• Jabal Tuwaiq - Edge of the world

    January 4 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 17 °C

    Über ausgetrocknete Wadis, Sandwüste und herrliche Landschaft nähern wir uns dem Jabal Tuwaiq. Er ist ein schmaler Steilhang, der die Hochebene von Najd in Zentralarabien durchschneidet. Jabal Tuwaiq erstreckt sich über 800km vom Irak bis zum Nordrand der Rub al-Chali-Wüste. Die Ostseite fällt allmählich ab, während die Westseite abrupt endet. In der Nähe von Riyadh befindet sich eine der atemberaubendsten Landschaften Saudi-Arabiens: Edge of the World, der “Rand der Welt”. Es ist eine mehr als 1 100m hohe Klippe in der kargen Wüstenlandschaft. Wenn man am Rand der Welt ankommt, ist man erstmal überwältigt! Beeindruckt von der Schönheit der steinigen Landschaft, die unendlich erscheint. Man steht an der gigantischen Abbruchkante und schaut ins Nichts. Die trockene Umgebung, die majestätischen Felsen und die ewige Weite ziehen einen völlig in seinen Bann. Der Ausblick ist spektakulär. Unter uns ziehen sich die Wadis wie Adern durch die trockene Landschaft. Wüste und Himmel verschmelzen am Horizont. Die Felsen leuchten in der herrlichen Abendsonne. Wenn nur dieser eiskalte, extrem starke Wind nicht wäre. Er macht es nicht nur sehr ungemütlich und kalt, sondern auch gefährlich. An die Kanten geht man ohnehin nicht allzu nah. Aber wenn einen heute eine Windböe packen würde….
    Für einen kurzen Moment kommt der Gefühl auf I believe I can fly. Wie die Raben sich einfach in den Wind erheben und davontragen lassen. An der Kante entlang gleiten und eine irre Aussicht genießen können. Unser Flug wäre leider nur einmal nach unten und bestimmt nicht sehr aussichtsreich. Also lassen wir das lieber.
    Wir laufen die Kante ein ganzes Stück entlang und weil alle Besucher sich an zwei Punkten sammeln, haben wir nach wenigen Metern die Natur für uns allein. Weiter geht es bis zur nächsten Abbruchkante, die uns ein direktes Weiterlaufen verwehrt. Die Ausblicke in die Tiefe, die Felsformen und das Licht in der Ebene sind atemberaubend. Die Natur hat mal wieder alle Register gezogen. Als die Sonne untergeht, ist es ein fast magischer Moment. In der Tiefe fliegen Raben. Wir hören ihre Rufe bis nach oben. Leider können die Menschen mal wieder nicht leise sein.
    Wir beobachten, wie das letzte Stück der Sonnenscheibe hinter dem Horizont versinkt und laufen Richtung Auto, als plötzlich der Muezzin ruft. Das kann aber gar nicht sein, denn hier gibt es keinen. Wir entdecken einen Mann, der offensichtlich die Texte auswendig kennt und sie in Richtung untergehende Sonne in die riesige Abbruchkante und Weite der Wüste hinein singt. Wer ist hier Bühne? Wer Akteur und wer Zuhörer? Die Natur ist grandiose Kulisse dieses Bühnenstücks und gleichzeitig Zuhörer. Das ist ein unglaublicher Moment, der unter die Haut geht. Diese Stimmung. Das werde ich nie vergessen.

    Was soll ein Land wie Saudi-Arabien machen, wenn die Natur es mit solch gigantischen Orten beschenkt? Der Harrat Viewpoint, das Wadi Disah, die vielen Felsformationen, die herrlichen, roten Sanddünen in der Wüste. Und jetzt hier: Edge of the world. Auch die Geschichte schenkt mit den Gräbern von Hegra, den Felsen voller Petroglyphen und herrlichen alten Lehmstädten so viele gigantische Orte. Da muss Saudi-Arabien doch auch weiterhin mithalten. Es bleibt doch nur, jedes Gebäude, jede Metrostation, jede neue Straße noch gigantischer zu bauen. Ob der Gigantismus irgendwann an seine Grenzen stößt? Es scheint so. Viele der gigantischen Projekte, die das Land plante, sind im Sande verlaufen, weil sie schlicht nicht realisierbar sind. Das gigantische NEOM Projekt zeigt dies bereits deutlich. Wir sind heute auch an der gigantischen Baugrube für den Mukaab Würfel entlanggefahren. Ob er wirklich gebaut werden kann? Wir werden sehen und können es Saudi-Arabien nur wünschen.
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