• Altstadt Al Ulas

    December 25, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 20 °C

    Zu den Sehenswürdigkeiten in Al Ula gehört die Altstadt, die vom 12. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts bewohnt war. Hier wurden die alten Lehmhäuser zum Glück nicht abgerissen und durch moderne Gebäude ersetzt. Die Altstadt besteht aus etwa 900 Häusern, die alle miteinander verbunden sind. Die Bewohner versuchten, sich vor unerwünschten Gästen zu schützen und verwandelten die Stadt quasi in eine Festung. Früher durfte man die labyrinthartigen Gassen nur dann betreten, wenn man jemanden aus der Stadt kannte.
    Die Häuser waren auch hier zweistöckig. Unten gab es Lagerräume für Lebensmittel, Empfang für die Gäste und oben wurde gekocht und geschlafen.
    Zwischen den Häusern findet man an manchen Stellen Verbindungen. Diese wurden gebaut, wenn aus zwei benachbarten Häusern zwei junge Menschen geheiratet haben. Das Pärchen bekam das Zwischenzimmer, zu dem beide Familien einen Zugang hatten. Viel Privatsphäre hatte das Brautpaar also nicht.
    Die Altstadt von Al Ula wurde nur in der Winterzeit bewohnt. Im Sommer sind die Menschen in ihre Häuser in der Oase gezogen. Es war auch praktisch, einen zweiten Wohnsitz zu haben, da die Lehmhäuser ständig repariert werden mussten.
    In der Stadt sieht man einen dreieckigen Turm, der als Sonnenuhr (Tantora) diente. Um ihn herum wurden Steine mit regelmäßigen Abständen platziert. Wenn der Schatten von einem Stein zum Nächsten gewandert ist, hat die nächste Familie Wasser für ihre Felder bekommen.
    Innerhalb unserer geführten Altstadttour kommen wir in ein Haus und können dieses von Sinnen ansehen. Jetzt werden wundervolle Erinnerungen an den Oman wach. Völlig allein sind wir dort durch die alten Lehmstädte gewandert. Waren in allen Häusern, sind die Treppen hinaufgestiegen, haben teilweise noch Einrichtungsgegenstände entdeckt, haben die Bauweise studiert. Das war eine Entdeckungsreise und für einen damals 11 jährigen ein Abenteuer. Genau jetzt wird uns bewusst, dass wir es damals viel zu wenig geschätzt haben, die Orte so frei erkunden zu dürfen. Hier dürfen wir in ein Haus, das extra aufgeschlossen worden ist. Die Treppe dürfen wir nicht betreten und die Wände nicht anfassen. Ein Showhaus. Kurz darauf besteigen wir die 2500 Jahre alte Festung. Die Aussicht auf das alte Al Ula ist toll. Jetzt wird sichtbar, dass jeweils nur der äußere Rand der Ortschaft renoviert wurde. So sieht das für die Touristen schön aus. Man ist dabei, aber es wird noch einige Jahre dauern, bis die gesamte Stadt restauriert sein wird. Seit 45 Jahren wurde hier nichts mehr gemacht. So sieht es auch aus. Alles ist eingestürzt und kaputt. Zum Glück wird dagegen nun etwas unternommen. Es wird aber kein spannender Ort werden, sondern ein Ort mit wohl organisierten Spaziergängen, ausgesuchten Geschäften und Unterkünften für den ganz großen Geldbeutel. Da niemand im Ort lebt, wird er tot wirken. Schade. Mehr war während der Stadtführung nicht zu erleben. Ein teures Eintrittsticket für eine Festung. Aber sonst kann man sie nicht sehen,

    Al Ula ist eigentlich eine unheimlich spannende Stadt mit vielen Möglichkeiten, sich auf eine Reise in die Welt vergangener Zivilisationen zu begeben. Der Staat hat dieses Potential erkannt und baut die Stadt zum Musterbeispiel des neuen Tourismuskonzeptes aus. Leider ist dieses Konzept nicht sehr freundlich gegenüber Individualreisenden. Denn einfach alles muss als Tour organisiert werden! Keine der Attraktionen ist ohne Terminbuchung, ohne Eintrittspreis möglich. Selbst in der historischen Altstadt von Al Ula kann man sich nicht überall frei bewegen und benötigt Touren. Dieses Konzept passt leider gar nicht zu meiner Vorstellung von Tourismus und ich hoffe, dass sich parallel dazu auch noch nachhaltige Möglichkeiten für Reisende wie mich finden werden. Was mir auch sehr unangenehm aufgestoßen ist: im gesamten Land sind die Verkehrsschilder zweisprachig und das Tankstellennetz gut ausgebaut. Hat man den internationalen Flughafen von Al Ula hinter sich gelassen und fährt Richtung Zentrum sind die Straßenschilder nur noch auf arabisch und alle Tankstellen, die es laut Google.maps gibt, sind verschwunden. Verlässt man den touristischen Teil, sind die Schilder wieder zweisprachig und man findet auch sofort eine Tankstelle. Was soll das? Will man den Touristen klar machen, dass sie sich nur in einer Reisegruppe bewegen können, weil es aufgrund der Sprache ansonsten unmöglich ist? Ich komme mir hier etwas… vor. Allerdings merken wir, dass wir nicht wirklich erwünscht sind, nicht aber als Individualreisende. Ansonsten natürlich schon, solange wir in der Gruppe bleiben, keine eigenen Ideen haben und Geld ausgeben.

    Nichtsdestotrotz gehört Al Ula natürlich zu jeder Saudi-Arabien Reise und die fehlende Flexibilität und die Reglementierungen sind einfach eine Kröte, die man schlucken muss. Es lohnt sich auf jeden Fall! Allein die Landschaft, die die Oase umgibt, ist grandiose Natur vom Feinsten.

    Eine Übersicht über alle Touren und Buchungen gibt es auf der Webseite von Experience Al Ula. Hier wird alles geboten, was man sich nur vorstellen kann. Shows, Konzerte, Dinner, Nachttouren….. Es nimmt kein Ende. Der Ort ist vermutlich der mit der höchsten Tourenangebotsdichte der Welt. Man muss auf jeden Fall im Voraus buchen.
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