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Yesterday in Vietnam ⋅ ☀️ 15 °C
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Das Hotel liegt zwar mitten im Ort, aber unsere Guides finden, dass es nicht besonders gut ist. Wir verzichten auf das Frühstück und essen wie nahezu alle Asiaten an der Straße in einer „Garage“. Suppe für alle. Für mich ein Klops Rindfleisch leicht gekocht in einer hervorragenden Brühe aus frischen Kräutern. Die langen Reisnudeln stören mich zwar etwas, aber man muss ja nicht alles essen. Zum Nachtisch ein Baguette-Brötchen mit Rührei drinne, ungewöhnlich aber gut.
Wir ziehen nach den Erfahrungen von gestern unsere Regensachen an. Ich bin nicht der einzige, der noch nasse Klamotten an hat. Es ist saukalt mit 16 grad an diesem frühen Morgen gegen 8 Uhr. Kaffeetrinken soll später sein.
Wir fahren ca. 1 Stunde und sind froh, die Stadt verlassen zu haben. Die Reisfelder und die Landschaft mit ihren Bergen, die wir durchfahren, heute, könnten aus jedem Reiseführer stammen. Der heutige Tag lebt von den unvermittelten Erlebnissen. Unvermittelt halten wir an einer Baustelle an. Ein Holzhaus wird in Gemeinschaftsarbeit des Dorfes an der Strasse errichtet. Richtig solide Zimmermannsarbeit. Es ist viel verzapft und ohne Nägel zusammengefügt. An der Traufe werden Bolzen gesetzt, weil keine durchgehenden Balken verwendet wurden. Bei der anschließenden Kaffeepause können wir diese Technik und noch mehr bewundern. Das Café ist typisch: an der Straße stehen ein paar wacklige Tische und relativ heile Stühle. Es ist nichts vorbereitet sondern wird erst zubereitet. Zu kaufen gibt es Kaffee, Tee, Cola und Limonade. Bei Regen wird in der Stube serviert, die sonst von der Familie genutzt wird, wenn keine Gäste da sind. Wandschmuck sieht man vergebens, in einer Ecke steht der (überaus einfache) Buddha-Schrein. Weil das Haus am Hang liegt, ist das freiliegende Kellergeschoss Lagerplatz für alles. Dafür entschädigt der Blick auf die Reisfelder. Auch bei der weiteren Fahrt nehme ich mir das Sonderrecht heraus, anzuhalten und Fotos zu machen. Es ist eine unvergleichliche Landschaft. Wieder kleben die Teeplantagen an den steilen Hängen und terrassenförmig schmiegen sich die Reisfelder an die sanfteren Hängen. Wald, besehend aus Bambus, unbekannten Bäumen, Bananenpflanzen (die hier offensichtlich wie Unkraut wachsen) wird durch durch die Straße zerschnitten, die sich den Hang entlang immer höher schlängelt. Aus der Ferne grüßte der Nam Bung.
Irgendwann erreichen wir eine Aussichtsplattform (21•46,32,7 / 104•09;36,9). Neben den schönen Blick erhasche ich die Information, dass es hier ganz seltene Schwarzhühner gibt. Hingegen ist das Hanghuhn eine Erfindung.
Als wenn die Sonne sich für den gestrigen Tag entschuldigen möchte, beginnt sie zu scheinen. Angenehme 24 grad machen das Fahren angenehm. Den Menschen geht es vergleichsweise gut. Auch in den Bergen begegnen uns pausbäckige Kinder. Motorhacken sehen wir allerorten. In den Städten kommen wir zufällig immer zu den Schulschlusszeiten gegen Mittag und am Nachmittag an. Gefühlt Tausend Kinder bevölkern dann die Straße. Sehr viele gehen zu Fuß, einige werden auf dem Moped abgeholt, sehr viele benutzen den eigenen Scooter. Den darf man ohne Altersbeschränkung und ohne Führerschein fahren. Auch Elektroroller sind dabei.
Eigentlich wollten wir bei der Hochzeit am Straßenrand nur kurz anhalten. Daraus geworden ist die Teilnahme am Essen - trinken dürfen wir ja nicht! Dafür haben die Gäste aus den 10 Liter-Kanistern reichlich Reiswein genossen, natürlich aus ganz kleinen Gläsern. Auch die Frauen in ihren schönen Trachten haben rote Wangen. Nur die Funktionärinnen tragen Kleid, kein Rock mit Bluse! Das Essen ist üppig und außer den Nudelgerichten finde ich geräuchertes (Wasser-)Büffelfleisch, was sehr lecker ist. Die Braut trägt Schleier und der Bräutigam einen weißen Anzug. Der DJ legt gut auf mit allem drum und dran ( laut, rhythmisch, Nebelkanone). Am Eingang zum Festzelt steht eine Spardose für das erstrebte Eigenheim und für die Theaterzeitung. Offensichtlich ist das Brautpaar Mitglied einer Theatergruppe. Wiederwillig lässt man uns weiterziehen.
Ein Honey-Homestay am Weg ist etwas für Jan, unseren leidenschaftlichen Imker. In einem tiefen Tal wachsen Obstbäume und der Hausherr ist Besitzer mehrerer Bienenvölker. Honig vom Erzeuger ist genauso teuer wie in Deutschland. Kein Wunder, dass sein bescheidenes Häuschen etwas sauber und opulenter gestaltet ist als die umliegenden Hütten. Arbeit für die Bienen gibt es genug, denn wir finden hier in der Gegend immer mal kleinere Obstplantagen. Raps oder Senf wächst hier wie bei uns zu Hause wilder Dill.
Ca 100 km vor unserem heutigen Ziel machen wir nochmal Pause. Mir fällt auf, dass es Reisfelder gibt, die brach liegen. Erst am Zielort wird mir klar, dass der Tourismus und die nahe Hauptstadt sich bis hier auswirkt. Durch das Verkaufen von Souveniers auf der Straße lässt oder Industriearbeit lässt sich leichter Geld verdienen als mit dem Reisanbau. Doch vor dem Ziel müssen wir nochmals über die Berge. In über 2000 m durchstoßen wir die Wolkendecke zum Dach Indochinas mit über 3000 m und es wird kalt. Den Skywalk nehme ich zunächst garnicht war, hingegen ist der Tempel von weitem sichtbar. Neben den Hotels auf der Höhe ist die vergoldete Buddha-Statue imposant und ich nehme mir als einziger einen Stop heraus, um sie zu fotografieren. Bei der Abfahrt wird es noch kälter und feuchter. Und dann trifft uns der Schlag. Unvermittelt sind wir im Monte Carlo von Vietnam. Alle Straßen dieser Stadt mit 30 000 Einwohnern und 100 000 Gästen sind von 0 bis 24 Uhr verstopft. Doch dazu morgen mehr.Read more









