• Pazifik - Tag 18 Stiller Ozean ?

    April 9, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    156 sm, wolkig mit Aufheiterungen, 6 - 7 Bft., 28°C

    Wer hat dem Pazifik nur den Namen „stiller Ozean“ gegeben? Ich fühle mich wie in einer Waschküche. Rings um mich brodelt das Wasser. Wenn sich eine Welle direkt am Bootsrumpf bricht, schiesst sie in hohem Bogen über unser Heck. Zum Glück haben wir seitlich eine Abdeckung aus Stoff mit Kunststofffenster, welche das salzige Ozeanwasser von unserem Sitzbereich fernhält. Seit zwei Tagen sind wir nun schon in diesem Starkwindfeld gefangen aus dem es kein Entweichen gibt. Heute soll es noch bis Nachmittag weiter stürmen, dann sollte Besserung in Sicht sein.

    Ich hab schnell mal bei ChatGPT nachgeschaut:
    Der Stille Ozean heißt so, weil ihn Ferdinand Magellan bei seiner Durchfahrt 1520/1521 nach dem Sturm um Kap Horn bzw. durch die Magellanstraße als ungewöhnlich ruhig erlebte. Er nannte ihn deshalb auf Spanisch „Mar Pacífico“, also „friedliche / ruhige See“.
    Wichtig dabei:
    Der Name ist eher ein historischer Eindruck als eine objektive Beschreibung. Der Pazifik ist natürlich keineswegs immer still oder friedlich — er kann genauso rau und gefährlich sein wie jeder andere Ozean.
    „Pazifik“ kommt also von:
    • lateinisch pacificus = friedensbringend, ruhig
    • daraus spanisch Pacífico
    • auf Deutsch Stiller Ozean

    Die Beschreibung können wir also zum Teil bestätigen. Um Galapagos herum war er uns sogar etwas zu still. Im Moment gebärdet er sich etwas zu windig, im Mittel könnte es dann ganz gut passen 😉.

    Mit Besserung war es dann doch nichts. Die Wellen türmten sich fortgesetzt 3 m hoch und der Wind reichte bis 28 kn. Die Nacht hindurch fuhren wir im zweiten Reff. Squalls waren nur wenige unterwegs, und sie haben uns auch nicht direkt getroffen. Etwas Gutes brachte der kräftige Wind doch mit sich: Wir haben einen neuen Rekord im Etmal erreicht, 156 sm.
    Nachdem vorgestern ein wohl größerer Fisch meine rosa Angelschnur komplett durchtrennt hatte und mit unserer Zahnpastatube verschwunden war, war ich zunächst zum traurigen Nichtangler geworden. Doris fand aber noch zwei vorsorglich mal aufbewahrte leere Zahnpastatuben im Badschrank. Also setzte ich mich heute hin und bastelte einen neuen Köder, diesmal wieder mit Stahlvorfach. So ging’s ja nicht, einfach die Köder stibitzen! Als alles fertig war ließ ich mein Werk gleich zu Wasser, und es dauerte tatsächlich kaum eine Stunde, und wieder konnte ich so einen stattlichen Mahi Mahi aus dem wirbelnden Wasser ziehen. Doris schüttelte zunächst sorgenvoll den Kopf, schaffte es dann aber doch, die 2 Filets noch im Froster-Tetris unterzubringen. Auch den Kopf nahm sie diesmal entgegen, und ich darf mich wieder mal auf eine Fischkopf Suppe à la Vitila morgen freuen.
    Zum Abendessen gab es aufgewärmten Mahi Mahi mit der leckeren Sahnesoße, und ein paar der Tortellini waren auch noch da.

    Doris hatte, wie meistens, die erste Wache ab 21.00 Uhr. Es verlief alles soweit normal, wenn man sich mal an das Tosen, Schaukeln und Brausen auf dem Boot, das durch die stockdunkle Nacht fährt, gewöhnt hat. Kurz vor unserem üblichen Wachwechsel um 23.30 Uhr weckte mich das Schlagen unserer Genua und Doris‘ aufgeregtes Rufen „Uwe, komm schnell mal hoch!“ Leider vergaß ich beim halbnackt Hochstürmen meine Brille unten am Bett, so dass ich Mühe hatte, auf den Instrumenten etwas zu erkennen. Was war passiert? Der Wind hatte abrupt um 60 oder 70 Grad gedreht und uns beim Segeln nach Windwinkel komplett vom Kurs abgebracht. Aus achterlichem Wind war plötzlich Segeln am Wind geworden. Doris hatte schon von Autopilot auf Handsteuerung gewechselt und war hektisch am Kurbeln, aber der Kurs blieb völlig falsch. Ich übernahm das Kurbeln am Steuerrad und spähte nach den verschiedenen Gradanzeigen und Windwinkeln. Aber der Wind spielte völlig verrückt, wir drehten uns hin und her, und eine Patenthalse ließ nicht lange auf sich warten. Die Segel bockten und schlugen. Ich behielt jedoch Ruhe und Nerven - war inzwischen auch gänzlich aufgewacht - und allmählich kehrte der Wind wieder in seine ursprüngliche Richtung zurück. Der Routenpfeil auf Navionics richtete sich wieder auf die Gambier Inseln aus, und der Autopilot durfte wieder übernehmen. Um mich nochmal hinzulegen war es aber nun auch zu spät. Das gleiche Theater wiederholte sich eine Stunde später noch einmal. Jetzt war ich aber darauf gefasst und hatte eine Brille auf der Nase 😉, konnte somit sofort den Kurs korrigieren. Die restliche Nacht lief dann alles reibungslos ohne Aufreger.
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