• Nichts ersetzt Hondoq 🏖️

    January 25 in Malta ⋅ 🌬 14 °C

    English text below 👇🏼

    Seitdem wir Hondoq nach dem Sturm verlassen haben, fühlen wir uns fast ein wenig heimatlos. Nirgendwo sind wir so lange geblieben wie dort. Es waren schöne Tage – auch, weil wir den Blick auf die kleine Nachbarinsel Comino genießen und die vorbeifahrenden Schiffe beobachten konnten. Dort hatten wir unser Trampolin aufgestellt, und es gab eine kleine Plattform, auf der ich meine Matte ausrollen und meine Dehnungsübungen machen konnte. Frühmorgens weckte uns die Ankunft der ersten Angler, die ihre Ruten an Stellen auswarfen, an denen die Steine inzwischen längst verschwunden waren. Wenig später führte regelmäßig eine sportliche Gruppe mit Headsets im Ohr ihre Silent Disco auf. Ein Surflehrer ließ seinen Schüler immer wieder im Trockenen üben, den Gleitdrachen optimal zum Wind auszurichten.
    ​Im Laufe des Tages tauchten röhrende Jeeps und Quads voller Touristen auf, die ihre Fotorunde drehten und kurz darauf wieder davonknatterten. Peppi und Cleo entdeckten derweil eine geheime Quelle: Sie fraßen heimlich Katzenfutter an einer Stelle, die uns verborgen geblieben war – bis das Geheimnis schließlich aufflog. Mit vergnügtem Gebell jagten sie außerdem immer wieder, wenn auch völlig erfolglos, den Katzen hinterher.
    Dort in Hondoq haben wir auch Kolibri, Glenn, den ‚Bonzen‘ und Mildred kennengelernt. Glenn ist ein sympathischer Engländer, der am Wochenende von Malta rüberkommt und gerade eine Badewanne in sein merkwürdiges, uraltes Wohnmobil-Projekt einbaut. Direkt daneben hat ein Ostdeutscher sein Luxusmobil auf dicke Steine hochgebockt, als wolle er für immer bleiben. Ab und zu setzt er einen Helm auf und knattert mit seinem dicken Quad davon. Für uns ist er der ‚Bonze‘ geblieben, obwohl wir inzwischen seinen Vornamen kennen.
    Und dann ist da noch Mildred: eine zierliche Frau aus Nigeria mit stylischen Klamotten – bevorzugt Leopardenmuster –, die in der Pflege arbeitet. Sie flüchtete rechtzeitig vor dem Sturm. Als ihr Auto weg war, kam dahinter ihr kleiner Gemüse- und Kräutergarten zum Vorschein. Auch Kolibri hatte sich beizeiten mit ihrem E-Bike zu Freunden aufgemacht. Nur der ‚Bonze‘ hielt furchtlos die Stellung. Die Wellenausläufer schwappten bis unter sein Fahrzeug, und als er seine ‚Arche‘ verließ, wurde ihm klar, dass mächtige Gesteinsbrocken über eine Distanz von etwa 25 Metern bis vor seine Tür gerollt waren. Er hat nun vier Wochen Zeit, sich um ein Räumfahrzeug zu bemühen, um eine Fahrspur freizulegen. Davon würden auch Kolibri und Mildred profitieren. Ein schöner Nebeneffekt: Die Monsterwellen haben einen kleinen, flachen Sandstrand geschaffen, wo vorher nur schwierige Steine im Wasser lagen.
    Seitdem sind wir Nomaden auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Seit vorgestern stehen wir wieder auf dem wassergeschützten Plateau in der Dwejra Bay. Bei schönem Wetter tummeln sich hier die Touristen mit Bussen, Quads und Tuk-Tuks. Es ist beinahe windstill und 17 Grad warm. Ich habe mit Ruperts Hilfe die neue Liege von ‚Charlie’s Second Hand‘ aufgebaut. Darauf liege ich nun und mache meine ‚unsichtbaren‘ Übungen. Ich sehe wohl aus, als würde ich schlafen, aber in Wirklichkeit bin ich hochaktiv: Entspannung und Mikrobewegungen für den Rücken.
    Was für ein herrlicher Tag nach der Durststrecke! Doch mitten in der Nacht ist es schon wieder vorbei: Starke Böen rütteln an unserem Heim. Jetzt sehen wir haushohe Gischt an der Steilküste und Salznebel auf unseren Fenstern. Wir nutzen ein kurzes Sonnenfenster für einen Spaziergang zur St. Anna Kapelle.

    Ever since we left Hondoq after the storm, we’ve been feeling a bit like nomads. We stayed there longer than anywhere else, and we really miss it. It was so peaceful watching the boats pass by with that great view of Comino. We even had our trampoline set up, and there was this perfect little platform where I could lay out my mat for my stretches. Early in the morning, we’d be woken up by the first fishermen casting their lines exactly where the rocks used to be. A bit later, a fitness group would regularly show up for their 'Silent Disco,' headsets and all. A kite-surf instructor had his student practicing on dry land, endlessly adjusting his kite to the wind.
    We met some real characters there: Kolibri, Glenn, 'The Big Shot' and Mildred. Glenn is this cool English guy who comes over from Malta on weekends to install a bathtub in his funky, ancient van project. Right next to him, an East German guy jacked his luxury rig up on massive stones like he was planning to stay forever. Every now and then, he’d pop on a helmet and roar off on his huge quad bike.
    Then there’s Mildred—a petite, stylish woman from Nigeria who works in care and loves her leopard prints. She cleared out just before the storm hit, revealing a hidden little vegetable and herb garden behind her car. Kolibri also headed off on her e-bike to stay with friends. Only 'The Big Shot' held the fort. The waves actually reached underneath his van, and once he stepped out of his 'ark,' he realized massive boulders had rolled 25 meters right up to his door! He’s got four weeks to find a tractor to clear a path, which would help Mildred and Kolibri too. The silver lining? The storm tossed all the jagged rocks onto the shore, creating a beautiful little sandy beach where it used to be impossible to swim.
    Since then, we’ve been wandering. For the last two days, we’ve been back at the protected plateau in Dwejra Bay. When the sun’s out, it’s crawling with tourists in buses, tuk-tuks, and jeeps. It was nearly still and a balmy 17°C, so with Ruperts help, I set up the new lounger we scored at Charlie’s Second Hand in Marsalforn. I spent quite a while on it doing my 'invisible' exercises. I probably look like I'm napping, but I'm actually working hard on those micro-movements and relaxation for my back.
    What a gorgeous day after such a long stretch of bad weather! But by midnight, the peace was gone—strong gusts started rattling the van again. Now, we’re watching house-high spray crashing against the cliffs, leaving a salty mist on our windows. We’re waiting for a break in the clouds to catch a quick walk to St. Anne’s Chapel.
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