At the end, it's all there is ...
January 17 in Malta ⋅ 🌙 15 °C
English Text below 👇🏼
Heute möchte ich euch von einem ganz besonderen Erlebnis am Samstagabend erzählen. Luise, die wir vor Kurzem hier kennengelernt haben, hatte mir einen Link zu einer Abendveranstaltung mit Lagerfeuer und veganem Essen in einem Permakulturgarten geschickt.
Alles Themen, die mich interessieren. Rupert wollte lieber mit den Hunden zu Hause bleiben. Er war so lieb, mich zu dem Garten in Nadur zu fahren. Ich steige bei der angegebenen Adresse aus und befinde mich in einer kurzen Straße zwischen Häusern. Kein Garten weit und breit. Gerade ist noch Amanda, die permanent an unserem Strand wohnt und mit der ich mich angefreundet habe, mit ihrem Fahrrad vorbeigefahren. Sie gehört auch zu dieser Garten-Community. Jetzt ist sie in der Dunkelheit zwischen den Häusern verschwunden.
Ich gehe in die Richtung, in der ich sie zuletzt gesehen habe. Der schmale Weg endet in einer Sackgasse. Ich laufe zurück und entdecke an einer Mauer ein unscheinbares Schild mit der Aufschrift „Thrive Garden“. Ein schmaler Pfad führt mich zwischen Häuserwänden zu einem offenen Gelände, wo mir Amanda schon entgegenkommt. Sie führt mich über verschlungene Wege durch den Garten Richtung Feuerstelle, von wo schon Musik zu hören ist. Wir halten an einem Gartenhaus, wo ich sehr freundlich von einem jungen Paar mit einem Baby begrüßt werde. Eine Frau kommt dazu und fragt mich nach meinem Namen, um ihn auf der Anmeldeliste abzuhaken. Ich habe mich nämlich angemeldet und meinen Eintritt schon online bezahlt.
Meine Augen haben sich inzwischen an die dunkle Umgebung gewöhnt und ich nehme jetzt vor mir eine größere Gruppe von Menschen wahr, die um ein Lagerfeuer herumsitzen bzw. stehen. Mein Herz klopft, ich bin aufgeregt. Ich bin es nicht gewohnt, in einer mir fremden Umgebung unter fremden Menschen zu sein. Direkt am Feuer ist zwischen zwei jungen Leuten noch ein Platz auf einer sehr niedrigen Bank frei. Ich frage, ob ich mich dazusetzen darf, was leichter gesagt ist als getan. Schon beim Hinsetzen denke ich daran, ob ich wohl später wieder hochkomme. Ich schiebe den Gedanken beiseite und blicke erst einmal in die Runde.
Überwiegend junge Gesichter, Frauen, Männer und ein paar Kinder. Drei Menschen präsentieren Swing-Musik – mit Gesang, Gitarre und Trommel. Der junge Mann links von mir füttert das Feuer mit Zweigen aus einem Reisighaufen. Die beiden Mädels rechts von mir unterhalten sich und lachen leise. Dem Feuer gegenüber spielt ein kleines Mädchen am Boden mit einem Auto. Ich fühle mich an die Hippies der 60er erinnert, zu denen ich damals so gerne gehört hätte. Dafür war meine Zeit damals wohl noch nicht reif. Vielleicht jetzt ...
Es wird den ganzen Abend gesungen. Ich kenne zwei Titel davon: „This little light of mine“ und „Dream a little dream of me“. Die anderen Lieder sind eher Mantras mit vielen Wiederholungen, in die ich mich ganz gut hineinfinde. Immer wieder höre ich Rufe nach „Kolibri! Kolibri!“, was ich aber nicht einordnen kann. Irgendwann wird heißer Chai verteilt, ein wenig süß durch die Hafermilch. Ein paar Menschen haben ihre eigenen Instrumente mitgebracht, Gitarren und kleine Trommeln. Einige von ihnen begleiten die Teepause mit einer kleinen Jam-Session.
Ein junger indischer Mann wird ans Mikrofon geleitet. Es ist Jaydip, der „Climate Walker“. Ich erkenne ihn sofort, weil ich schon von ihm und seiner Mission gelesen habe. Er läuft zu Fuß von Malta nach Indien und sammelt unterwegs Müll auf. Informationen findet ihr online. Jaydip spricht kurz zu uns und stellt sein Projekt vor. Jeder kann ihn ein Stück auf seinem Weg begleiten. Er wird morgen auch an unserem Hondoq Beach erwartet.
Wir singen etwa eine weitere Stunde. Es gibt Essen! Mittlerweile habe ich mich zu Jaydip gesetzt und bin mit ihm in ein Gespräch eingetaucht. Er möchte sich morgen, wenn er in Hondoq ankommt, unser Wohnmobil von innen anschauen. Jaydip versorgt uns beide mit einer Schale warmer Kartoffelsuppe mit Zutaten aus dem Garten. Mhm! 😋 Die Sängerin, die uns durch den Abend leitet, liest ein Gedicht von Clarissa Pinkola Estés vor. Der Titel ist „We were made for these times“. Obwohl ich nicht alles verstehe, berührt mich der Text sehr. Ich werde ihn als extra Footprint mit euch teilen.
Es ist mir übrigens gelungen, von der niedrigen Bank aufzustehen – zugegebenermaßen mit Unterstützung einer hinter mir sitzenden Frau, mit der ich auch ins Gespräch komme. Die Situation ist überhaupt nicht peinlich. Irgendwie bin ich hier von selbstverständlicher Fürsorge umgeben. Auf dem Weg zum Plumpsklo treffe ich Amanda. Sie hat ein besonderes, zartes goldenes Schmuckstück um ihre Stirn gebunden. Auf der Fahrt hierher haben wir ihre Trommel im Wohnmobil mitgenommen. Deshalb vermute ich, dass sie etwas vortragen möchte. Ich frage sie danach, und sie zögert; sie weiß nicht, ob sie genug Energie dafür hat.
Kaum dass ich wieder am Feuer angekommen bin, sehe ich Amanda zum Mikrofon gehen. Sie erzählt, wie sie zu dem Namen „Kolibri“ gekommen ist. Sie ist also Kolibri! Sie singt für uns das Lied dazu, auf Englisch und auf Maltesisch, unterbrochen von kleinen lustigen Kommentaren und ihrem kehligen Lachen, das ich am Strand schon oft gehört habe. Ein wunderbarer Mensch. Eine Schamanin. Meine Freundin. Der Abend endet mit einem Lied, das anscheinend immer zum Schluss gesungen wird: „In the end, it's all there is: someone to love and somewhere to live.“
Today I want to tell you about a very special experience from Saturday evening. Luise, whom we met here recently, had sent me a link to an evening event with a bonfire and vegan food in a permaculture garden.
All topics that interest me deeply. Rupert preferred to stay home with the dogs, so he was kind enough to drive me to the garden in Nadur. I get out at the given address and find myself in a short street between houses. No garden in sight. Just then, Amanda—who lives permanently at our beach and whom I’ve become friends with—cycles past. She is also part of this garden community. Now she has vanished into the darkness between the houses.
I walk in the direction where I last saw her. The narrow path ends in a dead end. I turn back and discover an inconspicuous sign on a wall that says "Thrive Garden." A narrow path leads me between house walls to an open area, where Amanda is already coming toward me. She leads me through winding paths in the garden toward a fire pit, where music can already be heard. We stop at a garden house, and I am warmly welcomed by a young couple with a baby. A woman approaches and asks for my name to check it off the registration list. I had registered and paid the admission online beforehand.
By now, my eyes have adjusted to the dark surroundings, and I notice a large group of people sitting or standing around a bonfire. My heart is racing; I’m excited. I’m not used to being in a strange environment among people I don't know. Right by the fire, there is still a spot on a very low bench between two young people. I ask if I can sit down, which is easier said than done. Even as I sit, I wonder if I’ll be able to get back up later. I push the thought aside and take a look around.
Mostly young faces—women, men, and a few children. Three people are performing swing music with vocals, guitar, and drums. The young man to my left feeds the fire with branches from a pile of brushwood. The two girls to my right are chatting and laughing softly. Opposite the fire, a little girl is playing on the ground with a toy car. I feel reminded of the hippies of the 60s, a movement I would have loved to belong to back then. But I suppose my time wasn't ripe for it yet. Maybe now ...
There is singing throughout the entire evening. I recognize two of the titles: "This Little Light of Mine" and "Dream a Little Dream of Me." The other songs are more like mantras with many repetitions, which I find quite easy to get into. Again and again, I hear calls for "Kolibri! Kolibri!", but I can’t quite place it. At some point, hot chai is handed out, slightly sweetened by oat milk. Some people have brought their own instruments—guitars and small drums. Some of them accompany the tea break with a little jam session.
A young Indian man is led to the microphone. It is Jaydip, the "Climate Walker." I recognize him immediately because I’ve already read about him and his mission. He is walking from Malta to India, picking up trash along the way. You can find more information online. Jaydip speaks briefly to us and introduces his project. Anyone can join him for a stretch of his journey. He is also expected at our Hondoq Beach tomorrow.
We sing for about another hour. Then, there’s food! By now, I’ve sat down next to Jaydip and become immersed in conversation with him. He wants to see the inside of our motorhome when he arrives at Hondoq tomorrow. Jaydip provides us both with a bowl of warm potato soup made with ingredients from the garden. Yum! 😋 The singer leading us through the evening reads a poem by Clarissa Pinkola Estés. The title is "We Were Made for These Times." Although I don’t understand everything, the text touches me deeply. I will share it with you as a separate footprint.
By the way, I did manage to get up from that low bench—admittedly with the help of a woman sitting behind me, with whom I also struck up a conversation. The situation wasn't embarrassing at all. Somehow, I’m surrounded by a natural sense of care here. On the way to the outhouse, I run into Amanda. She has a delicate, golden piece of jewelry tied around her forehead. On the drive here, we had brought her drum in the motorhome. So, I suspect she wants to perform something. I ask her about it, and she hesitates, not sure if she has enough energy.
Hardly have I returned to the fire when I see Amanda heading to the microphone. She tells the story of how she got the name "Kolibri" (Hummingbird). So, she is Kolibri! She sings the song about it for us, in English and Maltese, interspersed with little funny comments and her throaty laugh that I’ve heard so often at the beach. A wonderful human being. A shaman. My friend. The evening ends with a song that is apparently always sung at the end: "In the end, it's all there is: someone to love and somewhere to live."Read more





