Den Wind um die Ohren wehen lassen
July 19, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 30 °C
Gestern in Richtung Meer und Pisa abgebogen, so geht's heute wieder nach links in die Berge. Ziel des Ausflugs die "Grotta del Vento" (Höhle des Windes) in der Garfagnana, im Herzen der Apuanischen Alpen, gelegen. Voller Vorfreude ging es gleich in doppelte Hinsicht auf die Piste. Einerseits macht mir das Fahren auf den italienischen Bergstraßen unheimlich Spaß (Da gibt's bestimmt nochmal einem Extrabeitrag dazu), auf der anderen Seite lockt die Höhle mit einer Temperatur im Inneren von exakt 10,7° C. Eine willkommene Abwechslung zum derzeitigen Glutofen Toskana.
Die gut 90 Minuten Anfahrt vergingen wie im Fluge und besonders die letzten 10km bergauf, schmale kurvenreiche Straße, zauberten ein Lächeln ins Gesicht.
Mitten im Nirgendwo angekommen, rüsteten wir uns mit den Audioguides aus und konnten pünktlich 15.00 Uhr zu unser vorab gebuchten Tour antreten. Mit ca. 30 Leuten und davon gut einem Viertel aus der Heimat, sollte es nun zwei Stunden durch die Höhle gehen. Aber zunächst sorgte die Familie X aus Hoywoy bei uns für größeres Amüsement und auch bissel Fremdschämen. Motzmama faltete am Telefon zunächst die bunmmelnden Teenagertöchter zusammen, die sich auf dem WC etwas zu lange Zeit ließen und Neunmalklugpapa wiederholte seiner Frau permanent die Infos aus dem Audioguide und datschte trotz ständiger Hinweise der Guides die Tropfsteinfelsen an. 🤐
In der Höhle selbst herrscht eine über das Jahr konstante Temperatur von exakt 10,7°C, egal ob draußen der sommerliche Glutofen angeworfen wird oder im Winter der Gefrierschrank offen steht. Der Eingang der Höhle war den Anwohnern hier schon mehr als 250 Jahren bekannt, bzw. nutzte man den austretenden kalten Wind aus der Felsspalte als ganzjährigen Kühlschrank. Um 1800 siegte bei einigen Teenagern der Umgebung die Neugier, wo denn dieser Windzug eigentlich herkommt. Da der Spalt jedoch zu klein für einen ausgewachsenen Teenager war, überredete man die 4-jährige Betta in die Spalte zu klettern. In der absoluten Dunkelheit konnte sie zwar nichts wirklich erkennen, aber sie meinte einen dunklen Gang erkannt zu haben. Die Bergbewohner legten den Gang auf ca. 30m frei, stießen aber dann auf eine unüberwindliche Barriere. So erlahmte der Entdeckerdrang wieder recht schnell und erst 1929 begann man ernsthaft mit der weiteren Erkundung des Ganges und dann der Höhle. Was man dann dort nach und nach entdeckte waren spektakuläre Stalaktiten und Stalagmiten, große ausgewaschene Höhlen, bizzare Felsformationen, unterirdische Flussläufe. Über die Jahre wurde die Höhle dann auch touristisch erschlossen und über Treppen und Stufen kann man in einer, zwei oder auch drei Stunden durch die Höhle des Windes streifen. Der Windzug selbst entsteht durch die Temperaturdifferenz zwischen innen und außen, d.h. im Sommer bläst der Wind die kalte Innenluft aus dem begehbaren unteren Eingang, in Winter ist es umgekehrt, da wird die kühlere Außenluft am unteren Höhleneingang eingesaugt. Am Eingang der Höhle herrschen damit Windgeschwindigkeiten von bis zu 40 km/h. Ein besonderes Highlight sind auch die ca. 2 Minuten in denen komplett das Licht gelöscht wird und man sich in absoluter Dunkelheit wiederfindet. Nichts für empfindliche Menschen.😂
Auf dem Rückweg in unsere Casa machten wir noch kurz an der Brücke des Teufels (Die Ponte della Maddalena (ital. für „Magdalenenbrücke“), auch bekannt als Ponte del Diavolo) halt und fühlten uns ein ganz klein wenig an die Rakotzbrücke in Randpolen erinnert. Auch hier gibt es wie fast zu jedem Bauwerk eine kleine Geschichte. Der Baumeister der Brücke wurde, laut der Erzählung, mit der Brücke einfach nicht fertig. In seiner Not ging er einen Pakt mit dem Teufel ein. Dieser baute die Brücke innerhalb einer Nacht fertig und verlangte die Seelen der beiden ersten Lebewesen die die Brücke überqueren. Nach Beratung mit dem örtlichen Geistlichen jagte der Baumeister zunächst ein Schwein über die Brücke und verhinderte am nächsten Tag, dass die Menschen die Brücke überqueren, sondern ausschließlich Tiere. Der Teufel soll so darüber verärgert gewesen sein, dass er sich gefrustet selbst von der Brücke stürzte und nie mehr in der Gegend gesehen wurde ... Soweit die Legende. Leider war der Wasserstand des Flusses Serchio derzeit so gering, dass die Brücke nicht ganz so imposant wirkte.Read more










