Vilnius Tag 2
June 2 in Lithuania ⋅ ⛅ 23 °C
Heute Morgen machten wir uns wieder mit den Fahrrädern auf den Weg in die Altstadt von Vilnius. Eigentlich hatten wir keinen genauen Plan. Naja, zumindest keinen Plan, der länger als fünf Minuten hielt. Am Ende wurde daraus ein klassischer „Wir schauen mal hier rein“-Tag. Und wie so oft führte uns das von einer Kirche zur nächsten.
Als erstes besuchten wir den Kalvarijos Market. Der große Markt gehört zu den bekanntesten in Vilnius und bietet alles, was man sich vorstellen kann: frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch, Kleidung, Haushaltswaren und jede Menge Dinge, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie vielleicht brauchen könnte. Zwischen den zahlreichen Ständen herrschte reges Treiben, und wir schlenderten erstmal gemütlich durch die Gassen des Marktes. Solche Märkte sind immer ein wunderbarer Ort, um das alltägliche Leben einer Stadt kennenzulernen.
Anschließend führte unser Weg am Präsidentenpalast vorbei. Hinter den hohen Mauern residiert der litauische Präsident. Wir beließen es allerdings bei einem Blick von außen. Schließlich hatten wir weder einen Termin noch eine Einladung zum Kaffee.
Unser erstes kirchliches Ziel war die Kirche der Heiligen Konstantin und Michael. Schon von weitem fallen die goldenen Zwiebeltürme ins Auge, die man eher in Russland oder der Ukraine erwarten würde als mitten in Vilnius. Die orthodoxe Kirche wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und wirkt mit ihren hellen Fassaden und den goldenen Kuppeln äußerst imposant.
Im Inneren erwartete uns ein wunderschöner vergoldeter Altar, der förmlich im Licht strahlte. Überhaupt hat die Kirche eine ganz besondere Atmosphäre. Während draußen das geschäftige Stadtleben tobt, herrscht drinnen eine angenehme Ruhe. Nur die vielen goldenen Verzierungen erinnern einen daran, dass orthodoxe Kirchen bei der Inneneinrichtung eher selten nach dem Motto „weniger ist mehr“ arbeiten.
Danach ging es weiter zur Halės turgus Markthalle, der ältesten Markthalle von Vilnius. Das historische Gebäude stammt aus dem Jahr 1906 und wird bis heute als Markt genutzt. Leider waren wir etwas spät dran und viele Händler hatten ihre Stände bereits geschlossen. Trotzdem konnten wir noch einen guten Eindruck vom Marktleben gewinnen. Zwischen den verbliebenen Ständen wurden regionale Spezialitäten, frisches Gemüse, Obst, Fleisch und allerlei Leckereien angeboten. Man konnte gut erkennen, warum die Markthalle bei Einheimischen so beliebt ist.
Anschließend besuchten wir die Kirche des Heiligen Franz von Assisi, besser bekannt als Bernhardinerkirche. Die römisch-katholische Kirche stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert und beeindruckt mit ihrer wunderschönen gotischen Backsteinfassade. Im Inneren dominieren warme Holzelemente und eine angenehm ruhige Atmosphäre. Die Kirche wirkt deutlich schlichter als viele andere Gotteshäuser der Stadt, besitzt aber einen ganz besonderen Charme.
Direkt daneben steht die berühmte St.-Anna-Kirche. Und was soll man sagen? Dieses Bauwerk ist einfach ein Meisterwerk der Backsteingotik. Die Kirche wurde um 1500 erbaut und besteht aus über 30 verschiedenen Backsteinformen. Die filigranen Türme, Bögen und Verzierungen sehen fast so aus, als wären sie aus Spitze gefertigt.
Man versteht sofort, warum die Kirche als eines der Wahrzeichen von Vilnius gilt. Von innen ist sie durchaus schön, aber ihre wahre Stärke liegt eindeutig außen. Wir standen eine ganze Weile davor und entdeckten immer neue Details.
Auf dem Rückweg meinte Andrea dann ganz unschuldig: „Wir könnten ja noch kurz in die Kathedrale schauen.“
Wer mit Andrea unterwegs ist, weiß mittlerweile, dass „kurz“ ein sehr dehnbarer Begriff sein kann.
Also fuhren wir noch zur Kathedrale St. Stanislaus und St. Ladislaus. Die klassizistische Kathedrale wirkt mit ihren mächtigen Säulen eher wie ein antiker Tempel als wie eine Kirche. Im Inneren erwarteten uns prächtige Seitenkapellen, kunstvolle Verzierungen und eine beeindruckende Atmosphäre. Besonders die reich ausgestattete Kasimir-Kapelle gehört zu den schönsten sakralen Räumen Litauens.
Während ich langsam begann, die Anzahl der heute besichtigten Altäre nicht mehr zählen zu können, war Andrea noch immer voller Entdeckerfreude unterwegs.
Am Ende des Tages hatten wir wieder unzählige Eindrücke gesammelt. Goldene Kuppeln, gotische Backsteinkunst, historische Märkte, prachtvolle Altäre und jede Menge Geschichte.
Kurz gesagt: Eigentlich wollten wir heute nur ein bisschen durch Vilnius radeln. Stattdessen sind wir versehentlich auf eine kleine Pilgerreise gegangen.
Und morgen? Mal sehen. Vielleicht schauen wir zur Abwechslung mal keine Kirche an. Wobei ... wer uns kennt, weiß, wie unrealistisch dieser Plan vermutlich ist.Read more



























TravelerDen Stadtteil Uzupis und die „Republik Uzupis“ kann ich sehr empfehlen. Der Stadtteil hat ein ganz besonderes Flair