• Pazifik - Tag 26 und 27, Gewitter

    April 17, Pazifischer Ozean ⋅ 🌙 26 °C

    Tag 26, 129 sm (53 Motor, 76 Segel), sonnig, 28°C
    Tag 27, 114 sm (Motorsegeln 65, Motor 30, Segel 19) sonnig, Gewiiter Wolkenbruch

    Auch am nächsten Tag dasselbe Spielchen: Tricksen wir die Squalls aus, oder sie uns?
    In der Nacht hatten wir sogar zeitweise den Gennaker stehen lassen, ein kleiner Wolkenwirbel hatte bei Doris ein paar Tropfen Wasser abgelassen, aber sonst nicht viel bewirkt. Der Tag war wechselhaft, Reacher rauf, Reacher wieder runter. Wir wollten ja noch länger was von dem tollen Segel und Beschleuniger bei Leichtwind haben.

    Zum Abend hin waren wir dann aber ziemlich von Wolkenfronten umzingelt. Die Vorhersage zeigte nichts Gutes. Die Reacher-Frage stellte sich damit nicht mehr...
    Doris kam noch gut durch ihre Schicht von 2.30 bis 5.30 Uhr, aber die Wellen hatten wieder deutlich zugenommen. Sie werkelte sogar noch gelassen bis 6.00 Uhr in der Kombüse und setzte einen neuen Teig für ein leckeres Fladenbrot an, ihre neueste Errungenschaft. Dann verabschiedete sie sich in die Koje.

    Auf das, was dann kam, hätten wir gern verzichten können. Wir fuhren auf eine Gewitterzelle zu. Mit Zelle hatte dieses Teil aber nichts gemein, sprechen wir lieben von einem Gewitterband, die Länge ca 900 sm. Wir befanden uns am nördlichen Ende. Werner meinte, wir fahren mal oben rum. Daraus wurde nichts, wir gerieten direkt ins Zentrum hinein, zu groß waren die Dimensionen zum eben mal Umfahren.
    Eine innere Stimme sagte mir noch, mach gleich mal das Großsegel runter, es könnte gleich unangenehm werden. Gedacht, getan. Wenige Minuten später der Startschuss: Windböen von 38 kt und Schlagregen brachen auf mich herein. Es klang wie ein Trommelfeuer. Zu diesem Zeitpunkt lief nur ein Motor. Schlagartig drückte mich der Wind zur Seite, schnell die zweite Maschine gestartet und zurück in Position geschoben. Mit 2 - 3 Ktn ging es dann gegen die Böen voran. Nur nicht zu schnell gegen die sich aufbauenden Wellen werden. Ganz schlimm ist es, wenn der Bug ins Wellental zu tief eintaucht, denn dann wird durch das schlagartige Abbremsen das Rigg zu sehr beansprucht.
    Zu meinem Glück sitze ich völlig abgedeckt von Planen auf meinem Steuerstand. Wie mag es da Lutz auf der Mahana oder unserem Freund Werner gehen, die völlig ungeschützt diesen Unbilden ausgesetzt sind und in voller Wetterkleidung antreten müssen. Das nasse Zeugs muss dann am nächsten Tag auch erstmal wieder zum Trocknen gebracht werden.
    Werner folgte uns also im Gewitter, und ich beobachtete ihn auf unserem Plotter. Er näherte sich einer starke Zelle, drehte sich aber plötzlich im Kreis. Erst dachte ich, er will die Zelle vorüberziehen lassen und mir dann weiter folgen. Er zog die Runden aber mit 5 - 7 kt, was schon sehr ungewöhnlich ist. Später stellte sich heraus, dass sein Autopilot ausgestiegen war und er förmlich durch die Böen hin und her geschmissen wurde. Sein Kommentar dazu: „Bin hier irgendwie gefangen. Unglaublich, mich haut es von einem Squall zum nächsten, dreh’ mich fast im Kreis ( und es war ja auch so….!). So etwas hab ich noch nie erlebt, und das sehenden Auges 👎👎👎👎“.
    Es wetterleuchtete heftig, und einmal blitzte es gefühlt ganz nah mit lautem raschem Donnern. Das Chaos in der Nacht empfindet man immer deswegen noch viel schlimmer, da man durch die Dunkelheit fast völlig orientierungslos ist. Wenn dann der AP ausfällt ist es ganz schwierig zu steuern. Wenn man glaubt, eben einfach auf den Kompass schauen, und dann geht das schon, Fehlanzeige, unser Sinne sind dafür nicht gemacht. Auf dem Plotter erkennt man auf einmal mit Schrecken, dass die projizierte Fahrtrichtung völlig von der eingegebenen Route abweicht. Man lenkt dann stark dagegen und übersteuert dabei leicht. Wenn die Sterne am Himmel auf einmal horizontal vorbeihuschen, weiß man, man dreht sich im Kreis. Großartiges Gefühl…. 🙈. Patenthalsen sind keine Seltenheit, plötzlich spürt man einen Schlag vom Großbaum her, und weiß, jetzt ist es passiert….
    Es braucht sehr viel Übung, sich in diesen Situationen zurecht zu finden. Es war zudem noch eine Nacht ohne jeglichen Mondschein. Ich hatte im voraus unseren AP auf eine niedrigere Empfindlichkeit eingestellt, dann schaltet er nicht so schnell wegen Überlastung ab. Das hat sich bei uns schon öfter bewährt.
    Mit der Dämmerung ließ der Spuk nach, eine reichliche Stunde mit Fahrt durch die Achterbahn war vergangen. Reicht mir, brauch ich nicht gleich wieder.
    Und das Beste daran: Doris war kurz vorher ins Bett gegangen und hatte von alledem nichts mitbekommen, nicht mal das laute Donnern.
    Der Wind wehte danach immer noch stark. Unser normales ausgiebiges Frühstück war nicht möglich, es gab stattdessen Joghurt mit Müsli, Nüssen, Obst und Honig. Auch mal lecker.
    Wir segelten erst mit Genua, später mit Gennaker weiter unserem Ziel entgegen. Gegen zehn musste dann der Jockel wieder ran.
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