Unsere Zeit läuft ab
7. januar, Karibisches Meer ⋅ 🌬 27 °C
Nach vier Wochen in Kolumbien lief unsere Zeit in der Marina von Santa Marta ab. Am 5. Dezember angekommen, hatten wir bis 04. Januar gebucht und dafür einen sehr guten Rabatt erhalten, incl. Gebühren für den Agenten, der unsere Einreise organisiert hatte. Das Problem, an jedem weiteren Tag den wir blieben, würde der volle Preis fällig werden, anstatt 35,~ $, wären dann 90,- $ zu zahlen. Da mag manch Einer denken, dann fahrt doch einfach los und alles ist gut. Aber so einfach ist es leider im Seglerleben nicht. Im Bereich der Marina von Santa Marta erhebt sich ein hohes Gebirge, wodurch bei Ostwind eine sehr starke Winddüse entsteht. Aus 25 Ktn Wind werden dann mal schnell knapp 40 Ktn incl. der dann zugehörigen Wellen bis zu 3 m. Das Problem, es herrscht fast immer Ostwind…!
Die Lösung für uns deutete sich an: Pünktlich zum 5. Januar drehte der Wind für 3 Tage auf Nord und die Düse ließ nach. Unsere Freunde von der IP hatten die gleiche Idee und verließen am 4. Januar gegen Mittag den Hafen, um ebenso wie wir in der Bucht vor Santa Marta vor Anker zu gehen. Vorher hatten wir natürlich noch im Marinabüro ausklariert, mit einiger Wartezeit, wie das in der Karibik so üblich ist, aber immer höflich und zuvorkommend.
Der Nachmittag und der Abend in der Bucht hatten es aber noch einmal in sich: Ständig fuhren Partyboote links und rechts an uns vorbei mit ohrenbetäubend lauter Musik, und deren Wellen ließen unsere Kats nach deren Takt tanzen. Die Musik ging bis in die frühen Morgenstunden.
Das war dann auch der Grund, warum aus der geplanten Abreise um 6:00 Uhr ein vorgezogener Frühstart um 3:00 Uhr wurde. Ich wachte nämlich ungewöhnlicherweise von der Musik auf, und da ich nicht mehr einschlafen konnte, verständigte ich mich mit Doris, sie war mit dem Start im Dunkeln auch einverstanden. Ein paar Gewissensbisse hatte ich gegenüber Peter und Iris, da wir gemeinsam am Morgen hatten starten wollen, aber letztlich ist jeder selbst für sein Boot verantwortlich, und 315 sm waren eine lange Strecke für 2 1/2 Tage.
Mitten in der Nacht ging also der Anker hoch, und wir verließen die Bucht. Erstaunlicherweise bekamen wir nach einer halben Stund schon schönen seitlichen Wind von über 10 Ktn. Das hatten wir so nicht erwartet, der Wetterbericht hatte anderes verkündet. Also Genua raus, und so kamen wir zusammen mit dem Motor auf hübsche 6,5 Ktn gegen die Strömung. Mit der ersten Morgendämmerung weckte ich dann Doris, um das Groß dazuzunehmen. Ich hatte ihr versprochen, dies nicht allein in der Dunkelheit zu tun.
Wir waren schon eine Weile unterwegs, die Strömung lief inzwischen mit uns - auch entgegen der Vorhersage - und das Wasser zeigte nicht das typische Blau, eher milchig grün bräunlich. Wir bewegten uns im Mündungsgebiet des Rio Magdalena, bewusst passierten wir das Kap in weitem Abstand von 15 sm, da bei starkem Regen öfters ganze Bäume vom Fluss ins Meer gespült werden. Dass die Flussströmung aber so weit draußen noch zu spüren war, unglaublich. Mit einem Mal entdecke ich am Horizont, wie sich das Wasser von schmutzig braun auf klar blau änderte, wie mit dem Messer gezogen. Genau an dieser Kante schwammen viele Grasbüschel. Das Wasser schäumte und war total unruhig. Die Strömung änderte sich von 1 Ktn mit uns auf 0,5 Ktn gegen uns, von jetzt auf gleich. Ich bin immer wieder überrascht, welche Geheimnisse das Meer in sich birgt. Würde man doch davon ausgehen, dass sich das Wasser eines mündenden Flusses gleich mit dem Meereswasser vermischt. Nein, noch Meilen weit hinein ins Meer gibt es eine klare Trennung.
Der weitere Tag verlief ohne Probleme. Mit dem Sonnenuntergang wechselte ich vom Genakker auf die Genua. Doris kochte ein leckeres Gulasch, und so ging es mit angenehm vollem Magen in die Nacht. Hier hatten wir wieder einige Begegnungen mit größeren Schiffen, die bis auf einige sm an uns vorbei fuhren. Doris funkte eines davon sogar an, um sich zu vergewissern, dass es uns auf dem Schirm hatte. Und auch meine Nachtwache verlängerte sich, da einige Squalls an uns vorüberzogen.
Der zweite Tag war von leichtem Wind aber chaotischen Wellen geprägt. Diese waren nicht sehr hoch, rollten aber aus unterschiedlichen Richtungen heran. Nennenswerte weitere Ereignisse gab es nicht, bis auf die Entscheidung, unseren Ankunftsort weiter westlich zu verlegen, um am Donnerstg in der Shelterbay einzutreffen. Dort würden wir auch Resi und Werner wiedertreffen, die von Norden kommend am gleichen Tag ihre Ankunft planten. Würden wir noch vor Sonnenuntergang eine geschützte Ankerbucht Richtung Shelterbay erreichen? Durchfahren hätte beutet in der Nacht anzukommen. Bis zur Lintonbay könnten wir es schaffen, dann hätten wir am Donnerstag nur noch 25 sm vor uns. Check.
Abends gab es ein Meeresfrüchterisotto mit viel Parmesan, auch lecker.
In die Nacht ging es mit wenig Wind, das Leichtwindsegel ließ ich diesmal stehen. Einen kleinen Schreck bekam ich in meiner Schicht. Das Radar hatte ich auf 12 sm eingestellt, um herannahende Squalls frühzeitig zu entdecken. Übersehen hatte ich dabei, dass sich direkt neben uns ein Squall gebildet hatte. Dieser schickte aber zum Glück keine starken Windböen zu uns, und auch vom Regen blieben wir verschont. Dies war aber der einzige Vorfall in der Nacht.
Kopfzerbrechen machte mir hingegen im Weiteren der schwache Wind. Wer mich kennt weiß, der Motor geht nur im Notfall an. Auf der anderen Seite möchte ich immer gern im Hellen am Ankerplatz ankommen. Mit dem vorherrschenden Wind von 12 Ktn direkt von hinten war dies offenbar nicht zu machen. Sollte ich den Levante setzen? Die Wolken am Himmel ließen mich zögern…. Wir fuhren bis zum Frühstück noch auf Backbord, konnten aber das Ziel nicht genau anlaufen. Die Wind dreht weiter in die falsche Richtung.
Nach dem Frühstück entschied ich auf Schmetterling zu gehen, der Wind kommt dabei idealerweise direkt von hinten: Ein Segel steht auf Backbord, eins auf Steuerbord. Ein Bullenständer muss gesetzt werden, damit das Groß bei einem Winddreher nicht durchschlägt.
Dann passierte das, was ich nicht für möglich gehalten hätte: Nach einem leichten Squall nahm der Wind zu, soweit nicht ungewöhnlich. Der Wind hielt aber über Stunden an und wehte nun genau in die richtige Richtung. Da beim Schmetterlingssegeln das Spiel nach links und rechts sehr begrenzt ist, war ich gespannt, ob wir unser Ziel nun wirklich direkt würden anlaufen können.
Was mir am Morgen noch unmöglich erschienen war, wurde dann jedoch tatsächlich wahr. Wir fuhren genau bis zur Einfahrt in die Bucht von Isla Grande unter Segel und ließen um 18:00 Uhr den Anker fallen. Die Sonne näherte sich gerade bilderbuchmäßig dem Horizont.
Am nächsten Morgen ging es weiter in die Shelter Bay, wo wir gegen 12:00 Uhr eintrafen, vorbei an riesigen Frachtschiffen, die schon ein Stück vor dem Panamakanal in Warteposition ankern, und wurden von unseren Freunden Resi und Werner freudig winkend begrüßt.Læs mere















Rejsende
Unglaublich - was machen die dort?
Doris Jägerhoffentlich friedlich panameisch und nicht USA 🤣.