• Liverpool, Waterfront und City

    June 4 in England ⋅ 🌧 14 °C

    You‘ll never walk alone

    Ich habe ja meine Tagesberichte unter das Motto Musik von den Britischen Inseln gestellt. Und da ist Liverpool ja ganz sicher das Epizentrum.

    Aber als jahrzehntelanger begeisterter Fußballfan weiß ich auch, dass Liverpool ganz oben in der Liste der legendären Clubs dieser Welt steht. Insofern steht die Titelzeile für Beides. Zum Einen war „You‘ll never walk alone“ ein Hit von Gerry and the Pacemakers, einer der vielen Liverpooler Gruppen der Swinging Sixties.

    Auf der anderen Seite ist dies die ultimative Hymne, oft kopiert in vielen Stadien, aber nur echt im Stadion an der Anfield Road. Bei der Planung des Tages wollte ich Beides verbinden. Die Stadt Liverpool und eine Stadiontour. Die wurde allerdings in der Sommerpause nicht angeboten. Und da Charlotte nicht der große Fußballfan ist, hatte ich für uns Beide das Zeitfenster für den vormittäglichen Stadtbummel erweitert und nur einen kürzeren Besuch des LFC-Museums für den Nachmittag gebucht.

    Allerdings bin ich dann ganz kurz vor der Reise informiert worden, dass doch noch Stadionführungen, sogar mit Betreten des heiligen Rasens, buchbar wären. Dafür hätte meine Zeit am Nachmittag allerdings nicht gereicht. Denn ich wollte auch definitiv nicht auf glühenden Kohlen sitzen, wenn ein Stau meine rechtzeitige Rückkehr zum Schiff verhindert hätte. Aber ich hatte Markus über die kurzfristige Buchungsmöglichkeit informiert. Und Alexandra und er hatten dann dieses Angebot am Vormittag dann auch wahrgenommen. Ganz sicher ein tolles Erlebnis.

    Charlotte und ich sind am Vormittag also erst mal zum Stadtbummel aufgebrochen. Wie die Titelzeile des heutigen Beitrags ganz richtig feststellt, waren wir zu Beginn unserer Runde durch die Hafenstadt Liverpool definitiv nicht alleine unterwegs. Fast alle Passagiere, die nicht auf einem Busausflug waren, steuerten zunächst einmal die Beatles-Statue gegenüber dem imposanten Port-Of-Liverpool-Building für das obligatorische Foto an.

    Weiter ging es in Richtung Royal Albert Docks zur Tate Gallery. Nachdem Charlotte gestern im National Museum of Ireland nicht dabei war, freute sie sich schon auf eine schöne Kunstsammlung. Aber leider mussten wir feststellen, dass das Museum wegen Umbaumaßnahmen geschlossen war.

    Der einzige Vorteil war, dass das Zeitfenster für den restlichen Stadtbesuch dadurch entspannter wurde. Dies aber nur für kurze Zeit. Denn zum vorher schon sehr heftigen Wind kam dann auch noch heftiger Regen dazu. Der Versuch, unter den Umständen einen Regenschirm zu öffnen, war nicht die beste Idee. Also nutzen wir das gewonnene Zeitfenster für einen Besuch des nächstgelegenen Cafés, bis der Regen vorbei war.

    Um dem nach wie vor heftigen Wind zu entgehen, zog es uns mehr ins Stadtinnere. Und wer Liverpool als lange Zeit strukturschwache Stadt mit vielfältigen sozialen Problemen in Erinnerung hatte, war überrascht von der schönen Einkaufsstraße mit moderner Architektur und noblen Geschäften. Das änderte sich aber dann, als wir in das Viertel mit den vielfältigen Beatles-Erinnerungen kamen.

    Dort erlebten wir das wahre Highlight des heutigen Tages. Bei der Brian Epstein-Statue kamen wir mit einer reizenden älteren Dame ins Gespräch. Nach etwas belanglosem Smalltalk (Danke Inka) erwähnte sie ganz beiläufig, dass sie mit Paul McCartney in die gleiche Schulklasse gegangen ist. Und dass sie als 15-jährige heimlich hinter dem Schulgebäude Zigaretten geraucht hätten. Später, als sie im Berufsleben stand, ist sie mit ihren Kollegen zum Lunch in den Cavern Club gegangen. Und dafür hatten sie einen Anpfiff vom Chef bekommen, weil sie viel zu oft die Mittagspause deutlich überzogen hätten.

    Solche zufälligen Begegnungen mit höchst interessanten Menschen sind es, die das Reisen in fremde Länder so besonders machen. Und viele Zeitzeugen dieser Epoche wird es bald nicht mehr geben.

    Die Matthew Street mit den vielen Beatles-Erinnerungen war interessant, aber natürlich auch sehr touristisch. Charlotte verabschiedete sich danach aufs Schiff und ich nahm den Bus Nr. 26 zur Anfield Road. Dort angekommen ging ich gar nicht zuerst zum Stadion, sondern streifte ganz bewusst durch die nahegelegenen Wohngebiete. Denn dort ist mir so richtig bewusst geworden, dass der Fußball bei den Menschen dieser Stadt mehr Bedeutung hat als eine beiläufige willkommene Abwechslung vom Alltag. Vielmehr ist dieser Club ist ihr Leben. Im ganzen Viertel ist jede freie Fläche einer Hauswand dafür reserviert, die Erinnerung an ihre Helden hochzuhalten.

    Und auch den traurigen Momente im der Clubgeschichte wird Raum gegeben. Wie zum Beispiel den 96 Menschen, die 1989 in einem hoffnungslos überfüllten Stadion zu Tode gedrückt worden sind. Oder auch das Gedenken an einen ihrer Spieler, der im letzten Jahr bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.

    Fazit des Besuchs: Ich habe Markus und Alexandra das großartige Erlebnis ihrer Stadionführung von Herzen gegönnt. Aber ich hatte beim Durchstreifen der Umgebung des Stadions vielleicht noch intensiver spüren dürfen, was dieser Club für die Menschen bedeutet.

    Und deshalb habe ich mich trotz der Beatles als die Musik des heutigen Tages für diese Hymne entschieden. Und die auch noch präsentiert an einem ganz besonderen Tag, nämlich dem, als Deutschlands bester Botschafter in England verabschiedet worden ist.

    https://www.facebook.com/stadiumastro/videos/43…

    > When you walk through a storm
    Hold your head up high
    And don't be afraid of the dark
    At the end of a storm
    There's a golden sky
    And the sweet silver song of a lark
    Walk on through the wind
    Walk on through the rain
    For your dreams be tossed and blown
    Walk on, walk on
    With hope in your heart
    And you'll never walk alone
    You'll never walk alone
    Walk on, walk on
    With hope in your heart
    And you'll never walk alone <
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