• Ahyoka-Boatlife
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Schön-Weit-Nord

In unserer 5 Segelsaison wollen wir zum südlichen Polarkreis, den nördlichsten Punkt der Ostsee passieren und dann wieder zurück nach Deutschland. Das Abenteuer startet und endet südlich von Freiburg im Breisgau. Read more
  • Trip start
    April 18, 2026

    Slow traveling

    April 20 in Finland ⋅ ☀️ 12 °C

    Auf dem Weg vom Südwesten Deutschlands haben wir uns, was das Reisetempo betrifft, schon mal an die Reisegeschwindigkeit des Segelns herangetastet und uns fleißig im geduldig sein geübt.
    In Freiburg starten wir mit dem ersten Zug, der uns über Hamburg nach Lübeck fährt. Dazu sei noch erwähnt, dass unsere Zugbindung bereits aufgehoben wurde, da der ursprünglich gebuchte Zug bereits aus dem Fahrplan gestrichen wurde. Das Gute an einer aufgehobenen Zugbindung ist, dass man jeden Zug nehmen kann, der am Buchungstag fährt. Somit haben für uns wieder für einen Zug entschieden, der von Freiburg bis Hamburg durchfährt. Und wenn bis Mannheim alles gut läuft, haben wir sogar noch die Möglichkeit in einen “schnelleren” Zug umzusteigen; einen der früher in Hamburg ankommt. Einen, der dann tatsächlich sogar so früh in Hamburg ankommt, dass er noch nicht in den Bahnhof einfahren darf, weil er so früh dran ist, um dann mit 7 Minuten Verspätung dann doch im Hamburger Bahnhof einzufahren, so dass man den Zug nach Lübeck eben doch nicht bekommt. Genau so einen Zug haben wir genommen.
    Danke, Deutsche Bahn, mit euch ist es immer wieder ein Erlebnis Erster Klasse.
    Von Lübeck geht es dann nach einem köstlichen Abendessen im “Unter Freunden” mit dem Bus zum Skandinavien-Kai und dann schließlich mit der Fähre in 31 Stunden nach Helsinki, Vuosaari. Kaum fährt man am Samstag früh los ist man auch schon am Montag früh in Helsinki und kurz danach in unserer Werft in Tolkkinen bei Porvoo. Von unserer langen Auftragsliste hat die Werft leider nur das Unterwasserschiff gemacht und dem Boot eine frische Politur verschafft. Alle weiteren - gefühlt - 25 Punkte wurden mangels Personal nicht erledigt. 😔
    Wenigstens wird unser Boot beim Einwassern und Mast stellen vorgezogen, so dass wir - wenn alles gut läuft - morgen Nachmittag damit nach Helsinki fahren können. Mit einer defekten Toilette und einem Kühlgas verlierenden Kühlschrank. Mal sehen, ob wir davon noch etwas gefixt bekommen. Ziemlich frustriert haben wir uns gezwungenermaßen und sehr kurzfristig auf die Suche nach einer Unterkunft in Porvoo gemacht.
    Der Bus kam und ist nicht wie bei unserem ersten finnischen Busfahrversuch an uns vorbeigefahren, sondern hat uns dieses mal sogar mitgenommen. Arm raus strecken ist an finnischen Haltestellen halt eine prima Sache. Nächstes positives Erlebnis: wir konnten unser (sehr süßes) Appartement früher beziehen und wir haben sowohl einen guten Kaffee genossen, ein leckeres Bier in der Sonne gehabt, als auch einen fantastischen Nepalesen (what else hier oben im Norden) entdeckt. Also ein Restaurant :)
    Nun freuen wir uns tatsächlich auf den morgigen Tag und sind gespannt, ob jetzt alles gut ist und wieder mehr Leichtigkeit in unser Leben zurückkehrt. Und wer einen Geheimtipp für ein wunderbares, günstiges und mitten in der Altstadt Porvoos gelegenes Apartment sucht: just ask.

    Am Ende wird alles gut
    und wenn es noch nicht gut ist,
    ist es noch nicht zu Ende.
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  • Endlich wieder Boot

    Apr 21–May 1 in Finland ⋅ ☀️ 11 °C

    Bei unserer Ankunft in der Werft in Tolkkinen schwimmt Ahyoka bereits.
    Den ganzen Morgen sind wir schon aufgeregt und auf dem Werftgelände wie ferngesteuert, ohne Plan, was in welcher Reihenfolge gemacht werden muss.
    2 von 4 Paketen aus Deutschland sind angekommen, die andere Hälfte ist noch auf dem Weg. Das Boot ist gepackt mit Segeln und Paketen.
    Jeder Handgiff auf dem Boot muss gefühlt neu gelernt werden. Die Aufregung ist in jeder Zelle spürbar. Das erste Mal 2026 auf der Ahyoka, das erste Mal holen wir unser Schiff vom Winterlager selbst ab, das erste Mal die Strecke in dieser Richtung durch das enge Fahrwasser, das erste Mal, fahren wir so spät los, dass wir eventuell im Dunklen ankommen und anlegen werden.
    Jürgen checkt die Systeme und merkt, dass das Dampferlicht einen Alarm gibt. Also funktioniert es nicht. Dabei brauchen wir das dringend, wenn wir wirklich in die Dunkelheit kommen sollten. Ein Mitarbeiter von der Werft muss also nochmal hoch auf den Mast. Wir denken nur an die Verzögerung. Noch später loskommen - noch später ankommen… Der Moto springt nicht an, 1x, 2x, 3x, dann erwacht er zum Leben, langsam, sehr langsam. Logisch, diese Motoren sind ja eigentlich für Traktoren gemacht :)))
    Dann tatsächlich Leinen los gegen 16 Uhr, wir rechnen mit 5 bis 6 Stunden Fahrtzeit. In der ersten halben Stunde merken wir, dass der Windgeber kein Signal hat, was momentan nicht so schlimm ist, da wir ja ohnehin unter Motor unterwegs sind. Darum kümmern wir uns nach unserer Ankunft in Helsinki.
    Die Fahrt ist ein Geschenk: es ist ohne Jacke warm, wir haben achterliche Winde und die Strömung mit. Was will man mehr? So machen wir entspannte 6,2 Knoten Fahrt.
    Es ist merkbar länger hell, als in Deutschland und wir genießen die Sonne im Gesicht. Die Überfahrt ist kurzweilig und in Helsinki bahnen wir uns den Weg zwischen den zahlreichen Tonnen. Am besten gefällt uns die enge Durchfahrt bei Vulkosaari. Links Felsen, rechts Felsen und die finnische Armee, die rumballert wie im wilden Westen. Nur zur Übung, das kennen wir schon. Etwas ungelenk, weil die Abläufe noch nicht stimmen, aber umso glücklicher machen wir kurz vor Sonnenuntergang und nach nur guten 4 Stunden in Helsinki fest.
    1 . Tag auf See: ✅
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  • Projekt Kühlschrank

    Apr 21–May 6 in Finland ⋅ ☀️ 14 °C

    Im letzten Jahr hat uns Mika das Kühlgas wieder aufgefüllt. Wir hatten Glück und er konnte uns auf seiner Fahrt nach Helsinki noch einschieben. Da das so gut geklappt hat, haben wir wegen unserem wieder nicht kühlenden Kühlschrank natürlich zuerst ihn kontaktiert. Die ersten beiden eMails sind bis heute noch nicht beantwortet worden und am Telefon hat man lediglich eine sympatische finnische Stimme vom Band erreicht.
    Erst nach einer Woche bin ich auf die Idee gekommen, Mikas zweite eMail-Adresse zu verwenden, um prompt wieder eine automatische Antwort zu erhalten. Darin stand, dass er bis Ende Mai an einem Projekt arbeitet. Ausschließlich daran.
    Dr. Google musste also weiter helfen. Von den beiden erstbesten vorgeschlagenen Telefonnummern versprach man uns am anderen Ende der Leitung zu helfen. Nach kurzem hin und her erhielten wir eine weitere Telefonnummer, über die wir Hilfe für unser Kühlschrankproblem finden würden.
    Letzten Endes aber hat uns dann auch dieser Kontakt wieder jemanden anderes vermittelt. Aber tatsächlich kam am folgenden Tag Aleks, der uns von einem Marko empfohlen wurde. An dieser Aktion waren also insgesamt 4 Finnen und sicherlich 10 Anrufe involviert und der vierte Mann war dann endlich auch der Mann der Tat. Aleks spricht finnisch oder ukrainisch, aber kein englisch oder deutsch. Dennoch über den mobilen Übersetzer konnten wir uns bestens verständigen. Dabei haben wir neben dem Umgang mit dem Google-Übersetzer auch einiges über die Funktion unsres Kühlschranks gelernt. Nachdem die Leitungen überprüft, das alte Gas komplett aus dem Kühlsystem entnommen und wieder frisch aufgefüllt wurde, hat nach läppischen 4,5 Stunden der Kühlschrank wieder gekühlt.
    Wir hatten eine lustige Zeit zusammen und waren sehr dankbar für diese Begegnung, weil Aleks ein sehr angenehmer, lustiger und lebensfroher Typ ist.
    Besonders beeindruckt hat uns seine wiederholte Aussage, dass er uns helfen möchte und er den Kühlschrank “reparieren” kann. Er hat keine Mühe gescheut, der Sache auf den Grund zu gehen und sich die Zeit zu nehmen, die es eben braucht. Gründliche Arbeit führt immer zum Erfolg.

    Mittlerweile sind wir schon seit 15 Tagen in Helsinki, haben eine Menge erlebt und sind nun bereit. Sogar in Tallinn, die estnische Hauptstadt, waren wir für einen schnellen Tagesausflug, aber das ist eine andere Geschichte.

    Wir sind bereit.
    Bereit zum Ablegen.
    Bereit für die Saison.
    Der Kühlschrank kühlt, die Kaffeemaschine ist wieder an Bord, der Windgeber empfängt wieder Daten, unser Lazybag hat einen neuen Klettverschluss bekommen, alle 5 bestellten Pakete sind da, die Bodenfächer sind voll mit Lebensmitteln, die man unterwegs schwer bekommt, der Wassertank ist auf 100%, das Boot geputzt und morgen sagen wir: Tschau Helsinki, oder kiitos moi moi.

    Wir nehmen Abschied von Helsinki und segeln mit unserem Zuhause in die neue Saison. Das Boot ist unsere Oase und unterwegs zu fremden Orten der sicherste Platz. Danke, danke, danke.
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  • Was stimmt denn nicht mit Tallinn?

    May 1 in Estonia ⋅ ☀️ 16 °C

    Um es vorweg zu sagen: keine Ahnung. Wahrscheinlich stimmt eher mit uns was nicht. Am 1. Mai war es soweit, wir machten uns auf den Weg nach Tallinn, die estnische Hauptstadt, die uns so oft warm ans Herz gelegt wurde. Unsere Idee dabei war es auch, so teilweise dem kollektiven Besäufnis zu entgehen, mit dem unter dem Deckmantel Vappu, versucht wird, den Winter fort zu jagen. Ob dieser geht, weil er Abstinenzler ist odor die verkaterten Gesichter am nächsten Morgen nicht sehen mag, ist leider nicht überliefert. Auf jeden Fall hat es dieses Jahr besser geklappt, als 2025, wo wir kurz nach dem finnischen Freudenfest wieder Schnee hatten..

    Für die Überfahrt haben wir die Fähre gewählt, Viking XPRS statt Ahyoka. Und das lag vor allem daran, dass es noch keinen ausreichend windarmen Tag gab, um unser Großsegel anzuschlagen. Also, 6 Uhr aufstehen, 10 Minuten zur Fähre laufen, Check in und rauf auf das Ungetüm aus Stahl. Und noch vor dem Frühstück wieder runter vom Schiff und den Fuß zum allerersten Mal auf estnischen Boden setzen. Tja, da waren wir nun. Und was soll ich sagen, Tallinn ist wirklich eine Schönheit. Eine beeindruckende mittelalterliche Altstadt, die wohl am besten erhaltene Europas. Weltkulturerbe! Entzückende Gässchen, historische malerische Häuschen, eine imposante Festung (hier wurde der Geschichte nach das erste Mal überhaupt der Dannebrog gesetzt, der bis heute die offizielle dänische Flagge ist), wunderbare Cafés, charmante Parks, überhaupt viel Grün für eine so große Stadt. Dazu aufstrebende neu entstehende Stadtviertel mit viel Lifestyle und viel Raum für die schönen Dinge des Lebens. Und ach ja: Wir hatten in Tallinn die wohl besten Croissants der Welt, und das zum halben Preis im Vergleich zu Finnland. Ja, es war ein richtig toller Tag in Tallinn. Und doch, sagten wir beide fast gleichzeitig: das war nett, aber irgendwie hat mich Tallinn nicht abgeholt. Ich feu mich richtig auf Helsinki. Wie das sein kann? Weiß nicht, ging uns ja in Stockholm schon so. Und wenn man nicht weiß, woran es liegt, schiebt man die Vibes als Grund vor. Das tue ich jetzt einfach auch. Uns fehlten die Finnland und Helsinki-Vibes. Die Fröhlichkeit, die unaufgeregte Art, was weiß ich. Als wir dann gegen 20.30 Uhr wieder in unserem Hafen in Helsinki ankamen, waren dort die Stege und Boote überfüllt mit ausgelassen feiernden Menschen, war ja noch Vappu, und schönes Wetter auch, wieder zu Hause, danke, danke, danke, i love Helsinki.

    Trotzdem: wenn Du mal hier oben in der Gegend bist, schau unbedingt in Tallinn vorbei. Es ist schon sehenswert. Und ein kleiner Spartipp am Rande: der Alkohol im Alko-Store auf der Fähre ist dank der Registrierung auf den Ålandinseln deutlich günstiger. Mit rund 10 Sixpacks Bier hast Du die 24€ für die Überfahrt hin und zurück bereits amortisiert :)
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  • Suomenlinna - Unesco Weltkulturerbe

    May 6–9 in Finland ⋅ 🌬 6 °C

    Vor allem der Abwechslung wegen, haben wir uns nach Suomenlinna verholt. Satt von der Großstadt und dem praktisch gelegenen Stadthafen, der wie ein zügiger Bahnhof ist, legen wir ab und verholen uns in das 3,7 Seemeilen südlich gelegene Suomenlinna. Im letzten Jahr hat es nicht geklappt, da uns der letzte Liegeplatz vor der Nase von einem Motorboot weggeschnappt wurde. Und in diesem Jahr wurden die Karten neu gemischt, so haben wir sogar freie Auswahl. Alle für unsere Bootsgröße verfügbaren Plätze sind frei. Ohnehin wollen wir nur einen Tag auf dieser wunderschönen und deswegen auch von zahlreichen Touristen besuchten Insel bleiben.
    Der Wind verspricht nicht allzu üppig zu sein, aber dafür aus der richtigen Richtung zu blasen und so genießen wir den sonnigen Tag auf dieser beeindruckenden Festungsinsel, die einem Museum gleicht. Bevor es dann morgen früh endlich richtig losgehen soll.
    Voller Vorfreude auf die Segelei stehen wir früh so gegen 6 Uhr auf, nur um festzustellen, dass der Wind irgendwoanders weht, aber nicht in der Bucht von Helsinki. Somit wird die Abfahrt auf den morgigen Tag verschoben, nichtsahnend, dass sich das Szenario mit dem fehlenden Wind noch ein weiteres Mal wiederholen wird.
    Das schönste ist, dass wir im Frieden damit sind. Diese (neue) Gelassenheit ist ein Segen, macht das Leben so leicht und so viel schöner.
    Schließlich klappt es dann am dritten Tag mit früh aufstehen, dem richtig vorhandenen Wind, dem Ablegen und dem Segeln.
    Das früh Aufstehen hatten wir ja bereits 2x gut geübt. Beim Ablegen hatten wir noch eine zusätzliche Übung. Der bestgechtützte Platz ist auch der am meisten verwinkelte. So hat sich hinter uns noch ein großes Segelboot längsseits gelegt und uns die schmale Ausfahrt noch etwas enger gesteckt. Was haben wir uns Gedanken gemacht, und das Ablegemanöver ausgiebig diskutiert, von links nach rechts gedreht, und so versucht,alle Eventualitäten durchzuspielen. Die Realität war dann ganz anders, frei nach dem Mooto: ich habe schon viele Katastrophen erlebt, ein paar wenige davon sind sogar eingetroffen. Letztendlich haben wir dann bei Windstille einfach alle Leinen gelöst und sind Quick and Dirty rückwärts vom Steg weggefahren. 🤣
    Aber besser so, als andersrum. 😁
    Jo, und dann sin wir draußen. Und stellen fest: alles, was am Ende der Saison schon fast automatisiert war wird jetzt wieder aus dem letzten Hinterstübchenwinkel hervorgekramt, als würde man es zum ersten Mal machen. Also erst Mal ein bisschen einruckeln, viel rum diskutieren, Fähren und Schleppern mit riesigen Arbeitsplattformen ausweichen, die wie bestellt, plötzlich aus allen Richtungen Kurs auf uns nahmen, und dann hoch die Segel, Kurs West.
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  • Der Weg ist das Ziel

    May 9–10 in Finland ⋅ ☁️ 11 °C

    39 Seemeilen in 11 Stunden ergeben eine Durchschnittliche Geschwindigkeit von 3,5 Knoten, also 6,4 km/Stunde. Also durchaus eine Reisegeschwindigkeit, die man auch zu Fuß erreicht. Das interessante daran ist, dass wir das gemächliche Vorankommen beide völlig im Frieden erfahren haben. Diese Entspanntheit macht mich glücklich und zugleich etwas unsicher, weil diese friedliche Glückseligkeit ein neues Gefühl für mich ist. So viel Frieden in mir zu spüren ist eine Erfahrung, die ich in dieser Tiefe noch nicht erlebt habe. Nicht einmal mein Klabautermann im Kopf konnte mir das Schöne madig machen.
    Denn wer kennt das nicht:
    Das dicke Ende kommt noch….
    Freu dich nicht zu früh…
    Tatsächlich kam kein dickes Ende, die Freude hat den ganzen Tag angehalten und wir sind gut im Barösund angekommen. Haben nach rund 7 kn Wind wahrend des Segelns dann standardmäßig bei 20 Knoten angelegt, um dann bei plötzlicher Windstille den erstmals angelaufenen Hafen im gleichnamigen Barösund zu genießen. Das Genießen war recht kurz, da wir vom ersten Segeltag so fertig waren und gleich ins Träumeland abgehauen sind. Die ganze Schönheit wurde uns erst richtig am nächsten Morgen bewusst. Ja, Natur duftet, Stadt nicht. Idylle ist so etwas unfassbar Schönes. Und hier oben erst recht.
    Jürgen hat mein Gefühl perfekt in Worte gefasst: “Jetzt weiß, wie sehr mir diese felsige Natur in den Schären gefehlt hat.”
    Als Durchgangshafen nach dem Trubel Helsinkis war Barösund der perfekte Ort für die erste Nacht in den Schären. Eine Nacht deswegen, weil die Bucht des Zaren auf uns wartet.
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  • Natürlich Kejsarhamnen

    May 10–15 in Finland ⋅ ☁️ 9 °C

    Man sagt in Finnland, Zar Alexander der III. war der einzige nette in der ganzen russischen Zarenreihe. Was ihn nicht davon bewahrte, von seinen Landsleuten frühzeitig ins Jenseits geschickt zu werden. Zu nett, ist also auch nix für einen Kaiser. Die kaiserliche Freundlichkeit ist etwas, was auf die 30 Bewohner der Insel Högsåra abgefärbt hat. Hier herrscht Vertrauen, Offenheit und Zuversicht. Man lebt im eigenen (sehr langsamen) Inseltempo und bekommt zusammen doch viel Neues auf die Beine. Hier wird weniger geredet und dafür mehr gemacht. Und man lebt in Frieden. Wieso sollten wir die Haustür absperren? Ist doch viel zu kompliziert, man muss dann an den Schlüssel denken… Dieser Satz hallt in meinen Ohren nach. Ist es nicht schön, so sorglos unterwegs zu sein?
    Auch Henna, unsere geliebte Hafenmeisterin von Kejsarhamnen, einem der 3 Häfen Högsåras, lebt diesen Lifestyle zu 100%. Und das obwohl sie erst seit wenigen Jahren dort wohnt. Wir haben mit ihr ohne Plan 2x spontan gekocht, mit dem, was der Kühlschrank und der Wald hergab. Und meisterhaftes gezaubert. Wir haben ihre Positivität genossen, ihre besondere Sicht der Welt, der kleinen in Kejsarhamnen und der großen da draußen. In Kejsarhamnen steht wie Welt still und bewegt sich doch - in dem Tempo, das ihr gut tut. Henna sagte zum Abschied: hej Leute, das Zusammensein mit euch ist so natürlich, Alles fühlt sich so leicht an. Ja. Genau. So ist es. Und warum nicht immer. Beim Auslaufen, drückte ich leise eine Träne weg. Keine Ahnung, ob wir wieder kommen werden. Auch wir wollen uns bewegen. In dem Tempo, das uns gut tut. Und das führt uns Kurs Nord. Nagu, du Partyhafen, wir kommen.
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  • Offene Rechnung

    May 19 in Finland ⋅ 🌧 11 °C

    Mit Nagu hatten wir vom letzten Jahr noch eine “Rechnung” offen. Beim Anleger zum Tanken ist Jürgen in Nagu ins Hafenbecken geplumpst. Und das kann man so definitiv nicht stehen lassen. Also fahren wir natürlich nach Nagu, und natürlich auch um dort zu tanken. Der Hafen ist nicht nur praktisch gelegen und hat zudem noch zwei nahegelegene Supermärkte, sondern ist zudem einer der wenigen Häfen, die mitte Mai schon richtig geöffnet haben. Das kommt bei dem guten Wetter besonders gut bei den Finnen an, denn der Hafen war richtig gut gefüllt. Uns ist der Hafen eigentlich zu trubelig, aber nach der ruhigen Zeit in Kejsarhamnen war es eine schöne Abwechslung. 3 Leuten, die wir bereits letztes Jahr in verschieden Ecken des Turku-Archipels trafen, sind wir in diesem Hafen wieder begegnet, und das hat so etwas wie Heimatgefühle geweckt. Mit Veli Matti z.B. haben wir im letzten Jahr in der selben Bucht geankert, er hat dort unsere Ahyoka fotografiert und ist dann in Nagu um unser Schiff geschlichen, um zu prüfen, ob wir es sind oder nicht. So kamen Jürgen und Veli Matti ins Gespräch, das mit einer Bootsbesichtigung bei und und einem feinen Glas Wein auf seinem Schiff endete. Solche Bekanntschaften sind immer was Besonderes für uns. Finnen sind eher zurückhaltend und niemals, zumindest fast niemals, würde man jemand einen Fremden zu sich einladen. Und wenn ich mich zurück erinnere, haben wir in Finnland schon einige Bekanntschaften gemacht, die meisten sind einmalig, manchmal aber schreibt man sich eine Weile, sendet sich Bilder zu und trifft sich vielleicht sogar ein zweites Mal. Ich mag diese Unverbindlichkeit und es fasziniert mich, wie man mit jemanden, den man gar nicht kennt einen phantastisch kurzweiligen und inspirierenden Nachmittag verbringen kann. Man erinnert sich gerne an diese Menschen - mit einem erfüllten Lächeln im Gesicht.

    Ach ja, dieses Mal haben wir an der Tankstelle die Oberhand behalten. Niemand ist ins Wasser gefallen, was bei 7 Grad Wassertemperatur auch durchaus die bessere Entscheidung ist. Rechnung beglichen, Tank gefüllt, auf ins nächste Abenteuer.
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  • Peterzenz, goodbye Turku Archipelago

    May 19 in Finland ⋅ 🌧 11 °C

    Heute heißt es schon Abschied nehmen von der Schärenwelt rund um Turku. Von den drei Häfen bei oder auf unserem Ziel Kustavi fiel uns die Wahl schwer, da wir alle drei Häfen toll finden. Letzten Endes fiel unsere Wahl auf Paratulla Peterzenz. Der Segeltag von Nagu hierher war sehr kurzweilig und wir hatten phantastischen Wind. Drei Nächte lagen vor uns - wieder mal ganz alleine - in diesem eigentlich noch geschlossenen Hafen. Daher haben wir lediglich ein Stromgeld von 10,-€ pro Nacht bezahlt. Ein echter Schnapper verglichen mit den 65 Euro in Helsinki - pro Tag. Gut, dass viele Finnen immer noch davon ausgehen, dass man im Mai hier nicht segeln könnte.

    Die windstille und etwas regnerische Zeit in dem, idyllisch in einer wunderschön Bucht gelegen Hafen, haben wir ausgiebig genossen; mit Brot backen, Stricken, Häkeln, Traden, Arbeiten, Wildkräuter sammeln, lesen und einfach die Seele baumeln lassen. Und natürlich Sport :) Besonders hat es mir das Trampolin angetan. Und da niemand im Hafen war und das Trampolin auch nicht von Kindern belegt war, habe ich mich getraut. Erst nur hüpfen und nach kurzer Zeit hat sich mein Körper erinnert und ich habe mich erst zaghaft auf den Po plumsen lassen und dann immer bestimmter vom Po auf die Füße und wieder auf den Po. Bis ich aus der Puste war. Auch das hat nicht lange gedauert.
    Die drei Tage vergingen wie im Flug. Nun geht es weiter, it Kurs Kylmäpihlaja, der kalten Eberesche, so der Name der winzigen Leuchtturm-Insel, die recht weit draußen auf Höhe von Rauma liegt.
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  • Der Weg nach Kylmähpihlaja

    May 20 in Finland ⋅ ☁️ 8 °C

    Überraschung! Wind direkt auf die Nase. 120 Grad anders als gedacht. Der 10 sm lange Sund vor Kustavi zog sich. Wir dachten, dass dieser mit Westwind segelbar ist, aber da haben wir die Rechnung ohne Wind und Düse gemacht. Der Wind drehte uns mal wieder eine lange Nase, Also motoren wir und das haben wir den 46 Seemeilen langen Weg nach Kylmähpihlaja immer wieder gemacht. Der Wind war in der Realität wesentlich schwächer als angekündigt. Mal lag unsere Ankunft so gegen 21 Uhr, mal so gegen 3 Uhr morgens. Immer wieder haben wir daher mit der Maschine, unserem Eisensegel, unsere Fahrt gepuscht, vor allem an engen Stellen und zwischen den Inseln, wo bei wenig Wind dessen Richtung durch die Inseln umgelenkt wird und so recht unberechenbar ist. Erst als wir kurz vor Kylmäpihlaja die Segel komplett wegpackten briste der Wind deutlich suf. Klar, gerne, dreh uns einfach nochmal ne Nase :) Egal die rund 90 km zwischen Schlender- und Nordic Walking-Tempo waren trotzdem recht kurzweilig und nach unserer Ankunft war sogar noch ausreichend Energie für einen Spaziergang vorhanden. Und Überraschung: Auch dieser Hafen war noch im Winterschlaf.
    Macht nix. Die kleine kahle Insel hat trotz ihrer gespenstischen Wirkung eine gute Energie und ich habe mich schon im letzten Jahr gefragt, woher das kommt. Auf Kylmäpihlaja gibt es einen Leuchtturm, der besichtigt werden kann. Von dem 9.Stockwerk genießt man eine traumhafte Aussicht über die bottnische See und das Archipelago vor Rauma. Der Turm ist gleichzeitig ein Hotel mit einem interessanten, aber lieblos geführten Restaurant. Und es gibt unzählige verschieden Vogelarten. Deswegen schleichen hier auch seltsame Menschen in Tarnkleidung umher, bewaffnet mit Fototaschen und unfassbar großen Teleobjektiven. Entweder Voyeure oder Ornithologen. Da es hier aber nix zu sehen gibt, gehe ich davon aus, es sind Vogelbeobachter :) Auch wenn die Insel ein bisschen verwahrlost wirkt, haben wir sie trotzdem richtig gerne. Doch der Wind will, dass wir schon nach einer Nacht wieder weiter wollen. Denken wir zumindest.
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  • Mit Klabautermann nach Reposaari bei Pori

    May 21–26 in Finland ⋅ ⛅ 11 °C

    Ein weiterer Tag, der sich dank des wenigen Windes ziiiiemlich in die länge zieht. Auf dem Weg nach Reposaari, der windmäßig recht gut gestartet hat und wir anfangs noch gewitzelt haben, wenn es richtig gut läuft, vielleicht sogar 84 sm bis nach Kaskinen zu segeln, wurden wir dann doch recht schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Natürlich hatten wir wieder weniger Wind als angekündigt und diesmal habe ich mir von den Prognosen tatsächlich den Tag vermiesen lassen. Meine Laune ging in den Keller, zum Lachen, und ich habe es sogar geschafft, mich noch ein bisschen mehr runter zu ziehen. Mein Klabauermann feierte laut in meinem Kopf und poltererte zufrieden vor sich hin. Es kam, wie es kommen musste. Ist man in einer miesepetrigen Stimmung, fühlt sich das Universum oder in diesem Fall war es die Ostsee gleich persönlich angesprochen und gibt einem, wonach man gebettelt hat. Und setzt so der angefressenen Stimmung noch eins mit dem Hammer oben drauf. Der Leidtragende war mein geliebter Akku-Handwärmer von Stoov, ja, den hat sich die gefräßige Ostsee geschnappt. Aus Unvorsichtigkeit ist einer meiner zwei Handwärmer aus meiner Jackentasche gehopst, hat sich noch mit einem lauten plumsen auf dem Deck bemerkbar gemacht, um dann für immer in die Ostsee zu verschwinden. Bye, bye…
    Die Fahrt wurde währenddessen immer langsamer und die See dafür immer kabbeliger. Im Kopf rechnet man sich immer wieder die Ankunftszeit aus und kommt dann bei 12 sm Entfernung und 2,5 kn (4 kmh) auf 5 Stunden anstatt 2 unter durchschnittlich normalen Bedingungen. Unser Energielevel hat seine Höhen mittlerweile auch komplett verlassen und bevor sich auch dieses in die Ostsee stürzt, haben wir dann doch lieber die Maschine gestartet. Fühlt sich wie eine Niederlage an, aber nur wenn man es wertet :)
    Wenigstens war im Hafen war genau noch ein einziger Platz am Steg für uns frei. Wir wollten längsseits gehen, weil wir an der vin den Finnen so geliebten Heck-Bojen bei dem angekündigten Seitenwind nicht so gute Erfahrungen gemacht haben.
    Über den vergangenen Tag wird jetzt nicht mehr gesprochen. Morgen wird ein besserer kommen, und der bringt die Freude und auch die Sonne zurück. Und 30 kn Wind. Perfekt für eine Morgensauna.
    5 Tage bleiben wir in Reposaari und entdecken die kleinen Juwelen der Halbinsel vor Pori. Beispielsweise die Festungsanlage, die heute ein uriger Park ist. Wir entdecken den Strand, sammeln frische Wildkräuter, kaufen frisch geräucherten Lachs (im Restaurant, da der Fischhändler krank ist) und fahren mit dem Bus nach Pori. Einkaufen, Stadt gucken und warme Croissants im Espresso House. Die Tage vergehen schnell und das passende Windfenster lädt uns schon ein zum weiter segeln. Und der Weg führt uns dann mitten durch einen monströsen Windpark. In Deutschland macht man darum einen grooooßen Bogen. Den Finnen ist das zu kompliziert…
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  • Déjà-vu in Merikarvia

    May 26–29 in Finland ⋅ ☀️ 13 °C

    Haben wir wirklich schon 2026? Oder sind wir mit Ahyoka in einer Zeitblase gefangen? Irgendwie kommt uns das alles sehr bekannt vor: Starkwind aus Nord abwettern in Reposaari, dann Starkwind aus Nordwest abwettern in Merikarvia, um dann schließlich ohne Wind in kleinen Etappen Richtung Nord voranzukommen. Vaasa muss man sich echt verdienen. Zumindest fühlt es sich momentan genau so an.

    Auch den Windpark, durch den wir auf den Weg von Reposaari nach Merikarvia mittendurch gesegelmotort sind, ist ein alter Bekannter. Dennoch unfassbar spannend, weil man keine 50 Meter entfernt an den gigantischen Rotorblättern vorbeischleicht.

    Wahrscheinlich hat es einen guten Grund, das wir das einzige Segelboot weit und breit sind, das zu dieser Jahreszeit hier oben unterwegs ist. Wind und Wetter sind schwer kalkulierbar, 5 Grad Wassertemperatur (da konnte auch der Handwärmer als zusätzliche Heizquelle nix dran ändern) laden nicht gerade zu einem Dip ein, Wellen, die gnadenlos von Schweden herüber rollen, kalter, energiesaugender Wind mit viel Nordkomponente und Polarluft. Jeder Finne, mit dem wir sprechen, ist verwundert, warum wir ausgerechnet in den Norden wollen. ‘Also wir gehen ja zum Segeln immer in den Süden” (gemeint ist das Turkuarchipel). Und wenn wir dann antworten, dass man das einmal im Leben gemacht haben sollte, folgt ein gütiger Blick, der einem eine Mischung aus “let them” und “ja, warum eigentlich nicht” vermittelt. Finnen sind ganz schlecht im Lügen :)

    Yo, da stehen wir nun. Gegen den Strom. Und gegen den Wind. Und wenn wir nicht gerade Lieblingsdinge in der Ostsee verschwinden lassen, schlagen wir uns mental richtig gut. Klar fragt man sich, warum der Starkwind nie aus den Wetter-Prognosen verschwindet, doch der schöne Segelwind aus der perfekten Richtung hingegen überraschend oft. Zumindest fühlt es sich so an. Meistens halten wir die “es ist wie es ist Fahne” stolz nach oben. Da schau gut hin, Windgott, Du kannst uns gar nix. Auch wenn die Finnen es nicht verstehen, wir wollen mit Ahyoka nach Oulo an den Polarkreis, und nach Vaasa. Und wir kriegen das hin. In kleinen Etappen. Stück für Stück. Mal sehen, wem eher die Puste ausgeht. Dem Nordwind, oder uns. Für uns ist die Antwort klar. Heute Abend geht es weiter, in den ersten Hafen, den wir noch nicht kennen. Eigentlich nur ein Steg im Nirgendwo.
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  • Kaskinen mal 2

    May 30–Jun 2 in Finland ⋅ ☁️ 14 °C

    Die kleinste Gemeinde Finnlands Kaskinen entpuppte sich als süßer Ort mit sehr netten hilfsbereiten Menschen. Zwei Nächte wollten wir bleiben und ein dritter kam als Überraschung dazu und das kam so:

    Nach dem Ablegen wurde alles plötzlich sehr aufregend. Nachdem wir unseren Liegeplatz verlassen und die Leinen verräumt haben, und Jürgen gerade dabei war die Fender zu verstauen, habe ich bemerkt, dass der Plotter keine kompletten Daten anzeigt und man sogar noch weniger Details gesehen hat, wenn man reinzoomte. 🤪 Oben an der engsten Stelle verlief unsere gewählte Route sogar an Land. Da Ahyoka kein Amphibienfahrzeug ist, musste das dringend gefixed werden. Nichts hat geholfen. Alle Systeme runter zu fahren, hielten wir aufgrund des engen Fahrwassers in diesem Moment auch nicht für sinnvoll.
    Unser Telefonjoker Dietmar (passionierter Segler, Raymarine-Experte und Rettungskreuzer-Crewmitglied) machte auch den Vorschlag, alles runterzufahren und dann mal zu schauen. Also alles wie bei Microsoft - rebooten und hoffen. Dann kam dichter Nebel auf. Den hatten wir eigentlich davor extra abgewettert…🙄 aber er kam zurück.
    Das war nun wirklich Grund genug, die 6 sm, die wir in der Zwischenzeit zurückgelegt hatten, wieder zurück zu fahren. Wir waren also zurück. Da wo wir morgens den Liegeplatz verließen. Der Plotter funktionierte nach dem Neustart wieder, und wir wollten ein zweites Mal warten, bis der Nebel sich endgültig verziehen sollte. Ja, und dann sollte wieder losgehen.
    Das Warten hat am Ende den ganzen Tag gedauert. Irgendwie wollte uns das Universum 1 Tag länger in Kaskinen haben. Okay, dann ist eben so.
    Am nächsten Tag gings dann tatsächlich ohne Nebel, bei strahlendem Sonnenschein, und eine Erfahrung reicher weiter Richtung Vaasa. Und auch dieser Tag sollte wieder mal eine faustdicke Überraschung bereit halten.
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  • Stegabenteuer & Sommervibes

    Jun 2–5 in Finland ⋅ ☁️ 15 °C

    Da der Weg nach Vaasa recht schwachwindig, dafür starkwellig war und und somit insgesamt seglerisch ausgesprochen zäh, haben wir uns für einen Zwischenstopp in Brädskär entschieden. Müde von der langen Fahrt und angelockt von einem Steg inmitten einer idyllischen Bucht, freuten wir uns auf einen schönen Anleger. Perfektes Timing mit der kreuzenden Fähre, smooth längsseits angedockt am leeren Steg - und dann die große Überraschung. Als Jürgen zum Checken der Facilities an Land gehen wollte haben wir registriert, dass der Steg komplett vom Ufer abgerissen war. Nur noch mit einer schäbigen Leine an einem dünnen Geländer an Land gesichert, und dann noch 13 Tonnen Ahyoka dran. Das ist tatsächlich ein komisches Gefühl. An einem Steg zu hängen, der drohte samt uns durch die Bucht zu driften, das war trotz Müdigkeit nicht sehr verlockend. Um nachts ruhig schlafen zu können, haben wir uns nach einer kurzen Pause mit kalten Spaghettis und Tomatensauce entschieden, nochmal abzulegen und uns in das 2 sm entfernte Brädskäret zu verholen. Also nochmal die Fähre kreuzen und in einem von Mensch und Maus verlassenen Fischerhafen nochmal anlegen. Doch halt. Nicht alle Mäuse hatten die Insel verlassen. Mindestens eine hatte die letzte Fähre verpasst und schlich um unser Boot. Also schnell Mäusehindernisse basteln und an unsere Leinen anbringen. Und dann endlich das verdiente Anlegerbier. Nach einer ruhigen und wirklich tollen Nacht (die sich nur dadurch vom Tag unterscheidet, dass es zwischen 1 und 3 Uhr etwas weniger hell ist 🤣) ging es am nächsten morgen weiter nach Vaasa, unsere erste Station in der Bay of Bothnia.
    Vaasa ist klein, herrlich unaufgeregt und mit den nettesten Finnen beheimatet, die wir bisher kennen gelernt haben. Charmant, interessant und mit einer Hingabe bei allem, was sie tun. Beispielsweise waren wir im FRÖJ, einem tollen Restaurant, das im Internet mit seiner regionalen innovativen Küche wirbt und unser Interesse geweckt hat. Das Essen war hervorragend und ein Verwöhnprogramm für die Augen obendrein. Schaut euch gerne die Fotos dazu an. Dazu gab es in Vaasa inspirierende Gespräche am Steg, die deutsche Flagge wurde extra für uns im Hafen gehisst und feine 25 Grad (im Schatten) und damit offiziell unser erster Sommertag 2026! Und das Anfang Juni. Spektakulär! An Tag 2 on top kam das erste Boot aus Deutschland - außer uns natürlich - in den Hafen. Keine andere Nation findet man so früh hier oben am 63. Breitengrad. Vielleicht weil es mittlerweile in Deutschland so heiß ist. Gerne wären wir noch länger in Vaasa geblieben, doch das nächste perfekte Wetterfenster trieb uns bereits nach 2 Nächten weiter Richtung Norden. Mit einem außergewöhnlichen Ziel. Die kleine Insel Mässkär.
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  • Auf der Überholspur nach Mässkär

    Jun 5–7 in Finland ⋅ ☁️ 19 °C

    Dass wir schon nach 2 Tagen Vaasa wieder verlassen, hätten wir nicht gedacht. Aber der Verführung des guten Windes konnten wir nicht widerstehen. Vaasa hat seinen Zweck erfüllt, wir hatten eine sehr schöne kurzweilige Zeit. Nur in die Boulderhalle haben wir es nicht mehr geschafft. Die Überfahrt nach Mässkär war anfangs besonderes spannend. Bei einem Steggespäch haben wir von einer Abkürzung erfahren, die wir unter anderen Umständen nicht gefahren wären. Bei einer sicheren Tiefe von 1,7 m (nur 35 cm „Luft“ zwischen unseren Kielen und den Steinen!) und der Aussage, dass der ortskundige Nachbar nie unter 2 4 m bei der Durchfahrt erlebt hatte, ermutigte uns, diese spektakuläre Route zu fahren. Mit ausreichend Wind gesegnet, sind wir durch das enge Fahrwasser gedüst und hatten großen Spaß dabei. Im Sausewind vorbei an Mökis, Stegen, kleinen Urlaubsparadiesen. 8 Knoten zeigte uns die Logge in den Spitzen. Sogar als die See etwas ruppiger wurde, hat der Bann des Geschwindigkeitsrausches gesiegt. Etwas Respekt hatten wir vor dem Anlegen bei 20 Knoten Wind in einem sehr engen und mit reichlich Steinen ausgestatteten Hafen, den wir zudem nicht kannten. Die leise Hoffnung, von dem kleinen heimeligen Hafen von Mässkär windarm und freundlich empfangen zu werden, wurde prompt erfüllt. Überrascht hat uns zudem der total leere Hafen mit einer noch überschaubareren Größe als wir dachten. Schließlich legte ja auch eine Fähre dort an. Unsere Ahyoka jedenfalls füllte den Steg nahezu komplett aus. Überhaupt wirkte alles in Mässkär ein bisschen wie bei Gullivers Reisen. Kleine niedliche Hüttchen auf runden kleinen Felslein, Mini-Pilze und winzige Buchten. Irgendwie märchenhaft. Das einzige, was aus dem Rahmen fiel, waren die Moskitos beim Walspaziergang. Die waren riesig, und ihr Hunger noch größer. Keine Ahnung wann die zuletzt menschliche Opfer vor den Rüssel bekommen hatten. Nach 2 Nächten und einem abgewetterten Regen. führte uns der Weg mit ausreichend Wind ins nächste Abenteuer. Und das hatte es reichlich in sich.Read more

  • Leuchtturminsel Tankar: allein unter Fischern

    Jun 7–8 in Finland ⋅ ☁️ 15 °C

    Irgendwie sind wir wohl wirklich in Lilliput angelangt. So wie im Film Jumanji haben wir wohl die Büchse der Pandora geöffnet. Kaum aus Mässkär losgefahren, haben wir uns in einem Fahrwasser wieder gefunden, das mit jedem Meter enger und enger wurde. Wir sind ja einiges gewohnt, auch Fahrwassertonnen, die man scheinbar anfassen kann während man sie passiert. Dieses mal aber haben wir die Tonnen wirklich berührt, weil nicht genug Platz für Ahyoka dazwischen war. Und wenn da keine grünen und roten Tonnen waren, kam uns dafür Schilf und Stein gefährlich nahe. Aber es gab kein zurück. Wir mussten da durch. Es war wie eine Flußfahrt, achwas Fluß, eher ein Bach. Wenig Wasser, dafür viele Böen um die 20kn. Mit unfassbarerer Präzision steuerte uns Andreja durch diesen kleinen Alptraum. Ich vorne am Bug, mit starrem Blick ins grüne, undurchdringliche Wasser. Andreja hochkonzentriert am Steuer. Die Fischer in ihrem winzigen Ruderboot haben nicht schlecht gestaunt als wir plötzlich um die Ecke kamen. Was zum Teufel machen die hier, schienen ihre Blicke zu sagen. Und ja, den selben Gedanken hatten wir auch. Die gute Stunde, die wir in diesem „hochoffziell“ als bezeichnetem Fahrwasser fuhren, kam uns wie eine Ewigkeit vor. So eine Anspannung hatten wir zuvor noch nie erlebt. Es ist ja nicht so, dass wir die Route nicht mindestens x mal gecheckt hätten. Im Kartenplotter, in der App Sailmate - dort sogar mit 2 Meter Tiefgang _ und auf den Papierkarten. Da haben wir wohl die Rechnung ohne Lilliput gemacht. Irgendwie haben wir es da - mehr oder weniger heil - durch geschafft. Und dann plötzlich tauchte Tankar vor uns auf. Die Leuchtturminsel, Museum und Fischerparadies in einem. Und natürlich: mit einem viel kleineren Hafen als gedacht. Und das, obwohl eine 30 Meter Fähre dort anlegt. Und natürlich war sie da, die Fähre Karlotta. Bereit zum Ablegen. Natürlich. Blödes Timing, zumal sie nur 1x am Tag fährt. Wir packten unseren ganzen Mut zusammen und sind trotzdem in die super enge Hafeneinfahrt gefahren, einmal hinten rum um die Fähre auf die andere Seite des Steges, mit nur 2 Meter Abstand, mehr war halt nicht da. Und plötzlich wurde alles gut. Der 30 Meter Stahlkoloss hatte absichtlich auf uns gewartet. Drei Fischer waren am Steg und legten uns gegen die dicken Böen der nahenden Regenfront an. Die junge Mitarbeiterin des Inselcafés erklärte uns, dass wir gerne umsonst über Nacht bleiben können, da das Buchungssystem nicht tut. Und wir hatten einen sehr einfachen, aber leckeren Lunch mit auf der Insel geräuchertem Lachs und selbst gebackenem Brot. Den Rest des Tages verbrachten wir mit betrunkenen Fischern (war ja zu wellig zum Angeln) und gemischten Gefühlen. Der Schock des engen Fahrwassers saß uns noch in den Knochen, und mischte sich immer wieder unter die Freude, das wir es endlich mal auf eine echte Leuchtturminsel geschafft hatten. Und Tankar war es wirklich wert. Rauh und schön, und ausgestattet mit einer ganz eigenen Energie, dem Hauch von 700 Jahren Fischergeschichte.Read more

  • Kalajoki: der Phantomhafen.

    Jun 8–11 in Finland ⋅ ☁️ 18 °C

    Gibt es ihn nun, oder nicht, den sagenumwobenen, riesengroßen und nigelnagelneuen Hafen Kalajoki an der arktischen Küsten nördlich von Tankar? Das war die Frage, die uns seit Tagen beschäftigte. Erfahren haben wir davon in einem Steggespräch mit einem Youtuber in Vaasa. Erste Internetrecherchen ergaben nix. Unsere Papierseekarten, die sonst jeden Hafen kennende App Sailmate und auch unsere extra nochmal geupdateten elektronischen Seekarten kannten ihn auch nicht. Okay, da war ein kleiner Hafen mit einer Zufahrt von 0,9 m, also 90 cm und damit mindestens einen halben Meter zu wenig Wasser unter den Kielen. Das konnte es nicht sein. Die Webseite der Gemeinde Kalajoki war auch wenig hilfreich. Der zuständige Landschaftsentwickler war auch wenig hilfreich. Seltsam. Aufgrund unserer Erfahrungen mit dem superengen Fahrwasser wenige Tage zuvor, wären wir schon gerne auf Nummer Sicher gegangen. Erstens, dass der Hafen da ist, und zweitens, dass wir in der Anfahrt nicht stecken bleiben.
    Der Durchbruch gelang dann ganz modern mit der Google AI bzw. ChatGPT. Ja, der Hafen ist da, und bereits geöffnet, wenn auch noch nicht offiziell. Und ach ja, hier habe ich für Dich noch die Telefonnummer des Hafenmeisterbüros. Wir waren mächtig beeindruckt. Verdammt, wie macht die KI das nur? Nach einem Telefonat, zwei eMails und 3x WhatsApp war dann alles klar. Wir bekamen sogar einen Hafenplan, den Code für die Keybox und ein 10-seitiges PDF mit Bedingungen für Liegeplatzmieter! Abgesehen von den vielen Regeln, war das mal wiedr typisch finnisch. Die Uhren ticken hier einfach angenehm langsam Wo in Deutschland ein Riesenwerberummel veranstaltet worden wäre, nimmt man in Finnland erst mal den Gang raus und lässt den Dingen Zeit, sich zu entwickeln.
    Fakt war also, dass der alte Hafen aus den Seekarten komplett neu konzipiert wurde. Wo früher die Untiefen waren, ist jetzt ein riesiges Hafenbecken. Auch die Zufahrt wurde ausgebaggert und neu betonnt. Trotzdem nicht unspannend. Zunächst haben wir an den Landmarken entlang navigiert und trafen dann tatsächlich auf drei neue Kardinaltonnen. Die rot grünen Fahrwawassertonnen in den Hafen fehlen noch, aber das hat man ganz pragmatisch mit einem Fischernetz gelöst. Eben angelegt wurden wir bereits von der Hafencrew begrüßt. Zuerst Sanna, mit der wir uns geschrieben hatten, und dann noch vom Chef persönlich. Auch typisch finnisch: auf unsere Frage, wie man denn einen neuen Hafen in die Apps und Seekarten bekommt, kam die Antwort prompt und ehrlich: „gute Frage, da wollten wir uns als nächstes darum kümmern“ Yo, wie schon gesagt :) Deutsch wie wir sind, haben wir dann Navionics (Seekarten-Anbieter) und Sailmate geschrieben und siehe da, bald wird der Hafen auch dort zu finden sein.
    Kalajoki selbst ist ein kleines Paradies, ein unberührtes Mini-Mallorca im Norden. Im arktischen Meer hätte ich Kälte, rauhe Landschaften und kahle steinige Küsten erwartet, aber sicherlich keine Sandstrand-Idylle mit Dünen und Badebuchten. Ausreichend kalt ist es auch, sobald der Himmel wolkenbedeckt ist oder einem der Wind um die Ohren saust. Doch davon abgesehen, war es herrlich mild. Die unerwartet schönen Sandstrände haben uns tolle Spaziergänge und ein bisschen Südseefeeling beschert. Und der ehemalige Phantom-Hafen ein wunderbare Sauna mit Meerblick. Und einiges mehr, wie ihr auf den Bildern sehen könnt. Das ging ja gut los, mit der arktischen Küste. Und sollte nicht so bleiben.
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  • Raahe ist alles andere als süß

    Jun 11–13 in Finland ⋅ ⛅ 15 °C

    Yo, über Raahe braucht nicht viele Worte machen. Früher im späten 19. Jahrhundert mal der wichtigste Schiffsbauhafen in Finnland ging es mit dem Aufkommen der Stahl- und Dampfschiffe schnell bergab mit der Stadt. Ein ähnliches Schicksal wie es Marstall auf Aerø in der dänischen Südsee ereilte. Und es wirkt so, als hätte Raahe das bis heute nicht verdaut. Ich habe in keiner anderen Stadt bisher so viele Menschen gesehen, die mit hängenden Köpfen durch die Straßen schlurften wie hier. Da musste ich ordentlich aufpassen nicht selbst schlechte Laube zu bekommen. Dazu viele leere Geschäfte und Restaurants, verkommene, ehemals herrschaftliche Holzhäuser und tote Plätze. Vor den Toren der Stadt verpestet oben drein eine der größten Industrieanlagen Finnlands die Luft. Ein Stahlwerk mit eigenem Hafen, Hüttenwerk, Kohlekokserei und 30 km Schienen! Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber: Das Stahlwerk soll bis 2030 modernisiert werden und statt wie bisher mit Kohle dann mit grünem Wasserstoff als Energielieferant produziert werden. Ich wünsche Raahe, dass die Modernisierung spätestens dann auch auf die Stadt abfärbt und es Stück für Stück aufwärts geht.
    Die Suche nach einem geeigneten Liegeplatz für Ahyoka gestaltete sich außergewöhnlich diskussionsbeladen. Den städtischen Gasthafen gab es nicht mehr, oder vielleicht doch? Jedenfalls wusste es keiner so genau. Wir redeten viel, erklärten, was wir brauchten, doch keiner wollte eine Entscheidung treffen. Erst als eine junge Frau fragte: „Okay, was ist denn das schlimmste, was passiert, wenn dieses Schiff hier anlegt“, gefolgt von der Antwort: „wahrscheinlich nix“, durften wir direkt vor dem Schifffahrtsmuseum fest machen. Top! Trotzdem waren wir froh schon 2 Nächte später, ganz frühmorgens wieder abzulegen. Und wir drücken Raahe ganz fest die Daumen, dass jemand mit der Vision und Zuversicht kommt, die Ärmel hochkrempelt und die Zukunft anpackt. Raahe hat Potenzial. Viel sogar.
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  • Etappenziel Oulu erreicht 🥳

    Jun 13–18 in Finland ⋅ ☁️ 18 °C

    Juhu, wir sind in Oulu.
    Wir sind begeistert und glücklich, es bis hierher geschafft zu haben. Schon im letzten Jahr haben wir von Oulu geträumt und nun sind wir da.
    Oulu ist bunt und schrill und nach ein paar Tagen auch etwas trist. Was durchaus auch an dem vielen Regen und der fehlenden Sonne liegen kann. Facettenreich bevölkert, hat sich die Einwohnerzahl in den letzen 80 Jahren versiebenfacht !
    Wir sind froh, die 30 sm Strecke nach Oulu rein, in die nordöstlichste Stadt Finnlands, auf uns genommen zu haben. 30 sm sind schließlich mit dem Boot eine Halbtages-Tour.
    Gerne hätten wir die Strecke von Raahe nach Oulu aufgeteilt und auf Hailuoto im schönen Marjaniemi halt gemacht. Abe der nächste Starkwind saß uns schon wieder im Nacken und der Hafen Marjaniemi bietet - auf einer Landzunge im Meer liegend - kaum Schutz. Also 60 sm durchsegeln.

    Die Überfahrt von Raahe hatte es wahrlich in sich. Es war zwar kein Höllenritt, aber verdammt nahe dran. Und wieder einmal sind wir mit einem “blauen Auge” davon gekommen. In diesem Jahr trauen wir uns mehr als im letzten und so passiert auch mehr. Wenn es nach mir ginge würde, ich auf die kleinen Katastrophen gerne verzichten, aber Erfahrungen sind halt wichtig, und manchmal auch schmerzhaft.
    Dieses Mal haben wir uns nach dem Starkwind der Nacht zugetraut, recht früh abzulegen. Um kurz vor 4 Uhr haben wir Raahe bei moderaten 10 Knoten verlassen. Wir dachte schon, jetzt ist der Starkwind wieder sehr viel schneller durchgezogen als vorhergesagt und wir haben uns schon Motoren gesehen. Aber sobald wir das sichere Archipelago verlassen hatten und auf der offenen See waren , hatten wir immer noch mehr als ausreichend Wind. Achterlich. Mit 20 Knoten und einer sehr ungemütlichen rollenden Welle von der Seite, wodurch der Wind dann immer wieder mal links, mal rechts achterlich kam. Der Bullenstander war Gold wert, um uns vor einer Patenthalse zu schützen. Bei einer Patenhalse kommt der Baum mit voller Wucht von der einen auf die andere Seite und kann verheerenden Schaden am Boot - und auch an der Crew - ausrichten.
    Allerdings haben uns mit dem Bullenstander in einer trügerischen Sicherheit gewogen. Denn beim vierten Mal, als der Baum welken- und böenbedingt in die Leine des Bullenstanders geruckt ist, hat die Belastung die komolette Curryklemme abgesprengt, der Baum kam wie eine Rakete rüber und die Großschot hat Jürgen an
    Kopf und Schulter gestriffen. Wir waren so geschockt, dass gefühlt Minuten vergingen, bevor ich die Lage wieder komplett im Griff hatte. Vermutlich waren es nur 3 Sekunden.
    Got sei dank ist nichts Schlimmeres passiert.
    Danke, danke, danke.
    Es ist nur Material zu Schaden gekommen und die verbleibenden 25 sm nach Oulu rein waren in diesem Fall sehr dienlich. Jetzt ohne Welle und mit so sehr nachlassendem Wind, dass wir am Ende sogar motort sind, konnten wir wieder allmählich zu uns kommen.
    .
    Unsere ganze Aufmerksamkeit wurde dann noch ein weiteres Mal an diesem Tag gefordert. Und zwar bei der immer enger werdenden Anfahrt auf den Stadthafen. An Steinen und Untiefen vorbei manövrierten wir uns zu dem - ja natürlich - einmal mehr winzigen Hafen. Nur diesmal hatten wir tatsächlich mit einem kleinen Hafen gerechnet.
    Wir lernen schließlich auch dazu.
    Nach dem Anlegen haben wir uns einen ersten Überblick über den Schaden gemacht und sind erst einmal etwas essen gegangen, um Abstand zu gewinnen. Mit leerem Magen kann man schließlich keine vernünftige Entscheidung treffen. Und satt sieht die Welt viel bunter aus.
    Schließlich haben wir das ganze Thema vertagt und waren an diesem Tag früh im Bett.
    In der Nacht kam der angekündigte Starkwind. Im Stadthafen von Oulu kamen glücklicherweise “nur” 28 Knoten an. Geweckt von einem dumpfen Geräusch, haben wir erst einmal alle Leinen überprüft. Die Fender hochgebunden, denn sie sahen aus, als wären sie abgerutscht.
    Es hat eine Weile gedauert, bis eine Ahnung aufkam, wo das Geräusch tatsächlich herkommen könnte. Die Wassertiefenmessung mit dem Bootshaken bestätigte leider unsere Vorahnung. Das dumpfe Geräusch kam daher, dass unser Kiel Grundberührung mit einem Stein hatte. Oh Mann, hört das gar nicht mehr auf und es gibt nichts, was wir dagegen tun können, nicht einmal wegfahren. Jürgen kam dann auf die glorreiche Idee, die dicksten Fender Mittschiffs anzubringen um uns so ein paar cm weiter von der Pier wegzudrücken. Das hat funktioniert.
    Ein Blick in die Wasserstandsinformationen des finnisch metereologischen Instsituts war sehr aufschlussreich. Der starke Nordostwind, der im Quarken, 200 Km südlich, Sturmstärke erreichte, zog das ganze Wasser aus dem Norden der bottnischen Bucht. Wasserstand minus 50cm! So ist unsere Wassertiefe von 2,8 m am Vortag in ein paar Stunden auf 2,30 m gesunken und hat dazu geführt, dass einer unserer Kiele , die ja seitlich angebracht sind, am Steg Grund berührte. 😱
    Glücklicherweise war das auch schon der Peak und das Wasser war morgens bereits wieder am steigen. Jeder Zentimeter Wasser wurde gefeiert.
    Wir wussten, das die Windtide dafür sorgen kann, dass es bei Wassertiefen Schwankungen von bis zu minus 25 cm geben kann, aber 50cm?! Das hat es nach Erzählungen der Leute hier noch nicht gegeben. Ja, und normalerweise sind direkt an der Mole im Hafenbecken keine Felsen.
    Nachdem der Wasserstand wieder mehr Sicherheit versprach, widmeten wir wieder uns der anderen Sache, die von gestern, die Sache mit dem verbogenen Gleitlagerblock für die Großschot.
    Nach genauer Betrachtung war klar: so können wir nicht weiter fahren, da die Großschot zu nah am Metall ist und sich aufschürfen könnte. Also haben wir die verbogenen Teile abgeschraubt und so gut es ging gerade gebogen. Das Ergebnis war alles andere als zufriedenstellend.
    Interessanterweise ist just in diesem Augenblick, als wir versucht haben, das verbogene Metallstück irgendwie wieder anzuschrauben, ein Mann vom Nachbarboot vorbei gekommen. Er hat sich eigentlich für unsere Reise und unser Boot interessiert und ich habe ihn gleich eigennützig gefragt, ob er uns einem Metallbauer empfehlen kann, der uns das Metallstück gerade biegen kann. Und man kann es glauben oder nicht, der Mann war tatsächlich vom Fach und hat eine eigene Metallfirma in der irgendwelche hydraulischen Gerätschaften hergestellt werden. Das heißt er hat eine richtige Werkstatt und weiß, wie man mit dem Metall umgeht. Er nahm das gute Stück mit und hat es bereits 2 Stunden später - perfekt gerade gebogen - wieder zurück gebracht. Wie cool ist das denn bitte?
    Diesen Engel hat bestimmt Richard - unseren Segellehrer, den wir im Herzen immer an Bord haben - vorbei geschickt.
    Insgesamt haben wir 5 Nächte in Oulu verbracht und auf ein gutes Windfenster nach Schweden gewartet. Und morgen segeln wir weiter, erst einmal bringen wir uns auf Sandskär - irgendwo im nirgendwo - in Stellung, um dann übermorgen an die Ostküste über zu setzen.
    Wir sind bereit, das Kapitel Finnland zu schließen, erst mal.
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  • Kluntarna, kurze Idylle

    June 18 in Sweden ⋅ ☁️ 12 °C

    Da fährt man kurz mal 77 Seemeilen ist 14 Stunden unterwegs und schon ist man in Schweden und hat die nördlichste Ostseebucht gequert. Wir sind weder Haparanda noch Töre angelaufen. Wir haben keine Lust auf doofe Häfen und unser Ego muss auch nicht am nördlichsten Punkt der Ostsee gewesen sein. Auch wenn da alle hingehen.
    Deshalb haben wir ein Wetterfenster genutzt um nach Schweden über zu setzen. Anfangs hoch am Wind teilweise mit Motor Unterstützung, dann konnten wir endlich entspannt gemütlich segeln bis nach 2 Stunden der Wind immer mehr einschlief und wir immer langsamer wurden.
    Mit gemischten Gefühlen waren wir an diesem Tag unterwegs, sitzt uns das Erlebte doch noch tief in den Knochen und will erst einmal verarbeitet und verstanden werden.
    Obwohl die Federn der Curryklemme für die Großschot defekt sind, hält die Großschot überraschend gut. Viel besser als gedacht und das entspannt. Entspannung, Sicherheit und Leichtigkeit wollen wir wieder in unser Leben zurück haben. Und das wird auch wieder kommen. Sind wir erst einmal in Schweden geht’s nur noch südwärts.
    Der Wind sollte laut Prognose innerhalb von einer Stunde von NW auf SW drehen. Erfahrungsgemäß schläft der Wind immer ein, bevor er dann dreht. Verschnaufpause :)
    So haben wir freudvoll die Machine angeschmissen, während wir auf den drehenden Wind gewartet haben und um gleichzeitig etwas Strecke zu machen. Es verging eine Stunde, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben und tatsächlich kurz bevor wir in der Bucht vor Kluntarna, unserm Ziel, einliefen hat der Wind tatsächlich gedreht und auch gleich zu einer guten segelbaren Stärke zugenommen. Aber da waren wir halt auch schon da und wollten auch nur noch schlafen. Gegen halb zwei waren wir angekommen, haben alles auf dem Boot verräumt und sind in den Schlaf gefallen. Nach 4 Stunden wurden wir wach, haben kurz die schöne Bucht genossen und uns Richtung Luleå aufgemacht. Starker Südwind war im Anmarsch und wir wollten in einen gut geschützten Hafen sicher liegen.
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  • Luleå, wo legen wir nur an?

    Jun 19–21 in Sweden ⋅ ☀️ 15 °C

    Y-Stege sind für unser Boot ganz großer Mist. In diesen seltsamen Alurahmen, die mit Bojen auf dem Wasser schwimmen liegen wir einfach nicht gut. Vor allem, wenn viel Wind kommt. Und das Anlegen ist auch herausfordernd, weil man auf den Auslegern nicht stehen kann. Also muss man die Leinen irgendwie von Bord aus durch die Ringe fummeln. Leider stehen die schwedischen Hafenbauer extrem auf diese Dinger. Klar, man klappt sie im Winter einfach hoch, wenn das Eis kommt und gut ist. Doch praktisch für den Hafenmeister ist nicht immer gut für die Hafenbesucher. Aber okay, gib den Dingen eine Chance, also sprich Y-Stegen, sagten wir uns, challenge accepted. Also rein in den Hafen, die 5 Meter breiten Y-Dinger suchen und dann einfach rein. Kann ja nicht so schwer sein. Grobe Fehleinschätzung. Erstens gab es die 5 m Breite nicht, zweitens war der, auf dem Plan riesige, Stadthafen von Luleå ziemlich eng, und klar: 15 Knoten Seitenwind beim Anlegen. Irgendwie fummelten wir uns dann doch zwischen die Ausleger. Jo, und da lagen wir dann wie eine Sardine in der viel zu engen Ölbüchse. Die Fender ächzten, und wir noch viel mehr. Mist, so geht das nicht, niemals. Also wieder ablegen, aber wie bei dem starken Seitenwind. Andreja griff tief in die Trickkiste, irgendeine Kombination aus Bugstrahlruder und Vollgas zurück und wir waren wieder heil aus dem engen Y-Steg-Korsett draussen. Uff. Doch wohin jetzt? Unsere Wahl fiel auf den langen Steg, der den Hafen nach aussen hin von der offenen Bucht abtrennte. Und schon folgte die nächste Überraschung: nix zum Festmachen der Leinen. Keine Ringe, keine Klampen, nix. Wer zum Teufel (sorry) denkt sich sowas aus? Dann ganz am Ende des Stegs, 4 Ringe, ja, das geht. War da nur noch der immer kräftige Wind, der uns vom Steg wegdrückte. Nach weiteren, wie eine Ewigkeit wirkenden 5 Minuten lagen wir dann endlich fest am Steg. Dass der Strom am Steg natürlich nicht funktionierte, brauche ich wohl nicht erwähnen. Obwohl es erst 10 Uhr war, hatte ich spontan den Wunsch nach einem Gin Tonic. Oder zwei. Liebe Hafenplaner: wenn ihr nicht wollt, dass wir Segler zu Alkoholikern werden, baut die Häfen so, dass man diese auch sinnvoll nutzen kann. Dass wir mit diesem Wunsch nicht alleine dastehen, zeigte sich auch darin, dass alle weiteren Segelboote nach uns auch unseren Steg wählten.Read more

  • Böenreich nach Mellerstön

    June 21 in Sweden ⋅ ⛅ 17 °C

    Juhuuu, ab jetzt bewegen wir uns mit nördlichen Winden und feiern jeden Breitengrad weniger. Luleå verlassen wir auch bei mehr als ausreichend Wind und bis zu 24 Knoten in den Böen. Wir entscheiden uns, nur mit der Genua su fahren, da wir nicht wissen, wie breit das Fahrwasser ist und wieviel oder wie wenig Platz zwischen den Inseln zum Manövrieren bleibt. Und bleich zu Beginn wartete als Abkürzung ein enger, früher stark befahrener Kanal. Und immer noch geschädigt vom finnischen Liliiputland, wo alles in Realität viel kleiner war, als die Seekarten vermuten ließen, fragten wir uns, ob wirklich genug Platz für uns sein wird. Als wir dann endlich die Einfahrt in den Kanal erspähten, konnten wir uns mächtig entspannen. Breit genug, tief genug und richtig schön. Danach wartete eine wunderbare Insellandschaft auf uns. Und ein richtiger Flughafen, dessen Landebahnlichter wir überraschend knapp passierten,
    Unser heutiges Ziel, Mellerstön, entpuppte sich als uriger Naturhafen mit einen kleinen Steg. Und diesen teilten wir mit einem weiteren deutschen Segelboot. Der Steg schwoite mit jeder Bootsbewegung mit und man hatte ein bisschen Ankerfeeling. Hier haben wir auch zum ersten Mal gegrillt und zum ersten Mal eine Holzsauna selbst angefeuert. Geduscht wurde mit Seewasser-Kübeln. Wahlweise kalt oder heiß.
    In der Nacht hatte Jürgen dann einen sehr unruhigen Schlaf. Intuitiv hat er gegen 3 Uhr morgens die Wettervorhersage überprüft und dabei gesehen, dass der Wind am nächsten Tag auf 30 Knoten zunimmt und immer mehr auf Nordwest dreht und somit direkt in unsere Bucht reinbläst. Und das mit dem schwoienden Steg? Das machte ihm Sorgen. Er weckte mich und kurzerhand haben wir entschieden, wenig später abzulegen. Im 2. Reff und mit Sturmfock sind wir los und durch das Archipelago geprescht, hoch am Wind. Wir mussten aufkreuzen, um den Fahrwasser zu folgen, denn bei dem vielen Wind hatten wir mit der Maschine keine Chance gegenan. Also Augen zu und durch. 5 Stunden wurde unsere ganze Konzentration gefordert. Jede Körperzelle war im Einsatz. Adrenalin wurde in Unmengen ausgeschüttet. Sogar vor unserem Zielhafen Sandholmen mussten wir nochmals kreuzen, was sich gefühlt ewig in die Länge gezogen hat. Dann endlich Segel runter und hoffen, dass ein Platz für uns frei ist.
    Beim Anlaufen in den Hafen hat der Wind sich noch einen unserer Fender gemobst, aber ich habe nicht eine Sekunde überlegt, ihn bei diesen Bedingungen zu bergen. Ich wollte nur noch anlegen, bevor es noch doller wird. Juhu, der Steg war frei. Alles sag gut aus.
    Glücklicherweise waren im leeren Hafen zwei Männer bei der Sauna zu Gange, die uns sahen und sofort beim Anlegen geholfen haben. Drehende Winde im Hafen haben die Spannung beim Anlege-Manöver nochmal kräftig erhöht. Mal schob der Wind uns weg vom Steg, und dann wieder dran und so weiter. Als dann tatsächlich alle Leinen fest waren, haben wir erst einmal im Duett laut ausgeatmet. Puuh. Was für ein Ritt.
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  • Sandholmen - das kleine Paradies

    Jun 22–23 in Sweden ⋅ 🌬 17 °C

    Um 11.30 Uhr in Sandholmen angekommen, nach 5 Stunden Kreuzen bei durschnittlich 20 Knoten Wind. Das bedeutet am Wind hatten wir teilweise 28 Knoten, die auf das Schiff gewirkt haben. Mächtig Schieflage. Rauhe See. Ich glaube immer noch nicht, dass wir das tatsächlich gemacht haben. Aber wir sind stolz wie Bolle, wie gut wir das gemeistert haben, auch wenn das so schnell nicht nach Wiederholung schreit. Nun brauchen wir erst einmal Erholung. Und Sandholmen war der perfekte Ort dazu. Und das Beste: Die Idylle Sandholmens hatten wir ganz für uns alleine. Vormittags haben wir uns die Sauna angefeuert und die Außendusche zelebriert. Das ist ein Erlebnis erster Klasse. Von 6 Leihfahrrädern, haben wir tatsächlich 2 gefunden, mit denen man fahren UND auch bremsen konnte. Meins war bissle klein, und Jürgens dafür extra hoch. Und es machte lustige Geräusche. Doch es war einigermaßen spaßig damit zu fahren, und die Räder schafften es, uns heile die 5 km zum Supermarkt in Jävre und auch wieder zurück zu tragen. Besonderes Highlight: ein Telefon mitten im Wald und die Räucherei im Stadthafen von Jävre. Frisch geräucherter Saibling, ein Genuss!
    Nach 2 Tagen absoluter Idylle war der Wind, und auch wir bereit zur Weiterfahrt.
    Ziel: Furuögrund. Ein Hafen, wo es für uns nur einen geeigneten Liegeplatz gibt.
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  • Midnightsail nach Furuögrund

    Jun 23–25 in Sweden ⋅ ☁️ 17 °C

    Schön, dass uns mitten in der Nacht wieder ein überraschend süßer Hafen erwartet. Momentan ist es so, dass wir immer nur am Abend und nachts die gut segelbaren Winde haben. Und tagsüber die andere Richtung, oder nix. So verlassen wir Sandholmen gegen 18 Uhr und legen in Furuögrund kurz vor Mitternacht an. Da es “nachts” lediglich dämmert und eine gute Sicht herrscht, ist das für uns gut zu bewältigen. Regnet es tagsüber, ist es nachts sogar heller als am Tag 🤪. Das bringt einen völlig durcheinander.
    In Furuögrund haben wir zum einen das Glück, dass der einzig für uns in Frage kommende Liegeplatz frei ist. Und zum anderen, dass am Abend noch ein Konzert stattfindet. Irish folk, traditionelle Shantis und Seemanslieder zum mitschunkeln, klatschen und summen.. Die Texte kennen wir leider nicht, schon gar nicht die schwedischen. Immerhin können wir nach dem zweiten Bier den Ortsnamen besser aussprechen. Hier in Furuögrund leben wir in den Tag hinein, sammeln Wildkräuter und essen frisch geräucherten Fisch. Damit wir uns nicht umgewöhnen brauchen, verlassen wir auch Furuögrund wieder am späten Nachmittag. Unser Ziel Ratan liegt 65 sm entfernt. Kann mich daran erinnern, dass wir früher auch mal hin und wieder durchgemacht haben. Aber ich glaube, dass hatte andere Gründe.
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  • In Ratan rattert unser Motor

    Jun 26–30 in Sweden ⋅ 🌬 17 °C

    Bevor ihr darüber nachdenkt: nein, die Rattan-Möbel kommen nicht von hierher. Wir konnten hier nicht einmal ein einziges derartiges Möbelstück entdecken. Dafür ein kleines, ja ein bisschen shabby, aber heimeliges Paradies. Schön versteckt hinter einer Insel und somit sehr schön geschützt nach allen Seiten. Hier hat sich im 19. Jahrhundert eine ganze schwedische Armada mit rund 200 Schiffen, versteckt, um bei Morgengrauen die russischen Truppen anzugreifen. Die Schlacht von Ratan. Nachdem bei diesem Angriff leider auch das ganze Dorf in Schutt und Asche gelegt wurde, sammelten die Offiziere der Schiffe am nächsten Tag Geld, um dieses dann den Fischern für den Wiederaufbau in die Hand zu drücken. Fernab von allen Krisenherden genossen wir unsere Zeit hier in Ratan mit schlafen, sammeln, Gewitter abwettern, mit dem Dingi der Nachbarn die Insel besuchen und Reste essen. Zumindest die ersten Tage. An unserem 30. Hochzeitstag (!) beschlossen wir, uns am Steg nach vorne zu verholen, damit wir dort bequem tanken können. Also Maschine an und gemütlich paar Meter vor fahren. ‘Sag mal, klingt unser Motor immer so?” Die Antwort lautete: Nein. Definitiv nicht. Klang eher nach einer Harley Davidson im Leerlauf oder einer 8 Liter Maschine eines Chevrolet Straßenkreuzers an der Ampel… Nicht aber nach einem Volvo Bootsmotor. Ein Blick über die Reling an Backbord - und Schei…., kein Kühlwasser kommt aus dem Abgassystem. Das ist ganz ganz schlecht. Also schnell Festmachen, Motor aus und Ursachensuche starten. Die war schnell gefunden. Ein Blick auf den Impeller, also das Innenleben der Kühlwasserpumpe und alles war klar. Total im Eimer. Wie verdammt nochmal konnte das sein? Der Motor war in der Werft erst im Januar gewartet worden. Da hätte das defekte Teil doch auffallen müssen. Das haben wir bis heute nicht geklärt. Naja, der Rest unseres Jubiläums war schrauben, Wasser aufwischen, bangen und letztendlich Jubel. Erstaunlich, wie glücklich einen ein Strahl Wasser machen kann, wenn er aus der richtigen Öffnung kommt. Am Abend haben wir dann erfolgreich - und sehr abenteuerlich - getankt. An einer Pumpe im Schrank aus dem 50er Jahren. Egal, Diesel ohne Bioanteil, da schlägt Boaties Herz höher. Wir waren bereit fürs nächste Abenteuer, oder besser vielleicht für einen ganz normalen Segeltag.Read more