• Kolumbien ruft

    December 3, 2025, Karibisches Meer ⋅ ⛅ 27 °C

    Entgegen meinem ursprünglichen Plan erst am Nachmittag den Anker zu lichten starteten wir schon am Vormittag um neun Uhr Richtung Behörden, und das sollte sich noch als sehr wichtig erweisen. Aber nun der Reihe nach.
    Die Offiziellen waren heute ausnehmend freundlich, und nach einer halben Stunde hatten wir alle Formalitäten bei Zoll und Immigration schon erledigt. Bei geringen Wind setzten wir das Groß und wollten wenig später noch die Genua dazuholen. Aus diesem Plan wurde aber leider nichts. Der Wind kam nämlich ziemlich achtern, und so hätte das Groß die Genua nur abgedeckt. Also blieb es beim Groß als einzigem Windantrieb, wir hatten eh genug Fahrt, da uns die Strömung kräftig anschob. Schade war nur, dass das Segel fast die ganzen Solarzellen abdeckte, und wir so recht wenig Strömlinge in unsere Akkus leiten konnten. Glücklicherweise hatte ich aber schon am Morgen für eine Stunde Strom mittels Generator und Wasser mittels Watermaker produziert.
    Nach dem Kaffeetrinken tauschte ich dann das Groß gegen die Genua ein. Das war offenbar etwas zu früh, da wir doch mit der Genua weniger Fahrt machten, und Sonnenertrag kam auch kein wesentlicher mehr rein. Im Nachhinein ist man halt immer schlauer…
    Plötzlich klingelte bei Doris das Handy. Judith vom Marinaoffice Varadero von Aruba war dran und erkundigte sich, ob wir noch in der Marina seien. Der Zoll habe ein Problem mit unserem großen Paket mit dem reparierten Segel, und er müsse es noch einmal einkassieren. 😳😳. Wir machten ihr dann aber klar, dass wir schon seit Stunden unterwegs nach Kolumbien waren. Nach einer hitzigen Debatte auf Spanisch, die wir am Telefon mitverfolgen konnten, einigten sich die Parteien, dass wir drei Photos an Judith schicken mussten: Vom Paket, das noch ungeöffnet im Cockpit lag, von der Rechnung und dem Barcode auf dem Paket. Wir konnten unsere Reise zum Glück weiter fortsetzen. Auf meine spätere Nachfrage an Judith per Whattsapp, was denn los gewesen sei, kam heraus, dass DHL unser Paket vor der Auslieferung an die Marina und somit an uns dieses noch bei der Zollstelle Barcadero, wo wir ausklariert hatten, hätte vorbeibringen sollen. Das kam gar nicht in die Tüte. um nichts in der Welt wären wir wieder umgekehrt, lieber hätten wir einen „plötzlichen Motorschaden gehabt“. Wir beruhigten uns wieder und waren echt dankbar, dass wir tatsächlich schon weit weg waren…

    Kurz bevor die Sonne unterging, bemerkte ich dann etwas neben mir im Wasser. Bei genauerem Hinsehen konnte ich einen Delphin erkennen, und richtig, vor unserer Vitila schwamm eine ganz Delphinschule. Es mögen über 20 Tiere gewesen sein. Ein tolles Schauspiel, immer wieder schön.
    Die Nacht lief dann relativ entspannt. Ein Squall zog direkt über uns hinweg, einer knapp vorbei. Da wir schwachen Wind hatten, war dies aber kein Problem, da sich die kurzfristige Windzunahme, die ein Squall plötzlich heranführen kann, dann in Grenzen hält.
    Am nächsten Tag setzten wir nach dem Frühstück unser Levante. Zum Glück ist dieses wieder einsetzbar, denn bei diesen schwachen Winden wären wir sonst überhaupt nicht vorangekommen. Einige Squalls zogen wieder links und rechts vorbei und sorgten für ständige Winddreher, und ich musste dadurch immer wieder das Segel neu trimmen und den Kurs korrigieren. Am Nachmittag beruhigte sich dass Wetter, der Wind wehte aber weiterhin schwach. Nach dem Kaffeetrinken bekamen wir wieder netten Besuch von der Delphinschule.
    Diese Vorstellung wurde aber plötzlich durch ein Glockengeläut unterbrochen. Es war die Signalklingel am Gummi unserer Angelschnur. Ein Fisch hatte angebissen und diesen Gummi gespannt. Und wie es schien ein größeres Exemplar, denn der Zug war gewaltig. Ich ließ den Fisch eine Weile kämpfen, bevor ich versuchte, ihn ans Boot anzunähern. Lange Zeit kam er nicht an die Wasseroberfläche hoch, und ich hatte richtig zu arbeiten. Als er dann doch oben war, konnte ich einen Tuna erkennen, ziemlich groß. Leider befreite dieser sich dann durch ein paar kräftige Schläge von unserem Haken. Nichts mit Fischsuppe oder Fischsteak. Aber der Köder befand sich noch an unserer Schnur und steckte damit nicht im Fischmaul, das ist immer beruhigend.
    Die ganze Zeit schwammen und spielten weiterhin Delphine neben uns, ich hatte echt Sorge, dass sie selbst in den Haken beißen könnten. Dafür sin sie aber wohl zu klug.
    Eine Stunde später wieder Glockengeläut. Diesmal war es nicht so ein Brocken, ziemlich schnell bekam ich das Schuppentier ans Boot. Es war ein echter Bonito, eine Art Thunfisch. Petri Heil!
    Da in der Nacht der Wind stärker werden sollte, entschlossen wir uns, das Leichtwindsegel mit dem Sonnenuntergang herunterzuholen, und uns stattdessen in der Nacht mit der Genua zu begnügen. Das kostete uns zwar einiges an Meilen, aber ein zerrissenes Segel wollten wir kein zweites Mal riskieren. Die Nacht verlief ruhig, ein einziger größerer Squall zog an uns vorbei. Der Wind frischte allerdings wie vorher angekündigt auf, und es war gut, das Leichtwindsegel noch im Hellen geborgen zu haben

    Der nächste Morgen begann mit einem Segelmanöver: Dass Großsegel musste hoch. Der Wind fiel jetzt seitlicher ein, und damit ergab dies Sinn. Außerdem hatten wir noch über 100 NM vor uns bis zur Bucht von Santa Marta. Ich wollte so viel wie möglich Strecke im Hellen machen, da einiges an Unrat vor der Küste herumschwimmen soll, insbesondere werden riesige Äste und Baumstämme durch die Flüssen ins Meer hinausgespült, und damit will man ja nun wirklich nicht zusammenstoßen.
    Wir kamen gut voran, aber ob wir es noch im Hellen schaffen würden, ich hatte so meine Zweifel. Dazu kam noch, dass die Windvorhersage, im Gegensatz zu gestern, Wind bis zu 32 Ktn am Kap vorhersagte. Was soll’s, jetzt hieß es möglichst rasch vorankommen. Die Ankerbucht soll ja laut Peter ganz guten Halt bieten und nicht so schwierig sein. Bis gegen drei Uhr kamen wir gut voran, dann drehte der Wind achterlich, und ich musste ein Segel reinnehmen, da ich kein Schmeterlingssegeln (Genua auf der einen Seite und Groß auf der anderen) riskieren wollte, Wind und vorhergesagte Wellen luden nicht dazu ein.

    Etwa 10 Meilen vor dem Kap stieg dann der Wind wie vorhergesagt auf bis zu 32 Ktn an, und wir kamen auf einmal schnell voran. Die Zeit, die wir in der ersten Nacht verloren hatten, konnte ich aber nicht aufholen. Mit dem Sonnenuntergang erreichten wir die Isla de La Aguja. Hier ließen Wind und Welle merklich nach. Um 18:30 Uhr erreichten wir die Bucht von Santa Marta. Es war inzwischen stockdunkel geworden, aber die Lichter der Stadt reichten aus, um den Anker sicher fallen zu lassen.
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