• Taporo VIII und Wandern im Unterholz…

    13. maj, Fransk Polynesien ⋅ 🌬 24 °C

    Informiert durch die social Media hatte ich beim Laden „Terehere“ ein paar Gemüsedinge vorbestellt: Zucchini, Orangen, Weintrauben, Rotkohl, Blumenkohl, Brokkoli und Salat. Ananas, Mango oder Tomaten waren nicht lieferbar gewesen.
    Es sollte ab 15.00 Uhr am Ankunftstag der Taporo VIII im Laden abzuholen sein. So konnten wir uns Zeit lassen. Das Schiff war schon am Vorabend angekommen. Wir machten unser Dinghi am Hauptsteg fest und stellten uns an den Rand des geschäftigen Treibens. Die Container im Bauch des Transportschiffes waren geöffnet und schon fast leer. Ein gelber Gabelstapler fuhr geschäftig und geschickt hin und her. Dicht gedrängt standen Privat PKW, Lieferautos und kleine Lastwagen am großen Wendehammer der Zufahrtsstraße zur Anlegestelle, manche mit laufendem Motor. Zahlreiche Menschen liefen hin und her, riefen sich etwas zu, hielten Kinder an den Händen. An einer Seite lagen Stapel von Paketen. Sie trugen nur den Namen des Adressaten oder der Firma, und groß RIKITEA. Jeder konnte sich offenbar sein Gepäckstück einfach wegnehmen. Keiner überwachte irgendwas. Auch ganze Elektrogeräte wie Waschmaschinen, Maschinenteile und sogar verpackte Mopeds lagen da. Es war sehr kurzweilig, einfach nur zuzusehen.
    Später schlenderten wir weiter zum Laden Terehere. Der junge Betreiber ist offenbar sehr geschäftstüchtig. Als ich nachgefragt hatte, ging er kurz danach nach hinten zu den gelieferten Kisten und stellte meine Bestellung zusammen. Da die Zucchini riesenhaft waren, durfte ich auf eine anstatt der bestellten 6 reduzieren. Wir hätten auch bis 15.00 Uhr gewartet, aber er wollte es uns unbedingt gleich mitgeben. Auch gelbe Paprika und schöne Mandarinen wanderten noch in unseren Rucksack. Und auf meine Frage nach Tomaten gab die Chefin einen Wink, und der Sohn pflückte 1 kg aus dem heimischen Garten. Toll!
    Des weiteren war ich noch auf der Suche nach Karotten. Uwe fand heraus, dass im anderen Mini-Supermarkt welche ins Regal geschlichtet worden waren. Allerdings sollten diese Frischwaren erst am nächsten Morgen ab 6 zum Verkauf kommen. Also stand ich um halb sechs auf, und wir konnten uns bei aufgehender Sonne und lautem Krähen der benachbarten Hähne in die kleine Schlange aus Einheimischen und ein paar Seglern vor dem Laden einreihen. Eine völlig neue Erfahrung, wegen frischer Karotten um 6 Uhr morgens Schlange stehen… Und tatsächlich ergatterte ich zwei Handvoll Mohrrüben. Uwe‘s geliebter Coleslaw war gesichert…Um kurz vor 7 war das Häufchen Wurzelgemüse im Regal dann schon stark geschrumpft.
    Am gleichen Nachmittag fuhren wir, meist unter Motor, rüber zur kleineren Insel Taravai. Dort ankerten wir mit Resi & Werner in der Furt zwischen Taravai und Agakauitai. Es war ein Wetterwechsel auf kühlen Südostwind mit starkem Schwell zu erwarten. Als wir die Tage mit den gröbsten Böen hinter uns hatten, planten wir für den Montag den 11.5. eine Wanderung auf Taravai. Es sollte rüber zur Ostküste zum Haus von Valerie und Hervé gehen sowie zur alten Kirche.
    Von Weg im eigentlichen Sinn war aber zu keinem Zeitpunkt der zweimal 2-stündigen Wanderung zu sprechen. Uwe hatte einen Track von einer Wanderapp offline gespeichert. Dieser folgten wir so in etwa. Es ging oft quer durchs Unterholz, durch schulterhohe Schilfffelder, entlang an schrägen Kanten, die durch eine dicke Schicht herabgefallener Nadeln sehr rutschig waren, und unter umgefallenen Baumkronen hindurch. Werner bahnte uns mit seiner Machete einen Pfad. Ziemlich zum Ende hin fanden wir Bananenstauden mit vielen Bananen zum Essen und mitnehmen und verwilderte Kaffeepflanzen mit roten Beeren.
    Schließlich kamen wir an der alten Kirche von Taravai an.
    Die Église San Gabriel wurde 1868 von den Bewohnern der Gambierinseln unter Leitung der katholischen Picpus-Missionare gebaut. Sie ersetzte eine ältere Kirche, die zu nah am Berghang stand und durch Erdrutsche gefährdet war. Taravai hatte damals rund 2.000 Einwohner – heute leben dort nur noch eine Handvoll Menschen, weshalb die Kirche für die heutige Inselgröße riesig wirkt. 
    Für eine aktuelle Renovierung waren offenbar alle Fenster und die Bänke herausgenommen worden. Diese Wiederherstellung scheint aber ins Stocken geraten zu sein. Am einfachen Altar sind noch Schildpatt-Intarsien zu sehen, die Überreste eines „Lüsters“ hängen von der Decke, die Farbe des Taufbeckens in der Ecke ist abgeblättert. Alles strahlt eine verlassene aber friedvolle Stimmung aus.
    Im dann folgenden Anwesen schlägt ein Hund an und rennt wild auf Uwe zu. Beim Schnuppern an diesem „Hundeversteher“ muss er aber sehr schnell von Bellen auf Schwanzwedeln umstellen 🤣. Bald begrüßen uns auch Valerie und Hervé freundlich, die hier seit 18 Jahren leben. Sie veranstalten, wenn es das Wetter erlaubt, unter den Seglern äußerst beliebte BBQ‘s, die ihnen ein bescheidenes Einkommen einbringen. Oft wird dafür der traditionelle Erdofen genutzt und Ziegen oder ausgewilderte Hausschweine zubereitet. Wir melden uns erfreut für übermorgen an. Nach freundlichem interessiertem Wortwechsel und etwas Obstessen müssen wir aber wieder zurück. Wir wollen noch vor Sonnenuntergang unser Dinghi auf der anderen Seite der Insel erreichen. Das unwegsame Gelände würde in der Dämmerung eine echte Gefahr für uns werden. Unterwegs werden Werner, Resi und ich noch von Wespen gestochen, die ihren Busch verteidigen und ungewöhnlich lange herabhängende Beine haben. Außerdem tragen wir alle Unmengen an Kratzern und Schrammen an Armen und Beinen davon. Das brennt schön beim nächsten Wassergang 🫣…
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