Atoll Makemo:Bussitze und ein Einsiedler
August 30 in French Polynesia ⋅ 🌬 24 °C
Die Einfahrt durch die relativ breite Passage war nach einer schaukligen Nachtfahrt unproblematisch. Wir konnten mit der letzten einlaufenden Strömung gegen Ende der Flut durchfahren. Wie bisher meist ankerten wir erst vor dem Örtchen, hier hieß es Pouheva, um Menschen und Infrastruktur kennenzulernen.
Auch hier mussten wir wieder unsere Ankerketten mit Perlzüchter-Kugeln „floaten“, um die Korallenköpfe im seichten Bereich, die sog. „Bommies“, zu schützen. Es geht uns immer besser von der Hand. Die 4 Kugeln hängen während der Fahrt außen beim Anker. Innen sind ihre Befestigungsleinen mit Schäkeln an einer Leinenschlaufe eingehängt. Beim Ankern stehe ich im Ankerkasten und hänge die Kugelleinen in gewissen Abständen, die sich auch nach der Ankertiefe richten, in die auslaufende Ankerkette ein. Gerne vertüteln sich die 4 Leinen während des Segelns untereinander. So muss ich immer auch vorne rausschauen und kontrollieren, ob ich die richtige Leine eingehängt habe, und ob sie frei zur Kette liegt. Anfangs wusste ich das noch nicht, beim Rauslassen der Ankerkette knallte es einmal plötzlich und eine Kugelleine war abgerissen…🙈. Uwe wasserte das Dinghi und konnte den Ausreißer einsammeln 😅.
Am gleichen Tag durchstreiften wir den kleinen Ort. Relativ breite, sehr saubere Straßen, einfache aber gepflegte Einfamilienhäuschen, Gärten mit tropischen Blumen.
Wir hatten von mehreren Geschäften und 2 oder 3 Imbissen zum Abendessen auf NFL (wichtige App für Segler) gelesen.
Unterwegs bewunderten wir einen riesigen, für die Tuamotus ungewöhnlichen Brotfruchtbaum und bekamen vom Eigentümer gleich 2 Früchte geerntet und freundlich überreicht. So sind die Menschen eben hier…😃
Wir landeten beim Grillrestaurant „Snack Tahina“, wo der Eigner am offenen Feuer dünne aber riesige Grillsteaks zubereitet. Serviert werden sie mit Pommes. Ich entschied mich, da riesige Portionen „drohten“, für ein „Poisson crue“, einen Salat aus rohem Fisch, auch sehr lecker.
Einheimische Jugendliche speisten am Nebentisch, aber doppelte Potionen als wir… Zuletzt schenkten wir ihnen 3 Dosen Bier, die wir übrig hatten, und ernteten Begeisterung. So konnten wir auch mal was zurückgeben…
Das Sitzen in dieser Kneipe mit Blick über den Pass war übrigens besonders angenehm: ausgebaute Bussitze waren auf einer Stahlschiene montiert. Besonders für Uwe mit seinen Beschwerden durch den akuten Bandscheibenvorfall war das Sitzen hier ein Highlight. Gleich am nächsten Abend wiederholten wir das schöne Erlebnis.
Wegen drohender Windzunahme verlegten wir uns an Tag 3 allerdings zu einem Ankerplatz hinter das Aussenriff an der Ostseite. Hier lag auch der Katamaran des 3-maligen Surfweltmeisters John John Florence aus Hawaii. Kurz konnte Uwe ihn kennenlernen. Als wir die sympathische junge Familie zu unserem Grillabend am Strand einluden, erfuhren wir, dass sie leider am gleichen Tag schon Richtung Tahiti weitersegeln würden. Das Video zu seinem Wellenreiten verlinke ich unten, der Hammer! Von solch einer Leistung und den damit verbundenen Sponsorverträgen kann man offenbar sehr gut leben.
Am Aussenriff angekommen nutzten wir noch etwas windschwächere Tage für Spaziergänge auf dem Riff. Nicht, wie ihr vlt. denkt, über die Korallen 🙈. Never. Aus Korallenschutt ist hier eine Art Straße aufgeschüttet mit Abzweigungen ins Gebüsch. Verstreut liegen Copra-Farmen, wo saisonabhängig die Kokosnüsse gespalten und das Fleisch zum Trocknen ausgelegt wird. Einen einzelnen Mann, der noch am Vormittag eine Menge Nüsse aufgebrochen hatte und sich jetzt ausruhte, trafen wir unterwegs. jeweils 3 Monate lebt er hier alleine und verdient sich damit sein karges Auskommen.
Gelegentlich erhält er aber Besuch von Hubert (gesprochen „Übéer“ 😝), einem Einsiedler, der ein Stück weiter vorne am Strand seit 26 Jahren in einer einfachen Behausung lebt. Der ehemalige Bäcker der Schule im Ort drüben lebt glücklich in der selbstgewählten Einsamkeit, wenn ihn nicht gerade sein Rheuma plagt, das Rücken und Finger arg gekrümmt hat. Er freut sich über Besuch von Seglern, die kommen, aber auch wieder gehen, ohne Erwartungen an ihn zu haben, wie seine eigene Familie. Hat er uns erzählt.
Wir wurden für gestern Nachmittag um 14 Uhr nochmals eingeladen und brachten Kaffee in der Thermoskanne mit sowie Kuchen und Kekse. Carla von der MOMO hatte eine große Kanne sowie Milch und Zucker mit. Der Mann genoss das Beisammensein. Hubert hatte extra für uns leckere Kokos-Brötchen über seinem offenen Feuer gebacken! Strom oder fließend Wasser hat er nicht. Auch Fische würden seltener anbeißen als früher, beklagte er sich. Leuchtende Augen riefen wir bei ihm dann aber durch unser Geschenk hervor: 2 Zigarren aus der Dom. Rep… Die wollte er sich für den „dimanche“, den kommenden Sonntag aufheben. Er schnupperte nur mal glücklich dran…. So schön, das mitzuerleben!
Dieses sehr einfache Leben ohne Strom, Fernsehen oder Handy beeindruckte uns gewaltig und machte uns alle 4 nachdenklich. Was braucht man wirklich zum Glücklichsein?Read more


































Traveler
Sitze 💺 aus einer Bahn 😃?!
Doris Jägerwir wissen es nicht. für mich sah es wie Sitze aus einer Art Reisebus aus. U-Bahn gibt’s ja hier nicht 🙈😝😂
Traveler
😍⛵️⛵️