• Comuna 13, Piedra de Peñol und Guatapé

    December 30, 2025 in Colombia ⋅ ⛅ 22 °C

    Unsere Tour durch die berühmt-berüchtigte Comuna 13 begann am nächsten Tag an einer Metrostation im Viertel Poblada um 14.00 Uhr. Die Zeit bis dahin wollten wir mit einem Spaziergang durch unser Viertel Laureles hin zum Museum de Antiochia am Botero Platz verbringen. Auf den 7 km kamen wir durch 2 winzige aber nette Parks, an hübschen Wohnhäusern aber auch städtischen Gebäuden und unzähligen einladenden Gaststätten vorbei. Alles war sehr sauber. Wir konnten auch die „Recicladores“ bei der Arbeit beobachten: Sie sammeln gegen kleines Geld (5-10 Dollar pro Tag) mit ihren Ziehwägen Metall, Pappe oder Plastik und liefern es an Recyclinghöfen ab. Sie sind teilweise organisiert und gesellschaftlich anerkannt. In einigen steilen Vierteln ersetzen oder ergänzen sie Müllwagen, die dort oft gar nicht hinfahren können.
    Leider reichte die Zeit nicht mehr für das Museum, aber der Figurenpark von Botero entschädigte etwas.
    Fernando Botero (1932–2023) war der bekannteste kolumbianische Künstler, er arbeitete als Maler und Bildhauer. Berühmt wurde er mit seinem unverwechselbaren Stil von voluminösen („aufgeblähten“) Figuren, die oft fälschlich als „dick“ angesehen werden. Ihm selbst ging es wohl mehr um das Spiel mit Formen und Volumen.
    Nach einer kurzen Seilbahnfahrt zu einem Aussichtspunkt rüber ins Viertel Comuna 13 brachte ein Kleinbus unsere Gruppe hoch in die Comuna 13.
    In den 1980er–90er Jahren war das Viertel von Guerillas, Paramilitärs und Drogenbanden kontrolliert, u.a. weil es einen strategisch wichtigen Fluchtkorridor aus der Stadt bildete. In einem Höhepunkt der Gewalt wurden 2002 in einer Militäraktion unzählige Menschen im Viertel getötet oder verschleppt. Niemand wollte danach mehr dort wohnen.
    Ab den 90er Jahren kam es infolge erfolgreicher Politik zu einem langsamen Wandel durch staatliche Sozialprogramme und verbesserte Infrastruktur. Symbolisch dafür sind die MetroCable, Kunst, Graffiti und die Rolltreppen (2011). Das Viertel steht aber heute auch für die Ambivalenz zwischen Tourismus und ungelösten sozialen Problemen.
    Der Tourismus schlug auch voll über uns zusammen… Die zentralen Gässchen und natürlich die lange Rolltreppe über 6 Etagen waren ziemlich überfüllt, und unser Guide hatte alle Hände voll zu tun, seine „Kükenschar“ zusammenzuhalten. Jedes der übereinandergestapelten Häuschen verkauft irgendwas an Souvenirs oder Essen. Wir bekamen ein lokales Eis, eine tolle Breakdance Show und ein kleines Abendessen von Kurzgebratenem. Ganz oben gelangten wir an das Rondell der Graffiti Bilder von den angesagtesten Künstlern, zu jedem konnte unser Guide was erzählen. Da allmählich die Dunkelheit hereingebrochen war, bekamen wir beim Abstieg sogar noch was vom Nachtleben mit, und die Graffitis mit z.T. Neonfarben leuchteten toll.
    Mir war es insgesamt etwas zu viel Trubel, aber man muss es wohl gesehen haben wenn man schon dort ist.
    Unser letzter Tag war ein Ganztagesausflug nach Guatapé, ein berühmtes Dorf etwas außerhalb, gut eineinhalb Stunden Anfahrt mit großem Reisebus. Nach einem Zweitfrühstücksstopp schaukelte unser Gefährt auf den Parkplatz vor dem 200 Meter hohen Monolith La Piedra de Peñol aus Granit. Eineinhalb Stunden hatten wir zum Aufstieg nur Zeit, und wir machten uns gleich dran. Erst noch eine kurvenreiche Straße hochlaufen, Ticket gelöst und ab durch die Schranke. 720 Stufen lagen vor uns, so viele wie zur Turmspitze des Ulmer Münsters. Mir war schon etwas bange gewesen. Aber das Wetter hier oben war ja nicht so heiß, und es kam durch die vielen Menschen immer wieder zum Stau auf der Treppe (= Ausrasten), so dass es gut schaffbar war. Der rundum Ausblick oben über den Guatapé Stausee war wirklich grandios. Dieser Stausee wurde in den 70er Jahren geflutet zur Elektrizitäts-
    gewinnung. Nicht alle Bewohner der überschwemmten Dörfer wurden wohl angemessen entschädigt oder umgesiedelt.
    Im Dorf Guatapé angekommen gab es etwas Freizeit zum Herumschlendern. Typisch und originell sind hier die Sockel der Häuser, die ursprünglich gegen Hochwasser angebracht worden waren. Sie wurden später mehr und mehr mit Mustern verziert, die mit der Person des Bewohners oder dem Gewerke zu tun hatten. Diese Tradition wird bis heute fortgeführt und hat das Dorf zur Touristenattraktion gemacht. Also, wenn man hier umzieht, oder nach einem Metzger ein Schreiner einzieht, muss man nicht nur das Namensschild wechseln, sonder das Relief der unteren Hauswand abklopfen und erneuern 🤣.
    Wir fanden etwas erschöpft ein süßes winziges Café für unseren Nachmittagsstopp. Zuletzt durften wir noch mit einem kleinen Ausflugsboot den Stausee befahren, was auch sehr interessant war. Reiche Medelliner haben hier am Seeufer ihre Villen stehen. Die Fahrt reichte bis hin zum - inzwischen halbverfallenen - Landhaus des Pablo Escobar. Damit schloss sich für uns irgendwie der Kreis.
    Zurück in Medellin, natürlich im Dunkeln, hatte Uwe für unseren letzten Abend etwas ganz Bedonderes herausgesucht: Wir speisten in einem noblen Dachterassen-Restaurant mit Rundum Ausblick auf das nächtlich beleuchtete Medellin. Ein Traum - auch bezogen aufs Essen.
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