Durch den Panamakanal - und was dann?
8. marts, Panama ⋅ ⛅ 28 °C
Dann war es endlich soweit…. Am 2. März waren unsere Freunde Annett und Andreas aus Bitterfeld an Bord gekommen. Sie waren auch 2 unserer 4 geforderten „Leinenhandler“.
Am 3. März verließen wir die Shelterbay Marina und gingen im vorgeschriebenen Bereich der Bucht vor Anker. Unser Buddyboot, der Katamaran „Bring me the Horizon“ von Resi & Werner, lag schon dort. Am Abend saßen wir zu sechst noch ein letztes Mal zum Essen und gemeinsamen Feiern auf der VITILA zusammen.
Am 4.3., dem Starttag, holte Uwe unseren 3. Leinenhandler mit dem Dinghi ab. Es war Jonas vom Boot NIKOLA. Er wollte vor seiner eigenen Passage in 2 Wochen erste Erfahrungen bei uns sammeln.
Inzwischen ist er auch „durch“ und drüben bei uns vor der Playita Marina angekommen. Die 2 Videos zeigen euch anschaulich, was genau bei der Passage passiert (die Videos kann ich leider erst hochladen, wenn wir wieder „normales“, sprich unlimitiertes Internet haben. Also in etwa 6 Wochen….🙈).
Zur angegebenen Zeit - oder auch mit karibischem Aufschlag - bringt ein schnelles Motorboot den Lotsen, der bei kleineren Schiffen wie Segelbooten „Advisor“ genannt wird, zum Boot. Es wird so perfekt manövriert, dass der Advisor mit einem großen Schritt übersteigen kann, ohne dass die 2 Boote aneinander fixiert werden.
Nach einer halben Stunde Fahrt unter Motor, auch unter der majestätischen Atlantikbrücke hindurch, erscheint die erste der Gatun Schleusen, und die vorher bestimmte Anzahl von Segelbooten wird zusammengebunden. Dies ist je nach Wind und Wellen und Lenkkunst der Captains schon ganz schön aufregend.
Durch die 3 Gatunschleusen erreicht man innerhalb von rund 2 Stunden 29 m höher das Niveau des Gatunsees. Immer ist dabei der große Frachter vor dem Segelboot in der Schleusenkammer.
Es gibt aber auch vereinzelt Passagen mit nur Segelboot-Päckchen. Das ist zum Manövrieren vermutlich etwas schwieriger, und es mag länger dauern, bis diese alle an der Mauer „festgezurrt“ sind.
Die Kapitäne im Segler-Päckchen müssen ihre Lenkungen gut und zartfühlend koordinieren, sonst liegt die Gruppe schnell schräg, wie bei Freunden von uns kurz darauf passiert.
Auf den äußeren Segelbooten landen am Anfang der 1. Schleuse jeweils 2 Affenfäuste mit dünnen Leinen dran. Diese müssen von den Leinenhandlern mittels Palsteg an die auf dem Segelboot schon befindlichen dicken blauen Leinen gebunden werden. Unsere 2 Männer (Andreas und Jonas, von einem befreundeten Boot) fuchsten sich schnell rein: Mittels der 4 dicken Leinen, die über die dünnen Leinen nach oben gezogen werden, wird das „Päckchen“ an 4 kräftigen Pollern oben an den Seiten mittig in der Schleuse befestigt. Geht’s in den Schleusen nach oben, müssen die „Leinenangestellten“ die Taue immer wieder heranziehen und damit straffen. Beim Schleusen abwärts, wie in den 3 Schleusen im 2. Teil des Weges, müssen die Befestigungsleinen immer gefiert, also nachgegeben, werden.
Startet man in einer Nachmittagsgruppe wie wir, übernachtet man an einer Riesenboje auf dem weit verästelten Gatunsee. Seine Fleischmahlzeit verzehrte Laurence, so hieß unser 1. Advisor, in der 3. Schleuse als Abendmahlzeit. Es gab Schweinegulasch mit Nudeln und gem. Salat, es schmeckte ihm sichtlich. Nach Anlegen an der Boje im See schon in Dunkelheit wurde Laurence abgeholt. Das Leinenwerfen an die Boje muss er noch ein bischen üben 😉. Nach 3 Fehlversuchen hatte Jonas erfolgreich gezielt….
Während der Fahrt über den Gatun-See zu den Miraflores Schleusen am nächsten Vormittag standen Annett und ich wieder in der Kombüse: zum Frühstück und Mittags-Snacks zubereiten.
Als unser neu-verschnürtes Schiffspaket an der Pedro-Miguel Schleuse eintraf, begann es aus dichten grauen Wolken zu schütten. Die 4 Leinenhandler wurden pitsche-patsche nass, konnten sie doch ihre Plätze an den Klampen gerade jetzt nicht verlassen! Wieder kamen Leinen an Affenfäusten geflogen. Gerne verhedderten sich diese im Genua-Fall oder anderen Streben.
Wir befanden uns in der ersten Schleuse oben auf Gatunsee-Niveau, und der Sturm blies uns mit bis zu 25 ktn. entgegen. Aber die erfahrenen Skipper konnten die Boote gut mittig halten. Das braungrüne Wasser rauschte und gurgelte nach draussen sobald die Tore geschlossen hatten. Der Himmel klarte wieder auf, und schließlich öffnete sich in der 3. Schleuse das letzte Tor zum Pazifik, welch ein überwältigendes Gefühl!
Bis zur einzigen halbwegs vernünftigen Ankerbucht vor der Playita Marina war es nicht weit. Dann mussten wir erstmal 6 dicke Fender und 6 blaue Seilpakete mit dem Dinghi zu unserem Agenten Stanley Scott zurückbringen. Es funktionierte nur, weil Uwe 4 dicke wuchtige Kugelfender außen ans Beiboot band.
Und wer lag auch noch hier? Richtig, die MAHANA von Lutz & Jana sowie die MOMO von Volker & Carla, die wenige Tage später nachgerückt war. Mit beiden verbrachten wir noch lustige Abende, die die Freundschaften festigten. Jana ließ uns auf ihre PriceSmart Kundenkarte Lebensmittel einkaufen und „vermachte“ uns ihren Lieblingstaxifahrer Mario, der Einen von Geschäft zu Geschäft kutschiert und jeweils davor wartet. In 5 verschiedenen Supermärkten wurden wir gute Kunden, der letzte war wohl der beste 🙈, dumm gelaufen, Gefrierschrank war schon nahezu voll. Die Fahrten kosteten zwar 40-80 Euro pro Tag, meist teilten wir sie uns jedoch mit Resi&Werner.
Es war unglaublich, wieviel sich in so einem Boot verstauen lässt, ohne dass es sinkt… Ich war mehrere Male kurz davor angesichts der Berge von Einkaufstüten an Bord zu verzweifeln.
15 Tage verbrachten wir so noch in Panama City, dreimal abends in einer schönen Rooftop Bar, von wo wir die gewaltige Skyline gut bestaunen konnten.
Haben wir wirklich genug Butter gekauft? Welche Kaffeebohnen sind von guter Qualität? vlt. finden wir doch noch Sonbenblumenkerne für unser Brotbacken? (Leider nein). Am allerletzten Tag fuhr uns Mario zum Obst- und Gemüsemarkt. Dort konnten sich Resi und ich nochmal richtig austoben. Wir mussten immer einen Kompromiss zwischen gewünschter Menge an Bord und realistischer Haltbarkeit der Früchte finden.
Am Mittwoch den 18.3. segelten wir endlich zu den vorgelagerten Inseln las Perlas. 4 Tage verbrachten wir dort noch neben Resi & Werner. Leider ankerten wir vor einem sehr beliebten Strand für Ausflügler, die uns mit kleinen Motorbooten und auch großen Motorjachten von u.a. Azimut (Italien) am Wochenende umringten. Neben Musik und Kindergeschrei kreisten auch viele Jetskis um uns. Das dadurch ausgelöste Wellenschaukeln nervte mit der Zeit ziemlich. Was soll’s. Uwe tätigte noch Motorservice, tauschte Filter an Generator und Wassermacher, schaute mehrfach täglich ins Wetterrouting und räumte Werkzeug auf. Ich kochte, wischte und arbeitete am neuesten Youtube Werk, das schon die Panamakanalpassage verarbeiten sollte. Es gelang! Gestern am 23.3.26 um 12 Uhr fiel schließlich der Startschuss für die längste Pazifik Etappe zu den Gambier Inseln. Sechs Wochen kein Land sehen, in Wind und Wellen schaukeln- welch ein Abenteuer!
hier der Link zu unserem neuesten Youtube Video 😊
https://youtu.be/xsJTkOigIqg?si=9dgy0WUXPYSNMmF5
Nachtrag: für die Geschichtsfans und Bauingenieure:
Der Panamakanal wurde Ende des 19. Jahrhunderts erstmals von Frankreich unter Ferdinand de Lesseps begonnen, doch das Projekt scheiterte an Krankheiten, Technikproblemen und enormen Kosten.
1904 übernahmen die USA den Bau und setzten auf ein Schleusensystem statt eines Meeresspiegeldurchstichs.
Mit großem medizinischem Fortschritt gegen Malaria und Gelbfieber sowie gewaltigem technischem Aufwand gelang schließlich der Durchbruch.
1914 wurde der Kanal eröffnet und entwickelte sich schnell zu einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt.
Nach jahrzehntelanger Kontrolle durch die USA ging der Kanal 1999 vollständig an Panama über.
2016 wurde er durch neue, größere Schleusen erweitert, sodass heute auch deutlich größere Schiffe den Kanal passieren können.Læs mere



























Doris Jäger… weil es „Kokos-Shripms“ in der Karibik oft als (sündteure) Vorspeise gab. gib im Internet „Crevetten mit Kokospanade und Pfirsich-Relish“ ein. Rezept ist von Migusto. genau so befolge ich es. Es ist wirklich der Wahnsinn, eins der edelsten Rezepte an Bord bisher. Wenn Du es für Gäste kreieren willst, müssen es sehr sehr gute Freunde sein: die einzelne Wenderei der Crevetten in der Panade ist nicht wirklich schwierig, aber zeitraubend. Und du klebst mit Mehl, Ei und den Bröseln selbst bis zu den Handgelenken… Ein Hauch Karibik kommt auf den Tisch! ich runde es ab mit einem grünen Salat mit Mangostücken und Feta. LG
Rejsende
Das sieht ja lecker aus!😀
Doris JägerRezept bei mir erhältlich 😂. ist auch eines unserer edelsten und leckersten Rezepte auf der Vitila. Zeitaufwändig 🙈