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Yesterday in Vietnam ⋅ ☁️ 18 °C
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Wahrscheinlich habe ich heute den moralischen Tiefpunkt dieser Reise erreicht. Es gibt ihn auf jeder Reise, also warum nicht auch hier. Ich bin schlapp und müde und höre morgens nicht den Wecker. Meine linker Ellenbogen schmerzt von der Anstrengung des Geländefahrens.
Wir frühstücken auswärts. Inzwischen finde ich immer etwas, was man essen kann. Im laufe des Tages stellt sich heraus, dass doch einige von uns Verdauungsprobleme hatten, haben oder Probleme in Anmarsch sind. Auch mein Zimmergenosse legt sich am Nachmittag sofort hin um dem Magen etwas Ruhe zu gönnen, nach der abklingenden Gürtelrose.
Wir werden gut umsorgt. Liebevoll werden wir bemuttelt und beputtelt bis hin zur Selbstaufgabe des eigenen Willens. Wie gut, dass einer die Fäden in der Hand hat und einem mit allen nötigen Informationen versorgt.
Wir fahren heute ruhige 200 km durch die Berge. Trotz der vielen Baustellen fährt es sich gut. Ich merke, das ich inzwischen sicherer im fahren bin und viele Hindernisse passabel meistere. Es wird viel an den (Asphalt-)Straßen gebaut und Kurven werden begradigt. Das ist bei dem harten Basalt, auch wenn er teilweise verkarstet ist, nicht leicht. Hingegen haben wir uns an die vielen terassenförmigen Reisfelder schon gewöhnt. Inzwischen gibt es Schutzzonen, damit dieser malerische Anblick nicht zerstört wird. Weiter oben in den Bergen wird jeder Quadratmeter für den Reisanbau genutzt. Trotzdem gibt es in den kleinen Dörfern scheinbare Armut. Da ich unter ähnlichen Verhältnissen aufgewachsen bin weiß ich, dass barfuß laufen in abgetragener Kleidung zwar kein Ausdruck von Reichtum ist, aber Armut sieht anders aus. Armut beginnt dort, wo Kinder nicht in die Schule gehen können, wie wir es in Kambodscha gesehen haben. Aber diese Kinder hier in Vietnam haben Möglichkeiten und können träumen. Auch ich träumte mal davon fremde Länder zu bereisen und so viel Geld zu besitzen, dass ich es mir leisten kann.
Nochmals geht die Straße parallel zur Hauptstraße und es ist gut so. Bei angenehmen 25 grad kommen wir in Ha Giong an. Ganze Heerscharen jugendlicher Backpacker bevölkern die Stadt. Sie werden über Organisationen hierher gelockt um in einem Rundkurs die Passstraßen mit dem Scooter zu überqueren. Innerhalb einer Stunde zähle ich 4 große Reisebusse, die jeweils zwischen 30-50 junger Leute aufnehmen , die mit einer Pizza versorgt den Heimweg antreten oder ankommen und auf billige Unterkünfte verteilt werden.
Das wir uns in einem touristisch sehr attraktiven Gebiet befinden merken wir an einer unvermittelten Polizeikontrolle. Wir werden gestoppt und nur wir Ausländer müssen den internationalen Führerschein vorweisen. Einige Dokumente werden stichprobenartig eingesehen und geprüft, bei anderen genügt das Vorzeigen. Die Strafen sollen empfindlich sein und mehrere Hundert Euro betragen, wenn man dieses Dokument nicht hat.
Vor die Wahl gestellt Italienisch oder vietnamesisch zu essen, entscheiden sich die meisten für vietnamesisch. Na gut!
Es gibt viel Verkehr, denn Ha Giang ist die Hauptstadt der Provinz und die nördlichste Stadt des Landes. Sie liegt am Sông Lô auf etwa 700 m ü.NN und hat etwa 30.000 Einwohner. Die Provinz ist sehr ländlich und lebt zum Großteil von der Landwirtschaft, überwiegend dem Reisanbau. Die meisten Einwohner hier gehören ethnischen Minderheiten an, nur etwa 10% sind Viet Kinh, die größte Volksgruppe in Vietnam. Die anderen 90% verteilen sich überwiegend auf H'Mông, Tày, Dao, Nùng, und Lô Lô Minderheiten. Ha Giang ist die bevölkerungsärmste Provinz der vietnamesischen Berge. Nach den schweren Zerstörungen im chinesisch-vietnamesischen Krieg, dem chinesischen Straffeldzug nach der vietnamesischen Invasion Kambodschas 1979, herrscht in der Stadt die postsozialistische Architektur der
1990er Jahre vor. Auslöser des militärischen Konflikts war die vietnamesische Einmischung gegen die mit China verbündeten Roten Khmer in Kambodscha. China besetzte einige Grenzstädte in Vietnam und zog sich nach heftigen Kämpfen wieder zurück, ohne die vietnamesische Einmischung in Kambodscha beenden zu können. Wir übernachten außerhalb des Zentrums in einem Nobelhotel (4 Sterne) am Fluss. In der Stadt ist Volksfest, weil Freitag ist und alles steht im Zeichen der kommenden Wahlen.Read more









