• Dadan & Jabal Ikmah

    December 25, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☁️ 13 °C

    Das Wetter gleicht hier einer Achterbahnfahrt. Morgens und abends richtig kalt. Ok, das ist ja kein Problem. Dafür gibt es Jacken. Wegen der kalten Temperaturen haben wir gestern im Hotel sogar eine Heizung bekommen, die wir gerne angeschaltet haben. Immerhin war es die letzten Tage so, dass der Himmel gegen Mittag, spätestens Nachmittag, herrlich blau war und die Sonne geschienen hat. Also perfekt. Nur der Morgen war wolkig mit wenig Sonne. So kam ich bisher als Blauer-Himmel-Sonne-Mensch voll auf meine Kosten. Heute ist es so grau, wie es grauer nicht sein könnte. Die Wolken hängen tief und der Standort der Sonne lässt sich nicht erahnen. Da man hier alle Touren Wochen im Voraus buchen muss, sind wir unflexibel und können nicht umplanen. Schade. Aber wir sind optimistisch, dass es wie bisher am Nachmittag wieder aufklart. Also: Daumen drücken. Dennoch bleibt es heute lange kalt und wir kaufen Pullover. Die warme Jacke reicht schlicht nicht aus, wenn man nur ein T-Shirt drunter an hat.

    Die Ruinen, die heute zu sehen sind, waren die alte Hauptstadt von zwei Königreichen. Die erste Periode umfasst die Zeit zwischen dem späten 9. und dem frühen 8. Jahrhundert v. Chr. und es war die Phase des biblischen Königreichs Dadan. Das Königreich Lihyan existierte zwischen dem 5.–2. Jahrhundert v. Chr.
    Dadan kann man ebenfalls nur im Rahmen einer Tour besichtigen. Buchung ist auf der Seite https://www.experiencealula.com möglich.
    Wir starten auf die Minute pünktlich. Der Busfahrer fotografiert die Uhr, schickt das Bild über Whats App ab und wir fahren los. Was für ein Kontrollstaat. Als wir Dadan erreichen, werden wir erwartet und uns sofort klar gemacht, dass wir 10 Minuten Zeit für das Museum haben. Nichts wie los. Etwas mehr Zeit wäre schön gewesen. Danach besichtigen wir die Löwengräber, die hoch in der Felswand eingemeißelt sind. Zwei schöne Gräber. Nach einer kurzen Busfahrt erreichen wir die Stadt Dadan, von der heute noch einige flache Mauerreste und viele Steine übrig geblieben sind. Der Audioguide erzählt begeistert, von der strategisch genialen Lage dieser tollen Stadt und dann stehen wir voller Erwartungen vor einige Steinhaufen. Das ist selbst für meinen archäologieverrückten Sohn etwas enttäuschend. Wenn es wenigstens etwas wärmer und sonniger wäre, würde man in den graubraunen Steinhaufen vielleicht auch etwas mehr entdecken können.

    Über Jahrtausende nutzten Menschen aus verschiedenen Kulturen die glatten Wände des Jabal Ikmah für ihre Bilder und Schriften und machten ihn so zu einer steinernen Bibliothek, die uns von der Vergangenheit erzählt. Man findet hier uralte Petroglyphen und Tausende weitere Inschriften in alten, vorarabischen Sprachen. Die frühesten dokumentierten Beispiele für geschriebenes Arabisch wurden hier entdeckt. Außerdem entdecken wir viele Abbildungen von Kamelen, Stieren, einem Löwen, sowie Händen, die sich in so vielen Kulturen finden. Leider ist auch hier die Zeit limitiert. Freundlich aber unmissverständlich wird uns mal wieder klar gemacht, dass die Zeit um ist und wir zu gehen haben. Ich glaube, die perfekten Touristen für dieses Land sind Japaner und Chinesen in Reisegruppen, die aus dem Bus springen, ihre fünf Fotos schießen und sofort zur nächsten Sehenswürdigkeit weitereilen wollen. Schließlich will man in 7 Tagen 10 Länder bereisen. Aber so langsame Reisende wie wir, die intensiv gucken wollen, sind nicht erwünscht.
    Wir begeben uns zu einem überdachten Bereich und beginnen unseren Stein-Workshop. Mit der Zinnbearbeitung kennen wir uns ja nun schon ein wenig aus unserem letzten Urlaub aus. Heute halten wir einen Stein in der Hand. Mit Hammer und Meißel bearbeiten wir ihn. Es macht Spaß und ich bin erstaunt, wie gut das klappt. Bei jedem Schlag denke ich: bitte nicht abrutschen, bitte treffen. Und oh Wunder - ich treffe. Am Ende halten wir jeder einen schön beschlagenen Stein in der Hand. Leider heißt es auch hier wieder: Time is over. Go to the bus. Mein Gott, wenigstens ein paar Minuten mehr. Es gibt hier auch Kinder, die gerne noch weitergemeißelt hätten. Aber nein. Die Stoppuhr läuft. Pünktlich auf die Minute erreichen wir wieder den Parkplatz, auf dem unser Auto auf uns wartet.
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