• Unfreiwilliges Bad

    April 16, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    16. April, Tag 25 der Pazifikpassage, Windgeschwindigkeit 10 Ktn, 29 Grad

    Das Frühstück war gerade zu Ende nach durchwachsener Nacht mit einer Vielzahl von Squalls nach 5 Uhr. Als es nicht enden wollte hatte Uwe auch noch meine Frühschicht ab halb 6 übernommen.
    Kurz vor 9 war das Leichtwindsegel wieder oben, kurz nach 10 musste es wieder abgenommen werden, da wir den Kurs nach Gambier nicht mehr halten konnten. Zu sehr war der Wind auf nordöstlich gedreht geblieben.
    Dann plötzlich passierte es. Uwe hatte kurz den Motor angelassen, um das Boot wieder auf Kurs zu bringen. Da begann er zu fluchen und hektisch herumzulaufen. Die Schot vom Leichtwindsegel war nochmal ins Wasser geglitten und zielsicher von der Schraube eingefangen worden.
    „So ein Mist, keine Tauchflasche ist gefüllt!“ ging das Schimpfen weiter. Der Steuerbordmotor musste aber wieder einsatzfähig werden. Die Einfahrt zur Bucht vor Rikitea führt durch Korallenriffe, das erfordert volle Manövrierfähigkeit.
    Schon war Uwe in Badehose und schnappte sich seine Flossen. Das Groß war auch schnell eingeholt worden, wir hatten keine Fahrt mehr drauf. Uwe warf die lange Festmacherleine mit Schlaufe dran am rechten Heck ins Wasser, die wir immer hinten rauslassen, wenn Uwe am Bug draußen herumklettert. Im Falle eines Falles MOB hätte er vielleicht die Chance, wenn er unter dem Kat. durchtreibt, diese lange Leine zu fassen zu kriegen. Vielleicht auch nicht…
    Vergeblich versuchte Uwe die eingeklemmte Leine von der Schraube loszubekommen. Durch die noch kräftigen Wellen hob und senkte sich das Heck mit Wucht, und er musste aufpassen, dass er keinen Schlag gegen den Kopf bekam.
    „Es hat keinen Sinn, gib mir das Messer“. Ich holte unser scharfes Notfallmesser, das immer am Steuerstand einsatzbereit hängt. Leider musste damit die schöne Leine gekappt werden, erst dann bekam Uwe die Schraube frei. Durch die vielen scharfkantigen Muscheln an Rumpf und Schraube handelte er sich auch eine Schnittwunde am Finger ein. Ich startete testweise den rechten Motor und fuhr kurz rückwärts - alles okay.
    Der Held kletterte wieder aus dem Wasser. Entnervt schaltete er jetzt erstmal den Motorvortrieb ein, war ja sowieso kaum Wind. Und beide Leichtwindsegel erstmal matt - aber noch nicht schachmatt.
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