• Böenreich nach Mellerstön

    June 21 in Sweden ⋅ ⛅ 17 °C

    Juhuuu, ab jetzt bewegen wir uns mit nördlichen Winden und feiern jeden Breitengrad weniger. Luleå verlassen wir auch bei mehr als ausreichend Wind und bis zu 24 Knoten in den Böen. Wir entscheiden uns, nur mit der Genua su fahren, da wir nicht wissen, wie breit das Fahrwasser ist und wieviel oder wie wenig Platz zwischen den Inseln zum Manövrieren bleibt. Und bleich zu Beginn wartete als Abkürzung ein enger, früher stark befahrener Kanal. Und immer noch geschädigt vom finnischen Liliiputland, wo alles in Realität viel kleiner war, als die Seekarten vermuten ließen, fragten wir uns, ob wirklich genug Platz für uns sein wird. Als wir dann endlich die Einfahrt in den Kanal erspähten, konnten wir uns mächtig entspannen. Breit genug, tief genug und richtig schön. Danach wartete eine wunderbare Insellandschaft auf uns. Und ein richtiger Flughafen, dessen Landebahnlichter wir überraschend knapp passierten,
    Unser heutiges Ziel, Mellerstön, entpuppte sich als uriger Naturhafen mit einen kleinen Steg. Und diesen teilten wir mit einem weiteren deutschen Segelboot. Der Steg schwoite mit jeder Bootsbewegung mit und man hatte ein bisschen Ankerfeeling. Hier haben wir auch zum ersten Mal gegrillt und zum ersten Mal eine Holzsauna selbst angefeuert. Geduscht wurde mit Seewasser-Kübeln. Wahlweise kalt oder heiß.
    In der Nacht hatte Jürgen dann einen sehr unruhigen Schlaf. Intuitiv hat er gegen 3 Uhr morgens die Wettervorhersage überprüft und dabei gesehen, dass der Wind am nächsten Tag auf 30 Knoten zunimmt und immer mehr auf Nordwest dreht und somit direkt in unsere Bucht reinbläst. Und das mit dem schwoienden Steg? Das machte ihm Sorgen. Er weckte mich und kurzerhand haben wir entschieden, wenig später abzulegen. Im 2. Reff und mit Sturmfock sind wir los und durch das Archipelago geprescht, hoch am Wind. Wir mussten aufkreuzen, um den Fahrwasser zu folgen, denn bei dem vielen Wind hatten wir mit der Maschine keine Chance gegenan. Also Augen zu und durch. 5 Stunden wurde unsere ganze Konzentration gefordert. Jede Körperzelle war im Einsatz. Adrenalin wurde in Unmengen ausgeschüttet. Sogar vor unserem Zielhafen Sandholmen mussten wir nochmals kreuzen, was sich gefühlt ewig in die Länge gezogen hat. Dann endlich Segel runter und hoffen, dass ein Platz für uns frei ist.
    Beim Anlaufen in den Hafen hat der Wind sich noch einen unserer Fender gemobst, aber ich habe nicht eine Sekunde überlegt, ihn bei diesen Bedingungen zu bergen. Ich wollte nur noch anlegen, bevor es noch doller wird. Juhu, der Steg war frei. Alles sag gut aus.
    Glücklicherweise waren im leeren Hafen zwei Männer bei der Sauna zu Gange, die uns sahen und sofort beim Anlegen geholfen haben. Drehende Winde im Hafen haben die Spannung beim Anlege-Manöver nochmal kräftig erhöht. Mal schob der Wind uns weg vom Steg, und dann wieder dran und so weiter. Als dann tatsächlich alle Leinen fest waren, haben wir erst einmal im Duett laut ausgeatmet. Puuh. Was für ein Ritt.
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