Auf zu neuen Abenteuern
10 Mayıs, Almanya ⋅ ☁️ 19 °C
Heute Morgen war es endlich soweit: Nach acht langen Monaten des Wartens rollte Grisu zum ersten Mal als neues Zuhause auf Rädern auf große Reise. Bei bestem Sommerwetter starteten wir voller Vorfreude Richtung Baltikum.
Seit unserer letzten Reise hat sich einiges verändert. Zum einen können wir jetzt endlich auch im Sommer länger unterwegs sein – und zum anderen haben wir unseren treuen Concorde gegen ein echtes Abenteuerfahrzeug eingetauscht. Schweren Herzens zwar, aber manchmal muss man eben Platz machen für neue Verrücktheiten.
Unser neuer Begleiter heißt Grisu – eine ehemalige Schweizer Feuerwehr von 1989. Mit H-Kennzeichen, ordentlich Charakter und vermutlich mehr Geschichten auf dem Buckel als wir selbst. Der alte Mercedes 1120 mit Allrad fühlt sich jetzt schon an, als würde er am liebsten direkt bis nach Afrika weiterfahren. Wüste? Schotterpiste? Schlagloch? Grisu lacht nur müde.
Die erste Etappe führte uns ganz entspannt von unserer alten Heimat Prüm nach Erfurt. Und was sollen wir sagen: Grisu hat seine Sache hervorragend gemacht. Kein Gemecker, kein Gezicke – nur das gemütliche Brummen eines alten Feuerwehrmanns, der offenbar froh ist, endlich wieder unterwegs zu sein.
Jetzt stehen wir in der Nähe der Erfurter Altstadt und freuen uns darauf, morgen die Stadt in Ruhe zu erkunden. Grisu darf sich derweil ausruhen. Schließlich muss ein pensionierter Feuerwehrmann nicht mehr jeden Einsatz fahren.Okumaya devam et
Erfurt im Regen
11 Mayıs, Almanya ⋅ ☁️ 15 °C
Der Tag begann heute ganz entspannt – zumindest für mich. Andrea dagegen stand schon früh im mobilen Backstudio und knetete erstmal den Brotteig fertig. Während draußen der Himmel aussah, als hätte jemand sämtliche Grautöne gleichzeitig eingeschaltet, wurde in Grisu fleißig vorbereitet. Frisches Brot auf Reisen – wir arbeiten eindeutig an unserer Sternebewertung als Wohnmobilbesatzung.
Danach ging es Richtung Erfurter Altstadt. Schon die Fahrt durch die engen Straßen war ein Erlebnis. Wunderschöne historische Häuser, liebevoll restaurierte Fassaden und überall dieses mittelalterliche Flair, bei dem man ständig erwartet, dass gleich ein Ritter um die Ecke geritten kommt. Stattdessen kam höchstens ein E-Scooter – die moderne Version des Streitrosses.
Unser erster Halt war die beeindruckende St.-Severi-Kirche. Besonders fasziniert haben uns das kunstvolle Taufbecken und die mächtige Orgel, die auf ihrem Marmorpodest thront, als würde sie jederzeit ein eigenes Konzert geben wollen. Überhaupt wirkt die Kirche unglaublich majestätisch – ruhig, gewaltig und voller Geschichte.
Kaum waren wir allerdings wieder draußen, öffnete der Himmel sämtliche Schleusen gleichzeitig. Regen wäre untertrieben gewesen – eher eine kostenlose Komplettwäsche für Touristen. Zum Glück lag direkt gegenüber der Hohe Dom St. Marien zu Erfurt. Also flüchteten wir kurzerhand hinein und bestaunten dort die riesigen Gewölbe, die prachtvollen Fenster und die beeindruckende Atmosphäre. Der Domberg mit Dom und Severikirche nebeneinander ist wirklich ein Anblick, den man nicht vergisst – selbst wenn man dabei langsam durchweicht.
Nach so viel Kultur musste dringend ein Cappuccino her. Also ab ins Eiscafé, um dort die nächste Regenrunde auszusitzen. Leider hatte das Wetter offenbar andere Pläne. Der Regen blieb hartnäckiger als ein Vertreter an der Haustür. Deshalb beschlossen wir spontan, ins Einkaufszentrum Anger 1 zu fahren und dort ein wenig trocken weiterzubummeln.
Als der Regen endlich etwas nachließ, ging es zurück zu Grisu – und wir beschlossen kurzerhand weiterzufahren. Jetzt stehen wir in Bad Dürrenberg direkt vor dem riesigen Gradierwerk und hoffen, dass das Wetter morgen wieder etwas freundlicher wird. Grisu jedenfalls steht tapfer da wie ein alter Feuerwehrmann im Ruhestand: wetterfest, gelassen und jederzeit bereit für das nächste Abenteuer.Okumaya devam et
Bad Dürrenberg und seine Sole
12 Mayıs, Almanya ⋅ 🌧 8 °C
Nach einer Nacht, in der der Regen auf Grisu trommelte, als wollte er unbedingt ins Fahrzeug gelassen werden, starteten wir heute gemütlich in den Tag. Ausschlafen, spätes Frühstück und erstmal schauen, ob draußen noch Land zu sehen ist – die klassische Regenreise-Routine eben.
Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Gradierwerk in Bad Dürrenberg. Schon von weitem wirkt die riesige Anlage beeindruckend. Mit mehreren hundert Metern Länge gehört das Gradierwerk zu den längsten zusammenhängenden Gradierwerken Europas. Ursprünglich diente es dazu, den Salzgehalt der Sole zu erhöhen. Die Sole stammt aus tiefen unterirdischen Salzlagerstätten, wo sich das Wasser über Jahrtausende mit Salz angereichert hat. Früher war dieses „weiße Gold“ unglaublich wertvoll und Grundlage für den Wohlstand vieler Städte.
Besonders spannend ist dabei die Konstruktion des Gradierwerks. Die Sole rieselt über riesige Wände aus Schwarzdornzweigen herunter. Warum ausgerechnet Schwarzdorn? Ganz einfach: Die dichten, robusten und extrem widerstandsfähigen Zweige bieten eine riesige Oberfläche, an der das Wasser langsam herunterlaufen kann. Dabei verdunstet Wasser, die Sole wird konzentrierter und gleichzeitig entsteht die salzhaltige Luft. Außerdem hält Schwarzdorn erstaunlich lange durch – quasi der Mercedes unter den Sträuchern.
Und genau das merkten wir sofort. Rund um das Gradierwerk liegt eine angenehm salzige, frische Luft in der Atmosphäre. Fast wie Nordseeurlaub… nur ohne Möwenklau beim Fischbrötchen.
Besonders spannend fanden wir die Kaltinhalierhalle. Dort atmet man die feine salzhaltige Luft direkt ein, die durch die rieselnde Sole entsteht. Das soll besonders gut für Atemwege, Bronchien und das allgemeine Wohlbefinden sein. Wir saßen also ganz entspannt dort, atmeten tief durch und fühlten uns für einen Moment wie zwei Wellness-Profis auf Kurreise. Wahrscheinlich waren wir noch nie so gesund beim Nichtstun.
Nach unserem Besuch ging es weiter Richtung Leipzig. Leider meinte das Wetter auch dort, uns weiterhin begleiten zu müssen – allerdings eher in Form eines Dauerwaschgangs. Wegen des starken Regens fiel die geplante Stadterkundung buchstäblich ins Wasser. Statt Sightseeing gab es heute also hauptsächlich Scheibenwischer in Höchstleistung und den romantischen Klang von Regentropfen auf dem Fahrerhaus.
Jetzt hoffen wir auf morgen und darauf, dass Leipzig sich vielleicht doch noch von seiner sonnigen Seite zeigt. Grisu jedenfalls steht tapfer auf seinem Platz und wirkt, als könnte ihn selbst ein kleiner Monsun nicht aus der Ruhe bringen.Okumaya devam et

GezginUnd da ist so ne tolle Luft von der Sole...als fünfjährige war ich zur Kur an der Nahe auch mit vielen Salzsalinen....und so ein schwarzdorn fühlte sich in meiner Wade sehr wohl...das Teil ging nicht raus

GezginJa das liebe Wetter, wir sind in Spanien und momentan verfolgt uns der Regen 😊

naturweltenbummlerUnd wenn ihr zufälligerweise mal nach Bad Reichenhall kommt: unser Gradierwerk ist zwar nicht ganz so riesig aber auch sehr toll und steht im Königlichen Kurgarten… natürlich auch mit Schwarzdorn Zweigen. Weiterhin gute Reise.
Leipzig
13 Mayıs, Almanya ⋅ ☁️ 9 °C
Unser heutiger Tag begann – wie sollte es auf dieser Reise auch anders sein – erstmal mit Regen. Langsam haben wir den Verdacht, dass uns eine kleine persönliche Regenwolke verfolgt. Immerhin liegt unser Stellplatz direkt hinter dem Leipziger Hauptbahnhof und damit perfekt für eine Stadterkundung zu Fuß. Also Regenjacken an und los ging’s.
Vom Goethedenkmal aus, mit Blick auf die Alte Börse, starteten wir unseren Rundgang durch Leipzig. Das Goethedenkmal erinnert daran, dass der junge Johann Wolfgang von Goethe hier in Leipzig studierte. Wahrscheinlich lief er damals ähnlich oft durch Regen wie wir heute – nur ohne Funktionsjacke. Die Alte Börse direkt daneben zählt zu den ältesten Barockgebäuden der Stadt. Früher trafen sich hier die Kaufleute und handelten Waren aus aller Welt. Heute wirkt das elegante Gebäude mit seiner hellen Fassade und den vielen Verzierungen eher wie ein Ort, an dem man stilvoll Kaffee trinken sollte, anstatt hektisch Geschäfte abzuschließen.
Weiter ging es zum Marktplatz, der wirklich beeindruckend groß und lebendig ist. Umgeben von prachtvollen historischen Häusern spürt man sofort, wie wichtig Leipzig schon seit Jahrhunderten als Handelsstadt war. Besonders dominant steht dort das Alte Rathaus – ein wirklich imposantes Gebäude der Renaissance. Mit seiner langen Fassade, den vielen Fenstern und dem markanten Turm sieht es fast aus, als hätte jemand ein Schloss mitten auf den Marktplatz gestellt. Man erwartet förmlich, dass gleich ein Stadtschreiber aus dem Fenster schaut und neue Handelsgesetze verkündet.
Da das Wetter weiterhin seine sehr wechselhafte Persönlichkeit zeigte, nutzten wir immer wieder die berühmten Leipziger Passagen als Zuflucht. Besonders die Königshaus-Passage mit ihren schönen Glasdächern und eleganten Geschäften hat uns gefallen. Überhaupt sind diese vielen Durchgänge und Passagen etwas ganz Besonderes in Leipzig. Man kann gefühlt die halbe Innenstadt erkunden, ohne komplett nass zu werden – eine geniale Erfindung für Touristen wie uns.
Die Nikolaikirche wollten wir natürlich ebenfalls besuchen. Leider war sie geschlossen. Wahrscheinlich brauchte sie nach all den Besuchern auch mal einen freien Tag.
Das absolute Highlight des Tages war aber ohne Zweifel das Neue Rathaus. Schon von außen wirkt das Gebäude gigantisch. Mit seinem riesigen Turm, den kunstvollen Fassaden und den unzähligen Verzierungen sieht es eher aus wie eine Mischung aus Schloss, Burg und Regierungsgebäude. Tatsächlich wurde das Neue Rathaus Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Resten der alten Pleißenburg erbaut. Teile der alten Burg wurden sogar in das Gebäude integriert. Besonders beeindruckend ist der gewaltige Rathausturm – er gehört zu den höchsten Rathaustürmen Deutschlands.
Aber auch innen hat uns das Gebäude komplett geflasht. Riesige Treppenhäuser, prunkvolle Säle, schwere Türen, kunstvolle Decken und überall diese Mischung aus Macht, Geschichte und Architekturwahnsinn. Man läuft durch die Flure und fühlt sich plötzlich sehr klein. Wahrscheinlich könnte man dort tagelang herumlaufen und würde trotzdem noch neue Räume entdecken. Selbst Grisu wäre vermutlich beeindruckt gewesen – und der ist immerhin eine ehemalige Schweizer Feuerwehr.
Und dann geschah tatsächlich das Unglaubliche: Die Sonne kam heraus! Nach gefühlt mehreren Tagen Dauerbewässerung konnten wir endlich draußen auf einer schönen Terrasse sitzen und in Ruhe einen Cappuccino trinken. Dabei ergab sich ein wirklich nettes Gespräch mit einem Ehepaar aus der Region. Genau diese spontanen Begegnungen machen Reisen oft besonders schön.
Die Höfe am Brühl – eine riesige moderne Einkaufspassage – waren anschließend unsere vorletzte Station. Dort wurde nochmal ein wenig gebummelt, bevor wir uns langsam auf den Rückweg machten. Nach etlichen Kilometern zu Fuß wartete zum Abschluss noch der Leipziger Hauptbahnhof auf uns. Und der ist wirklich gigantisch. Der Bahnhof zählt zu den größten Kopfbahnhöfen Europas und wirkt innen fast wie eine eigene kleine Stadt. Riesige Hallen, unzählige Geschäfte, breite Bahnsteige und eine beeindruckende Architektur aus der großen Zeit der Eisenbahn. Eigentlich könnte man dort problemlos einen halben Urlaubstag verbringen – inklusive Shopping, Essen und Menschenbeobachtung.
Danach ging es müde, aber begeistert zurück zu unserem Grisu, der direkt hinter dem Bahnhof geduldig auf uns wartete. Morgen hoffen wir dann vielleicht endlich mal auf einen komplett trockenen Tag. Wobei… irgendwie gehört der Regen inzwischen fast schon zur Reise dazu.Okumaya devam et

Hella und UweIch kann euch noch das Panometer ein ehemaliges Gasometer empfehlen, auch das Völkerschlagdenkmal ist sehr sehenswert.
Energiefabrik Knappenrode
14 Mayıs, Almanya ⋅ ⛅ 14 °C
Heute ging es für uns vom Regen in die Kohle
Eigentlich wollten wir uns heute Morgen noch das berühmte Völkerschlachtdenkmal in Leipzig anschauen. Aber unsere Reise entwickelt sich langsam zu einer Mischung aus Abenteuerurlaub und Wettersimulation. Pünktlich nachdem wir Grisu geschniegelt, gestriegelt, ver- und entsorgt hatten, öffnete der Himmel erneut sämtliche Schleusen. Also hieß es: Plan ändern und weiterfahren.
Unser Ziel war die Energiefabrik Knappenrode – und das war im Nachhinein eine richtig gute Entscheidung. Dort angekommen hatte das Wetter tatsächlich kurz Mitleid mit uns. Zwischen den Wolken zeigte sich sogar ab und zu die Sonne. Vermutlich wollte sie selbst mal sehen, wie so eine alte Brikettfabrik aussieht.
Die Energiefabrik Knappenrode ist ein riesiges ehemaliges Braunkohlekraftwerk beziehungsweise eine Brikettfabrik aus der Lausitz. Früher wurde hier aus Braunkohle Brennstoff für Haushalte und Industrie hergestellt. Heute ist die gewaltige Anlage ein beeindruckendes Industriemuseum. Überall riesige Maschinen, endlose Förderbänder, Stahlkonstruktionen und Hallen, in denen man sich sofort wie in einem alten Industriefilm fühlt. Man läuft durch die Gebäude und merkt schnell, wie hart die Arbeit hier früher gewesen sein muss.
Die Arbeitsbedingungen damals waren alles andere als romantisch. Hitze, Kohlenstaub, Lärm und körperliche Schwerstarbeit bestimmten den Alltag der Arbeiter. Schutzkleidung oder moderne Sicherheitsstandards waren eher Wunschdenken. Viele Menschen arbeiteten unter unmenschlich harten Bedingungen, oft im Schichtbetrieb und mit enormer körperlicher Belastung. Wenn man dort heute durch die riesigen Maschinenhallen läuft, bekommt man großen Respekt vor den Menschen, die hier Jahrzehnte gearbeitet haben. Nach ein paar Stunden Besichtigung waren selbst wir froh, wieder frische Luft zu bekommen – und wir mussten nicht einmal Kohle schaufeln.
Nach der Besichtigung ging es weiter zum „Turm am Schweren Berg“ mit Blick über den Tagebau Nochten. Und dieser Ausblick ist wirklich gleichzeitig faszinierend und erschreckend. Vor einem liegt eine riesige Mondlandschaft aus Sand, Erde und gigantischen Maschinen. Man erkennt erst dort oben richtig, welche gewaltigen Eingriffe ein Tagebau in die Natur hinterlässt. Ganze Landstriche wirken, als hätte jemand vergessen, die Welt fertigzubauen.
Von dort aus fuhren wir weiter Richtung Polen. Ganz unspektakulär überquerten wir die Grenze und stehen nun auf einer schönen Wiese am Ortsrand von Łęknica. Direkt hinter der Grenze befindet sich der bekannte Polenmarkt, den wir uns morgen in Ruhe anschauen wollen. Wir sind gespannt, was uns dort erwartet. Wahrscheinlich alles von Gartenzwergen bis Motorsägen – und mindestens drei Dinge, von denen wir vorher nicht wussten, dass wir sie unbedingt brauchen.
Jetzt genießen wir erstmal den Abend in Grisu und hoffen heimlich, dass der Wettergott morgen vielleicht mal Urlaub macht.Okumaya devam et
Sonne! Endlich Sonne!
15 Mayıs, Polonya ⋅ ☁️ 12 °C
Nach einer weiteren regenreichen Nacht geschah heute Morgen tatsächlich das Unfassbare: Die Sonne war da!
Wirklich.
Dieses große helle Ding am Himmel, das wir fast schon vergessen hatten. Wir konnten es kaum glauben und prüften sicherheitshalber mehrmals, ob das vielleicht nur eine besonders helle Straßenlaterne war.
Die gute Laune war sofort zurück. Nach dem Frühstück wurden blitzschnell die Fahrräder abgeladen und los ging es Richtung „Grüne Grenze“ nach Deutschland. Praktischerweise liegt die Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Neiße gerade einmal 200 Meter von unserem schönen Stellplatz entfernt. Einmal kurz rübergeradelt und schwups – schon standen wir mitten im Fürst-Pückler-Park bei Bad Muskau.
Unser erster Halt war die neue Orangerie mit ihrer kleinen Ananaszucht. Tatsächlich wachsen dort echte Ananaspflanzen – mitten in der Lausitz. Irgendwie fühlte sich das an wie tropischer Urlaub mit deutschem Wetterrisiko.
Danach ging es weiter zum Schlossvorwerk, wo erstmal eine dringend notwendige Kaffeepause anstand. Nach gefühlt einer Woche Dauerregen war es eine echte Wohltat, endlich draußen auf einer sonnigen Terrasse zu sitzen. Cappuccino, Sonne und trockene Kleidung – plötzlich wirken die kleinen Dinge des Lebens wie purer Luxus.
Frisch gestärkt machten wir anschließend einen Rundgang um das Schloss Muskau. Das Schloss wirkt mit seinen roten Fassaden und den vielen Türmen fast märchenhaft und passt perfekt in die riesige Parklandschaft. Ursprünglich wurde es im Stil der Renaissance erbaut und später mehrfach umgestaltet. Besonders spannend ist seine wechselvolle Geschichte: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss bei einem großen Brand schwer zerstört und brannte fast vollständig aus. Erst viele Jahrzehnte später begann der aufwendige Wiederaufbau. Heute sieht das Gebäude von außen wieder beeindruckend aus, innen ist allerdings vieles modern rekonstruiert. Deshalb verzichteten wir auf eine Führung – wir wollten lieber die Sonne genießen, solange sie noch da war. Man weiß ja nie bei dieser Reise.
Der Fürst-Pückler-Park selbst ist wirklich gigantisch und wunderschön angelegt. Der exzentrische Fürst Hermann von Pückler-Muskau schuf hier im 19. Jahrhundert eine riesige Landschaftsparkanlage, die heute sogar UNESCO-Welterbe ist. Das Besondere: Der Park wirkt überhaupt nicht geschniegelt oder künstlich, sondern eher wie eine perfekte natürliche Landschaft mit sanften Wegen, weiten Wiesen, kleinen Seen, Brücken und herrlichen Sichtachsen. Man fährt oder läuft dort durch die Gegend und denkt ständig: „Hier könnte man eigentlich sofort eine Picknickdecke ausrollen.“
Und dann hieß es: zurück über die Grenze nach Polen – auf zum berühmten Polenmarkt. Und was sollen wir sagen… der legendäre Ruf dieses Marktes hat bei uns leichte Verwirrung ausgelöst. Gefühlt bestand der Markt aus 500 Ständen mit immer exakt denselben Produkten: Zigaretten, Schuhe, Kleidung, Alkohol, Gemüse und wieder Schuhe. Alles unter riesigen Blechdächern aufgebaut.
Ganz ehrlich: Da gefallen uns die Souks in Tunesien oder Marokko deutlich besser. Dort gibt es wenigstens noch Überraschungen, Gewürzduft und Händler mit echtem Verhandlungstalent. Hier dagegen wirkte vieles eher wie eine Dauerschleife im Einkaufszentrum.
Immerhin gingen wir nicht ganz leer aus: Drei Bund Spargel zu einem wirklich guten Preis und ein Glas Honig durften mit zu Grisu. Mehr brauchten wir aber auch nicht.
Zurück am Stellplatz wurde dann erstmal die Sonne genossen – und zwar ausgiebig. Am späten Nachmittag machte ich mich nochmal alleine mit dem Fahrrad auf den Weg, um den riesigen Park weiter zu erkunden. Zwischen alten Bäumen, Seen und geschwungenen Wegen ließ sich der Tag wunderbar ausklingen.
Ein rundum schöner Tag geht zu Ende. Und das Beste daran: Wir haben endlich wieder gelernt, wie Sonne aussieht.Okumaya devam et
Lost Places die erste😃
16 Mayıs, Polonya ⋅ ☁️ 12 °C
Heute gab es Frühstück in kurzer Hose und eine Nacht bei den Schlossgeistern von Pątnów
Nach einer herrlich ruhigen Nacht konnten wir heute Morgen endlich das tun, worauf wir gefühlt seit Reisebeginn gewartet hatten: draußen frühstücken – und zwar in kurzer Hose! Keine Regenjacke, keine Kapuze, kein hektisches Reinräumen der Kaffeetassen wegen plötzlich auftauchender Wolken. Einfach Sonne, Vogelgezwitscher und gemütlich mehrere Tassen Kaffee vor Grisu. Man merkt plötzlich erst, wie glücklich einen trockene Socken und warme Sonnenstrahlen machen können.
Nach einem entspannten Morgen machten wir uns gemütlich auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: den „Ruiny pałacu Ernesta Wolfganga von Rothkircha und Tracha“ in Pątnów, im niederschlesischen Teil Polens.
Und was sollen wir sagen – dieser Ort hat sofort eine ganz besondere Stimmung. Die Ruinen des ehemaligen Schlosses liegen versteckt zwischen alten Bäumen und wirken gleichzeitig majestätisch, geheimnisvoll und ein wenig traurig. Früher gehörte das Anwesen der Adelsfamilie von Rothkirch und Trach, einer bedeutenden schlesischen Familie. Das Schloss selbst wurde im 19. Jahrhundert prachtvoll ausgebaut und war einst ein beeindruckender Adelssitz mit großem Park, herrschaftlichen Räumen und allem, was damals zu einem standesgemäßen Leben gehörte – vermutlich inklusive Dienerschaft und Menschen, die anderen Menschen den Tee nachtragen mussten.
Doch wie so viele Schlösser in Niederschlesien überstand auch dieses die Wirren des Zweiten Weltkriegs und die Zeit danach nicht unbeschadet. Nach Kriegsende verfiel das Gebäude zunehmend, wurde geplündert und sich selbst überlassen. Heute stehen nur noch eindrucksvolle Ruinen mit bröckelnden Mauern, leeren Fensteröffnungen und Resten alter Architektur. Gerade das macht den Ort aber so faszinierend. Man läuft dort herum und stellt sich automatisch vor, wie hier früher Kutschen vorfuhren, elegante Gesellschaften durch die Säle wandelten und irgendwo ein Butler verzweifelt versuchte, Silberbesteck zu polieren.
Besonders schön ist der alte Schlosspark rund um die Ruine. Riesige alte Bäume, verwilderte Wege und überall Vogelgezwitscher sorgen für eine fast märchenhafte Atmosphäre. Eigentlich fehlte nur noch leichter Nebel und irgendwo ein geheimnisvoller Graf mit Kerzenleuchter.
Da es uns dort so gut gefiel, beschlossen wir kurzerhand zu bleiben und die Nacht direkt im alten Schlosspark zu verbringen. Und ganz ehrlich: Es gibt deutlich schlechtere Orte für einen Stellplatz. Grisu steht jetzt zwischen uralten Bäumen, die Vögel liefern das Abendkonzert und die Schlossruine schaut still über den Park hinweg.
Sollte heute Nacht irgendwo eine Kutsche vorbeifahren oder ein Schlossgeist auftauchen, wissen wir wenigstens sofort: Wir stehen richtig.Okumaya devam et

GezginMann kann nur Wau sagen bei diesem Anblick wie grün die Bäume 🌳 im Schloss Park sind ,einfach tolle Aufnahme mit der Trohne.LG Mama
Flug über den alten Schlosspark
16 Mayıs, Polonya ⋅ ☁️ 11 °C
Nach unserer Erkundungstour habe ich noch die Drohne ausgepackt und einen kurzen Flug über den alten Schlosspark gemacht.
Ein kurzer Zwischenstopp in Liegnitz
17 Mayıs, Polonya ⋅ ☁️ 13 °C
Nach einer überraschend ruhigen Nacht im verlassenen Schlosspark wachten wir heute Morgen bestens erholt auf. Und das Beste: Kein Schlossgeist👻, keine klappernden Kutschen und auch kein mysteriöses Heulen in der Nacht. Entweder waren die Geister im Urlaub oder Grisu hat mit seinem alten Feuerwehr-Charme genug Respekt eingeflößt.
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Liegnitz, dem heutigen Legnica. Dort fanden wir tatsächlich direkt neben dem Piastenschloss einen Parkplatz – was ungefähr so selten ist wie trockenes Wetter auf dieser Reise.
Das Piastenschloss selbst schauten wir uns von außen an. Das reicht ehrlich gesagt auch völlig aus. Natürlich ist das Schloss historisch bedeutend und eines der ältesten Schlösser Polens, aber optisch hat es uns jetzt nicht komplett aus den Schuhen gehauen. Solide, geschichtlich interessant, aber eher Kategorie „nett“ als „wow“.
Danach ging es weiter zur Kathedrale St. Peter und Paul. Leider begann genau in dem Moment eine Messe, sodass wir die Kirche nur von außen anschauen konnten. Immerhin beeindruckt die Kathedrale schon mit ihren riesigen Türmen und der gewaltigen Backsteinfassade. Wir scheinen allerdings ein besonderes Talent dafür entwickelt zu haben, immer exakt zum Gottesdienst einzutreffen.
Das bestätigte sich ein wenig später direkt nochmal bei der Liebfrauenkirche. Auch dort begann gerade die Messe, als wir ankamen. Immerhin konnte ich noch einen kurzen Blick ins Innere werfen. Besonders die kunstvollen Malereien an den Säulen sahen wirklich spannend aus und gaben der Kirche eine ganz besondere Atmosphäre.
Anschließend schlenderten wir noch etwas durch die Fußgängerzone und die Innenstadt von Liegnitz. Leider sprang der berühmte Funke dabei nicht wirklich über. Vieles wirkte eher ruhig und uns fehlte ein wenig dieses besondere Altstadtflair, das uns in anderen Städten sofort begeistert. Nach einer Weile waren wir uns einig: Bevor wir uns zwanghaft Sehenswürdigkeiten schönreden, fahren wir lieber weiter.
Also machten wir uns auf den Weg nach Breslau. Und irgendwie hatten wir dabei sofort das Gefühl: Dort wartet deutlich mehr auf uns.Okumaya devam et
Breslau kann Wow – selbst bei Regen
17 Mayıs, Polonya ⋅ ☁️ 14 °C
In Breslau angekommen hieß es nach einer kleinen Stärkung erstmal: Fahrräder abladen und los zur ersten Stadterkundung. Und schon nach den ersten Metern war er wieder da – dieser berühmte „Wow-Moment“. Kaum fuhren wir in die Altstadt hinein, wussten wir sofort: Diese Stadt hat etwas Besonderes.
Die wunderschönen bunten Häuser rund um den Marktplatz, die prachtvollen Fassaden und das lebendige Treiben sorgten direkt für gute Laune. Breslau wirkt sofort elegant, gemütlich und gleichzeitig irgendwie jung und lebendig. Genau die Mischung, bei der man automatisch langsamer fährt, weil man ständig irgendwo hinschauen muss.
Auf dem Marktplatz hörten wir plötzlich Musik und entdeckten ein Konzert mitten zwischen den historischen Gebäuden. Im ersten Moment dachte ich tatsächlich, wir wären zufällig in einen Flashmob geraten. Es fehlte eigentlich nur noch, dass plötzlich alle Menschen synchron zu tanzen anfangen und wir mitten drin stehen. Stattdessen war es einfach eine richtig tolle Stimmung mit Musik, Menschen und diesem besonderen Altstadtflair.
Danach ging es weiter Richtung Oder. Wir folgten dem Fluss ein Stück und genossen die schöne Atmosphäre entlang des Wassers. Breslau zeigt dort nochmal eine ganz andere Seite – ruhiger, entspannter und fast ein bisschen mediterran. Zumindest solange man ignoriert, dass man dabei langsam durchgefroren ist.
Denn natürlich hielt das Wetter seine Tradition aufrecht: Kaum waren wir richtig unterwegs, zog sich der Himmel wieder zu. Es wurde kalt, nass und der Wind erinnerte uns freundlich daran, dass wir eben doch nicht am Mittelmeer unterwegs sind.
Also traten wir den Rückweg zu Grisu an, der geduldig auf uns wartete. Trotz des Wetters freuen wir uns jetzt schon riesig auf morgen, wenn wir Breslau in Ruhe weiter erkunden wollen. Und vielleicht – ganz vielleicht – meint es der Wettergott ja endlich mal einen ganzen Tag gut mit uns.Okumaya devam et

GezginSag mal, Wieviele Tage Regen hattet ihr denn jetzt am Stück? Das erinnert mich an Irland, kein Tag ohne...

Womo TravelerIch glaube an 7 von 8. Es ist so als würden die Wolken uns folgen 🤣

GezginManchmal ist einfach der Wurm drin. Soll aber bald besser werden. Wir flüchten auch täglich 😂
Tag 2 in Breslau
18 Mayıs, Polonya ⋅ ☁️ 13 °C
Heute starteten wir unseren zweiten Tag in Breslau mit einem Besuch der historischen Markthalle Targowa. Eigentlich stellt man sich bei einer Markthalle ja sofort Obst, Gemüse, Käse, Fleisch und Marktschreier vor, die einem lautstark die besten Erdbeeren Polens verkaufen wollen. Nun ja… Breslau hatte da offenbar andere Pläne.
Denn gefühlt bestand die halbe Markthalle aus Blumenständen und riesigen Grabgestecken. Falls wir irgendwann spontan eine prachtvolle Beerdigungsdekoration benötigen sollten, wissen wir jetzt definitiv, wo wir hinmüssen. Die Auswahl war jedenfalls beeindruckend. Dazwischen gab es natürlich auch frische Lebensmittel, Gewürze und regionale Produkte, aber die Blumenhändler hatten eindeutig die Oberhand übernommen.
Die Markthalle selbst ist wirklich sehenswert. Das große Gebäude aus Anfang des 20. Jahrhunderts verbindet Backsteinarchitektur mit einer riesigen Stahlkonstruktion im Inneren. Hohe Bögen, viel Licht und dieses typische Markthallen-Flair machen den Besuch sehr angenehm. Man merkt sofort, dass hier seit über hundert Jahren gehandelt, gekauft und wahrscheinlich auch getratscht wird.
Anschließend ging es weiter über mehrere wunderschöne Brücken Richtung Dominsel. Zuerst über die berühmte Rote Eisenbrücke von 1861 auf die Sandinsel. Diese filigrane Stahlkonstruktion sieht fast aus, als wäre sie direkt aus einem alten Eisenbahnfilm übernommen worden. Danach überquerten wir noch die Dombrücke und erreichten schließlich die historische Dominsel – den ältesten Teil Breslaus.
Dort besuchten wir die imposante Kreuzkirche, offiziell die Stiftskirche zum Heiligen Kreuz und St. Bartholomäus. Schon von außen wirkt die Kirche mit ihren hohen Türmen und der Backsteinfassade unglaublich mächtig. Besonders spannend ist ihr ungewöhnlicher Aufbau: Eigentlich handelt es sich um zwei Kirchen übereinander. Unten die Bartholomäuskirche und darüber die eigentliche Kreuzkirche. So etwas sieht man wirklich nicht alle Tage.
Natürlich hieß es für uns erstmal: rauf auf den Turm. Nach einer halben Expedition über Treppenstufen wurden wir oben mit einem fantastischen Blick über Breslau belohnt. Die vielen Kirchtürme, die Oder, die roten Dächer und die historischen Gebäude sehen von oben einfach großartig aus. Und plötzlich merkt man erst, wie schön und vielseitig diese Stadt eigentlich ist.
Nach der Kirchenbesichtigung fuhren wir noch kreuz und quer durch Breslau, ließen uns treiben und genossen einfach die Atmosphäre. Immer wieder tauchten neue schöne Gebäude, kleine Plätze oder natürlich die berühmten Breslauer Zwerge auf. Andrea blieb dabei ihrer Rolle als Chef-Zwergenjägerin natürlich treu und entdeckte gefühlt jeden kleinen Bronze-Kerl noch bevor ich überhaupt wusste, wo ich hinschauen muss.
Breslau schafft es wirklich, Geschichte, Humor und Lebensfreude auf eine unglaublich charmante Art zu verbinden. Und genau deshalb gefällt uns die Stadt von Tag zu Tag besser.Okumaya devam et
Auf Zwergenjagd in Breslau
18 Mayıs, Polonya ⋅ ☁️ 14 °C
Wenn Erwachsene plötzlich wieder wie Kinder durch die Stadt laufen
Heute stand bei unserer Stadteroberung von Breslau eine ganz besondere Mission auf dem Programm: Zwergenjagd! Und wir müssen ehrlich sagen – wir hatten vermutlich deutlich mehr Spaß dabei, als man in unserem Alter eigentlich zugeben sollte.
Überall zwischen den wunderschönen historischen Gebäuden der Altstadt verstecken sich die kleinen Bronzezwerge. Mal sitzt einer gemütlich auf einer Fensterbank, mal klettert einer an einer Laterne hoch und der nächste schläft einfach mitten auf dem Gehweg. Anfangs entdeckt man sie eher zufällig. Doch irgendwann passiert etwas Merkwürdiges: Man läuft plötzlich nur noch mit gesenktem Blick durch die Stadt und scannt jeden Hauseingang, jede Ecke und jeden Poller nach kleinen Zipfelmützen ab.
Die kleinen Figuren haben übrigens eine ziemlich spannende Geschichte. Ursprünglich tauchten Zwerge in den 1980er Jahren als Symbol des stillen Protests gegen das kommunistische Regime auf. Die oppositionelle Bewegung „Orange Alternative“ malte damals kleine Zwerge auf übermalte Protestparolen und machte sich damit auf humorvolle Weise über die Regierung lustig. Heute sind daraus hunderte kleine Bronzezwerge geworden, die überall in Breslau verteilt stehen und längst das heimliche Wahrzeichen der Stadt sind.
Und Andrea entpuppte sich dabei als echte Profi-Zwergenjägerin. Während ich teilweise noch suchend durch die Gegend blickte, hatte sie den nächsten Zwerg längst entdeckt. „Da vorne unter der Lampe!“ – „Neben der Tür sitzt noch einer!“ – „Hinter dir auf der Fensterbank!“ Ehrlich gesagt hätten manche Zwerge vermutlich freiwillig aufgegeben, wenn Andrea mit diesem Jagdinstinkt unterwegs ist.
Wir entwickelten innerhalb kürzester Zeit echte Profi-Zwergenjäger-Instinkte. Ständig blieb das Fahrrad stehen, weil wieder irgendwo eine kleine Bronzefigur entdeckt wurde. Vermutlich müssen wir für Außenstehende ausgesehen haben wie zwei Erwachsene auf geheimer Schatzsuche.
Besonders genial ist, dass jeder Zwerg seinen eigenen Charakter hat. Manche arbeiten, manche entspannen und manche scheinen einfach Unsinn zu machen. Einige sehen aus, als hätten sie seit Tagen Feierabend, andere wirken erstaunlich motiviert. Eigentlich also wie normale Menschen – nur deutlich kleiner und sympathischer.
Die Kombination aus den historischen Fassaden, den kleinen verwinkelten Gassen und diesen überall versteckten Zwergen macht Breslau unglaublich charmant. Die Stadt nimmt sich selbst nicht zu ernst – und genau das gefällt uns so gut.
Am Ende des Tages waren wir uns jedenfalls einig: Eigentlich haben nicht wir die Stadt erkundet… sondern die Zwerge haben uns durch Breslau geführt.Okumaya devam et

Liz und Thomas on tourEs macht richtig Freude, eure Reise zu verfolgen. Die Texte sind sehr inspirierend. Ich habe nun große Lust, die Breslauer Zwerge eines Tages selbst in Augenschein zu nehmen ...

GezginWer weiß was aus da passiert wäre,wenn die nicht so fest und historisch wären...mir fällt da ein neu entstehender Garten hier in der Nähe ein 😂
Wasser, Licht und ganz großes Kino
18 Mayıs, Polonya ⋅ 🌙 10 °C
Nach unserer ausgiebigen Stadtbesichtigung zog es uns am Abend noch einmal stadtauswärts in die Nähe des Zoos. Dort liegt einer der beeindruckendsten Orte Breslaus: die Jahrhunderthalle mit der berühmten Breslauer Fontäne. Andrea gönnte sich eine kleine Pause, während ich mich alleine noch auf Entdeckungstour machte.
Schon der gesamte Park rund um die Jahrhunderthalle ist wunderschön angelegt. Große Grünflächen, breite Wege und überall Menschen, die den Abend genießen. Und mittendrin steht sie: die gewaltige Jahrhunderthalle – auf Polnisch „Hala Stulecia“.
Die Halle wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und war damals eine echte technische Sensation. Die riesige Kuppel aus Stahlbeton galt zur Bauzeit als Meisterleistung der Architektur. Heute gehört die Jahrhunderthalle sogar zum UNESCO-Welterbe. Und wenn man davorsteht, versteht man auch warum. Das Gebäude wirkt gleichzeitig elegant, monumental und irgendwie futuristisch – fast so, als hätte jemand vor über hundert Jahren schon mal probeweise die Architektur der Zukunft gebaut.
Direkt davor befindet sich die berühmte Breslauer Fontäne. Und dieses Wasserspektakel sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen. Hunderte Wasserstrahlen schießen im Takt der Musik in die Höhe, dazu Licht, Nebel und ständig wechselnde Bilder aus Wasser. Man steht davor und schaut automatisch viel länger zu als geplant. Eigentlich wollte ich nur „mal kurz schauen“ – plötzlich war gefühlt eine halbe Stunde vorbei.
Besonders bei Dunkelheit entfaltet die Fontäne ihre ganze Wirkung. Dann verwandelt sich der Platz vor der Jahrhunderthalle in eine riesige Open-Air-Lichtshow. Wasserfontänen tanzen durch die Luft, Farben wechseln ständig und die Musik macht das Ganze fast schon ein wenig magisch. Irgendwo zwischen Lasershow, Konzert und gigantischem Springbrunnenwahnsinn.
Es war ein perfekter Abschluss unseres Besuchs in dieser wunderschönen Stadt. Breslau hat uns mit seinen historischen Gebäuden, den kleinen Zwergen, den Brücken, der Oder und dieser besonderen Mischung aus Geschichte und Humor wirklich begeistert.Okumaya devam et

Womo TravelerJa das war eine sehr schöne Stimmung. Leider kann man die Musik im Video nur sehr schlecht hören, der Springbrunnen übertönt sie.

Womo TravelerImmer zur vollen Stunde. Ich war um 21 Uhr da. Ich glaube um 22 Uhr ist das letzte mal.
Ein ganz besonderer Servicetag
19 Mayıs, Polonya ⋅ ☀️ 17 °C
Nach den wunderschönen Tagen in Breslau stand heute erstmal weniger Kultur und mehr Alltag auf dem Programm. Oder besser gesagt: Wellness für Mensch und Maschine.
Bereits nach einer Stunde Fahrt hieß es erstmal „Break & Wash“. Diese Wasch- und Servicestationen findet man in Polen erstaunlich oft – meistens direkt an Tankstellen. Und ganz ehrlich: Für Reisende mit Wohnmobil sind diese Plätze Gold wert.
Also wurde erstmal das volle Programm abgearbeitet. Während die Waschmaschinen fleißig rotierten, bekam Grisu frisches Wasser, saubere Scheiben und sogar eine kleine Innenraumreinigung inklusive Staubsaugerbehandlung. Nach zwei Stunden war alles wieder geschniegelt und gestriegelt. Frische Wäsche, voller Wassertank und ein sauberer Grisu.
Danach ging es weiter Richtung Oppeln zum Mercedes Truck Service. Denn unser alter Feuerwehrmann hatte seit einiger Zeit ein verdächtiges Quietschen beim Lenken entwickelt. Und bei einem Fahrzeug namens Grisu denkt man bei seltsamen Geräuschen natürlich sofort: „Bitte nicht.“
Doch schon bei der Ankunft wurden wir unglaublich freundlich empfangen. Kaum standen wir auf dem Hof, wurden wir erstmal auf einen Kaffee eingeladen. Während in manchen Werkstätten schon schlechte Stimmung aufkommt, wenn man nur fragt, wo die Toilette ist, fühlten wir uns hier sofort willkommen.
Nachdem unsere Daten aufgenommen waren, ging alles erstaunlich schnell. Grisu stand schon in der Werkstatt und zwei Mechaniker machten sich direkt ans Werk. Gemeinsam kippten wir das Fahrerhaus – was jedes Mal aussieht, als würde sich ein kleiner LKW plötzlich in einen Transformer verwandeln – und die Mechaniker machten sich an den Keilriemenwechsel.
Besonders schön war, wie begeistert die Mitarbeiter von unserem alten Schweizer Feuerwehrmann waren. Offenbar verirren sich normalerweise eher moderne Trucks in die Werkstatt. Grisu dagegen war so etwas wie der charmante Veteran unter den jungen Hüpfern. Einer der Mitarbeiter meinte sinngemäß, dass sie schon lange keinen so alten Herrn mehr in der Garage hatten. Und Grisu genoss die Aufmerksamkeit sichtlich.
Zwar konnten leider nicht alle kleinen Problemchen vollständig gelöst werden, aber das Wichtigste: Wir können beruhigt weiterreisen. Nach etwa zwei Stunden, einigen netten Gesprächen und einer Portion Werkstattromantik rollten wir schließlich wieder vom Hof.
Zwar deutlich später als ursprünglich geplant, aber dafür mit deutlich entspannterem Gefühl.
Jetzt stehen wir direkt am Schlosspark vom Schloss Moschen und lassen den Abend gemütlich ausklingen. Und wenn Grisu heute Nacht nicht mehr quietscht, schläft vermutlich nicht nur er besser.Okumaya devam et
Ein Morgen wie aus dem Bilderbuch
20 Mayıs, Polonya ⋅ ☀️ 19 °C
Nach einer herrlich ruhigen Nacht wurden wir heute Morgen nicht etwa vom Wecker geweckt, sondern vom Glockenkonzert der Kościół Niepokalanego Serca Maryi Kirche. Und ganz ehrlich: So kann man deutlich angenehmer aufwachen als mit irgendeinem nervigen Handyton. Bei strahlend blauem Himmel und bestem Wetter starteten wir anschließend ganz entspannt in den Tag.
Natürlich führte unser erster Weg erstmal durch den Schlosspark von Moschen. Und wieder einmal standen wir staunend unter diesen riesigen alten Bäumen. Manche von ihnen wirken, als hätten sie schon mehrere Königreiche, Kriege und vermutlich auch schlechte Autofahrer überlebt. Der Park selbst ist wunderschön angelegt – mit kleinen Wegen, Teichen und überall dieser leicht verwunschene Charme, der perfekt zum Schloss passt.
Und dann stand es plötzlich vor uns: Schloss Moschen. Oder besser gesagt: ein architektonischer Größenwahnsinn in Märchenform. Nicht umsonst wird es oft als das „Neuschwanstein Polens“ bezeichnet.
Das Schloss wirkt, als hätte jemand beim Bauen einfach beschlossen, sich zwischen Märchenschloss, englischem Herrenhaus und französischem Palast nicht entscheiden zu wollen – also wurde einfach alles gleichzeitig gebaut. Herausgekommen ist ein riesiges, verspieltes Gebäude mit unzähligen Türmen, Erkern, Dachgauben und Verzierungen. Tatsächlich besitzt das Schloss angeblich 99 Türme und 365 Räume – also fast für jeden Tag des Jahres einen eigenen Raum. Vermutlich verläuft man sich dort schon beim Versuch, die Küche zu finden.
Besonders beeindruckend ist die Mischung verschiedener Baustile. Ein Teil erinnert an ein barockes Schloss, andere Bereiche eher an eine mittelalterliche Burg. Genau das macht den besonderen Charme aus. Man läuft um das Gebäude herum und entdeckt ständig neue Details. Irgendwo erwartet man fast, dass gleich Rapunzel aus einem Turm schaut oder ein Butler mit silbernem Tablett vorbeiläuft.
Das Schloss gehörte einst der Familie Tiele-Winckler, einer unglaublich wohlhabenden Industriellenfamilie. Hier wurde nicht gekleckert, sondern ordentlich geklotzt. Und das sieht man bis heute an jeder Ecke.
Nach so viel Schlossromantik und Türme-zählen war dann allerdings erstmal dringend Mittagspause angesagt. Schließlich braucht selbst die härteste Schlossbesatzung irgendwann Nahrung und Kaffee.
Bis jetzt gehört Moschen definitiv zu den schönsten und märchenhaftesten Orten unserer Reise. Und heute spielte sogar endlich mal das Wetter mit – vermutlich wollte selbst die Sonne dieses Schloss sehen.Okumaya devam et

GezginWahnsinn 🤩, das ist ja traumhaft … Danke für die schönen Bilder und die tolle Beschreibung. Euch weiterhin gute Reise und vor allem ab jetzt immer viel Sonne 🌞
320 Meter unter der Erde
20 Mayıs, Polonya ⋅ ⛅ 22 °C
Nach unserer gemütlichen Mittagspause hieß es: weiterfahren nach Zabrze. Dort stand ein ganz besonderes Highlight auf unserer Liste – das Bergwerksmuseum Guido. Und was sollen wir sagen: Das war definitiv nichts für Menschen mit Platzangst oder schwachen Nerven.
Schon der Beginn hatte etwas von einer Mischung aus Abenteuerfilm und Industriegeschichte. Mit einem Förderkorb ging es erstmal ganze 320 Meter tief unter die Erde. Und wenn sich die Türen schließen und man plötzlich mit ordentlich Tempo in die Tiefe rauscht, merkt man erst, wie weit unten 320 Meter eigentlich wirklich sind. Irgendwann denkt man automatisch: „Jetzt müsste man doch langsam mal angekommen sein…“
Unten angekommen erwartete uns eine etwa zweistündige Führung durch das ehemalige Steinkohlebergwerk. Leider komplett auf Polnisch. Das bedeutete für uns: sehr konzentriert schauen, freundlich nicken und hoffen, dass man an den richtigen Stellen beeindruckt wirkt. Immerhin versteht man unter Tage auch ohne Sprache ziemlich schnell, wie hart und gefährlich die Arbeit dort früher gewesen sein muss.
Das Bergwerk Guido ist eines der beeindruckendsten Bergbaumuseen Polens. Früher wurde hier tatsächlich aktiv Kohle gefördert. Heute kann man tief unter der Erde durch kilometerlange Gänge laufen und die riesigen Maschinen bestaunen. Besonders faszinierend war, dass viele Anlagen extra für die Besucher angeschaltet wurden. Plötzlich setzen sich gigantische Förderbänder in Bewegung, Maschinen rattern los und überall dröhnt und scheppert es wie früher im echten Bergwerksbetrieb.
Und ganz ehrlich: Das ist schon gewaltig. Diese riesigen Maschinen wirken unter Tage nochmal doppelt so groß. Man steht daneben und fühlt sich plötzlich ungefähr so klein wie einer der Breslauer Zwerge. Gleichzeitig bekommt man großen Respekt vor den Bergarbeitern, die dort unten früher täglich gearbeitet haben – oft unter extrem schwierigen Bedingungen.
Besonders beeindruckend ist auch die Größe der gesamten Anlage. Das Streckennetz zieht sich über viele Kilometer durch den Untergrund und wirkt fast wie eine kleine unterirdische Stadt. Teilweise vergisst man komplett, dass über einem noch ganz normal Menschen, Autos und Häuser existieren.
Zwischendurch hatte die Führung fast etwas Surreales. Tief unter der Erde, überall dunkle Tunnel, Maschinenlärm und dazu polnische Erklärungen, von denen wir ungefähr jedes zwanzigste Wort verstanden haben. Aber genau das machte den Besuch irgendwie noch spannender. Man konzentriert sich automatisch viel stärker auf das, was man sieht und hört.
Nach zwei Stunden unter Tage waren wir jedenfalls wieder froh, das Tageslicht zu sehen. Frische Luft fühlt sich plötzlich deutlich luxuriöser an, wenn man gerade noch 320 Meter unter der Erde unterwegs war.
Und während wir später wieder zu Grisu zurückliefen, waren wir uns einig: Heute haben wir definitiv den tiefsten Punkt unserer Reise erreicht – im wahrsten Sinne des Wortes.
Am Abend haben wir einen wunderschönen Stellplatz oberhalb eines kleinen See gefunden.Okumaya devam et
Besuch im Kloster Jasna Góra
22 Mayıs, Polonya ⋅ ⛅ 21 °C
Gestern war erstmal ein wohlverdienter Pausentag am kleinen See. Einfach mal nichts tun, die Ruhe genießen und Grisu ebenfalls ein wenig Erholung gönnen. Nach den vielen Eindrücken der letzten Tage tat das richtig gut.
Heute Morgen führte uns unsere Reise dann weiter nach Częstochowa zum berühmten Kloster Jasna Góra – einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Polens. Und schon bei der Ankunft merkt man sofort: Das hier ist nicht einfach nur ein Kloster. Das ist eine Mischung aus Festung, Pilgerzentrum, Sehenswürdigkeit und spirituellem Ausnahmezustand.
Jedes Jahr reisen hier Millionen Pilger an. Besonders zu den großen Wallfahrten ziehen tausende Menschen oft tagelang zu Fuß nach Jasna Góra, um vor dem berühmten Gnadenbild der Schwarzen Madonna von Częstochowa zu beten. Dieses Bild gilt für viele Gläubige als wundertätig und ist das Herzstück der gesamten Anlage.
Die Dimensionen des Klosters sind wirklich enorm. Riesige Höfe, lange Gänge, mächtige Mauern und überall beeindruckende Gebäude. Besonders die Basilika hat uns sofort beeindruckt. Die prachtvollen Deckengemälde, die vergoldeten Säulen und die unzähligen Figuren wirken fast überwältigend. Man schaut ständig nach oben, weil es überall etwas zu entdecken gibt. Irgendwann bekommt man automatisch leichte Nackenschmerzen vom Dauer-Staunen.
Einen besonders guten Überblick über die riesige Anlage konnte ich mir vom Glockenturm verschaffen. Fast ganz oben angekommen liegt einem das gesamte Kloster zu Füßen. Von dort oben erkennt man erst richtig, wie gewaltig die gesamte Anlage eigentlich ist. Und nebenbei merkt man auch, dass Kirchtürme grundsätzlich immer exakt so viele Treppen haben, dass man oben außer Atem ankommt.
Besonders eindrucksvoll war die Kapelle des wundertätigen Bildes der Schwarzen Madonna. Dort saßen und standen viele Gläubige, beteten und sangen Psalmen auf Polnisch. Trotz der vielen Menschen herrschte eine ganz besondere Atmosphäre. Gleichzeitig wirken die Wände mit all den aufgehängten Rosenkränzen, Krücken und Stöcken fast surreal. Viele dieser Gegenstände wurden offenbar von geheilten oder dankbaren Gläubigen zurückgelassen.
Und genau dort kamen bei mir auch gemischte Gedanken auf. Einerseits ist die Atmosphäre unglaublich beeindruckend und emotional. Andererseits wirkt der enorme Prunk manchmal etwas befremdlich. Gold, Verzierungen, Souvenirshops und überall religiöser Kommerz passen für mich nicht immer ganz zu dem Bild von Bescheidenheit und Demut, das man eigentlich mit einem Kloster verbindet. Manchmal hatte man fast das Gefühl, zwischen Pilgerstätte und religiösem Einkaufszentrum unterwegs zu sein.
Trotzdem war der Besuch unglaublich spannend und eindrucksvoll. Man spürt dort sofort die enorme Bedeutung dieses Ortes für viele Menschen.
Nach der Besichtigung machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Osten. Jetzt stehen wir erneut an einem kleinen See und genießen die Ruhe des Abends. Nach so viel Gold, Glockengeläut und Menschenmassen fühlt sich das Plätschern des Wassers plötzlich besonders entspannend an.
Und Grisu? Der steht wie immer ganz gelassen da – vermutlich der einzige heute, der komplett ohne Wallfahrt ausgekommen ist.Okumaya devam et

Gezgin"religiöses Einkaufszentrum" trifft's sehr gut. Und die stoische Haltung von Grisu vielleicht deshalb, weil er als Schweizer dasselbe vom Kloster Einsiedeln bereits kennt. (-;

Gezgin
Kein Problem ihn wiederzufinden😉, ja und das Kloster,so kennt man es oft an berühmten heiligen Stätten, mit spirituellem Materialismus
Durch die Obstkammer Polens
23 Mayıs, Polonya ⋅ ☁️ 22 °C
Heute stand die Weiterreise nach Lublin auf dem Programm. Von Kielce aus ging es immer weiter Richtung Osten – und unterwegs hatten wir plötzlich das Gefühl, mitten durch einen gigantischen Obstkorb zu fahren.
Unsere Strecke führte uns durch die berühmte Obstkammer Polens. Kilometerweit reihten sich riesige Apfel- und Birnenplantagen aneinander. Dazwischen endlose Felder mit Johannisbeeren, Himbeeren und anderen Obstsorten. Teilweise sah man wirklich bis zum Horizont nur Obstbäume und Plantagen. Wenn irgendwo plötzlich ein einzelner Baum ohne Früchte stand, wirkte er fast schon fehl am Platz.
Polen gehört tatsächlich zu den größten Apfelproduzenten Europas und genau durch diese Regionen sind wir heute gefahren. Besonders rund um Ostpolen und die Gebiete Richtung Lublin wird unglaublich viel Obst angebaut. Überall kleine Höfe, landwirtschaftliche Betriebe und Menschen, die scheinbar genau wissen, wie man perfekte Äpfel produziert.
Was uns dabei immer wieder auffällt: Wie ordentlich und sauber hier alles wirkt. Die kleinen Orte, die Gärten, die Straßen – selbst entlang der Landstraßen liegt kaum Müll herum. Keine überquellenden Straßengräben, keine wilden Müllsammlungen und kein kaputtes Sofa am Waldrand. Irgendwie wirkt alles gepflegt und aufgeräumt. Man ertappt sich fast dabei, automatisch langsamer zu fahren, weil man ständig links und rechts schauen möchte.
Die Fahrt selbst war unglaublich entspannt. Kleine Straßen, viel Natur und immer wieder diese endlosen Obstplantagen. Ehrlich gesagt hatten wir irgendwann ständig Lust auf Apfelkuchen.
Jetzt bleiben wir erstmal über Pfingsten hier in Lublin – genauer gesagt etwa fünf Kilometer außerhalb der Stadt auf einem kleinen gemütlichen Stellplatz. Nach den letzten Tagen voller Eindrücke tut ein etwas ruhigerer Abend richtig gut.Okumaya devam et
Ein stiller Tag in Majdanek
24 Mayıs, Polonya ⋅ ☁️ 24 °C
Nach einer ruhigen und angenehm warmen Nacht konnten wir heute Morgen zum ersten Mal ganz entspannt draußen frühstücken. Was für ein Gefühl nach all dem Regen zu Beginn unserer Reise. Die Sonne, frischer Kaffee und einfach draußen sitzen – manchmal sind es genau diese kleinen Momente, die unterwegs besonders schön sind.
Nach dem Frühstück bereitete Andrea schon alles für unser heutiges Grillen am Abend vor. Grillen… das fühlte sich fast schon an wie ein kleines Stück Sommerurlaub, das wir lange vermisst hatten. Während Andrea marinierte, schnippelte und organisierte, kümmerte ich mich darum, den Grill endlich wieder einsatzbereit zu machen.
Anschließend fuhren wir mit den Fahrrädern zum ehemaligen Konzentrationslager Majdanek in Lublin.
Schon bei der Anfahrt verändert sich die Stimmung. Majdanek liegt nicht versteckt irgendwo abgelegen, sondern direkt am Rand der Stadt. Genau das macht diesen Ort noch bedrückender. Das Konzentrations- und Vernichtungslager wurde während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg errichtet. Zehntausende Menschen wurden hier inhaftiert, gequält und ermordet. Juden, politische Gefangene, Kriegsgefangene und viele andere Opfergruppen litten hier unter unmenschlichen Bedingungen.
Heute sind große Teile des Lagers erhalten geblieben. Die langen Reihen der Baracken, die Wachtürme, Zäune und Wege machen das Ausmaß dieses Ortes erschreckend greifbar. Man läuft dort entlang und spürt eine bedrückende Stille, obwohl viele Besucher unterwegs sind.
Besonders tief beeindruckt hat uns das „Mauzoleum Pomnika Walki i Męczeństwa“, das Mausoleum des Kampfes und Martyriums. Das monumentale Bauwerk steht am Ende des ehemaligen Lagergeländes und erinnert an die Opfer von Majdanek. Unter der gewaltigen Kuppel befindet sich Asche der Ermordeten – ein Ort des stillen Gedenkens und der Mahnung. Die monumentale Architektur wirkt schwer und bedrückend und genau das soll sie vermutlich auch sein.
Was wir dort gesehen haben, hat mich sprachlos gemacht.
Es ist kaum in Worte zu fassen, welches Leid den Menschen an diesem Ort angetan wurde. Die Dimension der Grausamkeit, die systematische Entmenschlichung und das Wissen, dass all dies von Menschen geplant und durchgeführt wurde, erschüttert zutiefst.
Man verlässt einen Ort wie Majdanek anders, als man ihn betreten hat.
Tief beeindruckt und nachdenklich fuhren wir später zurück zu unserem Stellplatz. Heute war keiner dieser Reisetage voller Abenteuer oder Leichtigkeit. Heute war ein Tag des Erinnerns und des stillen Nachdenkens darüber, wie wichtig Menschlichkeit, Respekt und Frieden sind.
Am Abend werden wir sicher gemeinsam draußen sitzen, grillen und die Ruhe genießen. Und vielleicht gerade deshalb bewusster als sonst.Okumaya devam et

BalgenbruderMein Großvater war in Buchenwald ich hab erst kürzlich die Dokumente dazu im Internet gefunden. Originale zu seiner vierjährigen Haft. Geschichte wird ist wohl vielen Schulen inzwischen gar nicht mehr im Lehrplan. Ich hab noch Originalfilme zu KZs gesehen als Schüler heute möchte man das den Kinder vermutlich nicht zumuten. Das Holocaust Museum in Berlin ist sehr beeindruckend und einen Besuch wert.

Gezgin
Das sind ja Bilder des Grauens hoffentlich kommt sowas nicht noch einmal LG Mama

Gezgin
Ganz furchtbar, wenn ich das sehe ,bekomm ich selbst nur von den Fotos Gänsehaut und Übelkeit
Nationalpark Polesie
25 Mayıs, Polonya ⋅ ☁️ 22 °C
Zwischen Holzstegen, Blütenduft und einem flüchtenden Elch – Unterwegs im Osten Polens
Nach einem herrlich entspannten Frühstück in der Sonne – inzwischen fast schon ein kleines Wunder auf dieser Reise – und nachdem wieder alles fein säuberlich an Ort und Stelle verräumt war, machten wir uns weiter auf den Weg Richtung Osten.
Unterwegs lag der Nationalpark Polesie auf unserer Route. Und natürlich konnten wir da nicht einfach vorbeifahren. Also hieß es: Fahrräder runter vom Grisu und ab in die Natur.
Der Polesie-Nationalpark gehört zu den ursprünglichsten Landschaften Polens. Die Gegend ist bekannt für ihre riesigen Moor- und Sumpfgebiete, stille Seen, dichte Wälder und eine erstaunlich vielfältige Tierwelt. Hier leben seltene Vogelarten, Biber, Elche und vermutlich auch Mücken mit Kampfausbildung. Zum Glück hielten sich Letztere weitestgehend zurück.
Unsere kleine Tour führte über wunderschöne Holzstege zuerst zu einem idyllischen See und anschließend weiter durch den Wald. Und dieser Wald wirkte heute fast märchenhaft. Der Boden war übersät mit kleinen weißen Blüten und überall lag ein unglaublich angenehmer Duft in der Luft. Irgendwo zwischen Frühlingswald, Blumenwiese und Naturparfüm.
Und dann passierte plötzlich das, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten: Wir scheuchten tatsächlich einen Elch auf. Offenbar hatten wir ihn bei unserer gemütlichen Fahrradtour aus seinem Mittagsschlaf geweckt. Mit einem ordentlichen Satz verschwand er plötzlich zwischen den Bäumen und war schneller weg, als wir überhaupt realisieren konnten, was da gerade passiert. Natürlich waren wir viel zu langsam für ein Foto. Wie immer bei solchen Momenten: Erst staunen, dann Kamera suchen und am Ende nur noch raschelnde Büsche sehen.
Man fährt dort ganz entspannt entlang, hört nur Vogelgezwitscher und das Knarzen der Holzstege unter den Reifen. Ehrlich gesagt hätten nach dem Elch jederzeit auch noch Elfen oder Waldgeister auftauchen können und wir hätten es vermutlich einfach akzeptiert.
Nach rund 13 Kilometern erreichten wir schließlich wieder unseren treuen Grisu, der geduldig am Parkplatz auf uns wartete. Und weil Radfahren durch duftende Wälder natürlich anstrengend ist, gab es erstmal eine wohlverdiente Kaffeepause – inklusive leckerer Teilchen. Schließlich müssen Reisende ihre Kräfte sinnvoll einteilen.
Danach setzten wir unsere Fahrt Richtung Osten fort und genossen noch lange die ruhigen Straßen, die Natur und diesen wunderschönen Reisetag irgendwo mitten im grünen Osten Polens.Okumaya devam et
Ein Abend auf dem heiligen Berg Grabarka
25 Mayıs, Polonya ⋅ ⛅ 24 °C
Am frühen Abend erreichten wir einen ganz besonderen Ort unserer Reise:
Krzyże pątnicze na Górze Grabarce – den heiligen Berg Grabarka.
Schon bei der Ankunft merkten wir sofort, dass dieser Ort eine ganz besondere Atmosphäre besitzt. Direkt in der Nähe des heiligen Berges fanden wir einen wunderschönen Stellplatz mitten im Wald. Ruhig, grün und genau die Sorte Platz, bei der man sofort denkt: „Hier bleiben wir.“
Natürlich zog es mich direkt hinauf zur berühmten Pilgerstätte. Und ganz ehrlich: Der erste Blick auf die unzähligen Kreuze ist wirklich überwältigend. Tausende Holzkreuze stehen dicht an dicht zwischen den Bäumen verteilt. Kleine Kreuze, große Kreuze, verwitterte, neue, schiefe und kunstvoll geschnitzte Kreuze – überall Kreuze. Ich war wirklich total erstaunt über diese gewaltige Menge.
Der heilige Berg Grabarka gilt als wichtigster orthodoxer Wallfahrtsort Polens. Seine Geschichte reicht mehrere hundert Jahre zurück. Besonders bekannt wurde der Ort Anfang des 18. Jahrhunderts während einer Choleraepidemie. Der Überlieferung nach sollen Menschen hier Heilung gefunden haben, nachdem sie mit einem Kreuz auf den Berg gepilgert waren und aus der Quelle am Berg getrunken hatten. Seitdem bringen Gläubige aus Dankbarkeit, Hoffnung oder zum Gebet ihre Kreuze hierher. Jedes einzelne Kreuz erzählt dabei vermutlich seine ganz eigene Geschichte.
Mitten zwischen all diesen Kreuzen steht die wunderschöne orthodoxe Holzkirche. Leider war sie bereits geschlossen, als ich ankam. Aber allein von außen ist sie beeindruckend. Die Kirche wurde komplett aus Holz gebaut und besitzt diese typische orthodoxe Bauweise mit dunklem Holz, kunstvollen Details und den markanten Zwiebeltürmen. Sie wirkt fast ein wenig wie aus einem alten Märchenfilm – still, geheimnisvoll und perfekt passend zu diesem mystischen Ort.
Und mystisch ist Grabarka wirklich. Besonders am Abend, wenn kaum noch Menschen dort sind und nur der Wind durch die Bäume rauscht. Da der Souvenirshop bereits geschlossen hatte – natürlich gibt es auch hier einen Souvenirshop, schließlich endet selbst Spiritualität irgendwann an der Kasse – hatte ich den gesamten Kreuzberg fast für mich alleine.
Zwischen den tausenden Kreuzen herrschte eine unglaubliche Ruhe. Irgendwie gleichzeitig friedlich, ehrfürchtig und leicht geheimnisvoll. Ehrlich gesagt hätte es mich nicht überrascht, wenn plötzlich irgendwo ein orthodoxer Mönch mit Laterne aus dem Wald aufgetaucht wäre.
Nach dem Besuch ging es zurück zu Grisu wo Andrea schon auf mich wartete. Dort hieß es erstmal: Außenküche aufbauen und Abendessen kochen. Und genau dafür lieben wir solche Stellplätze. Mitten im Wald kochen, die Ruhe genießen und den Tag langsam ausklingen lassen – viel besser kann Reisen eigentlich nicht werden.
Während irgendwo die Vögel ihr Abendkonzert gaben und der Duft vom Essen durch den Wald zog, waren wir uns einig: Dieser Ort gehört definitiv zu den außergewöhnlichsten und eindrucksvollsten Stationen unserer Reise.Okumaya devam et
Morgengesang auf dem heiligen Berg
26 Mayıs, Polonya ⋅ 🌬 24 °C
Da die Kirche auf dem heiligen Berg Grabarka gestern Abend leider geschlossen war, ließ mir das Ganze keine Ruhe. Also machte ich mich heute Morgen ganz früh noch einmal alleine auf den Weg den Berg hinauf. Und diesmal hatte ich Glück.
Schon bevor ich die Kirche erreichte, hörte ich wunderschönen Gesang aus dem Inneren. Als ich vorsichtig die Tür öffnete, saßen dort drei Nonnen und ein orthodoxer Priester hielt gerade die Messe. Also setzte ich mich still ganz nach hinten und lauschte einfach nur.
Und was soll ich sagen: Das war wirklich etwas ganz Besonderes.
Eine orthodoxe Messe unterscheidet sich deutlich von dem, was man aus katholischen Kirchen kennt. Es wird erstaunlich wenig gesprochen – stattdessen wird fast alles gesungen. Die Gebete, die Antworten, die Liturgie… alles klingt wie ein durchgehender Gesang. Dazu dieser mehrstimmige Choral der Nonnen, der komplett ohne Instrumente die kleine Holzkirche erfüllte. Das Ganze hatte etwas unglaublich Ruhiges und Feierliches.
Durch den Weihrauch, das warme Licht und die alten Ikonen wirkte die Atmosphäre fast zeitlos. Obwohl ich kein Wort verstanden habe, war die Stimmung unglaublich beeindruckend. Eigentlich wollte ich nur kurz hineinschauen… am Ende blieb ich die komplette Messe dort sitzen und hörte einfach zu.
Und ganz ehrlich: Selten hat mich eine Messe so ruhig und beeindruckt zurückgelassen.
Nach diesem besonderen Erlebnis ging es zurück zu Grisu, wo erstmal Frühstück angesagt war. Anschließend machte ich mich gemeinsam mit Andrea noch einmal auf den Weg den Berg hinauf – schließlich sollte sie diesen besonderen Ort auch noch erleben.
Danach fuhren wir weiter nach Białystok, der Hauptstadt der Woiwodschaft Podlachien im Osten Polens. Dort schauten wir uns als erstes den beeindruckenden Branicki-Palast an.
Der Palast wird oft als das „polnische Versailles“ bezeichnet – und wenn man davorsteht, versteht man auch warum. Das prachtvolle Gebäude mit seinen eleganten Fassaden, den Türmen und den kunstvoll angelegten Gärten wirkt unglaublich majestätisch. Besonders der Park rund um den Palast ist wunderschön gestaltet: Symmetrische Wege, Blumenbeete, Figuren und perfekt angelegte Grünflächen. Man merkt sofort, dass hier früher nicht einfach gewohnt, sondern ordentlich repräsentiert wurde.
Danach besuchten wir noch die Cathedral Basilica of the Assumption of the Blessed Virgin Mary. Leider wird die Kirche außen momentan renoviert, weshalb sie teilweise hinter Gerüsten verschwindet. Trotzdem beeindruckt der riesige Bau aus roten Ziegelsteinen sofort.
Im Inneren wirkt die Kirche deutlich schlichter als manche der prunkvollen Kathedralen, die wir bisher gesehen haben. Aber genau das macht ihren besonderen Charme aus. Besonders die hohen Säulen und die harmonische Architektur wirken sehr elegant und ruhig. Keine völlige Goldexplosion, kein barocker Überfall auf die Augen – sondern einfach eine sehr schöne und beeindruckende Kirche.
Nach einem kleinen Rundgang über den Marktplatz machten wir uns schließlich auf den Weg ins nahe gelegene Supraśl.
Und natürlich fanden wir auch dort wieder einen herrlich ruhigen Platz direkt am Fluss unterhalb des Klosters. Langsam entwickeln wir wirklich ein Talent dafür, die schönsten Stellplätze aufzuspüren.
Jetzt sitzt Grisu wieder gemütlich zwischen Bäumen und Wasser, während der Abend langsam ruhig wird. Und nach einem Tag voller Gesänge, Kirchen, Paläste und Eindrücke genießen wir einfach die Ruhe am Fluss.Okumaya devam et

Womo TravelerNein da kommen wir nicht mehr vorbei. Morgen geht’s weiter Richtung Kaunas.
Kloster Mariä Verkündigung
27 Mayıs, Polonya ⋅ 🌬 19 °C
Heute Morgen hieß es nach dem Frühstück erstmal: arbeiten. Ja, tatsächlich. Auch unterwegs holt einen der Alltag manchmal ein. Während andere vermutlich denken, wir sitzen den ganzen Tag nur mit Kaffee in der Sonne, wurde heute erstmal gearbeitet. Aber immerhin mit deutlich schönerer Aussicht als in vielen Büros dieser Welt.
Nach getaner Arbeit machten wir uns anschließend auf den Weg zum Kloster Mariä Verkündigung in Supraśl.
Schon von außen wirkt das orthodoxe Kloster unglaublich imposant. Die mächtigen Gebäude, die hellen Mauern und die markanten Türme verleihen der gesamten Anlage eine ganz besondere Ausstrahlung. Das Kloster gehört zu den bedeutendsten orthodoxen Klöstern Polens und wurde bereits im 16. Jahrhundert gegründet. Über viele Jahrhunderte war es ein wichtiges religiöses und kulturelles Zentrum der Region.
Besonders spannend ist die bewegte Geschichte des Klosters. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es mehrfach zerstört, umgebaut und wieder aufgebaut. Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Anlage schwere Schäden und Teile des ursprünglichen Klosters gingen verloren. Vieles wurde später liebevoll rekonstruiert. Heute verbindet der Ort Geschichte, Spiritualität und orthodoxe Tradition auf beeindruckende Weise.
Am Eingang gibt es übrigens keinen festen Eintrittspreis. Stattdessen spendet jeder einfach so viel, wie er möchte. Ein Konzept, das erstaunlich angenehm wirkt. Keine riesigen Preisschilder, keine Diskussion über Familientickets und kein Gefühl, beim Kircheneingang versehentlich ein Konzertticket kaufen zu müssen.
Immer zur vollen Stunde finden Führungen statt – allerdings ausschließlich auf Polnisch. Das bedeutete für uns mal wieder: aufmerksam schauen, freundlich nicken und an den Stellen beeindruckt gucken, an denen vermutlich etwas besonders Wichtiges erklärt wurde. Inzwischen sind wir darin erstaunlich professionell geworden.
Nach der Besichtigung setzten wir unsere Reise weiter Richtung Norden fort. Und plötzlich waren wir einfach in Litauen. Ohne Grenzstation, ohne Kontrolle und ohne großes Schild mit dramatischer Musik im Hintergrund. Genau das ist wirklich das Schöne an Europa. Eben noch Polen – fünf Minuten später Litauen.
Kurz vor der Grenze bekam Grisu allerdings noch einmal einen randvollen Tank. Denn Diesel ist in Polen fast 30 Cent günstiger als in Litauen. Und bei einem alten Mercedes 1120er mit großem Tank entwickelt man plötzlich erstaunliches Talent im internationalen Kraftstoffpreisvergleich.
Jetzt stehen wir im Regionalpark Lagune von Kaunas direkt an der Memel auf einem wunderschönen Stellplatz unmittelbar am Wasser. Ruhig, grün und mit perfektem Ausblick für den Abend.
Während die Sonne langsam über dem Wasser verschwindet und Grisu gemütlich am Ufer steht, fühlt sich dieser Reisetag mal wieder genau so an, wie wir uns unsere Sommerreise vorgestellt haben: ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Kultur und zwischendurch ganz normale Dinge wie Arbeiten und Dieselpreise vergleichen.Okumaya devam et

GezginFindet man das im ländlichen Polen häufiger mit den Führungen, kann man manche Orte ansonsten nicht besuchen?
Ein Tag am Kaunasser Stausee
28 Mayıs, Litvanya ⋅ ☀️ 7 °C
Heute Morgen war ich schon vor Sonnenaufgang wach. Und das ausnahmsweise mal nicht, weil irgendwo etwas geklappert oder gequietscht hätte, sondern freiwillig. Direkt vom Bett aus konnte ich beobachten, wie langsam die Sonne über dem Wasser aufging. Hier in Litauen beginnt der Tag wirklich früh – kurz vor 5 Uhr stand die Sonne bereits am Himmel.
Während draußen langsam alles heller wurde, schwammen Enten gemütlich vorbei und überall hörte man Vogelgezwitscher. Kein Straßenlärm, kein Stress, einfach nur Natur und absolute Ruhe. Es gibt diese seltenen Plätze auf Reisen, an denen man sofort merkt: Hier stimmt einfach alles. Und genau so ein Platz ist das hier.
Direkt an unserem Stellplatz befindet sich der Skulpturenpark „Lipantys iš vandens“ – auf Deutsch etwa „Die aus dem Wasser Steigenden“. Die Skulpturen wirken, als würden menschliche Figuren langsam aus dem Wasser auftauchen. Je nach Licht und Wetter sehen sie völlig unterschiedlich aus: mal geheimnisvoll, mal fast etwas unheimlich und manchmal einfach nur beeindruckend ruhig. Die Figuren sollen die Verbindung zwischen Mensch, Natur und Wasser darstellen und symbolisieren gleichzeitig Aufbruch, Veränderung und das Leben im Einklang mit der Umgebung.
Besonders spannend ist dabei auch die Geschichte des Sees selbst. Der Kaunasser Stausee entstand in den 1950er Jahren durch den Bau eines Wasserkraftwerks an der Memel. Für den riesigen Stausee wurden damals mehrere Dörfer überflutet und ganze Landschaften verschwanden unter Wasser. Viele Menschen mussten ihre Häuser verlassen und umsiedeln. Die Skulpturen erinnern symbolisch auch an diese verlorenen Orte und die Menschen, deren Heimat im Wasser versank.
Besonders morgens im Nebel oder bei Sonnenaufgang wirken die Skulpturen fast lebendig. Ehrlich gesagt musste ich beim ersten Blick kurz überlegen, ob dort wirklich Kunstwerke stehen oder jemand beschlossen hat, mitten im See spazieren zu gehen.
Nach dem Frühstück hieß es dann allerdings erstmal: Wellnessprogramm für Grisu.
Abschmieren stand auf dem Plan. Und wer einen alten Feuerwehr-LKW fährt, weiß: So ein Fahrzeug besitzt ungefähr genauso viele Schmiernippel wie ein mittelgroßer Bauernhof bewegliche Teile. Zum Glück war unser Stellplatz schön eben und der Untergrund angenehm glatt. Also Rollbrett raus und los ging die Expedition unter Grisu.
Wie ein Mechaniker auf geheimer Mission rollte ich unter dem alten Schweizer hin und her und versorgte brav jede Schmierstelle. Vermutlich sah das Ganze von außen aus, als würde ich versuchen, unter dem Wohnmobil zu wohnen.
Grisu genoss die Aufmerksamkeit jedenfalls sichtbar. Alte Fahrzeuge lieben sowas. Ein bisschen Fett hier, etwas Pflege dort und schon fühlt sich der alte Herr wieder wie ein junges Einsatzfahrzeug.
Den Rest des Tages verbrachten wir dann ganz professionell mit absolut nichts tun. Einfach die Landschaft genießen, aufs Wasser schauen, die Ruhe aufsaugen und den Gedanken freien Lauf lassen.
Und ganz ehrlich: Genau für solche Tage lieben wir diese Reise.Okumaya devam et
Unser Tag in Kaunas
29 Mayıs, Litvanya ⋅ ☁️ 14 °C
Zwischen Abiturienten, Hochzeiten und ganz viel Backstein –
Heute Morgen wurden wir plötzlich unsanft aus unserer herrlichen Ruhe gerissen. Rund um unseren Stellplatz wurde es auf einmal deutlich lebhafter. Als wir neugierig aus dem Fenster schauten, stiegen dort plötzlich etwa 25 junge Menschen geschniegelt und gestriegelt aus mehreren Autos. Die jungen Frauen in schicken Kleidern, die Männer in Anzügen – unser erster Gedanke: Ah, eine Hochzeitsgesellschaft.
Beim genaueren Hinschauen merkten wir allerdings schnell, dass es sich um eine Abiturabschlussklasse mit ihrer Lehrerin handelte. Offenbar gehört es hier zur Tradition, gemeinsam an besondere Orte zu fahren und den Schulabschluss zu feiern. Einer nach dem anderen sagte einen kleinen Spruch – vermutlich Wünsche für die Zukunft – und anschließend ließen alle weiße Luftballons in den Himmel steigen. Das Ganze hatte irgendwie etwas sehr Schönes und Emotionales. Und gleichzeitig standen wir zwei mit Kaffeetassen daneben und beobachteten alles leicht verschlafen vom Stellplatz aus.
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Kaunas. Und auch unterwegs begegneten uns ständig weitere Abiturienten in schicken Anzügen und Kleidern. Ganz Litauen schien heute entweder den Schulabschluss oder Hochzeit zu feiern.
In Kaunas fanden wir tatsächlich einen Parkplatz direkt neben der Burg Kaunas. Allein dafür hätten wir uns eigentlich schon selbst feiern können. Die Burg schauten wir uns allerdings nur von außen an. Die mittelalterliche Backsteinburg aus dem 14. Jahrhundert gehört zu den ältesten Burgen Litauens und wirkt mit ihren runden Türmen und den dicken Mauern ziemlich beeindruckend. Früher diente sie zur Verteidigung gegen den Deutschen Orden – heute verteidigt sie vor allem erfolgreich Fotomotive.
Danach ging es weiter zur St.-Georgs-Kirche der Franziskaner. Die Kirche wird derzeit renoviert, weshalb der eigentliche Altar abgebaut wurde. Stattdessen hängt dort momentan ein riesiges Bild des Altars in Originalgröße. Irgendwie eine kreative Lösung. Fast wie ein XXL-Poster mit der Aufschrift: „Der echte Altar ist gerade kurz weg.“
Kaunas selbst hat uns richtig gut gefallen. Die Stadt wirkt lebendig, gepflegt und angenehm entspannt. Besonders die Altstadt mit ihren vielen Backsteingebäuden und historischen Häusern hat richtig Charme.
Und dann waren da noch die Hochzeiten.
Vor dem wunderschönen Rathaus von Kaunas stapelten sich gefühlt die Brautpaare. In der kurzen Zeit, die wir im Zentrum unterwegs waren, sahen wir tatsächlich sieben Brautpaare. Überall weiße Kleider, Fotografen, Blumen und glückliche Menschen. Teilweise wusste man gar nicht mehr, welchem Brautpaar man jetzt eigentlich gratulieren müsste.
Das Rathaus selbst – oft auch „Weißer Schwan“ genannt – ist wirklich wunderschön. Mit seinem hohen weißen Turm wirkt es fast ein wenig märchenhaft mitten auf dem Platz.
Auch das berühmte Perkūnas-Haus schauten wir uns an. Das spätgotische Gebäude mit seiner roten Backsteinfassade gehört zu den bekanntesten Häusern der Stadt und sieht wirklich beeindruckend aus. Irgendwie wirkt es gleichzeitig elegant und ein kleines bisschen wie aus einem Fantasyfilm.
Die Vytautas-Magnus-Kirche konnten wir leider ebenfalls nur kurz anschauen, denn auch dort fand gerade eine Hochzeit statt. Direkt hinter der Kirche war bereits das nächste Brautpaar beim Sektempfang beschäftigt. Kaunas schien heute wirklich komplett im Hochzeitsmodus zu sein.
Die Kathedrale St. Peter und Paul konnten wir uns dann aber endlich in Ruhe ansehen. Von außen wirkt sie eher schlicht und zurückhaltend. Doch innen überrascht die riesige Kirche mit ihrer beeindruckenden Größe, den hellen Gewölben und den kunstvollen Altären. Wieder einmal so ein Bauwerk, bei dem man außen denkt: „Ganz nett“ – und innen plötzlich staunend stehen bleibt.
Am frühen Nachmittag machten wir uns schließlich auf den Weg Richtung Vilnius. Jetzt stehen wir in Trakai an einem wunderschönen See mitten im Wald. Ruhig, grün und genau der richtige Ort, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen.
Und morgen wartet schon das nächste Highlight auf uns.Okumaya devam et





















































































































































































































































































































































































































































































































Gezgin
US Schreibweise, wegen einem L
Womo TravelerJep
Gezgin
Schon ne ganze Ecke cooler als die Concorde 👍 Viel Spaß damit!
Womo TravelerJetzt kommen wir endlich auch in die schönen Ecken die wir im Concorde nicht erreicht haben.