• Minca - Aussteigerdorf in den Bergen ?

    December 15, 2025 in Colombia ⋅ ⛅ 26 °C

    Wenige Tage später zieht es uns nach Minca hoch, 630 m über dem Meeresspiegel. Da es nur 45 min. von Santa Marta mit ordentlicher Bergauftendenz liegt, nehmen wir uns wieder ein Taxi. Dieses setzt uns Mitten im Ort ab, den Rest des Weges zum Eco-Hotel „Ecohabs“ müssen wir bergauf laufen. Ehrlich gesagt besteht das Dorf auf 4-5 sich im Ortskern kreuzenden Straßen und einer kennzeichnenden kleinen Brücke. Unaufgeregt. Unerwarteterweise recht wenig touristisch. Überall stehen „Motos“, Motorräder, herum, die man für Ausflüge mieten, oder mit denen man sich als Transportmittel wohin fahren lassen kann. Unsere Hotel-Hütte im Wald fällt recht hübsch aus, total aus dicken Bambusstämmen gefertigt, mit Terrasse und Stühlen draußen, umgeben von viel Grün mit Vogelgezwitscher. Das Bett ist wieder eingehüllt in ein Moskitonetzt. Sicher sinnvoll, da es keine Fensterscheiben, sondern nur Fliegengitter gibt. Nach oben zum Giebel ist allerdings vieles ganz offen, so dass sich wahrscheinlich nur „dumme“ Mücken abhalten lassen. Ich überprüfe gleich, ob diesmal Wasser aus der Dusche kommt…. Es kommt, mittelmäßig viel. Das Restaurant ist eine Bambushütte woanders im Wald, durch einen schmalen Fußweg bergab/bergauf erreichbar. In Minca geht irgendwie alles bergauf/bergab 😄.
    Am ersten Nachmittag absolvieren wir sogar noch eine Wanderung. Wie zu erwarten bergauf auf der z.T. feuchten und matschigen Schotterstraße. Es gefällt mir gar nicht. Als Ziel hat Uwe einen Waserfall mit idyllischem Café ausgesucht. Als unterwegs ein Bachlauf durchquert werden muss, streike ich. Mein Bein ist ja noch gewickelt, und ich müsste die Binden dafür abnehmen. Dazu habe ich keine Lust.
    Uwe watet also alleine durch zu Wasserfall und Gaststätte, ich ruhe mich ein wenig aus. Auf dem Rückweg kehren wir in einem anderen tollen Café ein „la Veranda“. Hier ist für uns eine „natural Lemonade“, typisch für Kolumbien, echt eine Offenbarung: Sie wird aus Limetten, Wasser, etwas Zucker und crushed ice hergestellt. Zusammen mit 2 Café con leche und 2 Riesen Schokoladenkuchen beläuft sich die Zeche auf 15 Euro. Unglaublich.
    Am nächsten Tag bin ich mehr auf Exkursionen bergauf eingestellt, und wir laufen einige Kilometer bis zum Wasserfall „Oigo el Mundo“. Ganz nett aber nicht überwältigend. Uwe entdeckt hier ein unscheinbares Schild zu einer Kaffee- und Kakaofarm, laut Internet heute geschlossen…. Wir klettern hoch- und der Familienbetrieb hat doch geöffnet. Der Vater, mit einer Indigenen verheiratet, erzählt uns sein Leben und zeigt uns nebenbei die Schritte der Verarbeitung der Kaffeebohnen, die hier noch sehr traditionell ist. Der Sohn führt vor, wie die traditionellen, hier überall angebotenen Taschen, die „Mochillos“ gefertigt werden. Danach stellt er für uns eine frische Kakaopaste aus getrockneten und fermentierten Kakaobohnen her, mit der man selbst unter Zugabe von Zucker ein Stück Schokolade kneten kann. Es gibt außerdem Café und Zimtschnecken. Abgerundet wird der Tag durch einen Walk durch die Pflanzenvielfalt der Plantage, die familiär betrieben wird und noch keine Monokultur ist. Auf dem Rückweg landen wir bei einem netten Mexikaner zum Abendessen.
    Danach schaffen wir es noch, für den nächsten Tag ein Quad zu mieten. Uwe hatte es am Straßenrand schon morgens stehen sehen… Sowas liebt er doch! Wir mieteten es für den gesamten nächsten Tag mit Guide- mit Anzahlung und einem Handschlag.
    Der junge Typ, der es vermietet hatte, machte auch unseren Guide, er fuhr mit dem Motorrad voran. Gott sei Dank hatten wir den Guide dazugebucht… Die Wege waren zum Teil sehr unwegsam, und alleine hätten wir uns dort nie entlangfahren trauen. Nachdem wir auf z.T. noch Teerwegen den höchsten einigermaßen gut erreichbaren Ort, la Tagua, besucht hatten - mit einer kleinen Jause, touristisch war nix los - ging es auf dem Rückweg noch 2 Stunden auf tief vom Regen ausgewaschenen Nebenwegen und Umwegen zurück nach Minca. Uwe kam dabei voll auf seine Kosten, musste steil bergauf und bergab manövrieren. Die Konzentration war extrem gefordert, und am Ende taten ihm die Hände ordentlich weh. Ich klammerte mich nur an ihm fest, und schloss bei Bedarf die Augen, wenn es mir zu waghalsig wurde. Einmal stieg ich kurz ab aus Angst. Das Motorrad kam hier erstaunlicherweise viel besser voran, es braucht ja immer nur e i n e Fahrspur. Im traumhaften Berghostel „Sierra Minca“ genossen wir unterwegs noch einen Kaffee mit Ausblick. Auch den Pool hätten wir nutzen können.
    Bevor wir uns am nächsten Nachmittag mit dem öffentlichen Bus, der natürlich noch billiger war als ein Taxi, nach Santa Marta aufmachten, besuchten wir noch einen lokalen Kochkurs von der Schweizerin Anja, die hier das erfolgreiche Business „ Stay and Spanish“ gegründet hat. Wir lernten dort einige Tricks des Faltend und Füllens von Empanadas kennen und verspeisten am Ende mit der netten Gruppe unsere Kunstwerke.
    Halt, beinahe hätte ich noch was vergessen: Um 7.30 absolvierten wir in der idyllischen Anlage vorher unsere erste Yogastunde. Der Lehrer Jeremias kam wie man sich ihn vorstellt: weite Hose, lange Haare mit buntem Tuch um den Kopf und sehr gelenkig. Tapfer machten wir alles mit. Mit leiser Musik und Räucherstäbchen, inmitten von Vogelgezwitscher geht es doch viel einfacher, es machte sehr viel Spaß. Ein echter Aussteiger, der vor 3 Jahren von den USA mit Kind und Kegel nach Minca übersiedelte. Es gibt sehr viele Yogasngebote hier, Kochkurse, Wandern, Basteln…. Es hat schon ein besonderes Flair dieses Minca. Und hat längst nicht so viele Touristenverkaufsstände, wie wir sie an anderen Locations noch antreffen würden 🫣.
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