• Sundsvall

    Jul 9–12 in Sweden ⋅ ☀️ 22 °C

    Da wir in diesem Jahr lediglich eine Kühlbox haben, müssen wir öfters einkaufen. Unser Kühlschrank wurde zwar in Stockholm repariert und hat jetzt doch seit Wochen leider kein Kühlgas mehr.. Im letzten Jahr hat unser Kühlschrank nach dem Auffüllen des Kühlgases die ganze Saison durchgehalten und in diesem Jahr lediglich einen Monat. Im Grunde klappt das mit der Kühlbox ganz gut, wir haben ja bislang keine so heißen Temperaturen wie in Deutschland.

    Aber der wichtigste Grund Sundsvall anzulaufen ist der Bootsaustatter Hjertmanns. Dort bekommen wir z.B. Teile für einen neuen Bullenstander, einen neuen Bootshaken, einen neue Curryklemme für unsere Großschot, eine noch fehlende Seekarte und diverse Schäkel. Wir waren rundum zufrieden. Dank der guten Beratung haben wir jetzt einen Bullenstander bei dem uns der Baum auch bei rauhem Seegang nicht um die Ohren fliegt.

    Und ja, die Stadt hat uns auch sehr gut gefallen. Sundsvall gehört zu den architektonisch faszinierendsten Städten Schwedens. Auf den ersten Blick wirkt sie für nordische Verhältnisse wirklich ungewöhnlich: breite Straßen, repräsentative Plätze und monumentale Steinhäuser erinnern eher an Wien, Rostock oder Berlin als an eine typische schwedische Holzstadt. Ich meine auch den einen oder anderen gotischen Baustil zu entdecken.

    Der Grund dafür ist ein einschneidendes Ereignis: der große Stadtbrand vom 25. Juni 1888. Fast das gesamte damalige, überwiegend aus Holz gebaute Stadtzentrum wurde zerstört. Anschließend entschied man, die Innenstadt vollständig aus Stein wieder aufzubauen, um künftige Brände einzudämmen. Dank des Reichtums der örtlichen Sägewerks- und Holzindustrie konnten renommierte Architekten engagiert werden. Innerhalb weniger Jahre entstand die sogenannte „Stenstan“ (Steinstadt) – heute eine der am besten erhaltenen Stadtanlagen des späten 19. Jahrhunderts in Schweden.
    Der herrschaftliche Baustil entstand aus dem Selbstverständnis der damaligen Unternehmerelite. Die reichen Holzbarone wollten ihren Wohlstand sichtbar machen und ließen Gebäude errichten, die eher an Stadtpalais als an gewöhnliche Wohnhäuser erinnern.

    Nur im Stadt=Hafen ist der Reichtum oder die Liebe fürs Detail nicht angekommen. Wir können auch gut mit quadratisch, praktisch, gut umgehen. Aber auch das war der Gasthafen nicht. Eher lieblos, ungepflegt und gerne auch dem Schwell ausgesetzt. Als Krönung ragte eine Holzlatte, vielleicht der Rest eines Stegs gerade so aus dem Wasser, dass man sie noch erkennen konnte. Gut, dass wir beim Anlegen nicht mit dem Ruder dagegen gefahren sind. Und wie es heutzutage in Schweden ist, gibt es auch hier keinen Hafenmeister. Nur eine App oder Website über die man bezahlt. Also sind wir sehr froh, dass wir alles schnell erledigen konnten und nach 3 Nächten schon wieder weiter segeln zu können. Gut, dass wir da waren. Sundsvall ist sehen- und liebenswert. Aber wenn ihr auch mal vorbeischaut, dann nicht mit dem Boot, irgendwie anders, Flugzeug, Helikopter, Zug, was auch immer.
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