Vilnius Tag 1
June 1 in Lithuania ⋅ ⛅ 20 °C
Heute Morgen schwangen wir uns auf die Fahrräder und machten uns auf den rund sechs Kilometer langen Weg vom Einkaufszentrum in die Altstadt von Vilnius. Unser Weg führte uns entlang des Neris, der sich gemütlich durch die Stadt schlängelt. Bei angenehmen Temperaturen und bestem Radfahrwetter ließ sich der Tag schon mal gut an.
Um uns zunächst einen Überblick über die Stadt zu verschaffen, fuhren wir mit der Schrägseilbahn auf den Gediminas-Hügel. Oben angekommen wurden wir mit einem fantastischen Blick über Vilnius belohnt. Vom Turm aus liegen einem die roten Dächer der Altstadt, die Kirchtürme und die modernen Hochhäuser förmlich zu Füßen. Plötzlich erkennt man erst, wie groß und abwechslungsreich die litauische Hauptstadt eigentlich ist.
Nach so viel Aussicht war erstmal Kaffee angesagt. In einem kleinen Biergarten direkt neben dem Denkmal des Großfürsten Gediminas am Kathedralenplatz ließen wir uns nieder und genossen bei einer Tasse Kaffee das bunte Treiben. Gediminas gilt übrigens als Gründer von Vilnius. Der Legende nach träumte er einst von einem eisernen Wolf, dessen Geheul so laut war wie hundert Wölfe. Die Priester deuteten dies als Zeichen, an dieser Stelle eine große Stadt zu errichten. Offenbar hatten die Priester damals ein gutes Gespür.
Frisch gestärkt ging es weiter zur Peter-und-Paul-Kirche. Und dort verschlug es uns tatsächlich erstmal die Sprache.
Von außen wirkt die Kirche noch vergleichsweise schlicht. Doch sobald man den Innenraum betritt, beginnt das große Staunen.
Die Kirche wurde zwischen 1668 und 1676 im prachtvollen Barockstil erbaut und zählt zu den außergewöhnlichsten Sakralbauten Europas. Besonders erstaunlich ist, dass der eigentliche Innenausbau und die kunstvolle Ausschmückung fast 30 Jahre in Anspruch nahmen. Unzählige Künstler, Bildhauer und Handwerker arbeiteten über Jahrzehnte an den Stuckarbeiten. Über 2.000 weiße Stuckfiguren schmücken heute Wände, Decken, Bögen und Nischen. Engel, Heilige, Tiere, mythologische Figuren und unzählige weitere Darstellungen scheinen aus allen Richtungen auf den Besucher herabzublicken.
Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Kaum hat man eine Figur entdeckt, wartet daneben schon die nächste Überraschung. Besonders beeindruckend sind die unglaublich fein ausgearbeiteten Gesichter und Augen. Viele Figuren wirken so lebendig, als würden sie den Besucher tatsächlich beobachten. Je länger man dort sitzt, desto mehr Details entdeckt man. Ich setzte mich schließlich auf verschiedene Bänke und ließ dieses Kunstwerk einfach auf mich wirken. Ehrlich gesagt hätte man dort vermutlich auch drei Stunden verbringen können und hätte immer noch neue Figuren entdeckt.
Nach diesem überwältigenden Erlebnis ging es weiter zur orthodoxen Heilig-Geist-Kirche. Sie ist das wichtigste orthodoxe Gotteshaus Litauens und beeindruckt vor allem durch ihre prachtvolle Ikonostase, die reich verzierten Ikonen und ihre ruhige, fast mystische Atmosphäre. Im Gegensatz zum barocken Überfluss der Peter-und-Paul-Kirche wirkt hier alles etwas zurückhaltender, aber nicht weniger beeindruckend.
Besonders beeindruckt hat uns in der Heilig-Geist-Kirche ein Glasschrein mit den Reliquien der drei orthodoxen Heiligen Antonius, Johannes und Eustachius. Die drei Märtyrer lebten im 14. Jahrhundert und starben im Jahr 1347 unter der Herrschaft des litauischen Großfürsten Algirdas für ihren christlichen Glauben. Nach orthodoxer Überlieferung gelten ihre mumifizierten Körper als wundersam erhalten. Seit inzwischen mehr als 660 Jahren ruhen sie in der Kirche und werden von Gläubigen verehrt. Die in kostbare Gewänder gehüllten Reliquien liegen sichtbar in einem Glasschrein und ziehen jedes Jahr zahlreiche Pilger an. Selbst wenn man religiösen Wundern eher nüchtern gegenübersteht, ist es doch ein sehr besonderer Moment, vor sterblichen Überresten zu stehen, die seit so vielen Jahrhunderten verehrt werden und ein wichtiger Bestandteil der orthodoxen Tradition Litauens sind.
Direkt daneben steht die Kirche der Heiligen Teresa. Die barocke Kirche stammt aus dem 17. Jahrhundert und gehört zu den schönsten Kirchen der Altstadt. Besonders bekannt ist sie jedoch wegen ihres direkten Zugangs zur Kapelle des Tores der Morgenröte.
Durch einen Seitengang gelangten wir in die berühmte Kapelle über dem Stadttor. Das Tor der Morgenröte ist eines der bedeutendsten Heiligtümer Litauens. In der Kapelle befindet sich das wundertätige Marienbild „Unsere Liebe Frau vom Tor der Morgenröte“, das von Gläubigen aus Litauen, Polen und vielen anderen Ländern verehrt wird.
Nach so vielen Kirchen, Heiligen, Engeln und sakralen Meisterwerken war unser Kulturbedarf für heute allerdings mehr als gedeckt. Irgendwann erreicht selbst der motivierteste Kirchenbesucher seinen Tagesgrenzwert an Altären pro Stunde.
Also machten wir uns mit vielen neuen Eindrücken auf den Rückweg. Unterwegs besorgten wir uns noch frische leckere Teilchen. Schließlich muss man nach so viel Kultur auch wieder etwas für die Seele tun.
Nun freuen wir uns schon auf morgen, wenn wir weitere Schönheiten von Vilnius entdecken werden. Die Stadt hat bisher jedenfalls bewiesen, dass hinter jeder Ecke die nächste Überraschung wartet.Read more



























TravelerWow, eine solche Fülle an Stuckfiguren haben wir bislang nur in Palermo gesehen 🤓
TravelerSehr beeindruckend 🤩 … ich frage mich bei Burgen, Schlössern, Kirchen, ob das heute noch jemand so schön bauen könnte … mit der Technik von damals wohlgemerkt. Es sind Schätze von unermesslichem Wert. Euch weiterhin viele schöne Erlebnisse 🍀 🏰 ⛪️ ⛰️ 🌞
Traveler
Was für ein Prunk vorlauter Gold weiß man nicht wohin man schauen soll aber tolle Aufnahme LG Mama