• Warum wir in Kalmar überwintern

    Aug 26 – Sep 9 in Sweden ☀️ 21 °C

    Die letzten Wochen waren in vielerlei Hinsicht besonders intensiv und jetzt wo sich die Saison dem Ende neigt, sinkt unser Energielevel.
    Anfang August war unsere Tochter und kurz danach unsere Nichte für eine Woche zu Besuch. Das war herzerfüllend schön und hat unserem Energielevel einen ordentlichen Schub gegeben.
    Im Hintergrund bahnt sich allerdings schon seit einiger Zeit eine Krise an. Je näher wir unserem Ziel in Deutschland kommen, umso bewusster nehmen wir unsere Krise wahr.
    Wir sind satt vom Reisen und hinterfragen immer öfter unser Konzept des unterwegs seins.
    Gefühlt werden die Bedingungen schwieriger und emotional sind wir angeschlagen.
    Nachdem wir eine Woche lang in Kalmar festhängen und uns klar wird, dass es wohl eine weitere Woche dauern wird, sinkt unsere Stimmung weiter. In der zentralen und südlichen Ostsee tobt eine Starkwind/Sturmserie. Es gibt zwar immer wieder für einen oder zwei Tage eine Lücke, in der wir weiterfahren könnten, aber gefühlt ist das lediglich eine Verschlimmbesserung, da wir in den schwedischen Häfen südlich von Kalmar direkt dem Zentrum der Starkwindserie ausgesetzt sind. Und darauf haben wir keine Lust. Laut den Prognosen kommt hier im Sund noch am wenigsten an. Das macht uns insofern etwas Sorge, da der Zeitkorridor für die letzten 300 sm nach Neustadt zu kommen, immer kleiner wird. Gute 1440 Seemeilen haben wir in diesem Jahr bereits zurückgelegt und bei den letzten 300 sm haben wir keine Energie mehr. Ironisch irgendwie.
    Wir stellen uns weiter die Sinnfrage und unsere Gefühle fahren Achterbahn.

    Das Blatt wendet sich, als wir bei der Baltic Marina in Kalmar wegen einem Winterliegeplatz anfragen und es tatsächlich für unsere Ahyoka noch ein Platz gibt. Das ist eine freudige Überraschung und kurzentschlossen wie wir sind, krempeln wir unsere Pläne komplett um und ja, wir überwintern in Schweden.
    Müde von der Reise und voller Sehnsucht nach einem anderen Alltag , das alles macht uns die Entscheidung leicht. Wir brauchen definitiv einen Tapetenwechsel.
    So sind die ursprünglich gebuchten Züge schnell storniert, und neue gebucht. In wenigen Tagen ist die Rückreise aus Schweden komplett neu organisiert, sind die Segel abgeschlagen und das Boot bereit zum Einwintern. Während wir das schreiben, sitzen wir bereits im Zug Richtung Kopenhagen und die Segelsaison ist plötzlich für uns zu Ende.
    Ist das nicht komisch: Obwohl alles gut läuft, fahren wir mit etwas gemischten Gefühlen nach Hause.
    Haben wir aufgegeben, weil wir es nicht zu Ende gebracht haben ? Und wer sagt denn überhaupt, wann etwas zu Ende ist, und wo? Und warum können wir das nun nicht einfach genießen und uns freuen? Vermutlich sind wir einfach müde und brauchen einfach nur Abstand. So machen wir zwei Schritte zurück und bewundern die letzten 5 Monate von etwas Distanz und in der nächsten Saison sehen wir dann weiter.
    Kurzer Nachtrag: auf dem Weg nach Hause haben wir die Saison dann doch noch mit einem großartigen Segeltag beendet. Spontan, mit dem Boot von Freunden aus der Nähe von Kopenhagen, mit schönen 7 bis 8 Knoten auf dem Isefjord, mit wunderbarem Blick ins Kattegat. Uih, war das geil. Und so was von verdient.
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