Das Atoll Raroia: Schlemmen & Perlen
August 9 in French Polynesia ⋅ 🌬 26 °C
Unser drittes Atoll in den Tuamotus erreichten wir wieder nach einer - unkomplizierten - Nachtfahrt. Eigentlich bräuchte man immer 2 Tage und 2 Nächte mindestens, um sich an das Geschaukel und nie nächtlichen Schlafbedingungen in den Freiwachen zu gewöhnen. Also schläft man eben diese eine Nacht meist schlecht, nicht mehr gewöhnt an den Geräuschpegel beim Fahren durchs Wasser und das nächtliche Läuten des Weckers ⏰ 🙈.
Aber wenn das Morgenrot den neuen Tag einleitet und der nächtliche Sternenhimmel wieder erfühlen ließ, wie groß das Universum sich über uns ausdehnt, ist man immer wieder dankbar, dass alles gut geklappt hat. Wieder hat das Timing gestimmt, und wir konnten ohne Warten mit der Strömung durch den rel. breiten Pass ins Atoll manövrieren .
Wie es schon fast zur Gewohnheit geworden ist marschierten wir auch diesmal noch am Ankunftstag durch das hübsche Örtchen. Die Häuschen sind wieder einfach aber ordentlich, die Menschen grüßten freundlich, so dass wir uns erneut willkommen fühlten.
Ein Gendarmerie-Auto fuhr offenbar Streife (bei maximal 10 Straßen des Dorfes muss dies eine Wiederholungs-Streife sein 🤣), und ein Polizist sprach uns aus dem heruntergekurbelten Fenszer an und forderte uns zur Anmeldung in der Gendarmerie auf. Also holten wir die Bootspapiere und waren gespannt, was uns an Formalitäten erwarten würde. Volker hatte gleich sein Zarpe von der Einreise in franz. Polynesien parat, und der Beamte war glücklich. Ich fand meines nicht und suchte in meinem Hefter bzw. dann im Handy nach der digital gespeicherten Bescheinigung. Als der Beamte unseren Bootsnamen aber in den PC eintippte, fand er unsere Anmeldung auch, und alles war gut.
Aufgrund unseres Eiernotstandes (wir berichteten) war ich ganz bestrebt, am nächsten Tag zum Magazin „chez Gerard“ zu gehen und irgendwie Amilie kennenzulernen, die laut NOFEREIGNLAND 60 Hühner hält. Gerard selbst lernten wir in diesen Tagen nicht kennen, aber Vaea, seine Ex-Verlobte, war da und sehr hilfsbereit in allem. Sie führt den kleinen Laden. Aber außer ein paar Äpfeln, die Carla gleich begutachtete und aussortierte, war nichts Frisches da. Dafür rief sie gleich die „Eierfrau“ an, und diese erschien 30 Min. später mit dem Elektro-Dreirad, worin sie 20 Rieseneier für uns dabeihatte. Für die Momo wurden 20 davon für den nächsten Tag versprochen. Die Hühner müssen sie ja auch noch legen…
Für den nächsten Abend verabredeten wir uns mit Vaea zum Diner, sie ist bekannt dafür, gerne für Segler selbst zu kochen. Da das eigentlich für dieses Event vorgesehene Haus an dem Abend doch nicht zur Verfügung stand, hatte sie den gedeckten Tisch für 4 draußen vor ihrem Laden aufgebaut. Trotz aller Widrigkeiten hatte sie uns nicht abgesagt. Ihr eigenes Haus hat im Moment kein Licht auf der Terrasse, eignete sich also auch nicht. So sind die Menschen hier eben, sehr herzlich und freigebig. Die Menschentraube, die sich sonst wohl zum Geschäftsschluss beim Laden festquatscht, hatte sie kurzerhand weggeschickt und den Zugangsweg zum Laden mit einer Europalette blockiert. Das Essen war sehr lecker: Perlausternsalat zur Vorspeise, im Bierteig gebackener Thunfisch mit gekochten Kartoffeln mit Zimt und Sahnesoße (ein Aha-Erlebnis) sowie als Desert Crêpe mit Bananenfüllung, Zimt und Honig. Ein Genuss. Auch über die Veränderungen der Kokosnuss im Inneren, wenn sie austreibt, lernten wir Unbekanntes: Das Mark wird schwammartig, und kann wieder anders lecker zubereitet werden.
Eine Besonderheit von Raroia ist, dass ein gemeinschaftlicher Obst- und Gemüsegarten betrieben wird. Leider war zum Einen die Erntesaison wohl weitgehend vorbei, zum Anderen hatte Ungeziefer die Tomatenpflanzen sehr geschwächt. Mit Tomaten wurde es außer einer Handvoll winziger Cocktailtomaten, die wir von einem Kletterstrauch pflücken durften (= Goldstaub!), also leider nichts. Der Betreiber Jean-Jacques ließ für uns mehrere Rettiche, 3 winzige Auberginen (so kleine haben wir noch nie gesehen) und jeweils 2 Pak Choi abernten. Der kleine Sohn im Vorschulalter überreichte uns das wenige aber liebevoll gepflückte Gemüse mit einem glücklichen Lächeln…
Am nächsten Tag gingen wir zur Perlenfarm des Ortes hinüber. Sie ist nicht touristisch „ausgeschlachtet“, es gibt keine Führungen. Wir durften den Arbeiter/innen 🤣 einfach über die Schultern schauen. Hätten wir mehr Französisch gekonnt, hätten wir die Arbeitsgänge noch besser verstanden. Zentraler Punkt der Perlenzucht ist das Einpflanzen eines Perlmutt-Biokernes in den Perlsack der Auster. Dazu muss sie leicht geöffnet in ein Gestell eingespannt werden. Mit hinein kommt ein winziges organisches Teil einer anderen Muschel, wodurch Art und Farbe der Perle gesteuert werden. 1-2 Jahre hängen die Muscheln an Seilen befestigt im möglichst sauberen aber planktonreichen Meerwasser, geschützt vor Räubern. Sehr aufwändig dabei ist, dass sie immer wieder herausgeholt und mühselig von anderweitigem Bewuchs gereinigt werden müssen, damit der Auster die Laune zum Perlmuttbilden nicht vergeht. Leider bekamen wir gesagt, dass Photografieren nicht erwünscht sei. Ich fand aber auf NFL mehrere Bilder von der Farm. Ich nahm mit dem Urheber, dem schweizer Segler Hanspeter Schwarz Kontakt auf. Er erzählte, dass er wenige Wochen vor uns dort war und damals alle sich bereitwillig ablichten ließen. Er meinte, wenn man Pech hat und der Eigner oder enge Familienmitglieder anwesend seien, könne das so sein. Er überließ mir auch eines seiner Bilder. Da also Bilder öffentlich im Umlauf sind, traue ich mich auch meine „geheimen Bilddokumente“ einzustellen.
Während wir besichtigten landete direkt am Strand davor ein Fischerboot mit 4 riesigen Tunas an. Gleich wurden wir zum Kauf animiert mit einem vertretbaren Preis. Wohin mit sooo viel Fisch? Carla und ich sahen uns an und hatten unsere vollen Gefrierschränke vor Augen. Dann nahm doch jeder ein Viertel 🙈. Zum Nachmittag segelten wir rüber zur nördlichen Innenseite des Atolls. Wir planten einen Grillabend am Strand, um der Fischmenge irgendwie Herr zu werden. Zeitlich war es sportlich. Auf dem Weg hinüber bereiteten Carla & ich die Beilagen und ich aus den uns von Vaea am Vorabend geschenkten noch rohen Austern eine Vorspeise als Salat. Es ging ein - von und als etwas stressig - empfundener Tag zu Ende 😅.
Am letzten Abend vor der Weiterfahrt kochte ich Pasta asciutta. Neben Hackfleisch kam das restliche Gemüse wie Aubergine, Lauch, grüne Paprika und Karotten rein. Dazu Spaghetti und frisch geriebener Parmesan drüber. So ein Gericht bereite ich gern am Vorabend einer Nachtfahrt in doppelter Portion zu. Es sollte sich als gut erweisen, aus der Mikrowelle tags drauf abends ein schnelles leckeres Gericht zu erhalten, da die gemischte Welle doch höher und unangenehmer war als erwartet. Gerade am ersten Tag nach längerer Ankerpause fühlt sich die Köchin da in der Kombüse oft nicht so einsatzfähig. Einen frischen Rohkostsalat bekam ich noch zusammen. So ist das Leben auf Langfahrt…Read more


































Traveler
Uwe‘s T-Shirt ist cool 😎👌
Doris Jägerokay ? das ist eins der alten, aber gut erhalten…😌
TravelerDer Spruch ist genial 😉