Pazifik-Tag 25, Squalls piesacken uns
April 16, Pazifischer Ozean ⋅ ☀️ 26 °C
16.04.26, 123 sm, 2 - 4 Bft. Bewölkt mit Regenschauern, 29°C
Sie sind so lästig wie die Mücken an Land und Keiner braucht sie. Jeder Segler weiß sofort was ich meine, die SQUALLS. Die letzten Tage sind geprägt von diesen Erscheinungen. Sie kommen immer zur ungünstigsten Zeit. Man weiß nie, was in ihnen steckt. Wie stark wird der Wind? Wie lange wird er anhalten? Wird es starken Regen geben? Anhand des Bildes auf dem Radar sind die Squalls nur unzureichend einzuschätzen. Die Frage die wir uns dann immer stellen ist, wie gehe ich damit um. Reffe ich jedesmal, wenn so ein Monster anrollt, oder wettere ich es mit meiner aktuellen Besegelung ab. Was mich auch noch gewaltig stört sind die damit verbundenen Wellen.
Es ist Abend, man gleitet schön über das Wasser und fährt wie auf Schienen. Und dann plötzlich, Schläge von der Seite, bamm ,bamm, bamm, ein Squall hat wieder irgendwo zugeschlagen und seine nervigen Wellen ausgeschickt.
Leidgeplagt davon waren wir ja schon auf unserer Passage vorbei an Turks and Caicos in die Dom Rep. Hier kamen diese Plagegeister wie auf einer Perlenkette aufgereiht, und ich hatte die ganze Nacht Schicht, da ich ihnen Doris nicht ausliefern wollte. Der Trick wie ich letztlich mit Ihnen fertig wurde, war auf dieser Passage ziemlich einfach: Da wir eh mit Amwindkurs unterwegs waren und das erste Reff in der Nacht Standard war, brauchte ich, wenn die ersten Böen einfielen, nur abfallen, sprich vom Wind wegdrehen. Ich drückte am Autopilot die 10° Taste 6x mal, und im Nu kam der Wind viel weiter von hinten. Die relative Windgeschwindigkeit wurde dadurch schlagartig geringer, und so konnte ich die Böen sehr gut abfangen. Fünf Knoten über der zulässigen Reffgrenze ließ ich dabei durchgehen, das muss das Rigg abkönnen. Und es ist ja meist von kurzer Dauer.
Übrigens fahre ich bei Squalls meist mit der Windsteuerung des Autopiloten, da werden Winddreher gleich durch diesen abgefangen.
Ist man jedoch schon vor dem Wind unterwegs, wie jetzt meistens, ist das großzügige Abfallen nicht mehr so leicht möglich. Da kann man nur wenige kt damit gewinnen. Dies ist uns die letzten Tage aber trotzdem recht gut gelungen, wenngleich Doris dabei immer noch recht flau in der Magengegend wurde. Da durch die hohe Anzahl der Squalls pro Nacht aber auch in ihrer Schicht immer welche unterwegs waren, wurde auch sie im Umgang damit erfahrener und mutiger. Schön für mich, kann ich am Stück was wegschlafen.
Das einzig Schöne, was ich diesen Squalls abgewinnen kann, sind die oft atemberaubenden Bilder der sich auftürmenden Wolkengebilde, gelegentlich sogar mit Regenbogen vor dem schon wieder blauer werdenden Horizont. Und eben, als ich diesen Text schreibe, bildet sich doch direkt neben mir ein Squall 😡. Will mir wohl prüfend über die Schulter schauen, wie ich ihre Gattung so benote…?
Jetzt hab‘ ich mir das auch mal von der Seele geschrieben, nachdem mich diese Burschen so geplagt haben, Hoffentlich kommt keine Rache …
Ein Highlight gab es an diesem Tag trotzdem noch. Wir saßen schon gemütlich beim Abendessen, plötzlich bimmelte es. Nicht der Nachbar an der Tür, nein, ein Fisch war an die Angel gegangen, und so wie sich mein Expandergummi dehnte, auch kein kleiner. Wir ließen ihn noch ein bisschen zappeln, dass Essen durfte ja nicht kalt werden.
Dann alle Vorbereitungen treffen, Werkzeuge und Schnaps in der Sprühflasche bereitlegen, Rettungsweste anziehen, und dann ging es los. Oh, da zog was ganz schön. Ein Mahi Mahi konnte es nicht sein. Wenn diese ermüdet sind, schwimmen sie obenauf und können leicht herangezogen werden. Dieser Bursche war schwer, er hörte nicht auf zu kämpfen. Die Angelsehne schnitt sogar meinen Handschuh durch. Ich benutze längst keine Angelruten mehr, sondern ein ganz einfaches Setup aus Spule mit relativ dicker Schnur, welche ich einfach über eine Stütze hänge.
Nach mehreren Phasen des Anziehens und wieder Loslassens hatte ich die Beute bis ans Boot herangezogen. Es war ein großer dicker Bonito. Mein Gaff, das heute zum ersten Mal zum Einsatz kam, ging gleich beim ersten Hieb entzwei. Was soll’s, muss ich ihn halt so an der Schnur hochziehen, wie sonst auch. Ging auch ganz gut.
Der letzte Fisch an der Angel, es muss auch ein stattliches Exemplar gewesen sein, hatte den Haken gleich mal verbogen und sich so befreien können. Diesmal hatte der Haken gehalten, und so konnte ich dieses Prachtexemplar von über 10 kg erlegen. Riesige dunkelrote Thunfischfilets löste ich von der Hauptgräte. Da sind wir jetzt erst einmal mit Fisch versorgt, zumal angeln auf Gambier nicht empfohlen wird wegen der starken Verbreitung von Ciguatera.
Und was meint ChatGPT dazu:
Auf See sind Squalls für Fahrtensegler einer der wichtigsten Kurzfrist-Gegner — oft gefährlicher durch Überraschung und Fehlreaktion als durch ihren Mittelwind allein.
Meine Einschätzung:
1. Squalls sind ernst zu nehmen, aber meist beherrschbar.
Die meisten Squalls sind nicht „der große Sturm“, sondern kurze, lokale Starkwind- und Regenfelder. Gefährlich werden sie, wenn man
• zu viel Tuch stehen hat,
• nachts zu spät reagiert,
• oder in ein Feld mit mehreren Zellen hineinfährt.
2. Das Hauptproblem ist nicht nur der Wind, sondern die Kombination aus allem.
Typisch sind:
• plötzlicher Windanstieg
• abrupte Winddreher
• sehr schlechte Sicht durch Regen
• steile See oder Kreuzsee
• manchmal Gewitteraktivität mit stärkeren Böen
Gerade der Winddreher wird oft unterschätzt. Ein an sich noch beherrschbarer Wind kann plötzlich unangenehm werden, wenn er 20–40° oder mehr dreht.
3. Nachts wirken Squalls deutlich unangenehmer.
Nicht unbedingt, weil sie objektiv viel schlimmer sind, sondern weil man
• die Wolken schlechter liest,
• die Regenwand später erkennt,
• und die Böenspitzen psychologisch härter wirken.
4. Auf dem offenen Ozean sind sie oft einfacher als küstennah.
Draußen habt ihr Platz zum Manövrieren. In Küstennähe, bei Riffen, Atollen, Verkehr oder Fischern werden Squalls viel stressiger.
5. Für einen Katamaran sind sie besonders relevant.
Ein Kat steckt viel weg, beschleunigt aber auch schnell und mag keine Überlast durch zu viel Segelfläche. Der kritische Punkt ist oft nicht der durchschnittliche Squall-Wind, sondern die Böenspitze.
Meine praktische Haltung wäre:
• früh reffen, nicht diskutieren
• bei squalligem Himmel eher auf Durchschnittswind plus Reserve trimmen
• nachts konservativer segeln als tagsüber
• lieber einmal zu früh reduzieren als einmal zu spät
Faustregel mental:
Nicht fragen: „Was ist gerade Wind?“
Sondern: „Was kommt in den nächsten 10 Minuten aus dieser Wolke?“
Für euch auf langer Pazifikpassage würde ich Squalls so einordnen:
• normaler Teil des Lebens an Bord
• nicht panisch betrachten
• aber nie lässig behandeln
Am gefährlichsten sind meistens die Squalls, die harmlos aussehen und dann doch mit einer harten Böe reinkommen.Read more















Traveler
Wow, was für ein Riesending🤩 lasst ihn euch gut schmecken 😋
Doris Jägerdanke Dir!
TravelerOhhhh so cool, mega Teil, jetzt kannst du wieder kreativ werden liebe Doris! 🥰 viel Spaß in der Küche! 🤗
Doris Jägergestern Abend haben wir 2 Filetstücke in der Pfanne gebraten. 2x 2 Minuten. super lecker! Aber sehr variabel ist Thunfisch nicht, wird schnell zu trocken beim zu lange Braten 😏.
TravelerJa, sie werden schnell trocken, ich brate ihn auch nur ganz kurz 😊 aber versch Salsas bereichern den Thunfisch 😋