinen Insel und wird von einem sechseckigen Wassergraben umgeben. Schon von außen wirkt die Anlage beeindruckend. Bevor wir uns ins Innere wagten, erkundeten wir zunächst ausgiebig die Außenanlagen mit dem Fahrrad. Rund um die Burg gibt es schöne Wege, Bastionen und immer wieder tolle Ausblicke auf die alten Mauern und die wunderschönen gut erhaltenen Häuser in der Stadt.

    Die Burg Arensburg gilt als die am besten erhaltene mittelalterliche Festung im gesamten Baltikum. Sie wurde im 14. Jahrhundert von den Bischöfen von Ösel-Wiek errichtet und diente sowohl als Wehrburg als auch als Verwaltungssitz. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Herrscher mehrfach, doch die Burg blieb erstaunlich gut erhalten.

    Besonders beeindruckend ist, wie vollständig die Anlage heute noch wirkt. Während viele Burgen Europas nur noch aus ein paar romantischen Mauern bestehen, steht hier fast die komplette Festung. Türme, Wehrgänge, Innenhöfe und massive Mauern vermitteln einen hervorragenden Eindruck davon, wie das Leben im Mittelalter ausgesehen haben könnte.

    Nach der ausgiebigen Erkundung des Schlosses waren wir uns einig: So eine Burg erobert sich schließlich nicht von allein. Deshalb war die anschließende Kaffeepause im Innenhof des Schlosses absolut verdient. Bei Cappuccino und herrlichem Wetter ließen wir die Eindrücke auf uns wirken und genossen die besondere Atmosphäre.

    Irgendwann mussten wir uns dann doch von Rittern, Bischöfen und Riesen verabschieden. Also schwangen wir uns wieder auf die Fahrräder, fuhren zurück zu Grisu und machten uns bereit für das nächste Abenteuer.
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  • Sonne über Kuressaare – es geschehen noch Wunder

    June 17 in Estonia ⋅ ☁️ 17 °C

    Heute Morgen traute ich meinen Augen kaum. Kein Trommeln auf dem Dach, keine dunklen Wolken am Horizont, kein hektischer Blick auf die Wetter-App. Stattdessen: strahlend blauer Himmel!

    Nach den vielen Regentagen fühlte sich das fast schon unwirklich an. Sicherheitshalber haben wir mehrmals aus dem Fenster geschaut, ob die Sonne auch wirklich bleibt.

    Zunächst stand ein kleiner Umzug an. Vom Jachthafen wechselten wir auf den Parkplatz am Stadion, den ich gestern Abend bei meiner Erkundungstour entdeckt hatte. Dort angekommen standen bereits einige andere Camper, und wie das unter Reisenden so ist, dauerte es nicht lange, bis man miteinander ins Gespräch kam.

    Aus einem kurzen „Hallo“ wurden schnell interessante Reisegeschichten, Tipps und Erfahrungen. Ehe wir uns versahen, war wieder eine ganze Weile vergangen. Aber genau diese spontanen Begegnungen machen das Reisen mit dem Wohnmobil so besonders.

    Irgendwann schafften wir es dann doch, die Fahrräder zu satteln und in die Stadt aufzubrechen.

    Kuressaare ist die einzige Stadt auf Saaremaa und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im Mittelalter entwickelte sich der Ort zu einem wichtigen Handelsplatz. Später wurde die Stadt vor allem als Kurort bekannt. Wohlhabende Gäste kamen wegen des milden Klimas, der frischen Seeluft und der heilenden Schlammbäder auf die Insel. Wer damals etwas auf sich hielt, fuhr zur Erholung nach Kuressaare.

    Beim Radeln durch die Stadt versteht man schnell, warum sich die Menschen hier wohlfühlen. Die Straßen sind gepflegt, die Atmosphäre entspannt und überall stehen wunderschöne historische Holzhäuser und elegante Villen aus der Zeit, als Kuressaare ein beliebter Bade- und Kurort war. Viele der Gebäude sind liebevoll restauriert und verleihen der Stadt einen ganz besonderen Charme.

    Statt zielstrebig von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu fahren, machten wir das, was wir am liebsten tun: uns treiben lassen. Mal hier durch eine kleine Gasse, mal dort über einen Platz, immer wieder neue schöne Häuser entdecken und einfach die entspannte Stimmung genießen.

    Am Marktplatz angekommen fanden wir schließlich ein gemütliches Restaurant mit einem sonnigen Plätzchen im Freien. Genau dort ließen wir uns nieder, bestellten einen leckeren Cocktail und eine kleine Stärkung und genossen das bunte Treiben um uns herum.

    Nach den vielen Regentagen fühlte sich das fast wie ein kleiner Feiertag an.

    Doch wir waren nicht die Einzigen, die Interesse an unserem Essen hatten.

    Plötzlich erschien eine äußerst selbstbewusste Nebelkrähe. Zunächst tat sie völlig harmlos und schlenderte scheinbar zufällig in unserer Nähe herum. Sie dachte wohl das wir kurz abgelenkt waren, schlug blitzschnell zu und klaute gleich zwei Stücke Käse von Andreas Teller.

    Die Diebin verschwand anschließend mit ihrer Beute so professionell, dass man meinen könnte, sie betreibe dieses Geschäft hauptberuflich. Andrea war um zwei Käsestücke ärmer, die Krähe um ein erfolgreiches Mittagessen reicher und wir um eine lustige Urlaubsgeschichte.

    Während um uns herum Menschen flanierten, Fahrräder vorbeiratterten und die Terrassen gut gefüllt waren, beobachteten wir nun zusätzlich die gefiederte Räuberbande von Kuressaare. Offenbar gehören hier nicht nur die Touristen, sondern auch die Krähen zu den Stammgästen der Gastronomie.

    Das berühmte Schloss von Kuressaare und das Restaurant Hafen heben wir uns ganz bewusst für morgen auf. Man muss ja schließlich noch etwas für den nächsten Tag übrig lassen.

    So wurde aus einem eigentlich unspektakulären Tag ein wunderschöner Sommertag. Sonne, nette Gespräche, eine charmante Stadt, ein leckerer Cocktail und eine Nebelkrähe mit ausgezeichnetem Geschmack.

    Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die einen Reisetag besonders machen. Wobei die Sonne nach den letzten Wochen eigentlich schon fast als Sehenswürdigkeit durchgeht – dicht gefolgt von der Käse-Diebin vom Marktplatz.
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  • Inselhüpfen mit Grisu

    June 15 in Estonia ⋅ 🌧 15 °C

    Gestern machten wir uns auf den Weg zu einem weiteren Highlight unserer Baltikumreise: der estnischen Inselwelt.

    Nach einer kurzen Fährüberfahrt erreichten wir zunächst die Insel Muhu. Die kleine Schwester von Saaremaa ist bekannt für ihre ursprüngliche Landschaft, traditionelle Bauernhöfe und die vielen Wacholderbüsche, die hier überall wachsen. Eigentlich ein perfekter Ort, um die Seele baumeln zu lassen.

    Andrea hatte auch direkt einen wunderschönen Stellplatz am Meer gefunden. Der Blick war traumhaft, die Umgebung herrlich ruhig und eigentlich fehlte nur noch die Sonne. Leider hatte das Wetter erneut andere Pläne. Kaum angekommen, öffnete der Himmel seine Schleusen und schickte uns in den ungeplanten Schlechtwettermodus.

    Während draußen die Regentropfen ihre tägliche Vorstellung gaben, konnte ich die Zeit immerhin sinnvoll zum Arbeiten nutzen. Man muss die Vorteile eines Regentages schließlich auch sehen.

    Heute Morgen ging es dann weiter nach Saaremaa, der größten Insel Estlands. Muhu und Saaremaa sind durch den berühmten Väinatamm miteinander verbunden. Der etwa 3,5 Kilometer lange Damm wurde bereits 1896/97 gebaut und war damals ein echtes Meisterwerk. Vor seiner Errichtung gelangte man nur per Boot oder im Winter über das Eis von einer Insel zur anderen. Heute fährt man ganz entspannt darüber hinweg und denkt kaum darüber nach, wie aufwendig das früher gewesen sein muss.

    Unser erstes Ziel auf Saaremaa war Kuressaare, die einzige Stadt der Insel. Die Stadt liegt direkt an der Ostsee und gilt als kulturelles Zentrum der Insel. Mit ihren historischen Gebäuden, den gepflegten Parks und der berühmten Bischofsburg zählt sie zu den schönsten Orten Estlands.

    Doch bevor wir uns den Sehenswürdigkeiten widmen konnten, stand zunächst eine der wichtigsten Aufgaben eines jeden Campers an: Wasser tanken.

    Nach erfolgreicher Mission und gefülltem Tank kehrten wir direkt nebenan in die historische Saaremaa Veski Windmühle ein. Bei einem Bier und einem Cappuccino genossen wir das gemütliche Ambiente der alten Mühle und den liebevoll angelegten Garten. Genau die richtige Mischung aus Entspannung und Belohnung nach erfolgreicher Wasserversorgung.

    Anschließend folgte die nächste Lieblingsbeschäftigung vieler Reisender: Einkaufen. Schließlich verschwinden Lebensmittel im Wohnmobil auf mysteriöse Weise oft schneller als Diesel.

    Nachdem alle Pflichten erfüllt waren, steuerten wir unseren Stellplatz im Jachthafen Roomassaare an. Der kleine Hafen liegt etwas außerhalb von Kuressaare und bietet einen schönen Blick aufs Wasser.

    Der Plan war eigentlich perfekt: Fahrräder abladen, in die Stadt fahren und Kuressaare erkunden.

    Doch das Wetter hatte offenbar Zugriff auf unsere Reiseplanung.

    Kaum standen wir, setzte erneut Regen ein. Nicht ein paar Tropfen. Nicht ein kurzer Schauer. Sondern die bewährte baltische Premiumversion.

    Also wurde der Nachmittag kurzerhand auf Couching umgestellt. Auch das gehört schließlich zum Camperleben.

    Am Abend zeigte der Himmel dann doch noch etwas Gnade. Ich schnappte mir das Fahrrad und machte eine kleine Erkundungstour durch die Stadt. Dabei fand ich einen idealen Parkplatz direkt am Stadion, nur wenige Schritte von der berühmten Burg entfernt.

    Morgen werden wir deshalb unseren Standort wechseln und Kuressaare in aller Ruhe erkunden.

    Bleibt nur zu hoffen, dass der Wettergott diesmal nicht schon wieder andere Pläne hat. Wobei wir langsam den Verdacht haben, dass er heimlich mit uns reist und sich prächtig amüsiert.
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  • Historische Gleise und entspannte Seemomente

    June 14 in Estonia ⋅ 🌧 15 °C

    Nach so viel Geschichte, Gefängnismauern und frischer Seeluft in Rummu war erstmal eine Kaffeepause fällig. Gut gestärkt setzten wir anschließend unsere Reise in Richtung Hapsalu fort.

    Dort stand das Eisenbahn- und Kommunikationsmuseum auf unserem Programm. Schon der historische Bahnhof ist einen Besuch wert. Das Bahnhofsgebäude stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und gehörte einst zu den repräsentativsten Bahnhöfen Estlands. Besonders bekannt ist der außergewöhnlich lange, überdachte Bahnsteig. Dieser wurde seinerzeit eigens für den Besuch des russischen Zaren gebaut, damit dieser bei Wind und Wetter trockenen Fußes aus seinem Zug steigen konnte. Nicht schlecht für einen Bahnhof in einer kleinen Küstenstadt.

    Heute beherbergt das Gelände das Eisenbahn- und Kommunikationsmuseum. Hier sind verschiedene historische Lokomotiven, Waggons und Eisenbahntechnik ausgestellt. Einige der Fahrzeuge kann man aus nächster Nähe betrachten, andere leider nur durch einen Zaun. Das ist ein wenig schade, denn gerade bei alten Lokomotiven juckt es einen doch in den Fingern, einmal näher heranzugehen und die vielen Details zu entdecken.

    Trotzdem macht das Museum Spaß. Zwischen alten Signalen, Telefontechnik und historischen Eisenbahnfahrzeugen lässt sich wunderbar in vergangene Zeiten eintauchen. Man bekommt einen guten Eindruck davon, wie Reisen früher funktioniert hat – als Fahrkarten noch aus Papier waren und man nicht alle fünf Minuten aufs Handy schauen musste.

    Nach unserem Rundgang ging es weiter durch die wunderschöne estnische Landschaft. Nur wenige Kilometer später fanden wir wieder einen dieser Stellplätze, bei denen man sich fragt, warum man überhaupt jemals weiterfahren sollte.

    Direkt an einem See, umgeben von Wald und Vogelgezwitscher, stand Grisu für die Nacht perfekt. Da die Sonne heute endlich einmal zeigte, was sie eigentlich kann, war die Entscheidung schnell getroffen: Hängematte raus!

    Kurz darauf hing ich gemütlich zwischen den Bäumen und lauschte den Vögeln. Die schienen sich über das schöne Wetter mindestens genauso zu freuen wie wir. Während Amseln, Finken und andere gefiederte Sänger ihr Nachmittagskonzert veranstalteten, fiel es zunehmend schwer, noch irgendeine Aktivität für den Rest des Tages zu planen.
    Manchmal sind die schönsten Reisetage eben nicht die mit den spektakulärsten Sehenswürdigkeiten, sondern die, an denen man einfach die Natur genießt und die Seele baumeln lässt.
    Oder in meinem Fall: gleich den ganzen Körper in der Hängematte.
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  • Rummu, von Gefängnismauern, versunkenen Gebäuden

    June 14 in Estonia ⋅ ☁️ 13 °C

    Gestern stand ein ganz besonderer Ort auf unserer Liste – einer dieser Plätze, die man nicht alle Tage zu sehen bekommt. Unser Ziel war das ehemalige Gefängnis von Rummu.

    Schon bei der Ankunft wird klar: Das ist kein gewöhnliches Museum. Das ehemalige Gefängnis aus Sowjetzeiten ist heute ein sogenannter Lost Place, den man auf eigene Faust erkunden kann. Verlassene Gebäude, offene Zellentüren, lange Flure und der sichtbare Zahn der Zeit verleihen dem Gelände eine ganz besondere Atmosphäre.

    Zum Glück gibt es einen hervorragenden Audioguide, der nicht nur die Geschichte erklärt, sondern dies auch noch mit einer guten Portion Humor tut. So wurde aus einem Rundgang durch ein ehemaliges Gefängnis überraschenderweise eine ziemlich unterhaltsame Angelegenheit.

    Das Gefängnis wurde während der Sowjetzeit betrieben und war eng mit dem angrenzenden Kalksteinbruch verbunden. Viele der Häftlinge mussten dort Zwangsarbeit leisten und unter teilweise sehr harten Bedingungen Kalkstein abbauen. Die Gefangenen verbrachten ihre Tage im Steinbruch und ihre Nächte hinter den Gefängnismauern – keine Kombination, die man sich für den Urlaub wünschen würde.

    Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde das Gefängnis schließlich geschlossen. Die Pumpen, die das Grundwasser aus dem Steinbruch fernhielten, wurden abgeschaltet. Was dann geschah, ging erstaunlich schnell: Das Wasser eroberte sich sein ursprüngliches Gebiet zurück.

    Der ehemalige Steinbruch lief voll und verwandelte sich in den heutigen Rummu-See.

    Und genau dieser Kontrast macht den Ort so faszinierend.

    Wo früher Gefangene schwer arbeiten mussten, glitzert heute ein türkisblauer See in der Sonne. Einige Gebäude des ehemaligen Steinbruchs wurden vom Wasser verschluckt. Dächer, Mauern und andere Gebäudeteile ragen noch heute aus dem Wasser heraus und verleihen dem See ein fast surreal wirkendes Aussehen.

    Mittlerweile hat sich Rummu zu einem beliebten Bade- und Tauchspot entwickelt. Taucher können dort die versunkenen Bauwerke erkunden, die heute auf dem Grund des Sees liegen. Vermutlich einer der wenigen Orte der Welt, an denen man gleichzeitig Industriegeschichte, Lost Place und Badesee erleben kann.

    Natürlich durfte auch der berühmte Ascheberg nicht fehlen. Genau genommen handelt es sich um einen riesigen Abraumhügel aus den Zeiten des Kalksteinabbaus. Durch seine helle Farbe wirkt er fast wie ein kleiner Gebirgszug oder eine überdimensionierte Sanddüne mitten in Estland.

    Von oben bietet sich ein fantastischer Blick über das gesamte Gelände. Auf der einen Seite der türkisblaue See, auf der anderen die verlassenen Gefängnisgebäude und dazwischen die Überreste einer bewegten Vergangenheit.

    Je länger wir dort unterwegs waren, desto mehr wurde uns bewusst, wie außergewöhnlich dieser Ort ist. Rummu vereint Geschichte, Natur und Abenteuer auf eine Weise, die man kaum erwartet.

    Und während wir durch die alten Gebäude liefen, fragten wir uns immer wieder, wie die ehemaligen Insassen wohl reagieren würden, wenn sie wüssten, dass heute Touristen freiwillig Eintritt bezahlen, um ihre ehemalige Haftanstalt zu besichtigen.

    Die Antwort würden wir wirklich gerne hören.

    So blieb Rummu für uns einer der außergewöhnlichsten Orte unserer bisherigen Baltikum-Reise – ein Platz, an dem sich die Geschichte nicht versteckt, sondern an jeder Ecke sichtbar bleibt.
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  • Eine Stadt zum Verlieben

    June 12 in Estonia ⋅ ☁️ 16 °C

    Nachdem der Regen die ganze Nacht fleißig auf Grisu eingetrommelt hatte, sah es am Morgen zunächst nicht nach einem idealen Tag für eine Stadtbesichtigung aus. Doch gegen späten Vormittag hatte der Wettergott endlich ein Einsehen mit uns. Die Wolken rissen auf, die ersten Sonnenstrahlen zeigten sich und sofort war klar: Räder raus, Freunde einsammeln und ab nach Tallinn!

    Schon nach den ersten Metern durch die Altstadt waren wir begeistert. Tallinn gehört ohne Zweifel zu den schönsten Städten, die wir auf dieser Reise bisher besucht haben. Die mittelalterliche Altstadt zählt zum UNESCO-Welterbe und wirkt an vielen Stellen wie eine Filmkulisse.

    Überall führen verwinkelte Kopfsteinpflastergassen zwischen alten Kaufmannshäusern hindurch. Hinter jeder Ecke wartet ein neuer Platz, ein historisches Gebäude oder eine gemütliche Terrasse. Statt einem festen Plan zu folgen, ließen wir uns einfach treiben – und genau das war die richtige Entscheidung.

    Besonders beeindruckend ist der Rathausplatz mit seinem gotischen Rathaus. Umgeben von farbenfrohen Bürgerhäusern und kleinen Cafés bildet er das Herz der Altstadt. Hier herrscht ein lebendiges Treiben, ohne dass es hektisch wirkt.

    Immer wieder entdeckten wir wunderschöne Kirchen. Die mächtige Alexander-Newski-Kathedrale mit ihren schwarzen Zwiebeltürmen und den reich verzierten Fassaden ist schon von Weitem ein Blickfang. Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich die Domkirche auf dem Domberg, die seit Jahrhunderten das Stadtbild prägt.

    Von den Aussichtspunkten auf dem Toompea-Hügel boten sich fantastische Blicke über die roten Ziegeldächer der Altstadt bis hin zum Hafen und zur Ostsee. An solchen Orten bleibt man automatisch länger stehen als geplant. Zumindest solange, bis jemand fragt, ob es nicht Zeit für einen Kaffee wäre.

    Und genau so verging der Tag. Eine schöne Gasse führte zur nächsten, aus einem kurzen Fotostopp wurde eine kleine Pause und aus einer kleinen Pause wurde manchmal eine größere. Ehe wir uns versahen, zeigte die Uhr bereits kurz vor 19 Uhr.

    Also machten wir uns langsam auf den Rückweg zu Grisu.

    Dort wartete bereits das nächste Highlight des Tages. Der Grill wurde aufgebaut, das Lagerfeuer entfacht und schon kurze Zeit später saßen wir gemeinsam mit Monika und Otto gemütlich beisammen.

    Während die Flammen knisterten, wurden Reisegeschichten erzählt, Erinnerungen an Marokko ausgetauscht und natürlich auch neue Pläne geschmiedet. Solche Abende kann man nicht planen – sie entstehen einfach.

    So ging ein wunderschöner Tag zu Ende. Tallinn hat uns mit seinen Gassen, Kirchen, Türmen und Plätzen vollkommen begeistert. Und als wäre das nicht schon genug gewesen, durften wir den Abend mit guten Freunden am Lagerfeuer ausklingen lassen.

    Manchmal sind es genau diese Tage, die eine Reise unvergesslich machen: morgens noch Regen, tagsüber eine Traumstadt und abends Lagerfeuerromantik mit Freunden.

    Viel besser wird es eigentlich nicht.
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  • Vom Waldsee zum Wasserfall

    June 11 in Estonia ⋅ ☁️ 17 °C

    Die Nacht an unserem Stellplatz mitten im Wald war herrlich ruhig. Kein Verkehr, keine Nachbarn, kein Lärm – nur das leise Rascheln der Bäume und gelegentlich das Gequake irgendeines Bewohners des Sees. So lässt es sich aushalten.

    Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Jägala-Wasserfall, dem größten natürlichen Wasserfall Estlands.

    Schon beim ersten Blick wird klar, warum dieser Ort so beliebt ist. Der Wasserfall ist rund 50 Meter breit und etwa 8 Meter hoch. Besonders auffällig sind die braunen Wasserstreifen, die sich über die Felskante ziehen. Diese Färbung stammt vom Moorwasser, das reich an Huminstoffen ist und dem Wasser seine typische bernsteinbraune Farbe verleiht. Dadurch wirkt der Wasserfall fast so, als hätte jemand mit einem riesigen Pinsel braune Streifen in die Landschaft gemalt.

    Auch wenn er nicht mit den gigantischen Wasserfällen anderer Kontinente mithalten kann, besitzt der Jägala-Wasserfall seinen ganz eigenen Charme. Die breite Wasserkante, das tosende Wasser und die umliegende Natur bilden ein wunderschönes Gesamtbild. Im Winter friert der Wasserfall teilweise zu und verwandelt sich in eine riesige Eiswand – heute waren wir allerdings froh, dass das Wasser noch flüssig war.

    Nach unserem Besuch ging es weiter nach Tallinn.

    Dort wartete bereits ein Wiedersehen, auf das wir uns schon lange gefreut hatten. Monika und Otto, die wir auf einer unserer Marokko-Reisen kennengelernt haben, sind ebenfalls hier. Es ist schon erstaunlich, wie viele nette Bekanntschaften man auf Reisen macht – und wie schnell man sich wieder fühlt, als hätte man sich erst gestern gesehen.

    Die Begrüßung fiel entsprechend herzlich aus, und wir freuten uns schon auf ein paar gemeinsame Tage in Estland.

    Leider hatte das Wetter mal wieder andere Pläne.

    Am Nachmittag zog sich der Himmel zu und kurz darauf begann es zu regnen. Und diesmal war es kein kurzer Schauer, sondern eher die Kategorie „Ich habe heute frei und bleibe den ganzen Tag“.

    So mussten unsere gemeinsamen Unternehmungen zunächst verschoben werden. Statt Stadtbesichtigung und Erkundungstouren gab es erstmal gemütliches Beisammensein, Reisegeschichten und die Hoffnung auf bessere Wetterbedingungen.

    Aber immerhin: Schlechte Tage mit Freunden sind deutlich angenehmer als schlechte Tage ohne Freunde.

    Und die Wettervorhersage macht Hoffnung. Morgen soll die Sonne wieder das Kommando übernehmen.

    Bis dahin genießen wir die Vorfreude auf Tallinn, auf die gemeinsame Zeit mit Monika und Otto und hoffen, dass der Regen heute Nacht endlich genug getrommelt hat. Grisu hat schließlich schon ein komplettes Baltikum-Konzert erlebt.
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  • Zwischen Gutshaus, Moor und Waldsee

    June 10 in Estonia ⋅ ☁️ 18 °C

    Vom Kloster aus ging es für uns weiter durch die typisch estnische Bilderbuchlandschaft. Sanfte Hügel, endlose Wälder und überall blühende Wiesen, die gerade in voller Pracht standen. Besonders die Wildblumen entlang der Straßen haben es uns angetan – Estland wirkt im Moment wie ein einziges, großflächiges Naturgemälde.

    Nach etwa 1,5 Stunden Fahrt erreichten wir Palmse und damit eines der bekanntesten Gutshäuser des Landes: das barocke Gut Palmse.

    Das Herrenhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert und war einst im Besitz der deutschbaltischen Adelsfamilie von der Pahlen. Diese Familie gehörte zu den einflussreichen Gutsbesitzern in der Region und prägte über Jahrhunderte die Entwicklung des Landguts. Das Ensemble wurde im typisch barocken Stil angelegt: ein repräsentatives Hauptgebäude, symmetrische Nebenbauten und ein großzügiger Park.

    Heute ist das Gut sorgfältig restauriert und gilt als eines der schönsten Gutshäuser Estlands. Es vermittelt einen sehr guten Eindruck davon, wie der baltische Adel einst lebte.

    Nach einem entspannten Rundgang und einer wohlverdienten Kaffeepause setzten wir unsere Fahrt fort.

    In der Nähe von Kolga erreichten wir schließlich den Nationalpark Lahemaa, einen der ältesten und größten Nationalparks Estlands. Besonders bekannt ist er für seine ausgedehnten Moorlandschaften, die hier fast schon mystisch wirken.

    Über gut angelegte Holzbohlenwege ging es hinein ins Moor. Links und rechts nichts als Wasserflächen, Moospolster und kleine Kiefern, die sich tapfer an das karge Leben in dieser Landschaft angepasst haben. Ein Moor ist im Grunde ein riesiges, langsam wachsendes Ökosystem aus Torf, Wasser und Geduld – sehr viel Geduld.

    Vom Aussichtsturm aus hatten wir schließlich einen beeindruckenden Blick über das gesamte Gebiet. Von oben wirkt das Moor fast wie eine fremde Landschaft: endlos, ruhig und irgendwie zeitlos. Kein Straßenlärm, kein Stress, nur Natur in ihrer ganz eigenen Geschwindigkeit.

    Nach dieser kleinen Wanderung ging es für uns weiter auf Stellplatzsuche. Und wie so oft in Estland wurden wir auch diesmal fündig.

    Mitten im Wald, direkt an einem See, fanden wir wieder einen dieser Plätze, bei denen man sofort weiß: Hier bleiben wir.

    Keine Nachbarn, kein Lärm, nur Wasser, Bäume und absolute Ruhe. Grisu hat seinen Platz gefunden, wir haben unseren Frieden gefunden – und das Moor scheint noch ein bisschen in unseren Gedanken nachzuwirken.

    So endet ein Tag, der eigentlich alles hatte: Barock, Geschichte, Holzstege im Moor und einen See mitten im Wald als Abschluss.

    Man könnte fast sagen: Estland hat heute wieder ein bisschen übertrieben.
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  • Hinter Klostermauern und bunten Bienenstöcken

    June 10 in Estonia ⋅ ☁️ 16 °C

    Heute Morgen hatte der Regen endlich ein Einsehen mit uns. Kaum hatten sich die dunklen Wolken verzogen, machten wir uns auf den Weg zum berühmten Kloster von Kuremäe.

    Schon beim Näherkommen beeindruckte uns die große orthodoxe Klosteranlage. Auf einer Anhöhe über der umliegenden Landschaft gelegen, wirkt das Kloster schon von Weitem sehr imposant. Die Gebäude sind außergewöhnlich gepflegt und die charakteristischen Kuppeln und Türme ragen über die Klostermauern hinaus. Zusammen mit den gepflegten Grünanlagen ergibt sich ein harmonisches Gesamtbild.

    Das Kloster Kuremäe, offiziell Pühtitsa-Kloster genannt, wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet und ist bis heute das einzige aktive russisch-orthodoxe Nonnenkloster Estlands. Rund um die Anlage leben und arbeiten zahlreiche Nonnen, die das Kloster bis heute betreiben und pflegen. Trotz seiner bewegten Geschichte – von der Zarenzeit über die Sowjetherrschaft bis in die Gegenwart – blieb das Kloster durchgehend bestehen und gilt heute als eines der wichtigsten orthodoxen Zentren im Baltikum.

    Durch das große Eingangstor betritt man eine andere Welt. Das reich verzierte Tor wirkt beinahe wie der Eingang zu einer kleinen Festung und trennt den Alltag von der ruhigen Atmosphäre innerhalb der Mauern.

    Im Mittelpunkt der Anlage steht die prachtvolle Mariä-Entschlafens-Kathedrale. Mit ihren markanten orthodoxen Kuppeln, den Kreuzen und den kunstvollen Verzierungen ist sie ein beeindruckendes Beispiel russisch-orthodoxer Baukunst. Die Kirche wirkt von außen bereits sehr eindrucksvoll und vermittelt mit ihren Formen und Farben den typischen Charakter orthodoxer Sakralarchitektur. Im Inneren entfaltet sie ihre ganz eigene Atmosphäre aus Ikonen, Kerzenlicht und jahrhundertealter Tradition.

    Besonders gefallen hat uns auch die Parkanlage. Zwischen den Gebäuden wachsen zahlreiche Obstbäume, die dem Kloster fast den Charakter eines großen Gartens verleihen. Überall blühte und grünte es, und die gepflegten Wege luden zum gemütlichen Spazieren ein.

    Ein echter Hingucker waren die vielen bunt bemalten Bienenstöcke. Sie standen ordentlich aufgereiht zwischen den Grünflächen und sorgten mit ihren kräftigen Farben für fröhliche Akzente. Die fleißigen Bewohner schienen dabei deutlich beschäftigter zu sein als wir.

    Nach dem Rundgang hieß es Abschied nehmen und weiterfahren. Wir verließen die Klostermauern und machten uns auf den Weg Richtung Tallinn.

    Hinter uns lagen beeindruckende Klostermauern, eine prachtvolle Kirche, alte Obstgärten und bunte Bienenstöcke. Eine Kombination, die man nicht alle Tage erlebt. Genau solche besonderen Orte abseits der großen Touristenströme sind es, die unsere Reise durch das Baltikum immer wieder zu etwas Besonderem machen.

    Und ganz nebenbei haben wir wieder festgestellt: Nicht nur Burgen und Schlösser können beeindrucken. Manchmal reichen ein paar Nonnen, ein wunderschöner Klostergarten und einige äußerst fleißige Bienen, um einen Reisetag unvergesslich zu machen.
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  • Zum östlichsten Punkt unserer Reise

    June 9 in Estonia ⋅ ☁️ 17 °C

    Heute war wieder einer dieser klassischen Campertage, an denen eigentlich gar nichts Besonderes geplant ist – und am Ende trotzdem jede Menge passiert.

    Die Nacht über hatte der Regen unermüdlich auf Grisu getrommelt. Irgendwann klang das fast wie ein kostenloses Wellnessprogramm mit Einschlafgarantie. Entsprechend ließen wir es am Morgen etwas gemütlicher angehen und gönnten uns eine Extraportion Schlaf.

    Nach dem Frühstück stand zunächst eine der wichtigsten Disziplinen des mobilen Reisens auf dem Programm: Einkaufen. Ein Vergnügen, das erstaunlicherweise nie von der To-do-Liste verschwindet. Kaum hat man den Kühlschrank gefüllt, behauptet er schon wieder, leer zu sein.

    Danach machten wir uns auf die Suche nach einer Wasserstelle. Schließlich sind volle Wassertanks für Camper ungefähr so wichtig wie Kaffee am Morgen.

    An der Wasserstelle angekommen trafen wir auf einige andere Camper. Und wie das unter Reisenden nun einmal so ist, kommt man schnell ins Gespräch. Erst wird gefragt, woher man kommt, dann wohin man fährt, anschließend werden Stellplätze, Reiseerlebnisse und Geheimtipps ausgetauscht. Und ehe man sich versieht, hat die Uhr einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht.

    Direkt neben der Wasserstelle befand sich praktischerweise ein kleiner Imbiss. Da es mittlerweile Mittag geworden war, beschlossen wir, dort eine Kleinigkeit zu essen. Aus der Kleinigkeit wurde leckerer Fisch, und während wir auf unser Essen warteten, kamen wir mit einem sehr netten estnischen Ehepaar ins Gespräch.

    Was als kurzer Plausch begann, entwickelte sich zu einer ausgesprochen netten Unterhaltung. Wir tauschten Reisegeschichten aus, lachten viel und stellten fest, dass Reisende überall auf der Welt erstaunlich schnell gemeinsame Themen finden.

    Irgendwann bemerkten wir, dass erneut anderthalb Stunden vergangen waren. Nachdem wir Telefonnummern ausgetauscht hatten und von den beiden zu einem Besuch bei Ihnen auf unserer Rückreise eingeladen wurden, mussten wir irgendwann doch weiterfahren. Sonst würden wir vermutlich immer noch dort sitzen.

    Nach rund 50 Kilometern erreichten wir schließlich den östlichsten Punkt unserer Reise: das kleine Dorf Vasknarva am Fluss Narva.

    Ein wirklich besonderer Ort.

    Auf der anderen Seite des Flusses liegt bereits Russland. Genauer gesagt konnten wir direkt auf das russische Dorf Skam'ya blicken. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, auf der einen Seite Europas zu stehen und nur wenige Meter entfernt ein anderes Land zu sehen.

    Der Fluss bildet hier die Grenze zwischen der Europäischen Union und Russland. Trotzdem wirkte alles erstaunlich ruhig und friedlich. Keine Hektik, keine sichtbaren Spannungen, keine dramatischen Filmszenen mit Grenzsoldaten. Nur ein ruhiger Fluss, einige Fischer und eine friedliche Landschaft.

    Manchmal sieht eine Weltgrenze eben überraschend unspektakulär aus.

    Am Nachmittag machten wir uns schließlich auf den Weg nach Kuremäe. Dort fanden wir einen schönen Platz direkt vor dem berühmten Kloster, das wir uns morgen in Ruhe anschauen möchten.

    So ging wieder ein typischer Reisetag zu Ende. Eigentlich wollten wir nur Wasser tanken und ein paar Kilometer fahren.

    Stattdessen haben wir neue Bekanntschaften geschlossen, Telefonnummern ausgetauscht, Fisch gegessen, internationale Freundschaften geknüpft und ganz nebenbei noch den östlichsten Punkt unserer gesamten Baltikumreise erreicht.

    Manchmal sind die ungeplanten Tage eben die besten.
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  • Ein Nachmittag zwischen Pfingstrosen und Palmen

    June 8 in Estonia ⋅ ☁️ 23 °C

    Am Nachmittag erreichten wir den Botanischen Garten von Tartu, der direkt am Ufer des Emajõgi und nur wenige Schritte vom Stadtzentrum entfernt liegt. Bereits beim Betreten wurde uns klar, warum dieser Garten zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört.

    Der Botanische Garten wurde bereits 1803 von der Universität Tartu gegründet und zählt zu den ältesten botanischen Gärten im Baltikum. Ursprünglich diente er der Forschung und Ausbildung der Studenten, heute ist er gleichzeitig ein wunderschöner Erholungsort für Einheimische und Besucher.

    Besonders bekannt ist der Garten für seine beeindruckende Sammlung von Pfingstrosen. Und wir hatten das Glück, genau zur richtigen Zeit dort zu sein. Überall leuchteten die prachtvollen Blüten in den unterschiedlichsten Farben. Von zartem Weiß über Rosa bis hin zu kräftigem Rot war alles vertreten. Manche Blüten waren so groß, dass sie aussahen, als hätten sie heimlich einen eigenen Dünger-Lieferservice bestellt.

    Die gesamte Außenanlage ist wunderschön angelegt und hervorragend gepflegt. Liebevoll gestaltete Beete, alte Bäume, kleine Wege und zahlreiche Sitzgelegenheiten laden dazu ein, einfach gemütlich durch den Garten zu schlendern. Wer einmal nach Tartu kommt, sollte sich für diesen Ort unbedingt etwas Zeit nehmen. Hier kann man wunderbar entschleunigen und die Seele baumeln lassen.

    Nachdem wir die Außenanlagen ausgiebig erkundet hatten, zog es uns noch in das große Tropenhaus.

    Und plötzlich fühlten wir uns nicht mehr wie in Estland, sondern eher wie irgendwo zwischen Amazonas und Südostasien.

    Auf mehreren Ebenen wachsen dort tropische und subtropische Pflanzen aus aller Welt. Palmen, Bananenstauden, Kakteen, Farne und zahlreiche exotische Pflanzen schaffen eine völlig andere Welt. Während draußen die estnische Sommerluft wehte, herrschte drinnen ein angenehm feuchtwarmes Klima. Nach wenigen Minuten wusste sogar meine Kamera, wie sich eine Brille beim Betreten einer Sauna fühlen muss.

    Besonders beeindruckend war die Vielfalt der Pflanzen. Hinter jeder Ecke wartete eine neue Überraschung. Man merkt sofort, dass hier nicht nur Pflanzen gesammelt, sondern auch über viele Jahrzehnte gepflegt und erforscht werden.

    Nach unserem Besuch machten wir uns ganz entspannt auf den Rückweg. Gemütlich radelten wir entlang des Emajõgi zurück zu unserem schönen Stellplatz. Die Abendsonne spiegelte sich auf dem Wasser, die Stadt wurde langsam ruhiger und wir ließen den Tag noch einmal Revue passieren.

    Ein Dom als halbe Ruine, eine entspannte Studentenstadt, tausende Blüten und ein kleiner Ausflug in die Tropen – für einen einzigen Tag in Tartu war das schon eine ganze Menge.

    Und während wir am Abend vor Grisu saßen, waren wir uns einig: Manchmal braucht es gar keine spektakulären Attraktionen. Ein schöner Garten, ein ruhiger Fluss und ein paar außergewöhnlich große Pfingstrosen reichen völlig aus, um einen gelungenen Reisetag zu haben.
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  • Tartu, Studentenstadt mit ganz viel Charme

    June 8 in Estonia ⋅ ☁️ 22 °C

    Nach unserem entspannten Nichtstun-Tag gestern wurde es heute wieder Zeit für etwas Kultur. Also machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Tartu, der zweitgrößten Stadt Estlands.

    Tartu gilt als geistiges und kulturelles Zentrum des Landes. Hier befindet sich die älteste und größte Universität Estlands, die bereits 1632 gegründet wurde. Entsprechend jung, lebendig und gleichzeitig erstaunlich entspannt wirkt die Stadt.

    Am Fluss Emajõgi fanden wir außerhalb des Zentrums an einem kleinen Strandabschnitt einen wunderschönen Stellplatz. Der Fluss verbindet den Peipussee mit dem Võrtsjärv und schlängelt sich mitten durch die Stadt. Nachdem Grisu seinen Platz bezogen hatte, wurden die Fahrräder abgeladen und die Stadterkundung konnte beginnen.

    Schon nach den ersten Kilometern waren wir positiv überrascht. Tartu wirkt angenehm ruhig, fast entschleunigt. Keine hektischen Menschenmassen, kein Großstadtstress. Stattdessen gepflegte Straßen, hübsche Häuser und viele Grünflächen. Irgendwie hat die Stadt genau die richtige Mischung aus Geschichte, Kultur und Gelassenheit.

    Natürlich führte uns unser Weg auch zum Rathausplatz. Die farbenfrohen historischen Gebäude rund um den Platz verleihen dem Zentrum einen ganz besonderen Charme. Hier scheint man das Leben etwas langsamer und entspannter anzugehen – ganz nach unserem Geschmack.

    Das eigentliche Highlight des Tages war für uns jedoch der Dom von Tartu.

    Genauer gesagt: die Ruine des Doms.

    Die mächtige Backsteinkathedrale wurde im 13. Jahrhundert erbaut und gehörte einst zu den größten Kirchen des Baltikums. Nach der Reformation verlor sie jedoch ihre Bedeutung und verfiel über die Jahrhunderte zunehmend. Kriege, Brände und politische Umwälzungen hinterließen ihre Spuren.

    Heute strecken sich große Teile der Außenmauern noch immer beeindruckend in den Himmel, während andere Bereiche längst verschwunden sind. Genau das macht den besonderen Reiz des Bauwerks aus. Der Dom ist weder vollständig erhalten noch vollständig zerstört – er befindet sich irgendwo dazwischen.

    Man könnte sagen: Er ist eine Ruine mit Würde.

    Während viele historische Gebäude auf Hochglanz restauriert werden, zeigt der Dom von Tartu ganz offen seine Narben der Vergangenheit. Und gerade deshalb wirkt er unglaublich beeindruckend. Die alten Mauern erzählen ihre Geschichte oft eindrucksvoller als manch perfekt restauriertes Schloss.

    Nachdem wir den Dom ausgiebig erkundet hatten, fuhren wir noch durch verschiedene Straßen und Gassen der Altstadt. Überall entdeckten wir schöne Fassaden, liebevoll restaurierte Häuser und kleine Details, die Tartu seinen besonderen Charakter verleihen.

    Irgendwann wurde es dann Zeit für den nächsten Programmpunkt. Also machten wir uns auf den Weg zum Botanischen Garten. Doch darüber gibt es einen eigenen Footprint, denn der hat definitiv seine eigene Geschichte verdient.

    So endet unser erste Hälfte des Tages in Tartu mit vielen positiven Eindrücken. Die Stadt hat uns auf Anhieb gefallen. Sie ist vielleicht nicht die spektakulärste Metropole Europas, aber genau das macht ihren Reiz aus.

    Und seien wir ehrlich: Ein Dom, der seit Jahrhunderten halb Ruine und halb Kathedrale ist, passt eigentlich perfekt zu unserer Reise. Schließlich mögen wir Orte mit Charakter deutlich lieber als geschniegelt und gestriegelte Perfektion.
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  • Ein Tag voller Nichtstun

    June 7 in Estonia ⋅ ☀️ 23 °C

    und das war wunderbar😍

    Gestern stand etwas auf dem Programm, das auf Reisen viel zu selten vorkommt: absolut gar nichts.

    Von unserem wunderschönen Stellplatz kurz vor der lettisch-estnischen Grenze fuhren wir gemütlich die letzten rund 30 Kilometer nach Estland. Der Grenzübertritt verlief dabei genauso unspektakulär wie schon zuvor. Kein Schlagbaum, keine Kontrolle, kein Grenzer mit strengem Blick. Lediglich ein kleiner Grenzpfosten und ein Schild verrieten uns, dass wir nun in Estland angekommen waren.

    Oh wie schön ist Europa. Man fährt los, überquert eine Landesgrenze und merkt es oft erst, wenn plötzlich die Straßenschilder etwas anders aussehen.

    Unser Ziel war Võnnu Mahetalu, ein ehemaliger Kolchosen-Bauernhof von Evelyn und Lennart. Hier fanden wir einen herrlich ruhigen Stellplatz mitten auf dem Land. Genau der richtige Ort für das, was wir uns vorgenommen hatten: nichts.

    Und das haben wir dann auch äußerst konsequent umgesetzt.

    Das Wetter zeigte sich endlich von seiner besten Seite. Also wurden die Campingstühle ausgeklappt, die Sonne genossen und sämtliche sportlichen Ambitionen erfolgreich auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

    Zwischendurch wurde natürlich der Grill angeheizt. Schließlich gehört Grillen bei Sonnenschein zu den wichtigsten Aufgaben eines Wohnmobilreisenden. Wissenschaftlich belegt ist das zwar nicht, aber es fühlt sich absolut richtig an.

    Während andere Menschen Wanderungen planen, Sehenswürdigkeiten besichtigen oder Museen besuchen, haben wir uns der hohen Kunst des Entspannens gewidmet. Die Disziplin beherrschen wir mittlerweile fast auf Profi-Niveau.

    So verging der Tag zwischen Sonne, gutem Essen, Vogelgezwitscher und völliger Entschleunigung. Keine Termine, keine Kilometerjagd und keine Besichtigungslisten.

    Manchmal sind die schönsten Reisetage eben genau die, an denen man am Abend sagen kann: Heute haben wir nichts gemacht. Und das war perfekt.
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