• Ein Nachmittag zwischen Pfingstrosen und Palmen

    June 8 in Estonia ⋅ ☁️ 23 °C

    Am Nachmittag erreichten wir den Botanischen Garten von Tartu, der direkt am Ufer des Emajõgi und nur wenige Schritte vom Stadtzentrum entfernt liegt. Bereits beim Betreten wurde uns klar, warum dieser Garten zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört.

    Der Botanische Garten wurde bereits 1803 von der Universität Tartu gegründet und zählt zu den ältesten botanischen Gärten im Baltikum. Ursprünglich diente er der Forschung und Ausbildung der Studenten, heute ist er gleichzeitig ein wunderschöner Erholungsort für Einheimische und Besucher.

    Besonders bekannt ist der Garten für seine beeindruckende Sammlung von Pfingstrosen. Und wir hatten das Glück, genau zur richtigen Zeit dort zu sein. Überall leuchteten die prachtvollen Blüten in den unterschiedlichsten Farben. Von zartem Weiß über Rosa bis hin zu kräftigem Rot war alles vertreten. Manche Blüten waren so groß, dass sie aussahen, als hätten sie heimlich einen eigenen Dünger-Lieferservice bestellt.

    Die gesamte Außenanlage ist wunderschön angelegt und hervorragend gepflegt. Liebevoll gestaltete Beete, alte Bäume, kleine Wege und zahlreiche Sitzgelegenheiten laden dazu ein, einfach gemütlich durch den Garten zu schlendern. Wer einmal nach Tartu kommt, sollte sich für diesen Ort unbedingt etwas Zeit nehmen. Hier kann man wunderbar entschleunigen und die Seele baumeln lassen.

    Nachdem wir die Außenanlagen ausgiebig erkundet hatten, zog es uns noch in das große Tropenhaus.

    Und plötzlich fühlten wir uns nicht mehr wie in Estland, sondern eher wie irgendwo zwischen Amazonas und Südostasien.

    Auf mehreren Ebenen wachsen dort tropische und subtropische Pflanzen aus aller Welt. Palmen, Bananenstauden, Kakteen, Farne und zahlreiche exotische Pflanzen schaffen eine völlig andere Welt. Während draußen die estnische Sommerluft wehte, herrschte drinnen ein angenehm feuchtwarmes Klima. Nach wenigen Minuten wusste sogar meine Kamera, wie sich eine Brille beim Betreten einer Sauna fühlen muss.

    Besonders beeindruckend war die Vielfalt der Pflanzen. Hinter jeder Ecke wartete eine neue Überraschung. Man merkt sofort, dass hier nicht nur Pflanzen gesammelt, sondern auch über viele Jahrzehnte gepflegt und erforscht werden.

    Nach unserem Besuch machten wir uns ganz entspannt auf den Rückweg. Gemütlich radelten wir entlang des Emajõgi zurück zu unserem schönen Stellplatz. Die Abendsonne spiegelte sich auf dem Wasser, die Stadt wurde langsam ruhiger und wir ließen den Tag noch einmal Revue passieren.

    Ein Dom als halbe Ruine, eine entspannte Studentenstadt, tausende Blüten und ein kleiner Ausflug in die Tropen – für einen einzigen Tag in Tartu war das schon eine ganze Menge.

    Und während wir am Abend vor Grisu saßen, waren wir uns einig: Manchmal braucht es gar keine spektakulären Attraktionen. Ein schöner Garten, ein ruhiger Fluss und ein paar außergewöhnlich große Pfingstrosen reichen völlig aus, um einen gelungenen Reisetag zu haben.
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