• Zum östlichsten Punkt unserer Reise

    June 9 in Estonia ⋅ ☁️ 17 °C

    Heute war wieder einer dieser klassischen Campertage, an denen eigentlich gar nichts Besonderes geplant ist – und am Ende trotzdem jede Menge passiert.

    Die Nacht über hatte der Regen unermüdlich auf Grisu getrommelt. Irgendwann klang das fast wie ein kostenloses Wellnessprogramm mit Einschlafgarantie. Entsprechend ließen wir es am Morgen etwas gemütlicher angehen und gönnten uns eine Extraportion Schlaf.

    Nach dem Frühstück stand zunächst eine der wichtigsten Disziplinen des mobilen Reisens auf dem Programm: Einkaufen. Ein Vergnügen, das erstaunlicherweise nie von der To-do-Liste verschwindet. Kaum hat man den Kühlschrank gefüllt, behauptet er schon wieder, leer zu sein.

    Danach machten wir uns auf die Suche nach einer Wasserstelle. Schließlich sind volle Wassertanks für Camper ungefähr so wichtig wie Kaffee am Morgen.

    An der Wasserstelle angekommen trafen wir auf einige andere Camper. Und wie das unter Reisenden nun einmal so ist, kommt man schnell ins Gespräch. Erst wird gefragt, woher man kommt, dann wohin man fährt, anschließend werden Stellplätze, Reiseerlebnisse und Geheimtipps ausgetauscht. Und ehe man sich versieht, hat die Uhr einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht.

    Direkt neben der Wasserstelle befand sich praktischerweise ein kleiner Imbiss. Da es mittlerweile Mittag geworden war, beschlossen wir, dort eine Kleinigkeit zu essen. Aus der Kleinigkeit wurde leckerer Fisch, und während wir auf unser Essen warteten, kamen wir mit einem sehr netten estnischen Ehepaar ins Gespräch.

    Was als kurzer Plausch begann, entwickelte sich zu einer ausgesprochen netten Unterhaltung. Wir tauschten Reisegeschichten aus, lachten viel und stellten fest, dass Reisende überall auf der Welt erstaunlich schnell gemeinsame Themen finden.

    Irgendwann bemerkten wir, dass erneut anderthalb Stunden vergangen waren. Nachdem wir Telefonnummern ausgetauscht hatten und von den beiden zu einem Besuch bei Ihnen auf unserer Rückreise eingeladen wurden, mussten wir irgendwann doch weiterfahren. Sonst würden wir vermutlich immer noch dort sitzen.

    Nach rund 50 Kilometern erreichten wir schließlich den östlichsten Punkt unserer Reise: das kleine Dorf Vasknarva am Fluss Narva.

    Ein wirklich besonderer Ort.

    Auf der anderen Seite des Flusses liegt bereits Russland. Genauer gesagt konnten wir direkt auf das russische Dorf Skam'ya blicken. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, auf der einen Seite Europas zu stehen und nur wenige Meter entfernt ein anderes Land zu sehen.

    Der Fluss bildet hier die Grenze zwischen der Europäischen Union und Russland. Trotzdem wirkte alles erstaunlich ruhig und friedlich. Keine Hektik, keine sichtbaren Spannungen, keine dramatischen Filmszenen mit Grenzsoldaten. Nur ein ruhiger Fluss, einige Fischer und eine friedliche Landschaft.

    Manchmal sieht eine Weltgrenze eben überraschend unspektakulär aus.

    Am Nachmittag machten wir uns schließlich auf den Weg nach Kuremäe. Dort fanden wir einen schönen Platz direkt vor dem berühmten Kloster, das wir uns morgen in Ruhe anschauen möchten.

    So ging wieder ein typischer Reisetag zu Ende. Eigentlich wollten wir nur Wasser tanken und ein paar Kilometer fahren.

    Stattdessen haben wir neue Bekanntschaften geschlossen, Telefonnummern ausgetauscht, Fisch gegessen, internationale Freundschaften geknüpft und ganz nebenbei noch den östlichsten Punkt unserer gesamten Baltikumreise erreicht.

    Manchmal sind die ungeplanten Tage eben die besten.
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